Archiv der Kategorie: Gott

Erfahrungen von Befreiung, Liebe, Zuversicht, Heilung und Zärtlichkeit

Die Natur ist die Apotheke Gottes. Schon Hildegard von Bingen wusste das und riet gegen Winterdepression die für mich unbekannte Bertramwurzel. Heute gibt es vor allem die römische Bertramwurzel. Sie wirkt verdauungsfördernd, hemmt Entzündungen und stärkt die Nerven und das Immunsystem. Ich merke, dass Gott schon sehr früh in der Naturgeschichte heilende Pflanzen wachsen ließ. Das ist mir ein Zeichen seiner Liebe. Aber nicht immer erkenne ich in der Geschichte diese Zeichen der Liebe. Schwierigkeiten habe ich mit Texten des Alten Testaments, die so gar nicht Barmherzigkeit ausstrahlen. Da gibt mir Jesus den Tipp, die Bibel mit dem liebevollen Blick Gottes zu lesen. Ich versuche es und beim Weiterlesen kommen dann wirklich Erfahrungen von Befreiung, Liebe, Zuversicht, Heilung und Zärtlichkeit zu Tage: Gott befreit die Sklaven, Elias erfährt Gott im Säuseln des Windes, Rut bekommt eine neue Heimat und Noah kann einen Weinberg pflanzen. Da bricht die Liebe Gottes durch und ich danke Jesus, dass er mir die Augen dafür öffnet.

Über den eigenen Schatten springen


Das Bild aus dem Benediktiner-Stift Melk stellt die Flucht nach Ägypten dar (1502). Der Maler ist Jörg Breu der Ältere (*1475, †1534).

Wenn die Familie zu Weihnachten zusammenkommt, wird deutlich, welche Aufgaben die einzelnen übernehmen und wie wir einander in Achtung und Wohlwollen begegnen können. Da müssen kleine Fehler entweder übersehen oder in eine liebevolle Erzählung umgewandelt werden.
Bei Kränkungen dem anderen zu vergeben ist schwierig, da man muss dann oft über den eigenen Schatten springen.
Die junge Christenheit erinnert an Josef, der umsichtig mit dem Gottessohn und dessen Mutter flieht. Er hört auf die Stimme Gottes.
Das hilft der Familie.



Das Universum klingt: Johannes Brahms und Sofia Gubaidulina

Sofia Gubaidulina
Geb. 24. 10. 1931

„Für wen komponieren Sie?“, wurde die weltberühmte Musikerin Sofia Gubaidulina, die Grande Dame der zeitgenössischen Musik, gefragt (Süddeutsche Zeitung Magazin).

Ihre Anwort, kurz und bündig: „Für Gott. Auch für das Publikum, aber in erster Linie für Gott. Während ich komponiere, bete ich, nein, eigentlich rede ich mit Gott.“ Musik habe die Aufgabe, „eine Gegenwelt zu erschaffen, die über den Alltag hinaus auf eine spirituelle Dimension verweist.“

Der Komponist Johannes Brahms war so wie Sofia Gubaidulina mit Gott verbunden: „Wie Beethoven zu erkennen, dass wir eins sind mit dem Schöpfer, ist ein wunderbares, ehrfurchtgebietendes Erlebnis. Sehr wenige Menschen gelangen zu dieser Erkenntnis, weshalb es so wenige große Komponisten oder schöpferische Geister auf allen Gebieten menschlichen Bemühens gibt. Über dies alles denke ich immer nach, bevor ich zu komponieren anfange. Dies ist der erste Schritt.

