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Nächstenliebe ist OK. Aber Feindesliebe?

Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück.
Denn die Freude, die wir geben, kommt ins eig‘ne Herz zurück. So dichtete die Frauenrechtlerin Marie Calm.
Eine Freundin erzählt, dass sie glaubt, dass Gott in uns ist. Wenn Gott in jedem Menschen ist, kann ich diese Person lieben und gleichzeitig Gott, der in dieser Person ist. Was ist aber im Kriegsfall? Wie liebe ich meine Feinde?

Ich war vor Kurzem mit einem Freund bei einem Vortrag von Gisbert Greshake, einem großen Theologen, der von der Hoffnung auf die Auferstehung aller Menschen sprach, auch der Massenmörder wie Hitler und Stalin. Jesus sagt: Betet für die, die euch verfolgen. In einem Krieg wie in der Ukraine hoffe ich, dass meine Feinde Gottes Zuwendung erleben und am Ende die Auferstehung. Diese Hoffnung sehe ich als Akt der Feindesliebe.

Was denken Sie?

Liebe statt blutiger Schlachtorgien

Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk: Die Ukraine erlebt ihr Golgotha

Der Katholische Großerzbischof Schewtschuk von Kiew meldete sich zu Wort: „Die Ukraine erlebt ihr Golgatha.“ Er bittet: „Heute bitte ich uns alle, alle Christen der ganzen Welt, alle Menschen guten Willens, wendet eure Augen nicht ab von der Erniedrigung und dem Leiden, dem Tod und den Wunden der Ukraine.“

Das Massaker von Butscha zeigt eine unvorstellbare barbarische Perversion. Am kommenden Palmsonntag hören wir Ähnliches in der Passionsgeschichte: Jesus wird gegeißelt, ausgepeitscht, gefoltert, mit Nägeln nackt ans Kreuz geschlagen. Diese Brutalität begleitete die Menschheit seit Jahrtausenden. Sowohl ich und viele andere haben sie in unserem friedlichen Europa nicht erwartet. Seit dem Krieg im zerfallenen Jugoslawien mit dem grauenhaften Völkermord in Srebrenica leben wir in Europa im Frieden. Wie zerbrechlich dieser Friede ist, sehen wir seit dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine.

Die Botschaft von Jesus „Liebe statt blutiger Schlachtorgien“ fürchteten die Priester des Jerusalemer Tempels, sie war ein Grund unter anderen für seine Hinrichtung und diese Botschaft hat sich – trotz seiner Auferstehung und dem Heiligen Geist zu Pfingsten – bis jetzt nicht überall durchgesprochen und durchgesetzt, auch nicht bei Patriarch Kyrill in Moskau.
Einer, der diese Botschaft leben will, ist Papst Franziskus. Er küsste die Fahne aus Butscha: „Blut schreit zum Himmel“ Die Hoffnung stirbt nie.
Link zu Swjatoslaw Schewtschuks Botschaften
Link zu Papst Franziskus Botschaften.

Himmel! Es ist Krieg

Der Einmarsch des russischen Heeres am 24. Februar 2022 in die Ukraine veränderte alles. Der Friede ist vorbei. Der Krieg begann aber schon 2014 mit dem Überfall auf die Krim und die Städte Lugansk und Donezk. Jetzt erkennen wir, dass diese Verletzung des Völkerrechts viel stärker geahndet hätte werden müssen. Die schwachen Sanktionen reizten Putin, einen größeren Krieg zu beginnen. Lange haben wir uns über den Frieden unterhalten, aber das Phänomen Krieg nicht beachtet. Das geschah auch aus Angst, dass der Krieg beginnt. Diese Angst müssen wir überwinden und uns fragen: Was ist das Phänomen Krieg? Ein Versuch der Annäherung.

