Archiv der Kategorie: Jesus

Sie bleiben Freunde

Simon Petrus
6. Jh.
Katharinen
kloster
Sinai

Wenn ich das Gespräch zwischen Jesus und Petrus zum Sonntagsevangelium lese, bin ich irritiert. Es beginnt damit, dass Petrus Jesus zurechtweist, er soll nicht zu den Hohenpriestern nach Jerusalem gehen. Dort könnte es ihm schlecht gehen. Das solle Gott verhindern. Darauf antwortete Jesus ungewohnt scharf: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Er weist Jesus zurecht
Petrus nimmt sich die Frechheit heraus, Jesus in seiner Messias-Aufgabe zu belehren: „Das soll Gott verhüten!“ Da ist es verständlich, dass Petrus in die Schranken gewiesen wird. Jesus sagt zu ihm: „Tritt hinter mich!“ Petrus soll ihm nachgehen (Mk 8,34; Joh 21,22) und ihn nicht zurechtweisen.
Jesus ärgert sich und es wirkt, als suche er gerade seine neue heilsgeschichtliche Aufgabe und kann noch keinen Widerspruch gebrauchen. Vielleicht hat er dem Petrus auch signalisiert, dass er seine Sorge versteht.
Der Vater der Lüge und der Mörder von Anfang an
Für mich ist interessant, dass im ursprünglichen Markusevangelium Jesus auf die Menge der Jünger schaut, als er „Du Satan“ sagt (Mk 8,33). Das zeigt mir, dass der Satan gar nicht nur in Petrus ist, sondern dass er in der Menge entstehen kann, in einer Menge, die jemanden aus der Gemeinschaft misshandelt und tötet.
Wir kennen das in Mobbingsituationen, wenn eine Gruppe einen ausschließt. Und wir kennen das, wenn die Menge brüllt: Ans Kreuz mit ihm! Wir kennen das, wenn eine Menge von Nationalsozialisten Juden verfolgt. Wir kennen das, wenn Polizisten auf Schwarze schießen. Der Satan ist, sagt Jesus, der Vater der Lüge und ein Mörder von Anfang an (Joh 8,44).
Zwei Rollen: persönliche Geschichte und Heilsgeschichte
Das Überraschende für mich ist, dass Jesus und Petrus Freunde bleiben, auch wenn Jesus ihm vorwirft, der Versucher zu sein. Es zeigen sich zwei Seiten. Auf heilsgeschichtlicher Seite muss Petrus den Willen Gottes im Sinn haben. Auf persönlicher Seite sind sie Freunde.
Beide haben sehr unterschiedliche heilsgeschichtliche Aufgaben: Petrus als Fels, auf dem Jesus seine Kirche baut und Jesus als heilender und mitleidender Menschen- und Gottessohn.
Wir haben eine heilsgeschichtliche Aufgabe
Auch wir Christinnen und Christen haben verschiedene Aufgaben. Einerseits sind wir Privatmenschen mit unseren Verwandten und Freunden, andererseits haben wir eine heilsgeschichtliche Aufgabe, Gottes Liebe erfahrbar zu machen. Manchmal können wir das verbinden. Auf jeden Fall hilft uns das Feuer des Heiligen Geistes.

Quellen:
Bibeltext: Matthäus 16, 21-27
Bibelwerk: Matthäus 16, 21-27
René Girard, Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz, 2002
Willibald Sandler, Jesus Christus, Sieger über Teufel und Dämonen, 2009

Gott agiert mit uns

Gott handelt neben mir. Sein Handeln macht mich frei. Er schränkt mich nicht ein, sondern macht mich freier. Ich habe sein Handeln schon erlebt, als ich Schwierigkeiten hatte und er mir mein Handeln erleichterte. Ich habe sein Handeln erlebt, als mein kleines Tun in unerklärlicher Weise zu einer großen Wirkung wurde. Ich glaube, dass er bis jetzt auf meine Gesundheit acht gegeben hat und mich von der Halsverletzung geheilt hat. Auch habe ich sein Handeln erfahren, als jemand, für den ich gebetet habe, sich für ein neues Handeln entscheiden konnte.

