Archiv der Kategorie: Gottes Handeln

Hat mich jemand lieb?

Eine der wichtigsten Erfahrungen eines Menschen ist es, geliebt zu werden. „Es ist schön, dass es dich gibt.“ Eine andere Erfahrung ist es, sich auf einen Menschen verlassen zu können. „Ich kann dir vertrauen, dass du mir in der Not hilfst.“ Ähnlich ist es in meiner Beziehung zu Gott. Wenn ich zu ihm sage: Ich vertraue dir, dass du bei mir bist. Du hast im brennenden Dornbusch zu Moses gesagt: „Ich bin mit dir.“ Und dann hast du mit ihm das Volk aus Ägypten geführt. – Dann kann sich die Treue Gottes bei mir bewahrheiten. Ich kann bemerken, dass er mich aufrichtet, dass er mir einen Weg zeigt, mich heilt und dass er mich von üblen Ketten befreit. Es bewahrheitet sich seine Nähe und Zuwendung.

Kann Distanz Sünde sein? Gott überwindet die Distanz zur Welt

Wenn ich in der Messe höre, dass Jesus die Sünde überwunden hat, dann ärgere ich mich. Ich frage mich, was wohl damit gemeint ist. Ich höre: „Er hat die Sünde der Welt hinweggenommen.“ Aber was, um Himmels willen, bedeutet das? Was ist weg, wenn er stirbt? Er ist doch selbst weg! Der Heilige Geist ist dafür gekommen.

Inwiefern damit die Sünde weg ist, ist völlig unklar.

Es gibt nach der Tradition zwei Bedeutungen der Sünde.

  • Das eine ist die Sünde der Welt. Dafür sind wir persönlich nicht schuldig geworden.
  • Dann gibt es die persönliche Sünde. Dafür bin ich schuldig geworden. Das kann ich in der Beichte oder im Bußakt am Anfang der Messe wegbekommen, wenn ich bereue.

Wenn es heißt, dass Jesus gestorben ist, um die Welt von der Sünde zu reinigen, sind damit nicht die persönlichen, individuellen Sünden gemeint, sondern die Sünde der Welt.

Das Wort Sünde kommt von Absonderung oder „Sich Absondern“. Wenn ich jetzt noch erklären will, was Sünde der Welt bedeutet, dann kann ich nur sagen: Es ist die Beziehungslosigkeit der Welt zu Gott.

In der Beziehung zu Gott wäre das: Absonderung von Gott, sich distanzieren von Gott, Distanz zu Gott, Gottesferne, von Gott weggehen, Gott ausgrenzen, sich von Gott ausgrenzen, Gott vergessen, Gott ignorieren, Gott nicht kennen wollen und Gott verachten.

Das Gegenteil wäre: Gottes Nähe suchen, Gott nachgehen, Gott begegnen, Gott lieben, mit Gott kooperieren, zu Gott kommen, sich an Gott erinnern, Gott kennen wollen, Gott annehmen, Gott beachten.

Die Sache von Gottes Seite wäre: Gott kommt uns nahe, Gott geht uns nach, Gott begegnet uns, Gott liebt uns, Gott kooperiert mit uns, Gott kommt zu uns, Gott erinnert sich an uns, Gott erkennt uns, Gott nimmt uns an, Gott beachtet uns.

Ich fordere dazu auf, die Texte der Liturgie genauer zu schreiben. Jesus hat nicht die Sünde überwunden, sondern die Distanz zu uns überwunden. Er hat nicht die Sünde weggenommen, sondern die Gottesferne hinweggenommen.

Durch seine Menschwerdung kommt er den Menschen nahe. Durch sein Leben und Sterben offenbart er, wer Gott ist und nimmt die Absonderung der Welt weg.

Ich glaube, dass die Gegenwart Gottes nach seinem Tod bei uns bleibt. Jesus geht zu seinem Vater und schenkt uns den Heiligen Geist, der in dieser Art Gottes Nähe, Gottes Gegenwart und Gottes Liebe darstellt.

Der Heilige Geist erlöst uns von der Gottlosigkeit, überwindet die Distanz und ist uns sehr nahe. Halleluja!

