Archiv der Kategorie: Gottes Handeln

Blind vor Rache

Mahatma Gandhi sagte: „Auge um Auge macht die ganze Welt blind.“ Ein Wort ergibt das andere, ein Schlag ergibt den anderen Schlag. Zum Schluss liegen alle am Boden. Wer beim Teufelskreis der Gewalt nicht mitmachen möchte, kann seinem Feind aus dem Weg gehen. Als Kinder haben wir gelernt: Der Gescheitere gibt nach, der Esel fliegt in den Bach. Aber es gibt Kränkungen, die tiefe Wunden in uns gerissen haben. Wir bemerken plötzlich, dass wir von einer wichtigen Person nicht geliebt werden. Dann ist Verzeihen sehr schwer. Verzeihen ist die schwerste Liebe nach Albert Schweitzer. Im Verzeihen liegt wahre Stärke (Roswitha Bloch). Es bringt Freude ins Herz (Marianne Einfeldt) und reißt mich aus der Vereinsamung heraus (Stefan Fleischer).

Der Prophet Nehemia lobt Gott, der ihm ein Vorbild ist: Du bist ein Gott, der verzeiht! (Nehemia 9,17b). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir Gott beim Verzeihen hilft.

Auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinschaft bauen

Mit gefällt die Geschichte vom Haus, das auf Fels gebaut ist. Stürme und Fluten konnten ihm nichts antun. Daneben steht das Haus, das auf Sand gebaut ist. Als ein Gewitter kommt, kracht das Haus ein. Mein Lebenshaus möchte ich auf Gott bauen. Er ist mein Fels.
Jesus war zwar ein Lehrer, der wie Sokrates weise Dinge lehrte, aber sein Hauptanliegen war das Umdenken. Dazu rief er auf: Kehrt um, das Reich Gottes ist nahe. Baut euer Haus auf Fels. Baut auf Gott.

Er baute auf seinen Vater im Himmel. Als es aber um seine Gemeinschaft ging, da baute er auf Menschen.
Seine Kirche, die auf der Erde und im Himmel sein soll, baute er auf dem Felsen Petrus. Das einzige Kriterium, das für Petrus sprach, war, dass der lebendige Gott sich dem Petrus geoffenbart hat und er dadurch zu Jesus „Sohn Gottes“ sagen konnte.

Zu dieser neuen Gemeinschaft rief er alle Verlorenen und – ja, auch alle Distanzierten. Er und Gott wollten eine bunte Gemeinschaft, eine Ekklesia der Liebenden. Die Gemeinschaft soll sich um Christus versammeln, der zum außergewöhnlichen Brot und Wein für alle wird. Die Gemeinschaft hat eine weltbewegende Aufgabe: Nächstenliebe und Gottesliebe zu leben und die Zuwendung Gottes zu verkünden. Gott zeigt sich dabei als ein anwesender Gott, der die gelebte Liebe befeuert und vergrößert.

Gott agiert mit uns

Gott handelt neben mir. Sein Handeln macht mich frei. Er schränkt mich nicht ein, sondern macht mich freier. Ich habe sein Handeln schon erlebt, als ich Schwierigkeiten hatte und er mir mein Handeln erleichterte. Ich habe sein Handeln erlebt, als mein kleines Tun in unerklärlicher Weise zu einer großen Wirkung wurde. Ich glaube, dass er bis jetzt auf meine Gesundheit acht gegeben hat und mich von der Halsverletzung geheilt hat. Auch habe ich sein Handeln erfahren, als jemand, für den ich gebetet habe, sich für ein neues Handeln entscheiden konnte.

Ich habe auch in unserer Gottesdienstgemeinde sein Handeln erlebt. Im Gottesdienst selbst verwandelt er das Brot und den Wein und wir können ihn empfangen. Aber es gibt auch immer Menschen, die er zu Neuem beruft. Ich habe sein Handeln bemerkt, als die kleinen Handlungen – wie ein Lächeln oder eine schöne Vorbereitung – größere heilsame und liebevolle Auswirkungen auf andere hatten. Ich bemerke, dass Gott in unserer Familie und in unserem Bekannten- und Freundeskreis handelt, indem er sehr oft das gute Tun verstärkt. Er schränkt uns durch sein Handeln nicht ein, sondern macht uns freier, kreativer und das hat Auswirkung auf andere. In den spannenden Geschichten bei Jesus kann man das Handeln Gottes sehen, das kulturelle und religiöse Grenzen überschreitet.

Übers Wasser gehen

Mit Freunden sprachen wir gestern über Gott und die Welt. „Gott ist außerhalb der Welt.“ „Gott agiert aber auch in der Welt.“ Unklar ist, wie wir bemerken können, dass Gott in der Welt handelt. Wenn Krebspatienten über Nacht geheilt sind, spricht die Medizin von Spontanremission und von einer Ausnahme. Normalerweise können Menschen nicht übers Wasser gehen. Ich glaube, dass Jesus als Mensch gewordener Gott das in einer Ausnahmesituation gemacht hat. Er agierte nicht, damit alle ihn bestaunen, sondern – wie ich glaube – damit wir ein Zeichen der Erlösung und der Liebe bekommen. Das Ereignis am See Genesaret zeigt einige solcher Ausnahmesituationen.

