Archiv der Kategorie: Gemeinschaft

Ich habe die Hauskirche neu entdeckt

Für mich ist das, was wir aktuell an „Krise“ in unserer verfassten Kirche erleben wie ein Auftrag, noch einmal auf gute Modelle aus unserer Geschichte zu blicken und aus ihnen kreativ zu lernen.

Weihbischof Matthäus Karrer und Dr. Katrin Brockmöller sprechen über die Wiederentdeckung der Hauskirche in der Pandemie und eine neue Broschüre dazu.

Quelle: Die Hauskirche neu entdeckt – Neue Broschüre erschienen

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Gemeinschaft mit wem?

Oft höre ich in Predigten: Wir haben eine Gemeinschaft mit Christus. Dies führt, so schreibt Michael Böhnke, „ein wenig in die Irre. Die Gläubigen haben streng genommen keine Gemeinschaft mit Christus. Vielmehr bewirkt die Gemeinschaft das Heiligen Geistes, in der sie leben, weil sie den Heiligen Geist in der Taufe empfangen haben, die Verwandtschaft mit Christus, indem er, der Geist Gottes, die Gläubigen zu Brüdern und Schwestern des Auferstandenen macht. Mit Christus können die Gläubigen deshalb – das heißt aufgrund der geistvermittelten Gottesverwandtschaft – Gott im „Vater unser“ als unseren Vater anreden.“

Die Gemeinschaft im Heiligen Geist ist damit die Grundlage von allem anderen. Dieser erste Schritt, um die Gemeinschaft im Heiligen Geist zu bitten, wäre ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.

Quelle: Michael Böhnke, Gottes Geist im Handeln der Menschen. Praktische Pneumatologie. Herder. 2016. 217

Quelle der Gesundheit

Heute fahre ich zu einem Freund, der wieder in die Kirche eintritt. Er hat Freunde gefunden, die sehr achtsam miteinander umgehen.
Wie dünn die Wand zwischen Himmel und Erde ist, sehe ich, wenn ich im Evangelium von einer kranken Frau lese, die Jesu Gewand berührt und aufhört zu bluten. Eine Quelle tut sich bei Jesus auf, die Quelle Gottes und seines Geistes. Jesus merkt, dass aus ihm Kraft ausströmt. Dieser göttliche Lebensstrom heilt nicht nur die Frau, sondern auch uns. Wir besingen diese Quelle der Liebe und der Heilung in Liedern:

  • Herr, gieße Ströme lebendigen Wassers aus über uns. (Link1)
  • Fließ, Gnadenstrom, überflute dies Land mit Liebe! (Link2 Link3)
  • Der Geist des Herrn erfüllt das All – er lässt die Wasser fluten (Link4, GL 347).

Wir merken, wie Jesus erfüllt ist von dir, Heiliger Geist. Da bitten wir dich, dass du uns ebenfalls zum Werkzeug deiner Liebe und deiner Heilung machst.

Jesus ist weggegangen. Was nun?

Christus ist zu seinem Vater gegangen und hat die Jüngerinnen und Jünger mit der Erinnerung an seine Wunder, seine Taten, sein Leiden und seine Worte allein gelassen. Es ist kein endgültiger Abschied, denn er hat uns versprochen, dass er wiederkommt.
Wenn Jesus zu seinem Vater geht, dann sind wir aber allein.

Wir, das Volk, die Versammlung, die Kirche wird ohne Jesus arm. Die Priester, Bischöfe und der Papst in Rom können nicht so tun, als würden sie als Stellvertreter Jesu in seiner Macht handeln. Denn dann müsste er anwesend sein, was er nicht ist. Papst Franziskus hat das angedeutet: Ich will eine arme Kirche. Arm sind wir, wenn Jesus nicht mehr da ist.

Zehn Tage nach Christi Himmelfahrt kommt aber jemand zu uns, der unsere Einsamkeit aufhebt. Der Heilige Geist kommt auf uns herab. Es ist Gott, der sich als Geist offenbart. Seit 2000 Jahren leben wir Christinnen und Christen mit diesem Schöpfer Geist.

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Ich bin der Weinstock und ihr schützt das Klima

Ein Weinstock hat normalerweise gute Reben, die Früchte tragen. Andererseits gibt es Zweige, die keine Früchte hervorbringen und nur wachsen. Sie müssen abgeschnitten werden. So denke ich, muss es auch in unserer Wirtschaft zugehen. Jene Bereiche, die nur wachsen, aber keine Früchte tragen, müssen abgeschnitten werden.

Obwohl heuer der April sehr viel kälter war, sagen die Meteorologen, dass das Klima immer wärmer wird. Das CO2, das bei der Verbrennung entweicht, und das Methan, das die Kühe produzieren, bewirken einen Treibhauseffekt, sodass unsere Atmosphäre immer wärmer wird. Man kann etwas dagegen unternehmen. Mein Nachbar fährt ab 4. Mai wieder Personen mit dem E-Auto des Vereins E-Mobil Pressbaum. Auch wir versuchen unseren Lebensstil umzustellen und im Kleinen gegen die Erwärmung der Atmosphäre zu kämpfen. Warum wir das tun? Aus Verantwortung den nächsten Generationen gegenüber und weil wir die Schöpfung Gottes nicht zerstören wollen.