Johannes Brahms
1833 – 1897

Wenn ich den Drang in mir spüre, wende ich mich zunächst direkt an meinen Schöpfer und stelle ihm die drei in unserem Leben auf dieser Welt wichtigsten Fragen – woher, warum, wohin? Ich spüre unmittelbar danach Schwingungen, die mich ganz durchdringen. Sie sind der Geist, der die inneren Seelenkräfte erleuchtet, und in diesem Zustand der Verzückung sehe ich klar, was bei meiner üblichen Gemütslage dunkel ist; dann fühle ich mich fähig, mich wie Beethoven von oben inspirieren zu lassen. Vor allem wird mir in solchen Augenblicken die ungeheure Bedeutung der höchsten Offenbarung Jesu bewusst: Ich und der Vater sind eins.
Diese Schwingungen nehmen die Form bestimmter geistiger Bilder an, nachdem ich meinen Wunsch und Entschluss bezüglich dessen, was ich möchte, formuliert habe, nämlich inspiriert zu werden, um etwas zu komponieren, was die Menschheit aufrichtet und fördert – etwas von dauerhaftem Wert.

Sofort strömen die Ideen auf mich ein, direkt von Gott; ich sehe nicht nur bestimmte Themen vor meinem geistigen Auge, sondern auch die richtige Form, in die sie gekleidet sind, die Harmonien und Orchestrierung. Takt für Takt wird mir das fertige Werk offenbart, wenn ich mich in dieser seltenen, inspirierten Gefühlslage befinde. ( … ) Ich muss mich im Zustand der Halbtrance befinden, um solche Ergebnisse zu erzielen ein Zustand, in welchem das bewusste Denken vorübergehend herrenlos ist und das Unterbewusstsein herrscht, denn durch dieses, als einem Teil der Allmacht, geschieht die Inspiration. Ich muss jedoch darauf achten, dass ich das Bewusstsein nicht verliere, sonst entschwinden die Ideen.“

Die spirituelle Dimension sei, so Sofia Gubaidulina, bei allen Komponisten der Fall, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen oder gar nicht religiös sind. Wer Musik schreiben will, müsse aus der Stille Kraft schöpfen. „Und damit meine ich nicht nur das eigene kleine Leben, sondern die gesamte Schöpfung, die Sinnhaftigkeit des Universums. Es muss still sein, wenn man die Welt atmen hören will.“ Wer sich auf diese Stille einlässt, stoße dabei zwangsläufig auf religiöse Fragen. „Solange das das Universum existiert, klingt es. Und wenn eine Seele ewig lebt, klingt auch sie.“ Leider lassen sich immer weniger Menschen auf diese transzedentale Dimension ein. „Jetzt beleibt uns nur noch die Erde, jetzt müssen wir uns selbst helfen.“

Sofia Gubaidulina, die während der Zeit der Sowjetunion streng überwacht wurde und deren Werke in ihrer Heimat lange verboten waren, beschreibt den Prozess des Komponierens als „Mein Martyrium, mein Opfer.“ Wenn sie Musik schreibt, trage sie „das Kreuz Jesu Christi“.

Quellen: Christ in der Gegenwart 51/2029
Süddeutsche Zeitung Magazin
Pietschmann, Herbert: Das Ende des naturwissenschaftlichen Zeitalters, Frankfurt/Berlin: Ullstein, 1983, S 8
Text von Nesweda, Peter: Bruno Ceccobelli, Kunst zwischen Mystik und Spiritualität, in: Noema, Art Journal Nr. 36/1991, S. 34-35
br-klassik: Sofia Gubaidulina
oe1:Sofia Gubaidulina
Video: Sofia Gubaidulina – Aus den Visionen der Hildegard von Bingen

Der König der Liebe wird unsere Zukunft

Eine Bekannte kaufte sich die wunderschöne Bibel mit Bildern von Sieger Köder und las darin von den Gesetzen des Mose und war ganz schockiert, dass da Menschen gesteinigt werden sollen. Papst Franziskus hat vor einem Jahr die Todesstrafe für unzulässig erklärt, „weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“. Das konnte er tun, weil die Bibel keine Sammlung von Anweisungen Gottes ist. Das Alte Testament ist die Hintergrundmelodie für Jesus, den Erlöser. Unser Kirchenrektor Michael Scharf sieht die Grundmelodie im Namen Gottes, den dieser Moses geoffenbart hat: JHWH, das heißt „Ich bin für euch da“. Vor dieser Hintergrundmusik spielt Jesus als heilender göttlicher König eine neue Melodie: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,36). Er wehrt sich nicht, als ihn die Soldaten verspotten und ans Kreuz schlagen, die führenden Männer des Volkes ihn verlachen und Pilatus ihn zynisch als König der Juden bezeichnet. Der König Gottes lässt sich ans Kreuz schlagen und reagiert auf die Bitte des Sterbenden mit dem Versprechen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23,43).

