Archiv der Kategorie: Literatur

Gottesklage | Franz Schwald – Geschichten und Gedanken

Mein Gott, mein Gott! Mit diesem Klageruf habe ich schon oft in belastenden Situationen, in denen mich tiefe Not, Angst und Trauer erfüllte, um Hilfe gefleht. Es fällt ja manchmal schwer, das eigene Schicksal zu beklagen; vor allem in Situationen, in denen uns Gott ach so fern erscheint. Dann sind Texte der Heiligen Schrift, wie die Geschichte von Hiob, die Klagepsalmen bis hin zum Schrei Jesu „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“, ermutigend, den eigenen Kummer auszusprechen, und Gott im Hilfe zu bitten. Dürfen wir doch im Glauben gewiss sein, dass unser Vater im Himmel uns nicht verlässt, wenn Trauer, Enttäuschungen und Einsamkeit uns bedrücken. Umso schmerzlicher ist es, dass auch ich manchmal in Stunden tiefer Betroffenheit nicht wagte, Gott meine Not zu klagen. Die Texte der Bachkantate „Ich hatte viel Bekümmernis“, berührten mich sehr und halfen mir, das Schweigen zu brechen:

Viel zu selten gelang es, über meinen Kummer zu reden.

Quelle: Gottesklage | Franz Schwald – Geschichten und Gedanken

Rettendes Erinnern | Literaturnobelpreis für Peter Handke | Christ in der Gegenwart

In der Würdigung Peter Handkes anlässlich der Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis ist in den Medien vieles gesagt und geschrieben worden, die religiöse Dimension seines Werkes ist jedoch wenig bis gar nicht angeklungen.

Der Literaturnobelpreis für den österreichischen Schriftsteller Peter Handke ist politisch umstritten, literarisch jedoch erfreulich. Die Schwedische Akademie hat in den Äußerungen des Schriftstellers zum serbischen Nationalismus keinen Hinderungsgrund gesehen. Damit hat sie eine Schattenlinie übersprungen. Kann man einen Autor ehren, der öffentlich seine Sympathien für den Serbenführer Milošević äußerte? Auf die Hinterbliebenen der Opfer von Srebrenica muss die Preisverleihung verstörend wirken. Das schwarze Loch des Verstehens bleibt, es kann nicht vertuscht werden. Es ist Anstoß, vertieft darüber nachzudenken, in welchem Verhältnis Literatur und Politik bei Handke zueinander stehen.

Verstörend sind aber auch Stimmen im Literaturbetrieb, die nicht ohne ein Quentchen Schadenfreude die politisch brisanten Äußerungen Handkes ins Schaufenster stellen, als sei das die Lizenz, sich nicht näher mit dem vielschichtigen und bedeutenden Werk des Dichters zu befassen. Sie schließen offensichtlich aus, dass sich Handke, in dessen Poetik „Wandlung“ ein Schlüsselbegriff ist, selbst noch einmal wandeln könnte. Botho Strauß hat recht: Peter Handke ist „der sprachgeladenste Dichter seiner Generation“. Seine Kunst der Wirklichkeitsverdichtung, die verwandelnde Kraft seiner Sprache sind in der deutschen Literatur ohne Vergleich.

Quelle: Literaturnobelpreis für Peter HandkeRettendes Erinnern | CHRIST IN DER GEGENWART

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