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Da war doch was im Urknall

Ich liebe den Beginn des Johannesevangeliums. Es heißt dort, dass der Gottessohn am Herzen des Vaters ruht und uns, die Verlorenen im Universum zu Kindern Gottes macht. Es beginnt mit dem Anfang des Universums, dem Urknall und dass etwas im Urknall war. Es heißt dort „im“ Anfang und nicht „am“ Anfang. Im Anfang war etwas. Der ursprüngliche Anfang des Universums hatte etwas in sich. Er war nicht nur ein einfacher Punkt, mit dem alles begann, sondern da war etwas drinnen, das mit diesem Anfang mit ging. Die Physik klärt uns auf, dass das Universum mit einem unendlich heißen Punkt begann. Im sogenannten Urknall war aber auch etwas Zusätzliches. In diesem Anfang war, so glaube ich und so sagt es das Johannesevangelium, das Wort, im Griechischen: Ho Logos. Der Logos hat eine umfassende Bedeutung: Logos bedeutet nicht nur Wort, sondern auch Logik, Lehre und Vernunft. Dieser Logos, der im Urknall war, ist der Gottessohn. Er war nicht nur bei Gott, am Herzen des Vaters, er war sogar Gott und wurde ein Mensch vor 2000 Jahren.

Ich war verloren. Er wurde mein Retter.
Schon im ersten Anfang war der Retter der Verlorenen drinnen. Dieser Retter wurde mein Bruder und Freund. Ich kann nicht anders als Danke sagen.
Auch im Anfang des Neuen Jahres 2020 war der Retter der Verlorenen. Deswegen macht es Sinn, uns einander im Vertrauen auf ihn viel Glück, Gesundheit, Freude und Gottes Segen im Neuen Jahr zu wünschen!

Königlich
Durch die Begegnung mit dem Gottessohn sind wir zu Königinnen und Könige geworden, singen mit den Sternsingern und mit Jesus für die Verlorenen und preisen die Herrlichkeit Gottes.

Die Antwort auf die Zumutung: Er rettet kaum wahrnehmbar

Jetzt haben wir doch auf unseren Balkon eine winzige Lichterkette gegeben. Zuerst waren uns die Lichter-Orgien an den Häusern schon vor dem Advent unheimlich. Aber jetzt, knapp vor Weihnachten, schaffen wir es, einige kleine dezente Lichtpunkte auf das Tannenreisig zu setzen. Wir machen das auch, damit das Fest beginnen kann. Im Zentrum steht für mich das Ankommen des Gotteskindes. Vielleicht hat Gott das schon beim Urknall geplant, dass er Mensch und unser Bruder wird.

Gott mutet uns Menschen oft viel zu. Da ist seine Antwort: „Ich bin für euch da. Ich bin mit euch solidarisch.“ Der große Schöpfer des Universums wird aus Liebe zu uns ein kleines Kind. Als Erwachsener sammelt er Schülerinnen und Schüler und lehrt das Verzeihen statt dem Hass, die Liebe zu Gott und zu den Nächsten, die Vergebung der Sünden, den Glauben, der Wunder bewirkt, die Treue zwischen Menschen, die Liebe zu den Armen, zu den Kindern und zu den Kranken. Er zeigt uns, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass unsere endgültige Heimat bei ihm jenseits des Todes liegt. Dazu bietet er seine Freundschaft an. Was hätte ich, wenn ich diese Freundschaft ablehne? Ich hätte nichts gewonnen. Eher alles verloren. Durch diese Freundschaft mit dem umfassenden Urgrund unseres Lebens merke ich, dass mir so vieles geschenkt wird. Dafür bin ich dankbar. Und ich habe eine Ahnung bekommen wie man gut und zufrieden leben kann.



Die Auferstehung Jesu ist eine Singularität

Mathias_GrünewaldDie Auferstehung Jesu ist die Initialzündung für die Christenheit. Es ist etwas Außergewöhnliches passiert. Das Grab war leer, Jesus wurde radikal von Gott-Vater in die Herrlichkeit geholt. Das ist zwar eine Geschichte von Glaubenden, aber man kann sie vernünftig bedenken. Im naturwissenschaftlichen Weltbild gibt es einzigartige Ereignisse. Die Naturwissenschaften beschäftigen sich normalerweise mit den Gesetzmäßigkeiten und Funktionen dieses Universums. Singularitäten fallen dabei heraus, sind sie doch Einzelereignisse, die keiner Gesetzmäßigkeit unterliegen. So eine Singularität ist der Urknall, der ein Einzelereignis darstellt, das keinem Gesetz unterliegt. Über die Ereignisse vor 10 hoch minus 43 Sekunden nach dem Urknall ist eine Aussage nach Max Planck (1848-1947) nicht möglich, weil nicht messbar.
Nun ist auch die Auferstehung Jesu ein ähnliches Einzelereignis, das weder vorher noch nachher in dieser Dichte von Menschen erfahren wurde. Es gibt dabei sehr viele Frauen und Männer, die diese Singularität bezeugen können. Ein römischer Hauptmann, Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Joses, die Mutter des Söhne des Zebedäus bezeugten seinen Tod. Der Ratsherr Josef von Arimathäa bat Pilatus um den Leichnam Jesu. Josef und Nikodemus wickelten den Leichnam mit Leinen ein, legten ihn in Josefs Privatgrab und wälzten einen Stein vor die Tür des Grabes. Maria von Magdala und Maria, die Mutter von Joses sahen dies und bereiteten zu Hause Salböl und Spezereien vor, um den Leichnam nach dem Sabbat zu salben. Pilatus gab am Sabbat den Hohenpriestern Grabwachen, damit der Leichnam nicht gestohlen wird. Am Morgen nach dem Sabbat kamen Maria von Magdala, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus und sahen ein leeres Grab, einen Engel und Jesus, der ihnen des Auftrag gibt, nach Galiläa zu gehen, wo sie ihn sehen können. Die Soldaten waren von den Ereignissen verwirrt, meldeten es den Hohen Priestern, die ihnen Geld gaben, damit sie sagen sollen, die Anhänger hätten den Leichnam gestohlen. Auf dem Weg nach Emmaus erscheint Jesus Kleopas und seinem Freund. Danach den elf Apostel und ihren Gefährten in Jerusalem, danach in Betanien und einige Male in Galiläa. Der Auferstandene zeigte ihnen seine Wunden und aß mit ihnen, danach verließ er sie. Dieses Ereignis ist auch deshalb so einzigartig, weil Jesus nicht nur mit seiner Geistseele auferstanden ist, sondern mit seinem Leib, in dem seine Körpererfahrungen gespeichert sind. Nicht nur das, auch sein Körper wurde radikal von Gott-Vater dem Zugriff der Erde entzogen. Das Grab war leer. Die Tücher lagen zusammengelegt auf der Stelle. Diebe hätten die Tücher mit der Leiche mitgenommen. Es war ein singuläres Ereignis, das Gott tat und das für Christinnen und Christen eine Quelle der Freude ist.
LINKS: http://de.wikipedia.org/wiki/Planck-Zeit
http://de.wikipedia.org/wiki/Urknall#Die_Planck-.C3.84ra
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Planck