Ich habe auch in unserer Gottesdienstgemeinde sein Handeln erlebt. Im Gottesdienst selbst verwandelt er das Brot und den Wein und wir können ihn empfangen. Aber es gibt auch immer Menschen, die er zu Neuem beruft. Ich habe sein Handeln bemerkt, als die kleinen Handlungen – wie ein Lächeln oder eine schöne Vorbereitung – größere heilsame und liebevolle Auswirkungen auf andere hatten. Ich bemerke, dass Gott in unserer Familie und in unserem Bekannten- und Freundeskreis handelt, indem er sehr oft das gute Tun verstärkt. Er schränkt uns durch sein Handeln nicht ein, sondern macht uns freier, kreativer und das hat Auswirkung auf andere. In den spannenden Geschichten bei Jesus kann man das Handeln Gottes sehen, das kulturelle und religiöse Grenzen überschreitet.

Übers Wasser gehen

Mit Freunden sprachen wir gestern über Gott und die Welt. „Gott ist außerhalb der Welt.“ „Gott agiert aber auch in der Welt.“ Unklar ist, wie wir bemerken können, dass Gott in der Welt handelt. Wenn Krebspatienten über Nacht geheilt sind, spricht die Medizin von Spontanremission und von einer Ausnahme. Normalerweise können Menschen nicht übers Wasser gehen. Ich glaube, dass Jesus als Mensch gewordener Gott das in einer Ausnahmesituation gemacht hat. Er agierte nicht, damit alle ihn bestaunen, sondern – wie ich glaube – damit wir ein Zeichen der Erlösung und der Liebe bekommen. Das Ereignis am See Genesaret zeigt einige solcher Ausnahmesituationen.

Jesus sah, wie sich die Jünger am See gegen den Wind beim Rudern abmühten. Er kam ihnen auf dem See entgegen, stieg in ihr Boot und der Sturm legte sich. Es ist eine Aktion Jesu, die zeigt, dass Gott helfend anwesend ist.

Als die Jünger glaubten, der übers Wasser kommende Jesus sei ein Gespenst, beruhigte er sie mit „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Es ist eine Aktion, bei dem Jesus als anwesender Gott die Furcht und die Angst nimmt.

Als Petrus Jesus bat, ihn über das Wasser zu ihm gehen zu lassen, sagte Jesus nur: „Komm!“ Darauf stieg Petrus aus dem Boot und ging auf Jesus zu. Nichts lenkte ihn ab und er konnte die Hilfe Gottes annehmen. Diese Aktion zeigt, dass Gott im Einklang mit Menschen handelt.

Erst als er nicht mehr auf Jesus, sondern auf den Wind schaute, verlor er die Hilfe Gottes und ging unter. Aber auch da half Jesus. Diese Aktion zeigt mir, dass er niemanden untergehen lässt.

Interessant wäre es, wenn wir uns austauschen könnten, inwiefern wir solche Ausnahme-Aktionen Gottes in unserem Leben schon bemerkt haben.

Jesus, Vollkorn und Omega 3

Ich liebe gesundes Essen. Aber ich habe mich bis jetzt nicht für die biologischen Hintergründe interessiert. Begonnen hat dieses Interesse, als meine Schwester von einem Buch schwärmte, das die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Ernährung auswertet. Als der Wissenschaftsjournalist Bas Kast gerade 40-jährig mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach, stellte sich ihm die existentielle Frage: Hatte er mit Junkfood seine Gesundheit ruiniert? Ich wurde ein Fan seiner Auswertung der vielen Mega-Studien und kaufte gleich am Brunnenmarkt Linsen, Kichererbsen, Vollkornbulgur und Hummus. Meine Frau machte köstliche Gerichte daraus, sagte aber, dass sie nicht nur diese Sachen verarbeiten möchte.
Im Evangelium vom Sonntag gibt es die Geschichte, wo Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen tausende Menschen satt machte. Das war eine großartige Sache. Er zeigte, dass wir Hungrige speisen und auf Gott schauen sollen, der der Spender von allem Guten ist und aus unserem Wenigen viel macht.
Menschen machten schon immer die Erfahrung, dass die Schöpfung uns nicht nur manche Medizin schenkt, sondern auch gesunde Nahrung. Die Brote waren zurzeit Jesu nicht aus Auszugsmehl, sondern aus Vollkornmehl gebacken. Sie machten satt. Die Fische brachten gesunde Omega 3 Fette den Menschen, die vor tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott für uns gerne sorgt und uns im Brot der Hostie begegnen möchte. Er schenkt uns gesunde Nahrung, Liebe und Inspiration.