Der Krieg ist eine Gewaltausübung des Menschen, bei dem Territorien erobert werden. René Girard sieht beim Lesen des Buches von Clausewitz[1], dass der Verteidiger den „Krieg beginnt und zugleich beendet.[2]“. Er sieht, dass der Angreifer etwas begehrt, was der andere besitzt. Diese Gier entsteht aus der Nachahmung des Gegners, der sein Land liebt. Diese Liebe wird nachgeahmt. Der Angreifer begehrt das Land, fällt in das Land ein und muss mit Widerstand rechnen. Ein Angriff auf ein Land, das sich nicht verteidigt, ist kein Krieg, sondern ein Raubzug. Wobei bei einem Raubzug auch Gräuel vorkommen. Krieg ist also Angriff und Verteidigung.

Marc Chagall, Krieg, 1966

Diese Auseinandersetzung wurde versucht durch Gesetze zu regeln. Im Kriegsrecht[3] dürfen Gegner, „Kombattanten“ angegriffen werden, aber nicht Zivilisten. Wer unbewaffnete Zivilisten verletzt oder tötet, begeht ein Kriegsverbrechen. Soldaten müssen mit Abzeichen wie Armschleifen erkennbar sein.

Clausewitz und Girard sehen im Krieg eine Dynamik der Zerstörung „bis zum Äußersten“. Wenn der Hass, die Leidenschaften groß und größer werden, werden ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht, Menschen gefoltert und vergewaltigt. Im Krieg herrscht weniger Vernunft, sondern viel mehr Gewalt und Leidenschaft.

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Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß

Die gute Nachricht: Kain muss nicht mehr eifersüchtig und neidisch auf seinen Bruder Abel sein. Jesus zeigt einen anderen Gott, der nicht nur den Verlorenen, sondern auch den Neidischen nachgeht. Das kann ich auf mich beziehen. Ich bin neidisch auf jene, denen es besser geht. Dieser Neid stört mich irrsinnig. Aber was hilft dagegen? In der Geschichte vom verlorenen Sohn kommt uns ein liebevoller Vater entgegen, der sich über die Rückkehr des jüngeren freut und dem älteren seine Wertschätzung zeigt. Der ältere muss nicht neidisch und eifersüchtig sein, denn sein Vater liebt ihn kontinuierlich. Der Sohn könnte sich wie sein Vater über den anderen freuen. Wie er sich entscheidet, lässt Jesus offen. Da ruft er mich zu meiner Entscheidung. Mit einem Auge blicke ich neidisch auf meinen Bruder, den der Vater beschenkt und mit dem anderen blicke ich in Liebe auf den Vater, der sich freut. Ich entscheide mich jetzt für den Vater.
Es heißt, dass Russen und Ukrainer Brüder sind. Brüderlichkeit ist hier nur ein Schlagwort. Die Russen töten ihre Brüder und zerstören ihre Städte.
Als Hitler England bombardierte, sagte Winston Churchill am 13. Mai 1940 im britischen Unterhaus: „Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß.“ Mit dieser ehrlichen Ansage stärkte er den Widerstand.
Ähnlich der österreichische Bundeskanzler Leopold Figl am 24. Dezember 1945: „Ich kann euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden (ins Fenster). Wir haben nichts. Ich kann euch nur bitten: Glaubt an dieses Österreich!“
Ich unterstütze die Sanktionen, auch wenn es schwer wird. Aber ich kann auch etwas tun. Ich helfe Flüchtlingswohnungen zu renovieren. Danke der Gemeinde und dem Verein Flüchtlingshilfe Pressbaum 06605257372. Gott, befreie uns!

Kain, wo ist dein Bruder?

Kain erschlägt aus Neid und Zorn seinen Bruder Abel

Freundschaft mit Gott und den Menschen.

