Archiv der Kategorie: Advent

Der große Schöpfer der Welt wird ein kleiner Mensch in der Welt.

Der große Denker Professor Leszek Kołakowsi hinterlässt uns einen Satz, der mir gerade vor Weihnachten durch den Kopf geht: Was für eine Hoffnung bleibt uns noch, außer dass Gott wiedergeboren wird? Er war Kommunist und ist zum Glauben gekommen, weil er das Ganze der Welt bedachte. Was für eine Hoffnung bleibt uns noch? Sollen wir hoffen, dass Gott wiedergeboren wird? Aber Vorsicht! Wenn Gott wiedergeboren wird, dann dreht sich wie in Betlehem alles um. Die Futterkrippe wird zum göttlichen Licht, der Stall wird zum himmlischen Paradies, das Stroh wird zum Flügelschlag der Engel, was klein und arm wird groß und himmlisch. Der große Schöpfer der Welt wird ein kleiner Mensch in der Welt. Und das Kleine in der Welt wird groß im himmlischen Paradies. Es wird sein, als hätt der Himmel die Erde still geküsst, – dass sie im Engelsschimmer von ihm nun träumen müsst. Wollen wir das? Wollen wir vom himmlischen Gott träumen?

Er kommt in meine Verlorenheit

Immer näher rückt das Weihnachtsfest. Geschenke werden besorgt, der Christbaum wird ausgesucht, die Weihnachtskekse werden gebacken, Adventlieder werden gesungen, der Platz für die Krippe wird vorbereitet, das Weihnachtsessen wird überlegt und die Besuche werden besprochen. Kann die Tante kommen oder muss sie sich zuerst testen lassen?
Was würde Maria und Josef machen? Sie machten sich in jener Zeit auf den Weg von Nazaret nach Betlehem. Die schwangere Maria wird von Josef gut betreut. Sie werden in Betlehem ankommen. Aber sie finden nicht leicht eine Herberge. Mir gefällt Angelus Silesius, der sagte: Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren. Ich würde es nicht so drastisch ausdrücken. In alle Ewigkeit verloren – das kann Gott doch nicht zulassen. Aber ich würde mir verloren vorkommen, wäre er nur in Betlehem, aber nicht in meinem Herzen geboren. Ich hoffe, er findet in meinem Herzen eine Herberge.

Gott lässt sich nicht aufhalten

Gott lässt sich nicht verbieten, auch ein Gebet im öffentlichen Raum lässt sich nicht verbieten. Religion ist unterdrückbar, aber Menschen mit Gott lassen sich nicht unterdrücken. Gott ist wie ein Ball, den ich unter Wasser halte. Wenn ich mich bewege, rutscht er nach oben. Gottes Kommen überrascht uns alle. Er kommt auf seine Weise.
Vor zwei Sachen möchte ich mich hüten: Ich möchte Gott nicht für meine Zwecke benutzen und ich möchte mich nicht an seine Stelle setzen. Denn je mehr ich forsche umso mehr weiß ich, dass ich nichts weiß.
Ich bitte: Gott gebe mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Mariä Empfängnis: Gott bereitet etwas vor

Joachim und Anna mit Maria

Mariä Empfängnis ist das große Marienfest im Advent. Wir erinnern uns an die Eltern von Maria, die mit Gott in guter Beziehung standen und auf ein Kind warteten. Beiden erscheint ein Engel, der sie auffordert, zum goldenen Tor von Jerusalem zu gehen. Es ist das Tor, durch den der Messias einziehen wird und wo sich die Liebenden gerne treffen. Anna und Joachim zeugen eine Tochter, die sie, wie der Engel ihnen aufträgt, MARIA nennen.

Gott bereitet seine Ankunft bei Joachim und Anna vor

Gott schickt einen Engel, um die Ankunft von Christus vorzubereiten. Joachim und Anna sind verzweifelt, weil sie keine Kinder bekommen. Aber Gott hat mit beiden etwas vor. Sie sollen die Großeltern von Jesus werden. Ihrer Tochter schenkt Gott bei ihrer Zeugung etwas Wunderbares. Er schenkt ihr den Segen und seine Anwesenheit, damit der Messias, der Sohn Gottes, der „Logos“ in ihrem Körper später gut wachsen kann. Sie bekommt diesen Segen und die Nähe Gottes schon im Körper ihrer Mutter Anna geschenkt, wo sie bis zu ihrer Geburt wächst. Diese Geburt feiern wir 9 Monate später, am 8. September. Die Anwesenheit und Nähe Gottes wird in der Sprache der Bibel „Gnade“, „Gratia“, „Geschenk“ genannt.

