Archiv der Kategorie: Einsamkeit

Der Glaube war stärker

Dominic Thiem gewann das große Tennisturnier US Open 2020 in New York City. Nachdem er den Deutschen Alexander Zverev in einem dramatischen Schlagabtausch niedergerungen hatte, regierte bei Thiem nach Kampf und Krampf vor allem die Erleichterung: „Irgendwie war heute der Glaube stärker als der Körper.“
Es sah am Anfang so aus, als würde Dominic Thiem den Kürzeren ziehen, doch er kämpfte sich zurück und gewann. Das ist Durchhaltevermögen, das ich bewundere. ORF

Jesus erzählt, dass es mit dem Himmelreich wie mit einem Gutsbesitzer ist, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu holen. Es sind Tagelöhner, die keine fixe Arbeit hatten. Einige Tagelöhner sind deprimiert, sodass sie erst spät zum Marktplatz kommen. Auch denen geht der Weinbergbesitzer nach und holt sie in seinen Weinberg. Er versucht es immer wieder und lässt nicht locker. Das ist Durchhaltevermögen, das ich bewundere

Gott lässt nicht locker. Er geht mir nach, lässt mich nicht allein, holt mich in seinen Weinberg. Das ist Durchhaltevermögen, wofür ich sehr dankbar bin.

Die ganze Natur steht in Flammen der Liebe

Übergänge
Die ganze Natur steht in Flammen der Liebe, geschaffen durch die Liebe, um die Liebe in uns zu entzünden.

Der Mystiker Ernesto Cardenal schreibt in der Meditation über die Natur:
Die Abende und die Nächte sind ruhig und einsam, weil Gott sie für die Kontemplation geschaffen hat. Die Wälder und die Wüsten, der Sternenhimmel und die Berge sind geschaffen, damit wir uns in sie versenken.

Die Elstern und die Chocoyos erzählen uns von Gott, und es ist Gott, der ihnen die Sprache gegeben hat. Alle Tiere, die im Morgengrauen ihre Stimme erheben, singen Gott. Die Vulkane und die Wolken und die Bäume schreien uns von Gott. Die ganze Schöpfung schreit uns durchdringend, mit einem großen Schrei, von der Existenz und der Schönheit und der Liebe Gottes. Die Musik dröhnt es uns in die Ohren, und die Landschaft ruft es uns in die Augen.

An jeder Straßenecke finde ich Briefe Gottes« sagt Whitman und „Das grüne Gras ist ein duftendes Taschentuch Gottes mit Seinen Initialen, das Er fallengelassen hat, um uns an Ihn zu erinnern“. So verstehen die Heiligen die Natur, so verstand sie Adam im Paradies. (Und auch die Dichter und Künstler verstehen sie in gewisser Weise und unter gewissen Umständen, wie Adam und die Heiligen sie verstanden haben.)

In der ganzen Natur finden wir die Initialen Gottes, und alle erschaffenen Wesen sind Liebesbriefe Gottes an uns.

Die ganze Natur steht in Flammen der Liebe, geschaffen durch die Liebe, um die Liebe in uns zu entzünden. Und es gibt keinen anderen Grund für die Existenz aller Wesen; sie haben keinen anderen Sinn und können uns keine andere Befriedigung gewähren als dies: in uns die Liebe Gottes zu entzünden. Die Natur ist wie ein Schatten Gottes, ein Widerschein und Abglanz Seiner Schönheit. Der stille blaue See ist ein Widerschein Gottes. In jedem Atom wohnt ein Bild der Dreifaltigkeit, eine Figur des dreieinigen Gottes.

