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Ikarus will hoch hinaus

Im Lied „Ikarus“ fragt sich Reinhard May, was ihn drängt in die Lüfte aufzusteigen und er vermutet, dass es die Flucht aus der Gefangenschaft ist: „Manchmal frag‘ ich mich, was ist es eigentlich, das mich drängt aufzusteigen und dort oben meine Kreise zu zieh’n, vielleicht, um über alle Grenzen zu geh’n. Vielleicht, um über den Horizont hinaus zu seh’n und vielleicht, um wie Ikarus aus Gefangenschaft zu flieh’n.“ Den Sänger drängt etwas, dieses Drängende kann auch Gott sein, der in uns allen ist. Wenn der Mensch oben ist kann er seine „Kreise ziehen“, kann sich entwickeln, wie es Rainer Maria Rilke meint mit seinem Gedicht: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen.“ Und „Ich kreise um Gott.“ Reinhard May will weiter: „Um über den Horizont hinaus zu seh’n.“ Er kann einen Blick in die unendliche Weite wagen, die wir Christen auch in Gott sehen. Die Gefangenschaft, aus der er fliehen will, ist dann die irdische, endliche Welt. Viktor Frankl sieht in der Hinwendung zur unendlichen Transzendenz, zu Gott, eine Heilung aus der Krankheit des Geistes, der Pneumapathologie. Reinhard May hat die Flucht aus der diesseitiger Gefangenschaft auch in seinem Lied „Über den Wolken“ besungen, das mein Bruder so gerne hatte. Wer nur im Irdischen lebt, ist versucht, alles aus dem Jetzt herauszupressen. Da bleibt uns nur, sich wie Ikarus aus dieser Gefangenschaft zu erheben. Aber ohne Gott stirbt Ikarus. Seine Flügel fallen ab und er stürzt hinunter. Nur Gott fängt ihn auf. Rilke dazu: Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält. Hier ein Link zum Lied Ikarus.

Er schenkt sich in den Begegnungen

Ich bitte Gott und was macht er?
Es gibt vieles, was ich erbitte und Gott erfüllt es nicht. Dann wiederum bitte ich ihn und er handelt, aber auf seine Weise. Ich kenne Menschen mit Krebs, die gläubig sind, beten, Behandlungen bekommen, abmagern und wieder gesund werden. Es gibt aber auch Glaubende, die ihr Herz Gott öffnen, krank werden und sterben. Dann gibt es wieder plötzliche Heilungen, Spontanremissionen, die Ärzte nicht erklären können. Der Natur gibt Gott das Wachsen und das sich Ordnen. Als Mensch bin ich mit meinem Körper ein Teil der Natur, kann dadurch krank werden und – ich werde auch sterben. Ich weiß mich dabei von Gott begleitet. Auch durch den Tod hindurch.

Gott ist Freiheit und er gibt uns Freiheitsräume, die er nicht einschränkt sondern ermöglicht und vergrößert. Als er Mensch geworden ist hat er Maria gefragt, ob sie einverstanden ist. Er greift nur ein, wenn wir unser Herz öffnen und zu seinem Willen „Ja“ sagen. Unsere Bitten sind Einverständniserklärungen, dass Gott etwas tun kann. Dadurch öffnet sich ein Handlungsspielraum für ihn. Es sind vor allem die Begegnungen, in denen Gott unsichtbar wirkt. Wenn ich mich ihm öffne, ändert er mein Inneres. Durch das Herz anderer kann Gott auf mich unbemerkt einwirken. Wenn ich Ja zu ihm sage, kann er, wenn er will, etwas in der Welt tun – und ich vieles mit ihm. Wir können untereinander, so glaube ich, Gottesmedien sein, durch die Gott bemerkt oder unbemerkt wirken, lieben und handeln kann.