Jesus sah, wie sich die Jünger am See gegen den Wind beim Rudern abmühten. Er kam ihnen auf dem See entgegen, stieg in ihr Boot und der Sturm legte sich. Es ist eine Aktion Jesu, die zeigt, dass Gott helfend anwesend ist.

Als die Jünger glaubten, der übers Wasser kommende Jesus sei ein Gespenst, beruhigte er sie mit „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Es ist eine Aktion, bei dem Jesus als anwesender Gott die Furcht und die Angst nimmt.

Als Petrus Jesus bat, ihn über das Wasser zu ihm gehen zu lassen, sagte Jesus nur: „Komm!“ Darauf stieg Petrus aus dem Boot und ging auf Jesus zu. Nichts lenkte ihn ab und er konnte die Hilfe Gottes annehmen. Diese Aktion zeigt, dass Gott im Einklang mit Menschen handelt.

Erst als er nicht mehr auf Jesus, sondern auf den Wind schaute, verlor er die Hilfe Gottes und ging unter. Aber auch da half Jesus. Diese Aktion zeigt mir, dass er niemanden untergehen lässt.

Interessant wäre es, wenn wir uns austauschen könnten, inwiefern wir solche Ausnahme-Aktionen Gottes in unserem Leben schon bemerkt haben.

Jesus, Vollkorn und Omega 3

Ich liebe gesundes Essen. Aber ich habe mich bis jetzt nicht für die biologischen Hintergründe interessiert. Begonnen hat dieses Interesse, als meine Schwester von einem Buch schwärmte, das die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Ernährung auswertet. Als der Wissenschaftsjournalist Bas Kast gerade 40-jährig mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach, stellte sich ihm die existentielle Frage: Hatte er mit Junkfood seine Gesundheit ruiniert? Ich wurde ein Fan seiner Auswertung der vielen Mega-Studien und kaufte gleich am Brunnenmarkt Linsen, Kichererbsen, Vollkornbulgur und Hummus. Meine Frau machte köstliche Gerichte daraus, sagte aber, dass sie nicht nur diese Sachen verarbeiten möchte.
Im Evangelium vom Sonntag gibt es die Geschichte, wo Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen tausende Menschen satt machte. Das war eine großartige Sache. Er zeigte, dass wir Hungrige speisen und auf Gott schauen sollen, der der Spender von allem Guten ist und aus unserem Wenigen viel macht.
Menschen machten schon immer die Erfahrung, dass die Schöpfung uns nicht nur manche Medizin schenkt, sondern auch gesunde Nahrung. Die Brote waren zurzeit Jesu nicht aus Auszugsmehl, sondern aus Vollkornmehl gebacken. Sie machten satt. Die Fische brachten gesunde Omega 3 Fette den Menschen, die vor tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott für uns gerne sorgt und uns im Brot der Hostie begegnen möchte. Er schenkt uns gesunde Nahrung, Liebe und Inspiration.

Vor 13,8 Milliarden Jahren erschuf er das Universum

In der Evolution ließ er uns Menschen entstehen

Wenn ich mich auf die Suche nach dem Sinn von allem mache, dann komme ich an den Naturwissenschaften nicht vorbei. Ich erkenne dadurch besser, wie alles begann und wie Gott die Evolution vorantrieb.

Ich glaube an Gott, der kein Teil des Universums ist, sondern dem Universum gegenüber ist. Auch wenn es viele Universen gibt, wie manche behaupten, so ist er diesen ebenfalls gegenüber und hat sie aus dem Nichts erschaffen. Ich glaube an einen Gott, über den nichts Größeres gedacht werden kann, wie es Anselm von Canterbury sagte.

Ich glaube an einen Gott, der vor 13,8 Milliarden Jahren das Universum erschuf. Ich glaube an einen Gott, der vor 3,5 Milliarden Jahren Leben auf der Erde entstehen ließ. Ich glaube an einen Gott, der innerhalb der biologischen Evolution uns Menschen entstehen ließ. Ich glaube an einen Gott, der sich den Menschen immer wieder zeigte – wie dem Moses im brennenden Dornbusch.

Ich glaube an einen Gott, der vor 2000 Jahren ein Mensch wurde, damit wir ihn besser kennenlernen. Ich glaube an einen Gott, der uns nach dem Tod auffängt, sodass wir bei ihm leben können. Aber schon vor dem Tod ist er uns jetzt sehr, sehr nahe. Ich sehe mich von ihm überreich beschenkt.