Papst Franziskus rief in seinem Brief Laudato Si die Weltgemeinschaft zu einem fundamentalen Umdenken und jeden Einzelnen zu einem umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil auf. Der Vorteil liegt darin, dass es einen Zusammenhalt fördert, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Auch gibt es einen wirtschaftlichen Aufschwung mit neuen Jobs und Innovationen, wenn wir klimafreundliche Maßnahmen treffen. Jesu Spruch „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ kann man im Heiligen Geist umwandeln in: „Ich bin der Weinstock und ihr schützt das Klima.“ (Joh 15,1-8)

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Gib dem Kleinen eine Chance

Er lässt das Kleine wachsen

Wenn ich etwas nicht machen kann, dann tut es gut, wenn ich es vor Gott hinlege. Ich kann nicht alles ändern. Auch mit anderen zusammen kann ich nicht alles ändern. Das meiste entzieht sich meiner Kontrolle. Das ist typisch für das Leben. Dahinter wirkt Gott. Er hält alles in seiner Hand zusammen und lässt es wachsen. Paulus schreibt an die Korinther: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ es wachsen. Gott lässt auch sein Reich wachsen. Er ist ein Vorbild für mich. Er schenkt uns Talente, aber wir können sie entwickeln. Bei Jesus geht es um das Kleine, um den kleinen Samen, der wächst. Es geht ihm um die kleinen Talente, die bei den Menschen wachsen.
Es geht ihm um die kleinen Gemeinschaften, die wachsen. Auch unsere Gottesdienstgemeinde war eine kleine Gemeinde. Auch sie ist mit Gottes Hilfe gewachsen. Es gibt aber auch innerhalb der Gemeinde kleine Gemeinschaften, die wachsen. Das ist wunderbar. Es zeigt mir, dass wir wie Paulus mit Kleinem beginnen können. Wir können wie Apollos das Kleine begießen. Wir können darauf vertrauen, dass Gott das Kleine beschützt, sodass es wachsen kann – unsere kleinen Gemeinschaften und unsere kleinen Talente.

Sicherer Gottesdienstbesuch

Wir hoffen, dass niemand an Corona erkrankt und es soll sich niemand bei der Feier des Gottesdienstes anstecken. Im Kirchenraum machen wir einerseits sichere Vorkehrungen, wie in anderen Kirchen auch. Andererseits müssen wir gewährleisten, dass ein Nachverfolgen, wer wo gesessen ist, möglich ist.

  1. Wir sperren jede zweite Bankreihe, damit genug Abstand ist. In jeder Bank können zwei sitzen.
  2. Wir sperren die erste Reihe vor dem Chorgestühl. Neu: Im Chorgestühl müssen zwei Plätze rechts und links frei bleiben.
  3. Wenn die Personen in einem Haushalt leben, gilt der Abstand nicht und es können alle zusammen sitzen.
  4. Die Sitze sind nummeriert und jede Person schreibt auf einen Namenszettel ihre Sitznummer.
  5. Die Zettel werden gesammelt und 28 Tage aufbewahrt.

Ich liebe diese Trennung von Religion und Staat, wie sie sich in der Westkirche durchgesetzt hat. Der heilige Augustinus hat als erster irdischen Staat und Gottesstaat durchdacht. Den irdischen Staat erlebe ich, wenn es heißt: Masken tragen oder Abstand halten. Den Gottesstaat erlebe ich in der Messe, wenn wir durch Gott im Brot und durch die Sehnsucht danach eine tiefe Gemeinschaft werden.
Könnte es sein, dass Gott und sein Geist in diesen Tagen beginnt, unsere Gemeinschaft zu erneuern?
(Katholische Gottesdienstgemeinde Sacré Coeur, 3021 Pressbaum, Klostergasse 12, Österreich)

Das unbekannte Lebewesen

LebendigEs gibt viele Lebewesen, die beschützt werden müssen. Bienen sind gefährdet, sie brauchen wir, damit unsere Obstblüten bestäubt werden. Unsere Haustiere beschützen wir. Sie sind uns ans Herz gewachsen. Sorgen bereiten uns unsere Kinder, die wir fördern, fordern und beschützen. Ein Lebewesen ist mir bis jetzt in Vergessenheit geraten. Ich bin so froh, dass mich Romano Guardini daran erinnert hat. Es ist ein Lebewesen, das im Zentrum den Sohn Gottes hat. Ich bilde mit anderen dieses Lebewesen, indem wir, Christinnnen und Christen, eine Beziehung zu Jesus pflegen. Aber vor allem beatmet Christus dieses Lebewesen, weil er in diesen Freundschaften lebt. Paulus nennt es den mystischen Leib Christi. Er ist wie ein Lebewesen, das atmet und das seit 2000 Jahren – und vielleicht die nächsten 2000 Jahre. Das Atmen ist ein Geben und Nehmen. Im Evangelium sagt Jesus: „Mein Vater liebt mich, weil ich das Leben für euch hingebe und es wieder nehme.“ In diesem Lebewesen leben wir, atmen wir, weinen wir, lachen wir, geben wir und nehmen wir – verbunden mit Christus. Ich möchte dir für so vieles danken, Gott!

