Archiv der Kategorie: Gott

Die Natur ist Gebet

Die ganze Natur ist voller Stimmen, alles in ihr ist Gesang, Musik und Tönen. Alle Wesen flüstern oder seufzen, gurren, trillern, pfeifen, brüllen, jaulen, ächzen, wimmern, schreien, weinen oder klagen. Der Gesang der Grillen und Zikaden, das Quaken der Frösche, der Pfiff, mit dem sich die gestreiften Eichhörnchen rufen, alle Stimmen der Natur sind Gebet.

Auch die menschliche Stimme ist ein Gebet. Aus diesem Grunde ziehen sich die kontemplativen Mönche ins Schweigen zurück. Sie haben ihre Stimme einzig dem Chorgesang geweiht, weil sie verstanden haben, dass ihre Stimme Gebet ist.

Und die Natur ist auch voller Symbole, die zu uns vor Gott sprechen. Die ganze Schöpfung ist die Schönschrift Gottes. Und in seiner Schrift gibt es nicht ein sinnloses Zeichen.

Der Schriftzug der Meteore am Himmel und die Spur der Kriechtiere im Sand, der Flug der Zugvögel in den Herbstnächten und der Weg der Sonne durch die Wendekreise, die Jahresringe im Stamm einer Zeder und die Schlangenlinien der Flüsse in einer Luftaufnahme, alles sind Zeichen die uns Botschaften übermitteln. Wir müssen nur verstehen, sie zu lesen.

Ernesto Cardenal, Gottes Ebenbild. Aus: Das Buch von der Liebe. In: Die Stunde Null. Aus dem Spanischen von Anneliese Schwarzer de Ruiz, Wuppertal, 1979, 2. Auflage, S. 281-283
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Quelle der Gesundheit

Heute fahre ich zu einem Freund, der wieder in die Kirche eintritt. Er hat Freunde gefunden, die sehr achtsam miteinander umgehen.
Wie dünn die Wand zwischen Himmel und Erde ist, sehe ich, wenn ich im Evangelium von einer kranken Frau lese, die Jesu Gewand berührt und aufhört zu bluten. Eine Quelle tut sich bei Jesus auf, die Quelle Gottes und seines Geistes. Jesus merkt, dass aus ihm Kraft ausströmt. Dieser göttliche Lebensstrom heilt nicht nur die Frau, sondern auch uns. Wir besingen diese Quelle der Liebe und der Heilung in Liedern:

  • Herr, gieße Ströme lebendigen Wassers aus über uns. (Link1)
  • Fließ, Gnadenstrom, überflute dies Land mit Liebe! (Link2 Link3)
  • Der Geist des Herrn erfüllt das All – er lässt die Wasser fluten (Link4, GL 347).

Wir merken, wie Jesus erfüllt ist von dir, Heiliger Geist. Da bitten wir dich, dass du uns ebenfalls zum Werkzeug deiner Liebe und deiner Heilung machst.

Dreifaltigkeit: Drei Freunde

Drei Freunde treffen sich.

Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. Sie schauen auf die Erde hinunter. Da stößt der Vater den Sohn an: „Was sagst? Da läuft doch einiges schief.“ Der Sohn zum Vater: „Ich halte das nicht aus. Ich geh.“ Darauf der Geist: „Da komm ich mit.“ Der Vater meinte dazu: „Na gut, aber passt aufeinander auf.“

Diese Szene habe ich erfunden, aber die Figuren habe ich nicht erfunden. Die Personen haben sich in der Menschheitsgeschichte gezeigt. Gott kann man nicht erfinden, jedenfalls nicht so einen Gott. Es ist der Gott, der uns erfindet. Das habe ich erfahren: Nicht ich erfinde Gott, sondern Gott erfindet mich. So ist es auch mit dem Glauben. Nicht ich glaube an Gott, sondern Gott glaubt an mich. Obwohl immer wieder Zweifel aufkommt, wie er an jemanden wie mich glauben kann.