Unsere Zukunft

Das ist die Antwort auf die Frage, was Gott angesichts des Leidens der Menschen tut: Er stirbt gefoltert, wird Bruder der Gefolterten und nimmt sie in sein Paradies. Er ist unser aller Zukunft.

Ikarus will hoch hinaus

Im Lied „Ikarus“ fragt sich Reinhard May, was ihn drängt in die Lüfte aufzusteigen und er vermutet, dass es die Flucht aus der Gefangenschaft ist: „Manchmal frag‘ ich mich, was ist es eigentlich, das mich drängt aufzusteigen und dort oben meine Kreise zu zieh’n, vielleicht, um über alle Grenzen zu geh’n. Vielleicht, um über den Horizont hinaus zu seh’n und vielleicht, um wie Ikarus aus Gefangenschaft zu flieh’n.“ Den Sänger drängt etwas, dieses Drängende kann auch Gott sein, der in uns allen ist. Wenn der Mensch oben ist kann er seine „Kreise ziehen“, kann sich entwickeln, wie es Rainer Maria Rilke meint mit seinem Gedicht: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen.“ Und „Ich kreise um Gott.“ Reinhard May will weiter: „Um über den Horizont hinaus zu seh’n.“ Er kann einen Blick in die unendliche Weite wagen, die wir Christen auch in Gott sehen. Die Gefangenschaft, aus der er fliehen will, ist dann die irdische, endliche Welt. Viktor Frankl sieht in der Hinwendung zur unendlichen Transzendenz, zu Gott, eine Heilung aus der Krankheit des Geistes, der Pneumapathologie. Reinhard May hat die Flucht aus der diesseitiger Gefangenschaft auch in seinem Lied „Über den Wolken“ besungen, das mein Bruder so gerne hatte. Wer nur im Irdischen lebt, ist versucht, alles aus dem Jetzt herauszupressen. Da bleibt uns nur, sich wie Ikarus aus dieser Gefangenschaft zu erheben. Aber ohne Gott stirbt Ikarus. Seine Flügel fallen ab und er stürzt hinunter. Nur Gott fängt ihn auf. Rilke dazu: Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält. Hier ein Link zum Lied Ikarus.

Wahrnehmen und Achtsamkeit

Florian und Gerda sind seit sieben Jahren verheiratet. Sie haben zwei kleine Buben mit 5 und 2 Jahren. Florian reitet sehr gern auf den Fehlern anderer herum. Wenn Gerda ihn aber auf einen Fehler aufmerksam macht, sieht er das zwar ein, meint aber, dass Gerda auch einen Fehler gemacht hat. Gerda ist dann verärgert, und findet es nicht richtig, dass Florian ihr etwas vorhält, das schon lange zurückliegt. Sie hofft, dass er einfach nur sagt: „Ja, tut mir leid, das war mein Fehler.“ Mehr nicht. Auch in der Beziehung mit Gott spiegelt sich das wider, denn er gibt Gott gerne die Schuld.

Gerda freut sich über ihre Leistungen. Sie war immer eine der besten Schülerinnen, bekam auch im Studium viel Bestätigung und der Beruf machte ihr Freude. Dann kam sie durch die zwei kleinen Kinder in die Krise. Die muss sich jetzt zurücknehmen und für ihre Kinder da sein. Das fällt ihr sehr schwer. Als Mutter bekommt sie nicht diese Bestätigung, die sie im Beruf bekommt. Sie arbeitet jetzt weniger und sehnt sich nach mehr Bestätigung im Beruf. Sie vergleicht sich mit anderen Frauen und mit ihrem Partner und weiß nicht, wie sie Mutter sein und trotz allem ihre Selbstwirksamkeit ausbauen kann.