Unter uns

Lebendig

Die starke Beschränkungen der Coronazeit ist vorbei. In den öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Friseur gibt es sie noch, die Maskenpflicht. Einige sagen mir, sie wollen die Maske beim Einkaufen weiterverwenden. Sie ist ein Zeichen, dass das Virus unsichtbar noch unter uns ist.
Unsichtbar ist auch Gott unter uns. Da macht es Sinn, wenn sich Menschen in Gruppen treffen (mit Abstand) und sich auf die Suche nach Gott machen. Ich möchte mich dem anschließen und mich mit anderen fragen, wo Gott in unserem Leben handelt. Wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, da ist er mitten unter ihnen.
Gott hat sich dem Moses mit seinem Namen gezeigt: Ich bin der, der ich bin da. Es muss kein brennender Dornbusch sein, der nicht verbrennt. Aber ein brennendes Herz unter uns würde einen Anfang machen. Da möchte ich mich auf die Suche nach den brennenden Herzen unter uns machen. Ich bin mir sicher, er handelt – aus Liebe – unter uns.

Er ist uns ganz, ganz nahe

Mein Staunen

Staunen und Freuen

Ich staune, dass Gott uns so nahe ist und dass er in allem, was existiert, anwesend ist. Ich staune über die Bäume, wie sie wachsen und Blätter hervorbringen, ich staune über die Hummeln, die in die Blüten kriechen. Ich staune über das Universum mit den Milliarden Galaxien und Sternen. Ich staune über uns Menschen, die wir seit tausenden von Jahren ein Bewusstsein entwickelt haben und uns mit anderen unterhalten können. Ich staune auch darüber, dass ich lebe und lebendig bin.

Meine Freude

Ich freue mich, dass es einen Gott gibt, der so wie wir fühlen, sehen, hören und sich auf seine Weise mitteilen kann. Ich fühle mich geborgen und danke ihm, dass er uns alle in seinem Gnadenstrom beschenkt. Wo ich auch gehe, er ist immer da. In den kleinsten Molekülen und Atomen kommt er mir entgegen. In jedem Menschen, dem ich begegne, ahne ich seine Gegenwart. In der Luft, die ich einatme, ist sein Windhauch. Es ist herrlich, wenn wir Menschen uns zuhören und verstehen. Da hilft Gottes Geist, der Kommunikation und Kommunion herstellt. Gott hält liebevoll in einem großen Rahmen alles zusammen, damit alles, was existiert, Sinn gibt. Danke, Gott!

Mit erhobenem Kopf

Jesus bringt seine Botschaft von der Liebe Gottes zu den Armen. Sie sollen ermutigt werden, mit erhobenem Kopf durch die Welt zu gehen. Auch den Schwarzen sagt Jesus: „Fürchtet euch nicht vor den anderen, bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf von Gott gezählt.“ Black lives matter.

Where Is God in a Pandemic?

Last summer I underwent radiation treatment. And every time I passed through the doorway marked “Radiation Oncology,” my heart seemed to skip a beat. While I was in little danger (my tumor was benign, and, yes, one sometimes needs radiation for that), I daily met people who were close to death.

Every weekday for six weeks I would hail a cab and say, “68th and York, please.” Once there, I would stop into a nearby church to pray. Afterward, walking to my appointment in a neighborhood jammed with hospitals, I passed cancer patients who had lost their hair, exhausted elderly men and women in wheelchairs pushed by home health care aids, and those who had just emerged from surgery. But on the same sidewalks were busy doctors, smiling nurses and eager interns, and many others in apparently perfect health.

To read: Where Is God in a Pandemic? By James Martin. Father Martin is a Jesuit priest and an author.

In dieser Adventzeit merke ich, dass Gott liebevoll im Hintergrund handelt.

Es gibt sie noch, die Weihnachtspost auf Papier. Wir bekommen von lieben Freunden Weihnachtskarten, teilweise sogar selbst gemalt. Sie stehen dann am Esstisch vor dem Adventkranz und erinnern uns an die Freunde und geben dem Raum vorweihnachtliche Atmosphäre. In dieser Adventzeit merke ich, dass Gott liebevoll im Hintergrund handelt. Es fügt sich vieles, was vorher nicht möglich war. Er kommt zu uns nicht nur in unsere Herzen, wie es der Romantiker Angelus Silesius weiß, sondern auch über unsere Augen durch das Licht der Kerzen. Da strahlt auch ein fast unbemerkbares Licht vom Kind aus Betlehem zu uns. Dieses Sinnliche kann ich auch in den Gottesdiensten wahrnehmen. Gott wird mir im Brot und im Wein sinnlich wahrnehmbar. Es ist für mich ein Privileg, in die Kirche zum Gottesdienst zu gehen und Gott in der Kommunion zu empfangen. Dieses Privileg wirkt sich merkbar im Alltag aus. Es entwickelt sich eine gewisse Distanz zu den Heiligtümern dieser Welt wie Auto, Konsum, Fernreisen oder Erfolg. Ich bekomme Lust, Weihnachtskarten zu schreiben und Geschenke auszusuchen. Das Schöne und Gute ist ein Vorgeschmack des Paradieses und umgekehrt wird vieles, was wir in dieser Welt erleben und gestalten ein Teil des göttlichen Himmels. Auch das Gute. Auch das Schöne. Und auch die lieben Menschen.