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Der zweite Begleiter auf dem Weg nach Emmaus

Die Emmausgeschichte erzählt die Erfahrung zweier Jünger, einer hieß Kleopas, nach dem Tod Jesu. Sie gehen enttäuscht nach Hause und erkennen ihn nicht, als er sich zu ihnen gesellt. Er begleitet sie auf ihrem Weg und kann ihnen einiges erklären.

Die Szene ist beeindruckend. Traurige Jünger gehen nach Hause, dann kommt Jesus. Sie erkennen ihn nicht. Er aber setzt ihre Herzen in Flammen. Wie gelingt ihm das als Gestorbener? Ich sage: Er hat seit Beginn einen Begleiter. Es ist der Heilige Geist, der ihn seit seiner Zeugung begleitete, auch bei seinen Heilungen, bei seinen Predigten, bei seinem Leiden, bei seiner Auferstehung und bei seinen Erscheinungen wie hier auf dem Weg nach Emmaus. Der Geist gibt ihm die Ausrichtung zum Vater und die Liebe zu den Menschen, hier die Liebe zu Kleopas und seinem Freund. Zuerst kritisiert er ihr träges Herz. Es sollte aktiv sein, damit es sich entzündet. Sie sollen die Bücher der Propheten lesen. Da kommt ihnen Gott entgegen. Ihre Herzen können sich nur an Gott entzünden, der aus dem brennenden Dornbusch spricht und der zu Pfingsten den Heiligen Geist mit Feuerzungen auf die Jünger herabfallen lässt. Gott ist damit ähnlich einer brennenden Liebesflamme, an der sich ihr Herz entzündet. Die Szene ist vom Geist geprägt, mit dem der Auferstandene begleitet, erklärt und Beziehung aufbaut. In dieser Beziehung kann er ihr Herz entflammen.

Die zweite Szene ist wie bei der Eucharistie, die mit der Herabrufung des Heiligen Geistes auf Brot und Wein beginnt. Nachdem es Abend geworden war, drängten sie ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Auch hier hat er mit dem Heiligen Geist seine Liebe zu den beiden Jüngern gezeigt und war einverstanden, in ihr Haus zu gehen. Dass nicht der Hausherr, eventuell Kleopas, den Lobpreis sprach, sondern dass der Auferstandene das Brot nahm, den Lobpreis sprach, es brach und ihnen gab, war ungewöhnlich. Er war plötzlich der Hausherr und das war er, weil ihm dazu der Heilige Geist den Raum gab. Aber kaum hatte er ihnen das Brot gegeben, entschwand er ihren Blicken und mit ihm der Raum des Geistes. Beim Geben des Brotes erkannten sie ihn. Es ist sein Auftrag, für andere da zu sein und Brot für sie zu sein. Den Raum dazu schafft der Heilige Geist.

Gott lässt sich nicht aufhalten

Gott lässt sich nicht verbieten, auch ein Gebet im öffentlichen Raum lässt sich nicht verbieten. Religion ist unterdrückbar, aber Menschen mit Gott lassen sich nicht unterdrücken. Gott ist wie ein Ball, den ich unter Wasser halte. Wenn ich mich bewege, rutscht er nach oben. Gottes Kommen überrascht uns alle. Er kommt auf seine Weise.
Vor zwei Sachen möchte ich mich hüten: Ich möchte Gott nicht für meine Zwecke benutzen und ich möchte mich nicht an seine Stelle setzen. Denn je mehr ich forsche umso mehr weiß ich, dass ich nichts weiß.
Ich bitte: Gott gebe mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Gib dem Kleinen eine Chance