Wir entstehen auf dieser Erde, damit wir gut mitsammen auskommen, eine Freundschaft mit Gott finden, die Liebe leben und am Ende im Himmel unsere endgültige Heimat finden.
Er offenbart sich als ein anwesender Gott: Ich bin der „Ich bin da“. Die Freundschaft mit Gott hier auf Erden macht Sinn, gibt Sicherheit, Geborgenheit und Freiheit. Aber es gibt Gefahren.
Der brutale Angriff von Putin auf die Ukraine zeigt, dass diese Welt von Gewalt nicht befreit ist. Wir erleben, dass der Krieg bis zum Äußersten geht. Ihn zu stoppen ist fast unmöglich. Krieg überfällt das Land wie ein Tsunami. Im Christentum gibt es einen Trost, der keine Vertröstung ist: Die Toten werden von Gott aufgefangen und in ihre endgültige Heimat gebracht.
Aber dort müssen sich die Täter verantworten. Wie Kain werden sie gefragt: Wo ist dein Bruder?
Bei Gott sitzen Sünder und Gerechte an einem Tisch: Der Erzpriester Ilya Limberger der russisch-orthodoxen Gemeinde in Stuttgart mit Menschen aus der Ukraine und Russland sagt: Wir sind eine Kirche, versammelt um den Tisch des Herrn. Link.

In meiner Not rief ich zu dir

David von Michelangelo, 1504, Florenz

Der kleine Hirtenjunge David kämpfte gegen den großen Goliat und dankte Gott für seinen Beistand. Ihm wird ein Lied zugesprochen, dessen Text viele jetzt beten. Auch deshalb, weil die tapferen Menschen in der Ukraine und die vielen Kriegsflüchtlinge in einer ähnlichen Situation wie David sind:

Mich umfingen die Fesseln des Todes und die Fluten des Verderbens erschreckten mich. In meiner Not rief ich zu dir und du hörtest meine Stimme, mein Hilfeschrei drang an deine Ohren. Da wankte und schwankte die Erde, die Grundfesten der Berge erbebten. Du griffst aus der Höhe herab und fasstest mich. Du entrisst mich meinen mächtigen Feinden und meinen Hassern. Du führtest mich hinaus ins Weite, befreitest mich, denn du hattest an mir Gefallen gefunden. Ich lobe dich. Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, du mein Fels, meine Burg und mein Retter.

Du rettest uns, dein elendes Volk. Du lässt unser Licht erstrahlen, du machst unsere Finsternis hell. Mit dir überspringen wir Mauern. Wer ist unser Fels, wenn nicht du, unser Gott? Du hast uns mit Kraft umgürtet. Du lehrtest unsere Hände zu kämpfen. Deine Zuneigung machte uns groß. Du hast in die Knie gezwungen, die gegen uns aufstehn. Du rettest uns vor den zornigen Feinden. Darum will ich dir danken, Herr, inmitten der Nationen. Ich will dich laut besingen. (Nach Psalm 18, gekürzt)

Sich gegen Putin wehren

Meine Einstellung zum Militär hat sich geändert. Ich habe in den 70er Jahren den Wehrdienst verweigert, weil ich mir nicht vorstellen konnte, auf andere Menschen zu schießen.
Auch herrschte der „Kalte Krieg“, was für Europa bedeutete, dass die Großmächte sich bedrohten, aber keinen heißen Krieg führten.

Jetzt hat die Großmacht Russland den Nachbarstaat Ukraine mit einem Heer überfallen und ich merkte, dass ein gutes Heer zur Abschreckung eines möglichen feindlichen Angriffs wichtig ist.

Aber wie ist ein Verteidigungskrieg mit meinem christlichen Glauben vertretbar? Darf ich andere angreifende Soldaten töten? Das ist eine Frage des Gewissens. Wenn Jesus in der Bergpredigt Beispiele bringt, dann sind es meist Situationen im Privatbereich, wo er zum gewaltlosen und kreativen Handeln Anstöße gibt (Mt 5,1-7,29). In der Geschichte Europas hat man versucht, die Kriege durch Gesetze zu regeln. In den Kriegsregeln und im Völkerrecht sehe ich das Handeln von Menschen, die das Gute wollen, aber auch das Wirken des Heiligen Geistes und die Vergegenwärtigung des Handelns Jesu und dessen Passion.

Als Christ möchte ich den Kriegsopfern helfen (Caritas), aber auch die Aggressoren abhalten, Blut zu vergießen. Ein Verteidigungskrieg kann meiner Ansicht nach sinnvoll sein, z.B. als letztes Mittel zur Wiederherstellung des Rechts und wenn es Aussicht auf Erfolg gibt.

