Archiv der Kategorie: Gott

Lobet den Herrn des Kosmos

Lobet den Herrn des Kosmos,
das Weltall ist sein Heiligtum
mit einem Radius von hunderttausend Millionen Lichtjahren
Lobt ihn
den Herrn der Sterne
und der interstellaren Räume,
Lobt ihn
den Herrn der Milchstraßen
und der Räume zwischen den Milchstraßen,
Lobt ihn
den Herrn der Atome
und der Vakuen zwischen den Atomen,
Lobt ihn
mit Geigen, mit Flöten
und Saxophon,
Lobt ihn
mit Klarinetten und Englisch Horn.
mit Waldhörnern und Posaunen,
mit Flügelhörnern und Trompeten,
Lobt ihn
mit Bratschen und Violoncelli
mit Klavieren und Keyboards.
Lobt ihn
mit Blues und Jazz
und Sinfonieorchestern
mit den Spirituals der Schwarzen
und der Fünften von Beethoven,
Mit Gitarren und Xylophonen
Lobt ihn
mit Plattenspielern und Tonbändern
Alles was atmet
lobe den Herrn,
jede lebendige Zelle,
Halleluja!

Nah ist
und schwer zu fassen bist du, Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
das Rettende auch.

Aus: Ernesto Cardenal, Zerschneide den Stacheldraht, Psalm 150. 1969
und Friedrich Hölderlin (Nah ist – Und schwer zu fassen der Gott. – Wo aber Gefahr ist, wächst – Das Rettende auch.) Patmos, in: Werke und Briefe, Bd 1.

Hauptsache

Hauptsache
Man ist gesund
Man lebt
Man hat was zu essen
Man verdient gut
Man hat was vom Leben
Man ist glücklich

Hauptsache
Ich liebe Gott
aus ganzer Seele
mit allen Kräften
und den Menschen
neben mir
so wie mich selbst

Aus: Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht 114

Bleibe bei mir

Herr, „bleibe bei uns;
denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ (Lk 24,29)
Herr, bleibe bei mir,
denn ich schaue voller Sorge auf morgen und die kommende Zeit.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich erlebe gerade, wie ungewiss und vergänglich mein Dasein ist.
Herr, bleibe bei mir,
denn nichts ist mehr so, wie es noch bis vor kurzem war.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich vermisse meine bisherigen Gewohnheiten und Sicherheiten.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich fühle mich gerade ohnmächtig und verletzlich.

Herr, bleibe bei mir,
denn die aktuelle Situation fordert und überfordert mich.
Herr, bleibe bei mir,
denn es graut mir vor Isolation und Langeweile.
Herr, bleibe bei mir,
denn es mangelt mir an Unterhaltung und Abwechslung.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich sehne mich nach Gemeinschaft und Geselligkeit.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich klammere mich an alles, was mir Halt gibt.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich glaube und hoffe: Dann wird alles gut.

Herr, bleibe bei mir,
denn dann ist alles gut.
Amen.

In jedem Innern brennt der gleiche Durst

Ernesto Cardenal 1925-2020

Der Dichter, Priester und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal kämpfte bis zuletzt für eine gerechtere Welt. Seine Poesie hat mich sehr beeindruckt und mir geholfen. Sein Buch von der Liebe beginnt mit dem existentiellen Durst, den wir Menschen erleben können:

Der Durst

In den Augen aller Menschen wohnt eine unstillbare Sehnsucht. In den Pupillen der verschiedenen Menschen, in den Blicken der Kinder und Greise, der Mütter und liebenden Frauen, in den Augen des Polizisten und des Angestellten, des Abenteurers und des Mörders, des Revolutionärs und des Diktators und in denen des Heiligen: in allen wohnt der gleiche Funke unstillbaren Verlangens, das gleiche heimliche Feuer, der gleiche tiefe Abgrund, der gleiche unendliche Durst nach Glück und Freude und Besitz ohne Ende. Dieser Durst, den alle Wesen spüren und von dem auch im Gleichnis von der Samariterin am Brunnen gesprochen wird, ist die Liebe zu Gott.

Um dieser Liebe willen werden alle Verbrechen begangen und alle Kriege gekämpft, ihretwegen lieben und hassen sich die Menschen. Um dieser Liebe willen werden Berge bestiegen und die Tiefen der Meere erforscht, für sie wird geherrscht und intrigiert, gebaut und geschrieben, gesungen, geweint und geliebt. Alles menschliche Tun, sogar die Sünde, ist eine Suche nach Gott, nur sucht man Ihn meistens dort, wo er am wenigsten zu finden ist.

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Ich werde dich preisen, solange ich lebe

Psalm 104 von Ernesto Cardenal

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, Du bist groß.
Du bist in Atomenergie gekleidet
wie in einen Mantel.
Wie auf einer Töpferscheibe hast Du
aus einer Wirbelwolke kosmischen Staubes
die Spiralen der Milchstraßen gezogen.
Unter Deinen Händen begann das Gas sich zu verdichten und zu glühen,
so formtest Du die Sterne.
Wie Sporen oder Samen hast Du Planeten ausgestreut
und sätest Kometen wie Blumen.
Ein rotglühendes Meer war der ganze Planet,
Eisen und rote, geschmolzene Felsen
stiegen und sanken mit den Gezeiten.

Und alles Wasser war damals noch Dampf,
dunkle Wolken decken hüllten die Erde ein.
Und dann begann es zu regnen – Jahrhundert um Jahrhundert,
ein jahrhundertelanger Regen fiel auf steinerne Kontinente.

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Gebet in der Corona-Krise

Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.
Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

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Einsam, aber nicht vereinsamt

Wenn ich alleine in meiner Wohnung bin, bin ich noch nicht vereinsamt.

Ich bin verbunden mit den Mächten der Natur, mit den Mächten der Geschichte und mit dem Zentrum von allem, mit Gott. Er begleitet mich, gibt mir Ruhe und Muße und bewahrt mich vor Aktionismus.

Er trägt dich

Jesus gibt uns einen guten Tipp:
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Matthäus 6,6