Weiterlesen

Befreit von Angst und Einsamkeit

Äpfel sind gesund. Jeden Tag einen Apfel und ich brauch nicht so oft zum Arzt. Außer ich bin allergisch gegen Äpfel. Ansonsten gibt es im Alltag sinnvolle Regeln, die einen gesund erhalten. Viel Bewegung, vielseitige Ernährung, Freunde treffen, eine gute Partnerschaft pflegen und mit Gott Kontakt halten. Das hält gesund. Wenn ich einen Bereich vernachlässige, kann es übel ausgehen. In den christlichen Gemeinden versuchen wir die Kontakte untereinander zu pflegen, die Familien zu unterstützen, dort zu helfen, wo wir gebraucht werden und die Beziehung mit dem aktiven und dreifaltigen Gott zu pflegen.
Jesus staunte nicht schlecht. Jene Aussätzigen, die durch Gott geheilt wurden, ließen sich zwar von den Priestern begutachten, aber verabsäumten es, sich bei Gott zu bedanken. Es stießen da zwei unterschiedliche religiöse Arten aufeinander: Gesetzesreligion und Beziehungsreligion. Die Gesetzesreligion ist eine Vorstellung von Religion, die auch heute für viele gilt. Sichtbar wird sie im strengen Islam und im orthodoxen Judentum. Sie kümmern sich um die Gesetze von gutem und schlechtem Verhalten im Alltag. Der Islam kennt die Sharia, das Judentum kennt die Kaschrut. Nahrungsmittel sind koscher oder halal. Dazu kommen noch Kleidervorschriften, Haarvorschriften, Fastenvorschriften und Gebetsvorschriften. Das Christentum kennt zwar auch Gesetze wie die 10 Gebote, sie sind aber wie weite Straßenbegrenzungen. Denn für Jesus ist das Heilen und die Liebe wichtig. Er zeigt uns die Liebe zum Nächsten und die Ausrichtung auf das göttliche Du. Beide befreien mich von Angst und Einsamkeit.

Hilfe! Ich will raus

Gefangen in mir selbst. Wer hilft?

Egon_Schiele_-_Self-Portrait_with_Striped_Armlets„Ich bin mitten im Abgrund. Ich spüre meine Haut wie eine Grenze.“ So beschreibt der Ich-Erzähler vor seinem Selbstmord im Roman „Die Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq seine Situation. „Die Außenwelt ist das, was mich zermalmt. Heilloses Gefühl der Trennung: von nun an bin ich ein Gefangener in mir selbst“. Ich halte es mit dem Philosophen Eric Voegelin, der meint, dass da der Bezug zum göttlichen Grund, zum großen Du und damit auch zur Welt fehlt.

Ähnlich ergeht es Jugendlichen, die sich ritzen. Sie ritzen sich mit spitzen Gegenständen meist in die Unterarme. Grund ist oft eine Traumatisierung durch Missbrauch und Misshandlung. Die Betroffenen beschreiben das Ritzen als verzweifelten Versuch, ein Ventil, eine Öffnung zu schaffen, wieder atmen zu können.

Dies zeigt mir, welche Kraft und Sehnsucht nach Öffnung wir Menschen haben. Aber wenn wir nur in dieser Welt suchen, bleibt die innere Leere und im Extremfall die Sucht. Erst wenn ich den unbegrenzten Gott zulasse, komme ich aus der Gefangenschaft in mir selbst heraus.

Eine Ähnlichkeit zu dieser Ich-Abgeschlossenheit beschreibt das Evangelium Johannes 20,19. Die Jünger haben die Türen abgeschlossen. Sie fürchteten sich vor der Außenwelt. Was kann ihnen helfen?

Lonely people who believe in God fare better than those who are atheists, say researchers | Christian News on Christian Today

People who feel lonely but have a religion feel a greater sense of purpose in life than atheists, according to a new study.

Quelle: Lonely people who believe in God fare better than those who are atheists, say researchers | Christian News on Christian Today

Mein Liebes Kind – Marcel Buergi

Dunkle Wolken hingen über meinem Leben
Jede Bemühung schien mir vergebens
Ich fragte mich warum ist alles nur so schwer
und warum ist mein Leben nur so leer

Ich versuchte vieles um glücklich zu sein
Schlussendlich wieder allein und klein
Die Einsamkeit wurde grösser Tag für Tag
Bis ich die Stimme hörte von dem der alles vermag