Alles wird aufgedeckt.

Die Pandemie zeigt uns die Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse in der Fleischindustrie. Die meist aus Osteuropa stammenden Arbeiter leben überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften. Dort teilen sich oft zehn Personen ein Zimmer und müssen sich beengte Gemeinschaftseinrichtungen wie Küche und Bad mit anderen nutzen.

Auch in den Postverteilerzentren, in denen Leiharbeiter angestellt sind, gab es Ausbrüche des Coronavirus. Leiharbeiter melden sich nicht krank, weil sie befürchten, ihren Job zu verlieren und stecken andere an. Da muss der Staat unbedingt die Arbeitsgesetze nachbessern.

Dass das jetzt bekannt wird, erinnert mich an den Jesus-Spruch „Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!“ (Mt 10, 26)

Nach den Berichten einer rumänischen Erntehelferin über Missstände in einem österreichischen Spargelbetrieb ist ein Erntehelfer-Quartier am Freitag behördlich gesperrt worden.
Quelle: ORF 19.6.2020

Wir spielen gemeinsam

Wie ein Orchester

Kinder Gottes

Die Israeliten sahen sich als Kinder Gottes. Jesus, das einzigartige Kind Gottes, gab allen Menschen, die ihn in der Kommunion aufnehmen, die Macht, Kinder Gottes zu sein.

Ein Orchester mit Jesus als Dirigenten

Als Kinder Gottes sind wir wie ein Orchester, jeder spielt ein Instrument und tönt. Im Zusammenspiel ergibt es wunderbare Musik. Gottes Geist ist wie der Wind, der uns Luft für unsere Instrumente zuweht und Jesus ist der umsichtige Dirigent, der die Einsätze gibt und den Rhythmus schlägt. Da ist es wichtig, dass alle Instrumente gut gestimmt sind. Alle, die durch körperliche oder seelische Krankheit schwach sind, eine ansteckende Krankheit wie Covid-19 haben oder einen abwertenden Geist haben, müssen Heilung erfahren können.

Das ganze Musikstück soll zur Freude aller erklingen. Deswegen gibt uns Jesus die Vollmacht, die Kranken zu heilen und uns in den Beziehungen zu Gott und zu den Mitmenschen zu öffnen. Dafür haucht er uns an und macht uns lebendig. Als er am Kreuz seinen Geist aushauchte, wurden die entschlafenen Heiligen in der Stadt Jerusalem lebendig. Der Auferstandene hauchte die Jünger mit dem Heiligen Geist an. Petrus und Johannes heilten darauf einen Gelähmten.

Heilung passiert, wenn wir den Heiligen Geist nicht als Besitz halten, sondern weitergeben. Jesus sagt zu uns in diesem Sinne: Umsonst habt ihr Heilung empfangen, umsonst gebt ihr Heilung weiter.

Fronleichnam: Die Götter und das Brot

Unser lebendiges Brot

In den Götterstatuen der Antike wohnten die Götter, denen Opfer gebracht wurden, um ihre Hilfe zu bekommen. Statt der heiligen Götterstatuen verehrten die Juden die Schrift, in der der heilige Name Gottes, Jahwe geschrieben stand.

Der Kult der Götterstatuen konnte abgelöst werden, weil es einen neuen Kult gab, den Kult der heiligen Schrift.

Was Gott will

Durch dieses Medium war den Juden nach dem Babylonischen Exil klar, was der Wille Gottes war: Die Gesetze der Tora, der fünf Bücher Moses, mussten eingehalten werden. Jesus fand das nicht falsch, aber er setzte auf zwei Liebesgebote, die in der Tora stehen: Gott und die Nächsten zu lieben. Das war sein Herzensanliegen. Paulus wird später sagen: Die Gesetze von Moses sind aufgehoben (wie in einem Schatzkästchen und inaktiv).