Wie handelt Gott in der Welt?

Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse haben im 20. Jahrhundert eine Revolution des Weltbildes gebracht: Die Zeit und der Raum sind an das Universum gebunden, das vor 13,7 Milliarden Jahren begann, sich auszudehnen. Für die ersten 10-43 Sekunden nach dem Urknall kann es nur spekulative Aussagen geben (Planck-Zeit). Bei Elementarteilchen kann man entweder die Position oder den Impuls messen. Beides geht nicht. Wissenschaftler müssen sich entscheiden, welchen Aspekt sie messen wollen. Die Vorhersagbarkeit der Prozesse im Mikro- und Makrobereich ist nicht mehr leicht möglich. Es gibt sprunghafte Entwicklungen. Ulrich Rudnick dazu: „gleiche Ursachen haben nicht mehr gleiche Wirkungen.“ Ilya Prigogine: „Die Einführung des Chaos zwingt uns, den Begriff des Naturgesetzes um die Konzepte der Wahrscheinlichkeit … zu erweitern.“ Der Nobelpreisträger Robert B. Laughlin spricht sich dafür aus, von komplexen, selbstorganisierenden Systemen auszugehen.

Wie ist diese sehr dynamische Weltsicht mit einem Glauben an einen theistisch, nicht deistisch , nicht pantheistisch und nicht willkürlich zu denkenden Gott vereinbar?

Gott wird in der jüdisch-christlichen Erfahrungstradition als Urgrund von allem gedacht. Dieser Urgrund ist kein Teil dieser Welt wie im Pantheismus und kein Gott, der sich nach der Schöpfung zurückzieht wie im Deismus.

Der biblische Glaube geht davon aus, dass sich Gott in der Schöpfung und in der Geschichte offenbart. Er befreit sein Volk aus der Sklaverei. Die theologische Hypothese sagt, „dass Gott als absolute Freiheit absichtlich und zielgerichtet auf unterscheidbare Weise in die Welt eingreift, in der er freilich immer schon zugegen ist, sofern diese Welt als Schöpfung geglaubt wird (S.10).“ Der Begriff „Gottes Handeln“ ist ein analoger, ähnlicher Begriff. Dazu Wolfhart Pannenberg: „Gottes Handeln darf nicht nach Art beschränkt endlichen, weltlichen Handelns gedacht werden … es ist vielmehr als universales Wirken zu verstehen.“

Die größten Schwierigkeiten kommen auf, wenn man Gott punktuelle Interventionen zubilligt. Diese würden zu den Geschöpfen in Konkurrenz und als Korrektur zu den geschaffenen Dingen stehen. Schwierigkeiten kommen auch auf, wenn man denkt, Gott bestimme alles. Das wäre ein Willkürgott. Die Theologie hat immer schon zwischen Erstursache mit Gott als Schöpfer und der Zweitursache mit den Geschöpfen unterschieden. Thomas von Aquin sah die Ebene der Schöpfung, wo Gott die Erstursache ist, von der Ebene der Geschöpfe, die die Zweitursachen sind, getrennt. Die Wunder hingegen wollte er durch das Eingreifen Gottes über die Zweitursachen hinweg erklären. Das wurde später immer wieder (zu Recht) kritisiert, weil Gott dadurch zu einer Zweitursache wird. Einer der wichtigsten Theologen in diesem Zusammenhang, Béla Weissmahr, sieht Gottes Handeln immer in den Geschöpfen als Ermöglichung des Handelns der Geschöpfe. Das Handeln Gottes wird nicht als direktes Eingeifen Gottes gesehen, sondern als mittelbares, gemeinsam wachsendes Wirken mit seinen Geschöpfen. Es ist ein interaktives, kommunikatives Geschehen. Gott handelt über die Herzen der Menschen in den verschiedenen Augenblicken, in der Gegenwart. Über das Herz kommt Gottes Heil in die Welt.

Christoph Böttigheimer, Universität Eichstätt: Wie Handelt Gott in der Welt? Reflexionen im Spannungsfeld von Theologie und Naturwissenschaft, Herderverlag,