Er lässt das Kleine wachsen

Wenn ich etwas nicht machen kann, dann tut es gut, wenn ich es vor Gott hinlege. Ich kann nicht alles ändern. Auch mit anderen zusammen kann ich nicht alles ändern. Das meiste entzieht sich meiner Kontrolle. Das ist typisch für das Leben. Dahinter wirkt Gott. Er hält alles in seiner Hand zusammen und lässt es wachsen. Paulus schreibt an die Korinther: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ es wachsen. Gott lässt auch sein Reich wachsen. Er ist ein Vorbild für mich. Er schenkt uns Talente, aber wir können sie entwickeln. Bei Jesus geht es um das Kleine, um den kleinen Samen, der wächst. Es geht ihm um die kleinen Talente, die bei den Menschen wachsen.
Es geht ihm um die kleinen Gemeinschaften, die wachsen. Auch unsere Gottesdienstgemeinde war eine kleine Gemeinde. Auch sie ist mit Gottes Hilfe gewachsen. Es gibt aber auch innerhalb der Gemeinde kleine Gemeinschaften, die wachsen. Das ist wunderbar. Es zeigt mir, dass wir wie Paulus mit Kleinem beginnen können. Wir können wie Apollos das Kleine begießen. Wir können darauf vertrauen, dass Gott das Kleine beschützt, sodass es wachsen kann – unsere kleinen Gemeinschaften und unsere kleinen Talente.

Sicherer Gottesdienstbesuch

Wir hoffen, dass niemand an Corona erkrankt und es soll sich niemand bei der Feier des Gottesdienstes anstecken. Im Kirchenraum machen wir einerseits sichere Vorkehrungen, wie in anderen Kirchen auch. Andererseits müssen wir gewährleisten, dass ein Nachverfolgen, wer wo gesessen ist, möglich ist.

  1. Wir sperren jede zweite Bankreihe, damit genug Abstand ist. In jeder Bank können zwei sitzen.
  2. Wir sperren die erste Reihe vor dem Chorgestühl. Neu: Im Chorgestühl müssen zwei Plätze rechts und links frei bleiben.
  3. Wenn die Personen in einem Haushalt leben, gilt der Abstand nicht und es können alle zusammen sitzen.
  4. Die Sitze sind nummeriert und jede Person schreibt auf einen Namenszettel ihre Sitznummer.
  5. Die Zettel werden gesammelt und 28 Tage aufbewahrt.

Ich liebe diese Trennung von Religion und Staat, wie sie sich in der Westkirche durchgesetzt hat. Der heilige Augustinus hat als erster irdischen Staat und Gottesstaat durchdacht. Den irdischen Staat erlebe ich, wenn es heißt: Masken tragen oder Abstand halten. Den Gottesstaat erlebe ich in der Messe, wenn wir durch Gott im Brot und durch die Sehnsucht danach eine tiefe Gemeinschaft werden.
Könnte es sein, dass Gott und sein Geist in diesen Tagen beginnt, unsere Gemeinschaft zu erneuern?
(Katholische Gottesdienstgemeinde Sacré Coeur, 3021 Pressbaum, Klostergasse 12, Österreich)

Panikattacken und eine mögliche Rettung

Es gibt sie, die Menschen, die alles „wissen“ und an ihren Überzeugungen festhalten, obwohl sie damit krank werden. Sie sind wie dieser Mensch, der sich in der Wüste verirrte und dann eine Oase mit Wasser sah. Er dachte sich: „Das ist nur eine Fata Morgana. Mein Hirn spielt verrückt.“ Beduinen fanden ihn verdurstet knapp vor dem Wasser der Oase liegen. Sie wunderten sich, dass er nicht die paar Schritte zum Wasser gemacht hatte. Das wäre seine Rettung gewesen.

Ich kenne einige, die ständig Panikattacken haben. Gott möchte ihnen ihre Angst nehmen, aber sie öffnen nicht ihr Herz. Sie haben die fixe Idee, Gott sei nur die Projektion der menschlichen Wünsche. In Wirklichkeit existiere er nicht. Dabei ist er ihnen näher als sie denken. Er könnte sie von den Panikattacken befreien. Dabei müssten sie nur einen Schritt machen.

