Archiv der Kategorie: Meditation

Gott ist hilfreich und extern

Übergänge

Übergänge

Ein Freund erzählte, dass ihm ein elfjähriger Junge gesagt hätte, dass Menschen ohne Religion Schwierigkeiten bekämen. Er meinte, dass es ihnen nach dem Tod schlecht gehen würde. Ich hingegen glaube, dass Gott sehr barmherzig ist, dass aber Menschen sich oft falsch entscheiden. Ich kann mich ja fragen, welchen Anteil ich daran habe, dass es mir nicht so gut geht. Ich kann mich prüfen, ob ich im Geist der Liebe lebe oder nicht. Mir hilft es, wenn ich weiß, dass ich für Gott lebe. Nicht nur Bewegung, ausgewogene Ernährung und gute soziale Beziehungen sind für mein Leben wichtig. Meine Erfahrung sagt mir, dass auch die Liebe zum dreifaltigen Gott sehr hilfreich ist.

Gott ist sehr extern. Er beleuchtet vieles in meinem Leben anders. Wenn es mir schlecht geht, versinke ich nicht im absoluten Nichts und wenn ich funktioniere schafft er mir Zeiten und Räume des Übergangs:
Einmal Stille, dann Musik,
einmal Körper, dann Geist,
einmal Nähe, dann wieder Weite,
einmal Gegenwart, dann wieder Suchen,
einmal Leere, dann wieder Fülle,
einmal Kult, dann wieder Ideen
einmal Gebet, dann wieder Schauen.
Dafür bin ich Jesus sehr dankbar. Diese Zeiten und Räume des Übergangs sind auch Einübungen in das Sterben am Ende des irdischen Lebens in die Hände Gottes.

Gott, komm in mein Herz!

Gebet in der Stille

Gebet in der Stille

Was soll ich in den nächsten 40 Tagen tun? Ich gönne mir etwas Gutes. Statt Fernsehen werde ich mich Gott öffnen. Ich setze mich jetzt 40 Tage lang jeden Morgen und jeden Abend für eine halbe Stunde in die Gegenwart Gottes.

Vor Jahren wollte ich herausfinden, wie ich die Beziehung zu Gott im Gebet gestalten kann. Ich habe über Gebet und Kontemplation in der Bibel und in religiösen Büchern gelesen und mit Christen und Christinnen darüber gesprochen. Romano Guardini sagt: Gott kann man vor allem anbeten. Ich setzte mich hin, wurde ruhig und sagte zu ihm: Ich bete dich an. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis.

Sehr wichtig ist für mich am Beginn der Kontemplation die Öffnung meines Herzens: „Gott, ich öffne mein Herz für dich“. Von einer Freundin bekam ich den Rat, das Gebet von Nikolaus von der Flüe „Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir“ (Gotteslob 9,5) zu beten. Mein Zentrum bildet dann die dreifache Gottesliebe von Deuteronomium 6,5 „Ich liebe dich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ und zum Schluss bete ich Gott an, lobe, preise und danke ihm. Es drängte mich, diese Worte auch zu Gott-Vater, Jesus Christus und zum Heiligen Geist zu sprechen. Durch diese Anbetung des dreifaltigen Gottes weiß ich immer mehr, wer ich bin und wofür ich lebe.

Meditieren ohne dem DU?

2018-01-18 11.44.21_1Theresa Bäuerlein stellt in Piqd.de einen Artikel von Jolyon Jenkins vor, der mich nachdenklich machte.

Eine Französin in Manchester belegte einen Meditationskurs. 10 Tage geradeaus sitzen, kein Gespräch oder Augenkontakt waren erlaubt, auch wenn die täglichen Sitzungen beendet waren. Bis zum siebten Tag war alles in Ordnung. Aber dann hatte sie eine Panikattacke. „Es fühlte sich an, als würde mein Gehirn buchstäblich explodieren“, erzählte sie dem Autor. „Dann fühlte ich mich, als wäre ich komplett von meinem eigenen Körper getrennt.“ Sie sprach mit den Lehrern, aber sie sagten ihr, sie solle weiter meditieren.
Am Ende des Kurses machte sie sich mühsam nach Frankreich auf, wo sie im Haus ihrer Mutter zusammenbrach. „Ich habe versucht, mit meinem Leben weiterzumachen, aber es war unmöglich. Ich konnte nicht mehr aufstehen, ich konnte nicht essen. Ich hatte Symptome von Terror und Panik. Ich hatte viel Angst und ich hatte eine Form von „Entpersönlichung“ – das ist im Grunde, wenn man sich im Spiegel betrachtet und man sich selbst nicht erkennen kann – und „Derealisierung“, wenn man die Welt um einen herum betrachtet und es scheint alles unwirklich“. Sie wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert und erhielt antipsychotische Medikamente. Ein Jahr später nimmt sie immer noch Medikamenten. Es geht ihr viel besser, aber, sagt sie, „Ich habe noch einen langen Weg vor mir.“

So eine Meditation ohne eine Ausrichtung auf einen liebenden, wohlwollenden Gott muss nicht, kann aber in die Psychose oder Depression führen. Ich brauche ein „DU“ in der Stille, wie es Martin Buber beschreibt: Im Du zum Ich.
Ich mache regelmäßig nicht Meditation, sondern Kontemplation in der Gegenwart Gottes mit der Ausrichtung auf den dreifaltigen Gott und ich erfahre dadurch mehr an Qualität in meinem Leben. Gelernt habe ich diese Form im Kapuzinerkloster Irdning, Steiermark, wo Elisabeth und Rudolf kontemplative Kurse mit Stille und Jesusgebet anbieten. Gelernt haben sie es beim Jesuiten Franz Jalics im Haus Gries in Wilhelmsthal, Oberfranken.

Die Leiterinnen und Leiter schreiben: Kontemplation ist Einübung ins Wahrnehmen. Wir richten uns auf die Gegenwart Gottes im Hier und Jetzt aus und lernen wahrzunehmen und anzunehmen, was sich in der Stille zeigt. Im kontemplativen Gebet ereignet sich ein Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch.
Die kontemplativen Exerzitien leiten schrittweise zum Jesusgebet an. Wer Exerzitien macht, schenkt seine Aufmerksamkeit dem Namen Jesus Christus und tritt damit mit ihm in Beziehung. Gleichzeitig hat darin die ganze eigene Glaubens-­‐ und Lebensgeschichte Raum und darf authentisch da sein. Es wird Hilfestellung gegeben, mit Schwierigkeiten und Erfahrungen des kontemplativen Betens gut umzugehen. Das Meditieren in Gemeinschaft und Stille trägt und unterstützt das persönliche kontemplative Beten.

Ich schaue gerne in der Stille auf den dreifaltigen Gott, auf Gott-Vater, Jesus Christus und dem Heiligen Geist (der heiligen Ruach) und frage ihn, was sein Wille ist. Das macht was.

Jolyon Jenkins: Is Mindfulness Meditation Dangerous? auf BBC Radio
Theresa Bäuerlein: Kann Meditation gefährlich sein?  auf Piqd.de, 22.01.2018
Haus Gries: Kontemplation mit Jesus Christus