Das neue Gottesmedium

Jesus schrieb nichts auf, er setzte ein neues Gottesmedium ein, das ungesäuerte Brot. Er identifizierte sich mit dem speziellen Brot, das er bricht und den Aposteln austeilt. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Die Jünger in Emmaus erkannten ihn beim Brotbrechen. Er offenbart: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.

Von Herz zu Herz

Das neue Medium ist keine Götterstatue, kein heiliges Buch, es ist das ungesäuerte Brot, durch das der Sohn Gottes spricht: Direkt in unser Herz. Wenn wir ihn aufnehmen, werden wir Gottesmedien und Kinder Gottes. Wir merken: Gott ist da – für uns und die anderen.

Covid-19: Der Heilige Geist beflügelt die Wissenschaft

Ärger, Zorn und Traurigkeit

Die Krankheit Covid-19 zeigt, wie abhängig wir von der biologischen Natur sind. Der Virus Sars-CoV-2 bewirkt, dass Mitmenschen vorzeitig sterben oder, wenn sie die Krankheit durchmachen, sich sehr schwach fühlen und lange danach körperliche Folgen davontragen. Diese Abhängigkeit von der biologischen Natur zeigt uns unsere Grenzen. Sie bewirkt Ärger, Zorn und Traurigkeit. Ich kann mich da in meine Mitmenschen einfühlen oder ich kann mich von ihnen distanzieren. Ich kann auch über dieses Weltereignis nachdenken.

Begleiter

Es gibt einen, der sich in dieser Situation einfühlt, sich uns vorstellt und uns in unserem Ärger und unserer Traurigkeit begleitet: Es ist der Grund von allem, es ist Gott. Er stellt sich in unserer Zeit von Corona so vor:

Ich bin derjenige, der da ist. Ich kann euch verstehen, wenn ihr euch ärgert, wenn ihr zornig seid, wenn ihr traurig seid. Ich bin ein Mensch geworden und habe mich auch geärgert, war zornig und sehr traurig. Ich weiß, wie tief eure Not sein kann.

Hoffnung

Jetzt ist es auch Zeit, wieder vom kalten Grab aufzustehen. Ich hauche euch mit dem heißen kreativen Geist an. Vielleicht braucht ihr wieder Hoffnung und Mut. Ich komme als Brausen und in Feuerzungen zu euch und gebe euch neue Kraft.

Covid-19 geht vorbei. Ich sende euch einen Geist, der eure Wissenschaft beflügelt, sodass ihr hilfreiche Medizin und guten Impfstoff entwickeln könnt. Ich sende euch einen Geist, der euch inspiriert, eure Kontakte und Beziehungen neu aufzubauen und tiefer zu pflegen. Ich sende euch einen Geist, der euch eine eurem Leben angepasste Technik entwickeln lässt. Ich sende euch einen Geist, der euch in der Musik und in den schönen Künsten stärkt.

Gegen Rassismus

Ich sende euch einen starken Geist, der euch für Freiheit und gegen Abwertung und Rassismus hilft.

Die nächste Zeit wird gut. Habt Vertrauen.

„Build your kingdom here“ – Dein Reich komme

Jugendliche aus der Erzdiözese Wien haben für Pfingsten zum virtuellen Chor geladen. Das Ergebnis: 62 Einsendungen, 12 Solisten, 7 Instrumentalisten im Studio und ein gemeinsames Video! Mehr auf: https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/84278.html

62 Einsendungen aus der ganzen Diözese und darüber hinaus, zwölf Solisten quer über die ganze Erzdiözese Wien, aus allen Musikgenres, vom Domkantor über die Worshiperin dem Ordensbrider bis hin zum ausgebildeten Opernsänger und sieben Instrumentalisten im Studio.

Wer auf ihn schaut, sieht Gott

Der große Kunstphilosoph Bazon Brock findet, dass nur dadurch, dass Gott Mensch wurde, die Christenheit einen Eindruck von ihm haben kann. Das sei das Herausragende des Christentums. Alle anderen Religionen sehen in Gott nur ihre eigenen Fantasien. (Johannes Kaup im Gespräch mit Bazon Brock, ORF) So provokant sehe ich es nicht, aber die Menschwerdung Gottes ist ja wirklich unüberbietbar. Der Mensch gewordene Gott Jesus wurde zum Lehrer, Vorbild und Weg zu Gott für Milliarden Menschen.