Wem künd‘ ich mein Entzücken?

Jesus, die Herrlichkeit Gottes

Jesus zeigt die Herrlichkeit Gottes

Der Wiener Naturwissenschaftler Johann Philipp Neumann schrieb einen Text, der mich sehr berührte: Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken? Wem künd‘ ich mein Entzücken, wenn freudig pocht mein Herz? Zu dir, zu dir, o Vater, komm ich in Freud und Leiden, du sendest ja die Freuden, du heilest jeden Schmerz. Die gute Nachricht, das Evangelium von diesem Sonntag heißt: Wenn ich auf Jesus schaue, sehe ich den unsichtbaren Vater. Er bringt mir die Freuden und heilt jeden Schmerz.

Evangelium zum Sonntag: Ich sehe in Jesus den Vater
Die Gemeinde des Johannes gibt das Gespräch von Thomas und Philippus mit Jesus wieder, bei dem es um das Schauen auf Jesus geht. Die Schüler fragen, wie sie den Weg kennen sollen. Jesus gibt eine klare Antwort: Ich bin der Weg. Später werden die Christen „Die vom neuen Weg“ genannt.

jesus sagte: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. (Evangelium nach Johannes, Erklärungen im Bibelwerk: Johannes 14,1-12)

Mir wird warm ums Herz

Ich bin die Tür zur Wahrheit und zum Leben

Ich bin das wahre Leben

Ich öffne nicht jedem mein Herz. Es gibt eine Geschichte von dem Streit zwischen der Sonne und dem Wind, wer stärker ist. Sie sehen einen Hirten, der einen dicken Mantel trägt. Der Wind schlägt vor: Wer dem Hirten den Mantel wegnehmen kann, hat die Wette gewonnen. Die Sonne ist einverstanden und der Wind beginnt zu wehen. Je stärker er bläst, desto fester zieht der Hirte den Mantel zu. Er kann ihm den Mantel nicht entreißen. Als aber die Sonne ihn immer wärmer bescheint, öffnet dieser den Mantel und legt ihn zum Schluss ab. So macht es Gott mit meinem Herzen. Er wärmt mein Herz und ich öffne es ihm.
Umgekehrt öffnet Jesus die Tür zum Herzen Gottes. Er öffnet für mich diese Tür. Wenn ich durch ihn hindurchgehe, kann ich auf Gott schauen. In der Kontemplation habe ich Gott vor mir.
Evangelium zum Sonntag: Ich höre nicht auf die Verführer, ich höre auf Jesus
Die Gemeinde des Johannes gibt die Erzählung von Jesus wieder, in der er den guten Hirten den Dieben und Fremden gegenüber stellt, die zum Stehlen, Schlachten und Vernichten kommen. Die Stimme des guten Hirten ist hingegen den Schafen vertraut und sie bekommen von ihm das Leben in Fülle.
In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Evangelium nach Johannes, Erklärungen im Bibelwerk: Johannes 10,1-10)

Geschenke an die Ägypter

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Papst Franziskus rief in Ägypten zu einem eindeutigen „Nein“ zu jeglicher Form von Gewalt, Rache und Hass auf. Er traf den ägyptischen Präsidenten Al-Sisi, den Großimam Al-Tayyeb und den koptischen Papst Tawadros II. Es war eine Friedensmission, die die Unterschiede zwischen Islam und Christentum nicht verdeckte, aber Hoffnung auf Verständnis und auf die Einhaltung der Menschenrechte weckte. Das Evangelium zum Sonntag erzählt von den einfachen Geschenken Jesu. Vielleicht lassen sich die Ägypter von ihm beschenken.

Evangelium zum Sonntag: Jesus schenkt mir überraschend eine Überfülle

Die Gemeinde des Johannes erzählt von der Erscheinung Jesu mit dessen Aufforderung, die Netze auf der rechten Seite auszuwerfen und mit der Einladung Brot und Fisch bei ihm zu essen. Der Auferstandene beschenkt in Überfülle. Simon Petrus ist so überwältigt, dass er in den See springt, wie wenn er sich taufen lässt.

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Evangelium nach Johannes, Erklärungen im Bibelwerk: Johannes 21,1-14)

Das Christentum und die Eindämmung der Gewalt

Jesus zieht in Jerusalem ein.

Gott-Sohn zieht in Jerusalem ein.