Marc Chagall, Der Krieg
Marc Chagall, Der Krieg


Auch gibt es im Krieg selbst internationale Gesetze, die einzuhalten sind und die Kriegsverbrechen verhindern sollen. Gut erklärt das der Völkerrechtswissenschafter Ralph Janik in der ORF TV-Thek und in seinem Blog (auch in meinem Blog gibt es eine Übersicht).

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Der dunkelste Tag für die Welt

Russland bricht mit dem Angriffskrieg alle internationalen Regeln. Putin befiehlt ohne Grund in die Ukraine einzumarschieren. Er bringt den Tod. Über Luft und Land, vom Osten, vom Norden über Belarus, vom Süden über die Schwarzmeerküste. Nichts rechtfertigt das Blutvergießen. Er hat Blut an den Händen.

Reaktion auf die Aggression

Die Reaktion von Europa und der Welt ist Fassungslosigkeit, aber auch starke Gegenmaßnahmen: Ein volles Paket massivster Sanktionen wird eingesetzt: im Bankenbereich, in der Hochtechnologie und gegen Personen, die diesen gewissenlosen Angriff beschlossen und unterstützt haben.

Humanitäre Hilfe

Genauso wichtig ist die humanitäre Hilfe. Michael Landau von der Caritas: „In der Ukraine droht eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Hilfe wird jetzt dringend gebraucht! Das zweitgrößte Land Europas befindet sich im absoluten Ausnahmezustand! Dieser Krieg ist eine Niederlage für die Menschlichkeit! Ein Krieg, den die Menschen in der Ukraine nicht verursacht haben und den sich niemand im Land gewünscht hat, ist nun eingetreten. Die Menschen in der Ukraine benötigen nun dringend unsere Unterstützung. Und sie benötigen diese Hilfe rasch!“

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Dankbarkeit und Freude

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Ich bin dankbar, dass ich gestern ehemalige Mitschülerinnen getroffen habe. Da ist mir bewusst geworden, dass ich so vieles schon erlebt habe und heute frage ich mich, warum ich noch immer lebe und was der Auftrag Gottes für mich ist. Wie alle Menschen sehe ich mich in meiner Eigenart von Gott berufen. Ich bin kein Fischer Petrus, kein Prophet Jesaja, kein Missionar Paulus. Ich habe keine großen Gotteserfahrungen gemacht, eher nur kleine Zeichen am Lebensweg erlebt. Ich stehe da mit leeren Händen und kann nur mit Worten und Gesten etwas geben. Meine drei Themen sind in diesen Tagen der Frieden in der Ukraine, die Heizung mit Erdwärme und die Erneuerung der Kirche. Die Erdwärme wegen der Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die Erneuerung der Kirche hat für mich den Zweck, dass die Liebe Gottes zu den Menschen sichtbarer und erfahrbarer wird.

Dazu trägt auch der Synodale Weg der katholischen Diözesen Deutschlands bei. Es wurden Beschlüsse zur Aufhebung des Pflichtzölibats, der Bischofsbestellung, der Machtaufteilung und der Weihe von Diakonissinen getroffen.

Krieg der orthodoxen Christen? Ukraine und Russland

Als Christ bin ich besorgt: Soll es dazu kommen, dass orthodoxe Christen andere orthodoxe Christen töten?
In der Auseinandersetzung zwischen Russland und Ukraine stehen sich zwei Länder gegenüber, die eine mehrheitlich orthodoxe Bevölkerung besitzen. Trotzdem gibt es einen nicht ausgesprochenen Krieg zwischen Soldaten in der Ostukraine und der Krim auf der einen Seite und dem ukrainischen Staatsgebiet auf der anderen Seite. Russland hat die Krim besetzt und unterstützt die Soldaten in der Ostukraine. Wirtschaftlich ist dieser Krieg ein Desaster. Die Bevölkerung leidet unter dieser militärischen Auseinandersetzung. Mit dem Aufmarsch von russischem Militär an der Grenze zur Ukraine wird eine Drohkulisse aufgebaut und ein Einmarsch von Russland in die Ukraine ist möglich.

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