Auch Moses hatte bei seiner Berufung Bedenken, dass er nicht gut reden konnte. Gott glaubte an ihn. Und obwohl Simon Petrus den verhafteten Jesus drei Mal verleugnete, glaubte Jesus an ihn: „Du bist der Fels, auf den ich meine Gemeinschaft baue.“

Aber der Sohn ging zum Vater und baute seine Gemeinschaft nicht auf. Da musste Gott noch einmal kommen. Aber Überraschung: Gott kommt jetzt als Heiliger Geist. Der baut seine Gemeinschaft auf. Die Vorteile liegen auf der Hand: Er kann immer anwesend sein. Er kann immer gerufen werden. Er glaubt an uns.

Gott leidet in Solidarität mit uns

Bei einer Gerichtsverhandlung wird Gott angeklagt. Die Situation ist fiktiv.

Am Ende der Zeit versammelten sich Millionen Menschen auf einer riesigen Ebene vor dem Thron Gottes. Viel schauten ängstlich in das helle Licht, das ihnen entgegen strahlte. Aber es gab auch einige Gruppen von Menschen, die sich hitzig miteinander unterhielten. Die Umgebung schien sie nicht zu beeindrucken.

„Wie kann Gott über uns zu Gericht sitzen? Was versteht er schon von unserem Leiden?“ fauchte ein Mädchen und zeigte eine tätowierte Nummer aus einem Konzentrationslager.

Aufgeregt rief ein junger Mann: „Gelyncht wurde ich nur darum, weil ich schwarz bin. In Sklavenschiffen hat man uns erstickt. Wie Tiere mussten wir arbeiten – bis uns der Tod die Freiheit schenkte.“

Überall auf der Ebene wurden jetzt die ärgerlichen Stimmen laut. Jeder richtete klagen an Gott, weil er das Böse und das Leiden in der Welt zugelassen hatte. Wie gut hatte es Gott im Himmel, in all der Schönheit und Heiligkeit zu wohnen. Ja, konnte sich Gott überhaupt vorstellen, was der Mensch auf der Erde erdulden musste?

Es bildeten sich Gruppen, und jede wählte einen Sprecher. Immer war es derjenige, der am meisten gelitten hatte. Da war ein Jude, eine Schwarze, ein Inder, eine Uneheliche, ein Krebskranker, ein Opfer aus Hiroshima und jemand einem Lager in Sibirien. Sie alle waren sich darin einig, dass Gott, bevor er sie richten dürfte, selbst alle Leiden erdulden sollte, die sie erduldet hatten. Ihr Urteil lautete:

Gott sollte dazu verurteilt werden, auf der Erde zu leben – als Mensch!

Aber da Gott ja Gott war, hatten sie bestimmte Bedingungen gestellt. Er soll keine Möglichkeit haben, aufgrund seiner göttlichen Natur sich selbst zu helfen. Und dazu hatten sie sich folgendes ausgedacht:

Er sollte als Jude geboren werden. Die Legitimität seiner Geburt sollte zweifelhaft sein. Niemand sollte wissen, wer der Vater war. Er sollte versuchen, den Menschen zu erklären, wer Gott sei. Er sollte von seinen engsten Freunden verraten werden. Er sollte aufgrund falscher Anschuldigungen angeklagt werden, von einem voreingenommenen Gericht verhört und von einem feigen Richte verurteilt werden.

Schließlich sollte er selbst erfahren, was es heißt, völlig allein und verlassen von den Menschen zu sein. Er sollte gequält werden und dann sterben. Und das sollte in aller Öffentlichkeit geschehen und zwar so schrecklich, dass kein Zweifel daran bestehen konnte, dass er wirklich gestorben war. Dazu sollte es eine riesige Menge von Zeugen geben.

Während jeder Sprecher seinen Teil des Urteils verkündigte, erhob sich ein großes Raunen in der Menschenmenge und als der letzte gesprochen hatte, folgte ein langes Schweigen.