Mein Liebes Kind, du musst nicht länger traurig sein …

Weiterlesen: Mein Liebes Kind – Marcel Buergi

Zygmunt Bauman: Gemeinschaft statt Vereinsamung

Mit Jesus über das Wasser gehenDie Freundschaft mit Jesus vertreibt die innere Leere.
Ich hörte den Soziologen und Philosophen Zygmunt Bauman (2017 gestorben) in „Kreuz und Quer“ (ORF) und fand es interessant, was er zur Lage mancher (unserer?) europäischen Wertvorstellungen sagt. Das Interview ist am Ende einer Doku über die unglücklichen Schweden. Ich habe seine Gedanken verschriftlicht und mit einer Einleitung versehen. Was sagt ihr dazu?
Ist die Vereinsamung das Ziel?
Wenn Menschen alleine in ihren Wohnungen sterben und erst nach Monaten gefunden werden, dann wird unsere Gesellschaft angeklagt: Warum haben die Nachbarn nichts gemerkt? Gab es keine Gemeinschaft in der Nachbarschaft? Aber diese Vorwürfe greifen zu kurz. Die Vereinsamung wird hervorgerufen, weil die meisten nur „unabhängig“ leben wollen. Neben dem sinnvollen Streben gibt es das krankhafte Streben nach Unabhängigkeit, das Liebe, Beziehung und Gemeinschaftssinn verhindert. Das Selbst oder das Ich wird über alles gestellt. Ich denke mir, Jesus lädt uns zur Gemeinschaft ein und die Beziehung zum dreifaltigen Gott vertreibt die öde innere Leere.

In der Dokumentation über die unglücklichen Schweden (Liebe auf Schwedisch, ORF 9.1.2018) sagt Zygmunt Bauman:

„Es stimmt nicht, dass ein störungsfreies Leben Glück bedeutet. Ein glückliches Leben, das heißt Schwierigkeiten überwinden, mit Problemen kämpfen, Lösungen finden, sich Herausforderungen stellen, sie meistern. Man stellt sich den Herausforderungen, gibt sein Bestes, strengt sich an und wenn man die Herausforderungen gemeistert hat, das Schicksal bezwungen hat, dann verspürt man Glück. Genau diese Freude beim Überwinden von Schwierigkeiten, beim Meistern von Problemen, dieses Glücksgefühl geht verloren. Es geht verloren, wenn die Bequemlichkeit wächst.
Wir haben alles, es gibt genug Vorräte um Hunger und Armut fern zu halten. Aber eines fehlt. Eine Sache, die der Staat nicht geben kann, die Politik nicht bereitstellen kann, das ist unter anderen Menschen zu sein, mit anderen zu leben, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das muss man selbst schaffen. Menschen, die zur Unabhängigkeit erzogen werden, verlieren die Fähigkeit, das Zusammenleben mit anderen auszuhalten. Die Fähigkeiten zur Sozialisierung fehlen. Das ist schrecklich ermüdend, kostet große Mühe, verlangt eine Menge Aufmerksamkeit.
Es ist ein Prozess des Verhandelns und neu Verhandelns, des Diskutierens, des Zustimmens und des kreativen Erneuerns. Unabhängigkeit raubt dir die Möglichkeit, dies zu tun.
Wir teilen heute unser Leben in zwei verschiedene Welten. Online und offline. Verbindend und trennend. Das Online-Leben ist in großem Maße frei von Risiken, von Lebensrisiken. Es ist so einfach im Internet Freunde zu finden. Man spürt nie wirklich die eigene Einsamkeit. Wenn man die Einstellung von anderen Usern nicht mag, dann stoppt man einfach die Kommunikation mit ihnen.
Offline ist man unweigerlich mit der Realität der menschlichen Vielfalt konfrontiert. Menschen sind verschieden: Passanten, Fremde. Man muss sich mit der Notwendigkeit des Dialogs, des Gesprächs auseinandersetzen. Man muss der Tatsache ins Auge blicken, dass die Menschen sehr verschieden sind. Im Gespräch miteinander wissen wir nie, wie der Dialog endet. Vielleicht stellt sich dabei nicht heraus, dass man selbst weise ist und die anderen dumm, sondern alle anderen weise sind und man selbst ist dumm.
Die Unabhängigkeit raubt dir die Fähigkeit, all das zu tun. Je unabhängiger man ist, desto weniger ist man in der Lage, diese Unabhängigkeit durch eine sehr angenehme gegenseitige Abhängigkeit zu ersetzen. Am Ende der Unabhängigkeit steht also nicht etwa das Glück, sondern die Leere, die Bedeutungslosigkeit des eigenen Daseins und absolute, vollkommene unvorstellbare Langeweile.“ http://tvthek.orf.at/profile/kreuz-und-quer/8598576

In Ö1 wurde das letzte Buch von Zygmunt Bauman mit dem Hinweis auf Papst Franziskus vorgestellt. https://te7d45880.emailsys1a.net/c/71/1305239/1832/0/29779837/128/88431/5f8ab54087.html