Zygmunt Bauman: Gemeinschaft statt Vereinsamung

Mit Jesus über das Wasser gehenDie Freundschaft mit Jesus vertreibt die innere Leere.
Ich hörte den Soziologen und Philosophen Zygmunt Bauman (2017 gestorben) in „Kreuz und Quer“ (ORF) und fand es interessant, was er zur Lage mancher (unserer?) europäischen Wertvorstellungen sagt. Das Interview ist am Ende einer Doku über die unglücklichen Schweden. Ich habe seine Gedanken verschriftlicht und mit einer Einleitung versehen. Was sagt ihr dazu?
Ist die Vereinsamung das Ziel?
Wenn Menschen alleine in ihren Wohnungen sterben und erst nach Monaten gefunden werden, dann wird unsere Gesellschaft angeklagt: Warum haben die Nachbarn nichts gemerkt? Gab es keine Gemeinschaft in der Nachbarschaft? Aber diese Vorwürfe greifen zu kurz. Die Vereinsamung wird hervorgerufen, weil die meisten nur „unabhängig“ leben wollen. Neben dem sinnvollen Streben gibt es das krankhafte Streben nach Unabhängigkeit, das Liebe, Beziehung und Gemeinschaftssinn verhindert. Das Selbst oder das Ich wird über alles gestellt. Ich denke mir, Jesus lädt uns zur Gemeinschaft ein und die Beziehung zum dreifaltigen Gott vertreibt die öde innere Leere.

In der Dokumentation über die unglücklichen Schweden (Liebe auf Schwedisch, ORF 9.1.2018) sagt Zygmunt Bauman:

„Es stimmt nicht, dass ein störungsfreies Leben Glück bedeutet. Ein glückliches Leben, das heißt Schwierigkeiten überwinden, mit Problemen kämpfen, Lösungen finden, sich Herausforderungen stellen, sie meistern. Man stellt sich den Herausforderungen, gibt sein Bestes, strengt sich an und wenn man die Herausforderungen gemeistert hat, das Schicksal bezwungen hat, dann verspürt man Glück. Genau diese Freude beim Überwinden von Schwierigkeiten, beim Meistern von Problemen, dieses Glücksgefühl geht verloren. Es geht verloren, wenn die Bequemlichkeit wächst.
Wir haben alles, es gibt genug Vorräte um Hunger und Armut fern zu halten. Aber eines fehlt. Eine Sache, die der Staat nicht geben kann, die Politik nicht bereitstellen kann, das ist unter anderen Menschen zu sein, mit anderen zu leben, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das muss man selbst schaffen. Menschen, die zur Unabhängigkeit erzogen werden, verlieren die Fähigkeit, das Zusammenleben mit anderen auszuhalten. Die Fähigkeiten zur Sozialisierung fehlen. Das ist schrecklich ermüdend, kostet große Mühe, verlangt eine Menge Aufmerksamkeit.
Es ist ein Prozess des Verhandelns und neu Verhandelns, des Diskutierens, des Zustimmens und des kreativen Erneuerns. Unabhängigkeit raubt dir die Möglichkeit, dies zu tun.
Wir teilen heute unser Leben in zwei verschiedene Welten. Online und offline. Verbindend und trennend. Das Online-Leben ist in großem Maße frei von Risiken, von Lebensrisiken. Es ist so einfach im Internet Freunde zu finden. Man spürt nie wirklich die eigene Einsamkeit. Wenn man die Einstellung von anderen Usern nicht mag, dann stoppt man einfach die Kommunikation mit ihnen.
Offline ist man unweigerlich mit der Realität der menschlichen Vielfalt konfrontiert. Menschen sind verschieden: Passanten, Fremde. Man muss sich mit der Notwendigkeit des Dialogs, des Gesprächs auseinandersetzen. Man muss der Tatsache ins Auge blicken, dass die Menschen sehr verschieden sind. Im Gespräch miteinander wissen wir nie, wie der Dialog endet. Vielleicht stellt sich dabei nicht heraus, dass man selbst weise ist und die anderen dumm, sondern alle anderen weise sind und man selbst ist dumm.
Die Unabhängigkeit raubt dir die Fähigkeit, all das zu tun. Je unabhängiger man ist, desto weniger ist man in der Lage, diese Unabhängigkeit durch eine sehr angenehme gegenseitige Abhängigkeit zu ersetzen. Am Ende der Unabhängigkeit steht also nicht etwa das Glück, sondern die Leere, die Bedeutungslosigkeit des eigenen Daseins und absolute, vollkommene unvorstellbare Langeweile.“ http://tvthek.orf.at/profile/kreuz-und-quer/8598576

In Ö1 wurde das letzte Buch von Zygmunt Bauman mit dem Hinweis auf Papst Franziskus vorgestellt. https://te7d45880.emailsys1a.net/c/71/1305239/1832/0/29779837/128/88431/5f8ab54087.html