Das Christentum sieht zwei Wege im Umgang mit der Gewalt:
1. Eingrenzung der Gewalt durch rechtmäßige Gewalt (Staat) und
2. Überwindung der Gewalt durch Gewaltlosigkeit und Passion (Christus).
Ludger Schwienhorst-Schönberger bringt eine gute Einsicht in die Geschichte der europäischen Gewaltdiskussion: „Bischof Dr. Stefan Oster weist zurecht darauf hin, dass die „Ausübung von aggressiver Gewalt im Namen Jesu … nur als dramatisches Missverständnis“ zu beurteilen ist. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen.“
Christentum, Islam und Gewalt als Gastbeitrag auf dem Blog von Bischof Stefan Oster, Passau

 

Viele Muslime verehren Papst Franzikus wie einen Heiligen

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Ich lese gerade: Gegen den IS könne man … nur gewinnen, wenn „wir uns . .. unsere Freundschaft mit Muslimen nicht zerstören lassen“, so der Theologe. Menschen, die Brücken zwischen den Religionen bauen, passen nicht zur Ideologie der Terroristen. Papst Franziskus mit seinem differenzierten Blick sei deshalb der gefährlichste Gegner des IS, so Klaus von Stosch. Die Mehrheit der Muslime würde dies dankbar registrieren. Der Papst „ist in der muslimischen Welt äußerst populär, und viele Muslime verehren ihn wie einen Heiligen“.

So der Paderborner Theologe Klaus von Stosch in „Christ in der Gegenwart“, 33, 2016

Umflutet zu sein von Gottes Energie

Ich lese gerade: Der Philosoph Wilhelm Schmid sieht in der Gottesfrage das Eigentliche jedweder Existenz. In der Zeitschrift “Universitas“ erklärte er über „die mögliche Liebe Gottes und die wirkliche Liebe zu Gott“: „Die Entscheidung für oder gegen die Annahme einer Transzendenz ist eine intime Frage des jeweiligen Ich, … intimer noch als andere Fragen: Kann ich mich mit der mir gegebenen Endlichkeit bescheiden, von der ich glaube, dass sie nicht zu überschreiten ist, oder will ich mich in eine mögliche Unendlichkeit eingebettet glauben, in der auch ein anderes Leben möglich ist? Wenn Letzteres, nehme ich dieses Mögliche in mein Innerstes auf, gebe meinem Glauben also einen Platz in meinem Kern, ‚im Herzen‘, nicht nur in der Peripherie meiner selbst.“
Das aber ist die Kernaufgabe von Kirche, auf sokratische Weise den Individuen Hilfestellung zu geben, selber an dieser Frage zu arbeiten, sie stets neu zu bedenken – und sie vielleicht trotz aller Zweifel positiv zu beantworten, diese Antwort zu leben. Letzten Endes geht es dabei um Sehnsucht, Wahrheit, Redlichkeit und Beziehung: um eine Beziehung der Liebe, „die die Kunst des Liebens noch einmal erweitert“. Der Philosoph nennt dafür drei Weisen: eine anfängliche, fast naive Weise, eine kindliche Liebe, „die auch über die Kindheit hinaus bewahrt werden kann und in der sich Göttliches und Kosmisches“ vermengen; eine Liebe des abrupten Ergriffenwerdens von etwas, das unendlich größer ist als ich, wie es Saulus bei seiner Bekehrung zu Paulus erlebte; schließlich eine allmähliche, reflektierte Weise der Liebe „auf Grund von Überlegungen und Gründen, die plausibel erscheinen und in einer Art von nüchterner Mystik für die Existenz von Transzendenz sprechen, etwa weil Endlichkeit ohne Unendlichkeit nicht denkbar ist und weil die vorgestellte und gefühlte Beziehung zur Transzendenz ganz andere Räume fürs Leben eröffnet“.
Aus: Johannes Röser, Wenn Leere Lehre wird. In:  Christ in der Gegenwart 33/1016 Weiterlesen

Die Rechtspopulisten und ihre Feinde

Oh Gott, wer bin ich? Willibald Sandler schreibt in der Furche über Rechtspopulisten wie Norbert Hofer und stellt Überlegungen zur Feindbildproduktion an. Er warnt vor der Nachahmung der Rechtspopulisten durch ihre Gegner, die in dieselbe Falle der Produktion von Feindbildern tappen könnten. Die Lösung läge bei der nicht abgrenzenden, positiven Identität. Für Sandler ist das Hereinholen von Außenseitern ein beinharter „Community-Test“. Ich denke mir, René Girard hat schon Recht, wenn er vor der Nachahmung des Gegners warnt.
Eine Frage der Identität. Rechtspopulismus wird auch hierzulande zunehmend zur politischen Option. Dies bedeutet eine Herausforderung – gerade für Christen. Von Willibald Sandler in der Furche