Der Umschwung kommt, als sie bemerkt, dass sie mit ihrer Lebensgeschichte einzigartig ist und sie nicht neidisch sein muss. So kann sie immer besser und in Ruhe die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen. Dieses Wahrnehmen ihrer Einzigartigkeit hilft ihr sehr. Auch die Beziehung zu Gott bekommt eine neue Qualität. Sie merkt: Er akzeptiert sie, fördert ihre Kreativität und vertieft ihre Achtsamkeit.

Liebe, Tod und Halloween

Für uns alle ist Jesus auferstanden

Für uns alle ist Jesus auferstanden

Eines ist sicher: Das Leben hier auf Erden hat ein Ende. Aber Gott will nicht, dass es endet. Er zeigt uns ein Leben nach dem Tod, in seiner Herrlichkeit, in seinem Paradies, in seiner himmlischen Stadt, in der er uns schon Wohnungen gesichert hat.

Denn das könnte einigen so passen, dass mit dem Tod alles aus ist. Dann wären das Leid und die Ungerechtigkeit für immer fixiert. Die Auferstehung ist die Antwort Gottes gegen Leid und Ungerechtigkeit. Sie ist der Protest Gottes gegen den oberflächlichen Umgang mit dem Tod. Er möchte auch noch ein Wörtchen mitreden, das nicht nur beim Wörtchen bleibt.
Diese zwei Tage erinnern uns an die Verstorbenen. An jene, die uns sehr nahe waren und noch sind.
Sie erinnern uns aber auch an unseren eigenen Tod.
Wir halten an Jesus Christus fest und halten damit unsere Hoffnung auf die Auferstehung wach.

Jesus öffnete die Tür in die Herrlichkeit

Jesus öffnet die Tür in die Herrlichkeit

Christus ist für jeden von uns von den Toten auferstanden und hat die Toten mit in die Herrlichkeit genommen. Er schloss die Tür der Herrlichkeit für alle Menschen auf, den Toten und den Lebenden. Allerheiligen und Allerseelen ist damit ein kleines Osterfest im Herbst.
Heilige werden verehrt (nicht angebetet), weil man gesehen hat, dass sie intensiv mit Gott und Christus gelebt haben. Das Volk Gottes, die Kirche nimmt an, dass sie relativ sicher in der Herrlichkeit Gottes sind.
Man muss nicht sterben um heilig zu sein. Alle, die in der Gegenwart mit Jesus Christus und dem Hl. Geist leben und Gott und den Nächsten lieben, sind jetzt schon heilig.
Viele bitten Gott in diesen Tagen, dass er den Verstorbenen und ihnen selber einen guten Übergang in die Herrlichkeit schenken möge.
Das Fest mit Gott ist ein Gemeinschaftsfest. Gott ist in sich selber Vater, Sohn und Geist. Wenn dann noch die Heiligen, die Verstorbenen, die Engel und alle mitfeiern, die zum Gottesdienst in der Kirche kommen, ist das dann ein großes wunderbares Volksfest.

Hier kommt das Evangelium, die gute Nachricht zu Allerheiligen

Die Matthäusgemeinde erinnert daran, dass Jesus Menschen beglückwünscht, die ihr Leben aus ihrer Gottesbeziehung her gestalten und dafür von Gott beschenkt werden :
In jener Zeit als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Matthäus 5,1-12a Lesejahr A

Das Wort Halloween kommt von All Hallows‘ Eve, dem Abend vor Allerheiligen. Halloween ist ein nach seriösen historischen Studien urchristliches Fest, das mit vielen falschen Sagen fast zu einem heidnischen Fest gemacht wurde.

Wir brauchen Trauerzeiten und Trauerorte

Wir brauchen Trauerzeiten und Trauerorte

Trotz der christlichen Hoffnung, dass wir nach dem Tod in Gottes Herrlichkeit volles Leben haben, ist die Trauerzeit eine sehr wichtige Phase, in der wir einen Ort und eine Zeit brauchen, um Abschied von einer oder einem Verstorbenen zu nehmen und um uns neu in der Welt zu orientieren.