Alle, die Gott verurteilt hatten, gingen leise fort. Niemand wagte mehr zu sprechen, jeder war sich seiner Sünde bewusst. Denn plötzlich wussten alle: Gott hatte die Strafe in der Gestalt Jesu schon auf sich genommen.

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Ich finde, Gott hat keine Strafe auf sich genommen, sondern ist seinen Weg der Solidarität gegangen. Und der Heilige Geist war dabei.

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)
„Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)
„Frau, siehe, dein Sohn!“ und: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26-27)
„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mk 15,34; Mt 27,46)
„Mich dürstet.“ (Joh 19,28)
„Es ist vollbracht.“ (Joh 19,30)
„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46)

Abwesenheit von Evidenz ist nicht Evidenz von Abwesenheit. Etwas einfacher ausgedrückt: Wenn man etwas nicht findet, bedeutet das nicht, dass es nicht existiert. So ist es auch bei Gott. Wenn man Gott nicht findet, bedeutet das nicht, dass er nicht existiert. Wenn hingegen Gott sich offenbaren möchte, so stellen sich diese Fragen: Wie kann er das tun ohne unsere Freiheit einzuschränken? Wie können wir Menschen den Unterschied bemerken, ob das die Offenbarung ist oder eine Erscheinung der Dinge dieser Welt sind? Brauchen wir dazu den Heiligen Geist?

Mijou Kovacs: „Ich lasse mich nicht verbiegen“

„Ich lasse mich nicht verbiegen“ Mijou Kovacs: Sie wuchs nicht nur zweisprachig, sondern zwischen zwei Welten auf. Ihre doppelte Herkunft prägte die Schauspielerin Mijou Kovacs auch in der Auswahl ihrer Rollen. Am Höhepunkt ihrer internationalen Karriere war sie trotz ihres Erfolges innerlich ausgebrannt.

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Thomas Bernhard: Ich bin so allein

Am 9. Februar 2021 wäre Thomas Bernhard 90 Jahre alt geworden.
Mir gefallen seine ausdrucksstarken Texte. Zwei Texte veröffentlichte er 1958, die mir sehr nahe gehen.

Der eine beginnt mit:
Ich weiß keine Straße mehr die hinaus führt
ich weiß keine Straße mehr
komm hilf
ich weiß nicht mehr was mich befallen wird in dieser Nacht
ich weiß nicht mehr was Morgen ist
und Abend
ich bin so allein
o Herr
und niemand trinkt mein Leiden
keiner steht an meinem Bett
und nimmt die Qual mir ab
und schickt den Wolken mich
und grünen Flüssen
die ins Meer hinrollen …

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Gib dem Kleinen eine Chance

Er lässt das Kleine wachsen

Wenn ich etwas nicht machen kann, dann tut es gut, wenn ich es vor Gott hinlege. Ich kann nicht alles ändern. Auch mit anderen zusammen kann ich nicht alles ändern. Das meiste entzieht sich meiner Kontrolle. Das ist typisch für das Leben. Dahinter wirkt Gott. Er hält alles in seiner Hand zusammen und lässt es wachsen. Paulus schreibt an die Korinther: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ es wachsen. Gott lässt auch sein Reich wachsen. Er ist ein Vorbild für mich. Er schenkt uns Talente, aber wir können sie entwickeln. Bei Jesus geht es um das Kleine, um den kleinen Samen, der wächst. Es geht ihm um die kleinen Talente, die bei den Menschen wachsen.
Es geht ihm um die kleinen Gemeinschaften, die wachsen. Auch unsere Gottesdienstgemeinde war eine kleine Gemeinde. Auch sie ist mit Gottes Hilfe gewachsen. Es gibt aber auch innerhalb der Gemeinde kleine Gemeinschaften, die wachsen. Das ist wunderbar. Es zeigt mir, dass wir wie Paulus mit Kleinem beginnen können. Wir können wie Apollos das Kleine begießen. Wir können darauf vertrauen, dass Gott das Kleine beschützt, sodass es wachsen kann – unsere kleinen Gemeinschaften und unsere kleinen Talente.