Blind vor Rache

Mahatma Gandhi sagte: „Auge um Auge macht die ganze Welt blind.“ Ein Wort ergibt das andere, ein Schlag ergibt den anderen Schlag. Zum Schluss liegen alle am Boden. Wer beim Teufelskreis der Gewalt nicht mitmachen möchte, kann seinem Feind aus dem Weg gehen. Als Kinder haben wir gelernt: Der Gescheitere gibt nach, der Esel fliegt in den Bach. Aber es gibt Kränkungen, die tiefe Wunden in uns gerissen haben. Wir bemerken plötzlich, dass wir von einer wichtigen Person nicht geliebt werden. Dann ist Verzeihen sehr schwer. Verzeihen ist die schwerste Liebe nach Albert Schweitzer. Im Verzeihen liegt wahre Stärke (Roswitha Bloch). Es bringt Freude ins Herz (Marianne Einfeldt) und reißt mich aus der Vereinsamung heraus (Stefan Fleischer).

Der Prophet Nehemia lobt Gott, der ihm ein Vorbild ist: Du bist ein Gott, der verzeiht! (Nehemia 9,17b). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir Gott beim Verzeihen hilft.

Auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinschaft bauen

Mit gefällt die Geschichte vom Haus, das auf Fels gebaut ist. Stürme und Fluten konnten ihm nichts antun. Daneben steht das Haus, das auf Sand gebaut ist. Als ein Gewitter kommt, kracht das Haus ein. Mein Lebenshaus möchte ich auf Gott bauen. Er ist mein Fels.
Jesus war zwar ein Lehrer, der wie Sokrates weise Dinge lehrte, aber sein Hauptanliegen war das Umdenken. Dazu rief er auf: Kehrt um, das Reich Gottes ist nahe. Baut euer Haus auf Fels. Baut auf Gott.

Er baute auf seinen Vater im Himmel. Als es aber um seine Gemeinschaft ging, da baute er auf Menschen.
Seine Kirche, die auf der Erde und im Himmel sein soll, baute er auf dem Felsen Petrus. Das einzige Kriterium, das für Petrus sprach, war, dass der lebendige Gott sich dem Petrus geoffenbart hat und er dadurch zu Jesus „Sohn Gottes“ sagen konnte.

Zu dieser neuen Gemeinschaft rief er alle Verlorenen und – ja, auch alle Distanzierten. Er und Gott wollten eine bunte Gemeinschaft, eine Ekklesia der Liebenden. Die Gemeinschaft soll sich um Christus versammeln, der zum außergewöhnlichen Brot und Wein für alle wird. Die Gemeinschaft hat eine weltbewegende Aufgabe: Nächstenliebe und Gottesliebe zu leben und die Zuwendung Gottes zu verkünden. Gott zeigt sich dabei als ein anwesender Gott, der die gelebte Liebe befeuert und vergrößert.

Gott agiert mit uns

Gott handelt neben mir. Sein Handeln macht mich frei. Er schränkt mich nicht ein, sondern macht mich freier. Ich habe sein Handeln schon erlebt, als ich Schwierigkeiten hatte und er mir mein Handeln erleichterte. Ich habe sein Handeln erlebt, als mein kleines Tun in unerklärlicher Weise zu einer großen Wirkung wurde. Ich glaube, dass er bis jetzt auf meine Gesundheit acht gegeben hat und mich von der Halsverletzung geheilt hat. Auch habe ich sein Handeln erfahren, als jemand, für den ich gebetet habe, sich für ein neues Handeln entscheiden konnte.

Ich habe auch in unserer Gottesdienstgemeinde sein Handeln erlebt. Im Gottesdienst selbst verwandelt er das Brot und den Wein und wir können ihn empfangen. Aber es gibt auch immer Menschen, die er zu Neuem beruft. Ich habe sein Handeln bemerkt, als die kleinen Handlungen – wie ein Lächeln oder eine schöne Vorbereitung – größere heilsame und liebevolle Auswirkungen auf andere hatten. Ich bemerke, dass Gott in unserer Familie und in unserem Bekannten- und Freundeskreis handelt, indem er sehr oft das gute Tun verstärkt. Er schränkt uns durch sein Handeln nicht ein, sondern macht uns freier, kreativer und das hat Auswirkung auf andere. In den spannenden Geschichten bei Jesus kann man das Handeln Gottes sehen, das kulturelle und religiöse Grenzen überschreitet.