Auch der Engel, der Maria später fragen wird, ob sie den Sohn Gottes auf die Welt bringen will, sagt zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott seine Nähe, seine Anwesenheit, seine „Gnade“ gefunden. Und diese Anwesenheit Gottes hat sie seit ihrer Zeugung durch Anna und Joachim.

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Er lebte von Heuschrecken und wildem Honig

Johannes der Täufer, (Leonardo da Vinci)

Wenn Johannes der Täufer sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt, passt das einigen Leuten, die neues und ökologisch Sinnvolles ausprobieren wollen.
Eine Bekannte schreibt mir über den Täufer:
hmm lecker heuschrecken (sehr proteinreich würde bas kast sagen) und wilder honig für energie – auch in einer höhle leben – darauf hätt ich im sommer lust🌿

Ich denke bei Johannes dem Täufer immer wieder an die New-Food-Generation, die alternative Nahrungsmittel ausprobiert. Zurück zu einfacherem Essen, das die Natur und das Klima nicht belastet und trotzdem gesund ist. So habe ich mich entschlossen, nach dem Ernährungskompass von Bas Kast zu leben. Weniger Zucker und Auszugsmehle, mehr Hülsenfrüchte, Joghurt und Nüsse. Für den Propheten Johannes war das Essen von Heuschrecken mit wildem Honig das Zeichen der Umkehr, der Abkehr von der Zerstörung des Landes. Nicht zurück nur allein zurück zur Natur, sondern auch zum Schöpfer der Natur.

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Die Welt in Erschütterung

Die Zeit des Advent beginnt wenig besinnlich, ruhig und adventlich. Der 1. Adventsonntag steht in der Folge der letzten Sonntagsevangelien, die uns an das Ende der Welt erinnert haben.
Auch heute spricht Jesus vom jüngsten Tag, von dem Tag, an dem die Sonne sich verfinstert, der Mond nicht mehr scheint, die Sterne vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Es ist der Tag, an dem Christus mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen wird und die Seinen aus allen Windrichtungen zusammenholen wird.
Dieser letzte Tag wird kommen.
Deshalb lädt uns Jesus ein, aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum zu lernen. Die Menschen damals konnten anhand des Feigenbaums die Jahreszeit ablesen, erkennen, wann bzw. dass der Sommer nahe ist.
Genau so sollen wir erkennen, dass der jüngste Tag kommen wird, und bereit sein.
Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater. Wir wissen nicht, wann dieser Tag kommen wird, wir wissen nur dass er kommen wird.
Umso wichtiger ist es, stets so zu leben, als könnte er heute oder morgen kommen, stets bereit zu sein, um Christus zu begegnen.
Wir sollen wachsam sein.
Lebe ich derzeit so, dass Jesus Christus jederzeit wiederkommen könnte?
Müsste ich in meinem Leben etwas ändern, um für Christus bereit zu sein?
Michael

Licht in der Finsternis

Ein Blick zurück ist ein Blick in die Zukunft

Im Markusevangelium lesen wir die Rede vom guten Ende. Die Menschen fragten sich: Gibt es in einer Welt, in der alles aus den Fugen gerät, Hoffnung? Das ist auch unsere Frage, wenn wir in die Welt schauen. Ja, wir können Hoffnung haben. Es gibt Zeichen der Hoffnung, die die Ankunft von Christus zeigen.

Beim Propheten Jesaja lesen wir, dass das Volk Israel, heimgekehrt aus dem Exil im 5. Jahrhundert vor Christus, den Tempel zerstört vorfindet. Der Schreck des verlorenen Krieges sitzt tief. Dennoch: Ein leiser Hoffnungsfunke ist noch da. Gott ist sein Vater, der sich ihm wieder zuwendet.
Im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth zeigt Paulus seine Wertschätzung für die Gemeinde und erinnert sie an ihre Berufung. Auch er denkt an den Tag unseres Herrn Jesus Christus und fragt sich, ob wir zu einer Begegnung mit ihm bereit sind.