Liebe – wie geht das?

Wenn ich mich verliebe, ist das eine Sache des Gefühls. Diese Liebe vergeht. Die Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten ist keine Sache des Bauchgefühls. Da wäre die Liebe nach einiger Zeit erloschen. Es ist auch keine Sache des Kopfes. Da wäre die Liebe nur ein Gedanke, hätte aber keine Auswirkung. Nein, Liebe ist eine Sache des Herzens. Im Herzen entscheide ich mich. Im Herzen sage ich: Ich will dich lieben. Im Herzen sage ich: Ich will, dass es dir gut geht. Ich will, dass du glücklich bist. Ich will, dass deine Sehnsucht sich erfüllt.
Ich sage das in meinem Herzen zu meinem Nächsten, ich sage das in meinem Herzen zu meiner Frau. Ich sage in meinem Herzen zu Gott: Ich liebe dich und ich möchte, dass dein Wille geschieht.
Lieben kann ich, weil Gott mir dabei hilft.

Rätsel:
Eines der zwei Liebesgebote sind: Du sollst
A. die Tiere lieben
B. Gott lieben
C. deine Eltern lieben

Er reißt die Decke weg

Beim Begräbnisgottesdienst meiner Mutter sagte ich: Liebe Mutter Inge, du hast dich in die Hände des gütigen Gottes fallen lassen. Ich hoffe, du kommst auf der anderen Seite lebendig heraus und kannst über die Herrlichkeit Gottes nur staunen.
Jetzt überlege ich mir, was ich selbst erleben werde, wenn ich sterbe und auf die andere Seite komme. Kommt mir dann Gott in seiner Güte wirklich entgegen? Fängt er mich auf, macht er mich lebendig, kann ich über seine Herrlichkeit nur staunen? Es ist eine aufregende Sache. Ja, ich hoffe auf ihn.
Ich kann mir nicht vorstellen, was wäre, wenn ich ein Leben ohne Gott führe. Was wäre dann meine Hoffnung? Vielleicht würde ich einer von Menschen gemachten Ideologie anhängen, zynisch werden oder vor Angst krank werden.
Der Prophet Jesaja schreibt, dass Gott die Decke „verschlingt“, die über den Nationen liegt. Für mich besteht diese Decke aus falschen Ideologien und selbstgemachten Religionen. Diese „verschlingt“ Gott. Er hat einen guten Magen. Die Decke reißt er weg, damit wir ein Stück der Wahrheit erkennen. – Damit wir mit ihm ein Fest feiern können, mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesensten Weinen.

Der Glaube war stärker

Dominic Thiem gewann das große Tennisturnier US Open 2020 in New York City. Nachdem er den Deutschen Alexander Zverev in einem dramatischen Schlagabtausch niedergerungen hatte, regierte bei Thiem nach Kampf und Krampf vor allem die Erleichterung: „Irgendwie war heute der Glaube stärker als der Körper.“
Es sah am Anfang so aus, als würde Dominic Thiem den Kürzeren ziehen, doch er kämpfte sich zurück und gewann. Das ist Durchhaltevermögen, das ich bewundere. ORF

Jesus erzählt, dass es mit dem Himmelreich wie mit einem Gutsbesitzer ist, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu holen. Es sind Tagelöhner, die keine fixe Arbeit hatten. Einige Tagelöhner sind deprimiert, sodass sie erst spät zum Marktplatz kommen. Auch denen geht der Weinbergbesitzer nach und holt sie in seinen Weinberg. Er versucht es immer wieder und lässt nicht locker. Das ist Durchhaltevermögen, das ich bewundere

Gott lässt nicht locker. Er geht mir nach, lässt mich nicht allein, holt mich in seinen Weinberg. Das ist Durchhaltevermögen, wofür ich sehr dankbar bin.