Archiv der Kategorie: Licht

Alles wird aufgedeckt.

Die Pandemie zeigt uns die Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse in der Fleischindustrie. Die meist aus Osteuropa stammenden Arbeiter leben überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften. Dort teilen sich oft zehn Personen ein Zimmer und müssen sich beengte Gemeinschaftseinrichtungen wie Küche und Bad mit anderen nutzen.

Auch in den Postverteilerzentren, in denen Leiharbeiter angestellt sind, gab es Ausbrüche des Coronavirus. Leiharbeiter melden sich nicht krank, weil sie befürchten, ihren Job zu verlieren und stecken andere an. Da muss der Staat unbedingt die Arbeitsgesetze nachbessern.

Dass das jetzt bekannt wird, erinnert mich an den Jesus-Spruch „Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!“ (Mt 10, 26)

Nach den Berichten einer rumänischen Erntehelferin über Missstände in einem österreichischen Spargelbetrieb ist ein Erntehelfer-Quartier am Freitag behördlich gesperrt worden.
Quelle: ORF 19.6.2020

Leuchtet in die dunklen Ecken!

Die Zusage Jesu „Ihr seid das Licht der Welt“ hat eine riesige Auswirkung auf die Geschichte gehabt. Die Aufklärung über die Götterstatuen und über die göttliche Liebe zu den armen Menschen wirkte in die Spätantike und in die europäische Geschichte hinein. Ähnliche Wirkung zeigte der Jesusspruch: „Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!“ (Mt 10,26b-27).

  • Licht macht die Welt für uns sichtbar. Ohne Licht würden wir in der Finsternis verkommen. Wir Christinnen und Christen sollen und sind Licht und machen als Licht vieles sichtbarer. Das Licht der Aufklärung und der Wissenschaft ist uns nicht fremd. Beide werden vom christlichen Geist, der auch der Heilige Geist ist, gefordert und gefördert.
  • Wir Christinnen und Christen sind aber nur Licht, wenn wir in der Beziehung zu Gott und Jesus Christus leben.
  • Lange in die Lichtquelle zu schauen ist sinnlos. Wichtiger wird das, was angeschienen wird. So treten wir Christinnen und Christen zurück, aber das, was wir anscheinen, wird sichtbarer. Wenn wir dabei andere Menschen sehen und ansehen, sollten wir sie würdigen.
  • Bertolt Brecht schreibt über die Armen: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht, und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ Unsere Aufgabe ist es, in die dunklen Ecken zu leuchten und den Armen in die Augen zu sehen.
  • Die Aufklärung über die sexuellen Übergriffe von Vorgesetzten und den Machtmissbrauch an Kinder und Jugendlichen braucht Menschen, die Licht in diese dunklen Ecken voll Leid bringen.
  • Der sexuelle Machtmissbrauch in der Kirche bringt nicht nur großes traumatisches Leid, sondern verdunkelt auch das befreiende Evangelium.
  • Wir Christinnen und Christen klagen gerne über die Kirche. Aber wir sind ein Licht, das leuchten will. Es ist immer noch besser ein kleines Licht anzuzünden als über die Dunkelheit zu klagen.
  • Unser Licht ist auch immer ein Wegweiser. Wenn wir das Licht nicht verdunkeln, weist es den Weg zu Gott, der alles mit seinem liebevollen Licht durchdringt.
  • Sei ein Licht für die Menschen!

Die Antwort auf die Zumutung: Er rettet kaum wahrnehmbar

Jetzt haben wir doch auf unseren Balkon eine winzige Lichterkette gegeben. Zuerst waren uns die Lichter-Orgien an den Häusern schon vor dem Advent unheimlich. Aber jetzt, knapp vor Weihnachten, schaffen wir es, einige kleine dezente Lichtpunkte auf das Tannenreisig zu setzen. Wir machen das auch, damit das Fest beginnen kann. Im Zentrum steht für mich das Ankommen des Gotteskindes. Vielleicht hat Gott das schon beim Urknall geplant, dass er Mensch und unser Bruder wird.

Gott mutet uns Menschen oft viel zu. Da ist seine Antwort: „Ich bin für euch da. Ich bin mit euch solidarisch.“ Der große Schöpfer des Universums wird aus Liebe zu uns ein kleines Kind. Als Erwachsener sammelt er Schülerinnen und Schüler und lehrt das Verzeihen statt dem Hass, die Liebe zu Gott und zu den Nächsten, die Vergebung der Sünden, den Glauben, der Wunder bewirkt, die Treue zwischen Menschen, die Liebe zu den Armen, zu den Kindern und zu den Kranken. Er zeigt uns, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass unsere endgültige Heimat bei ihm jenseits des Todes liegt. Dazu bietet er seine Freundschaft an. Was hätte ich, wenn ich diese Freundschaft ablehne? Ich hätte nichts gewonnen. Eher alles verloren. Durch diese Freundschaft mit dem umfassenden Urgrund unseres Lebens merke ich, dass mir so vieles geschenkt wird. Dafür bin ich dankbar. Und ich habe eine Ahnung bekommen wie man gut und zufrieden leben kann.



Gott kommt uns zu Hilfe

Wenn es jetzt im Advent finster wird, beleuchten viele ihre Häuser und Fenster. Ich frage mich, ob wir das auch machen sollen. Schön ist es schon, wenn wir aus dem Fenster schauen und Lichter in der Finsternis sehen. Gott sei Dank scheint die Sonne auf unsere Erde, sodass wir genug Energie haben, um die Finsternis zu erhellen. Ohne sie wäre ein Leben nicht möglich. Sie hat aber ein Ablaufdatum. Wenn in rund fünf Milliarden Jahren in der Sonne der Wasserstoff verbraucht ist, bläht sich unsere Sonne zu einem roten Riesenstern auf und wird dabei unsere Erde schlucken. Sie wird nach einiger Zeit zu einem weißen Zwergstern zusammensinken. Für das Leben auf der Erde ist aber schon viel früher Schluss. Die Intensität der Sonnenstrahlung nimmt etwa um ein Prozent in 120 Millionen Jahren zu. Schon in 500 Millionen Jahren ist die Erde nur noch ein lebensfeindlicher Felsklumpen im All. Für mich ist die Aussicht, dass es einmal keine Menschen auf der Erde gibt, genauso wie mein eigener Tod eine offene Frage. Wozu habe ich gelebt, wenn ich im Nichts verschwinde? Wozu hat es Menschen gegeben? Christus gibt mir da die Antwort: Gott erschafft für uns eine neue Welt. Dem Seher Johannes wurde es auf Patmos gezeigt. Er schreibt mir: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen. Gott wird bei uns Menschen wohnen. Er wird alle Tränen von unseren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ Ich frage mich, ob Gott jetzt schon an dieser neuen Welt baut und ob diese unsere Welt ein Teil davon wird – und ob wir mitbauen.
(Aus: Hamburger Abendblatt Forschung, Bibel, Offenbarung 21)

 

Der erste Advent lädt zur Achtsamkeit ein