Der Tag des Christus: jetzt?

Es gibt drei Ereignisse, in denen der gute Tag des Christus nicht am Ende der Welt sich ereignet, sondern schon im Vorhinein wie in einem Vorgeschmack erfahrbar ist:
Im Sonntag, dem „Tag des Herrn“. Der Alltag wird unterbrochen. Es ist Zeit für die Familie, für Gott und die Freunde.
Im Gottesdienst in der Kirche ereignet sich ein Tag des Christus. Wir sind im Dialog mit Gott und er schenkt uns das gute Wort, das uns aufbaut und das Brot, das uns heilt.
Im Gebet in der Woche können wir den Tag des Christus erleben. Es unterbricht die Aufgaben, die Funktionalität und Gott sagt: Ich bin da. Ich bin, der ich für dich da bin.
In diesen drei Ereignissen kommt Gott und Jesus Christus einzigartig mit seinem Geist uns entgegen. Es ist vollkommene Liebe.

Ja, wir haben Hoffnung, dass diese Welt sich entwickelt und dass sie in den Punkt Omega übergeht, wie es Teilhard de Chardin sagte. Dieser Punkt Omega ist dieser kosmische Christus, auf den alles zuläuft. Es ist die große Kommunion, die große Kommunikation, das große universale Gespräch.
Danke, Gott!
Hannes

In dieser Adventzeit merke ich, dass Gott liebevoll im Hintergrund handelt.

Es gibt sie noch, die Weihnachtspost auf Papier. Wir bekommen von lieben Freunden Weihnachtskarten, teilweise sogar selbst gemalt. Sie stehen dann am Esstisch vor dem Adventkranz und erinnern uns an die Freunde und geben dem Raum vorweihnachtliche Atmosphäre. In dieser Adventzeit merke ich, dass Gott liebevoll im Hintergrund handelt. Es fügt sich vieles, was vorher nicht möglich war. Er kommt zu uns nicht nur in unsere Herzen, wie es der Romantiker Angelus Silesius weiß, sondern auch über unsere Augen durch das Licht der Kerzen. Da strahlt auch ein fast unbemerkbares Licht vom Kind aus Betlehem zu uns. Dieses Sinnliche kann ich auch in den Gottesdiensten wahrnehmen. Gott wird mir im Brot und im Wein sinnlich wahrnehmbar. Es ist für mich ein Privileg, in die Kirche zum Gottesdienst zu gehen und Gott in der Kommunion zu empfangen. Dieses Privileg wirkt sich merkbar im Alltag aus. Es entwickelt sich eine gewisse Distanz zu den Heiligtümern dieser Welt wie Auto, Konsum, Fernreisen oder Erfolg. Ich bekomme Lust, Weihnachtskarten zu schreiben und Geschenke auszusuchen. Das Schöne und Gute ist ein Vorgeschmack des Paradieses und umgekehrt wird vieles, was wir in dieser Welt erleben und gestalten ein Teil des göttlichen Himmels. Auch das Gute. Auch das Schöne. Und auch die lieben Menschen.

Vergiss das Königsdrama und schau auf die Kleinsten

Der, auf den wir warten, kommt.

Ein Königsdrama mit Gier und Mord spielte sich zurzeit Jesu in Galiläa am Hof von Herodes Antipas ab. Herodias, die Frau seines Bruders, begehrte ihn. Das gefiel ihm. Nur seine Frau, die Tochter des nabatäischen Königs Aretas IV war ihrem Begehren im Weg. Er verstieß sie. Der gekränkte Schwiegervater brachte ihm in einem Grenzkrieg eine schwere Niederlage bei. Johannes der Täufer kritisierte die Ehe mit Herodias. Es war nicht nur Ehebruch, sondern Herodias war als Halbnichte zu eng verwandt. Für die Juden ein doppeltes Gräuel.

Herodias bat ihren Mann, Johannes den Täufer zu verhaften. Davon berichten die Evangelien Markus, Matthäus und Lukas. Da Antipas ohnehin befürchtete, der radikale Johannes könne mit seinen Predigten einen Aufstand anzetteln, ließ er ihn in den Kerker seiner Festung Machaerus werfen. Bei einem Fest tanzte die Tochter von Herodias, Salome so hinreißend, dass Herodes Antipas ihr die Erfüllung eines Wunsches freistellte. Mutter und Tochter berieten sich und forderten den Kopf des Johannes, der in einer silbernen Schüssel gebracht wurde.

Jesus ging in einer Rede darauf ein, indem er auf das Schilfrohr hinwies, das Herodes Antipas auf seinen Münzen prägen ließ. Er fragte die Zuhörer, ob sie wegen einem schwankenden Schilfrohr gekommen sind. Das war ein Hinweis auf die schwankende Politik Herodes Antipas. Jesus lenkt aber dann den Blick weg vom Königsdrama hin zu den Kleinsten. Zu ihnen gehören für mich die verlassenen und traurigen Kinder und die einsamen Menschen. Die Kleinsten sind mir jene, die jahrelang an einer Krankheit leiden; jene, die vom Partner Verlassenen und jene, die vor Schuld oder Angst nichts machen können. Zu diesen Kleinsten kommt die stille und teilweise verborgene Herrlichkeit Gottes.

Das Evangelium: Mt 11,2-11

Gott kommt uns zu Hilfe

Wenn es jetzt im Advent finster wird, beleuchten viele ihre Häuser und Fenster. Ich frage mich, ob wir das auch machen sollen. Schön ist es schon, wenn wir aus dem Fenster schauen und Lichter in der Finsternis sehen. Gott sei Dank scheint die Sonne auf unsere Erde, sodass wir genug Energie haben, um die Finsternis zu erhellen. Ohne sie wäre ein Leben nicht möglich. Sie hat aber ein Ablaufdatum. Wenn in rund fünf Milliarden Jahren in der Sonne der Wasserstoff verbraucht ist, bläht sich unsere Sonne zu einem roten Riesenstern auf und wird dabei unsere Erde schlucken. Sie wird nach einiger Zeit zu einem weißen Zwergstern zusammensinken. Für das Leben auf der Erde ist aber schon viel früher Schluss. Die Intensität der Sonnenstrahlung nimmt etwa um ein Prozent in 120 Millionen Jahren zu. Schon in 500 Millionen Jahren ist die Erde nur noch ein lebensfeindlicher Felsklumpen im All. Für mich ist die Aussicht, dass es einmal keine Menschen auf der Erde gibt, genauso wie mein eigener Tod eine offene Frage. Wozu habe ich gelebt, wenn ich im Nichts verschwinde? Wozu hat es Menschen gegeben? Christus gibt mir da die Antwort: Gott erschafft für uns eine neue Welt. Dem Seher Johannes wurde es auf Patmos gezeigt. Er schreibt mir: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen. Gott wird bei uns Menschen wohnen. Er wird alle Tränen von unseren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ Ich frage mich, ob Gott jetzt schon an dieser neuen Welt baut und ob diese unsere Welt ein Teil davon wird – und ob wir mitbauen.
(Aus: Hamburger Abendblatt Forschung, Bibel, Offenbarung 21)

 

Der erste Advent lädt zur Achtsamkeit ein

Ich hüpfe nicht immer

Elisabet Maria freuen sichIch freue mich. Wenn Beziehungen auseinander gehen kommt es vor, dass man einer Seite die Schuld gibt. Umso mehr freue ich mich, als eine Bekannte erzählte, dass sie sich aufmachte und eine Verwandte mit ihrer Tochter besuchte. Sie musste sich sicher überwinden. Aber es wurde eine schöne und gute Begegnung.
Als Maria aus Nazaret ihre Verwandte besuchte, hüpfte das Kind im Bauch der schwangeren Elisabet. Das „Hüpfen“ des kleinen Johannes wird meistens einfach als Kindsbewegung gedeutet. Das Hüpfen und die große Freude sind aber die einzig angemessene Reaktion auf das Kommen von Christus. So hüpfen die Widder, die Berge und auch die Menschen. Die Lukasgemeinde erinnert sich an das Hüpfen gerade dann, wenn andere sie hassen: „Freut euch und hüpft an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein.“
Ich freue mich, wenn ich andern helfen kann. Ich bin aber schon lange nicht vor Freude gehüpft. Vielleicht kommt das wieder. Nachtrag: Ich werde doch zur Krippe gehen müssen.