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Zygmunt Bauman: Gemeinschaft statt Vereinsamung

Mit Jesus über das Wasser gehenDie Freundschaft mit Jesus vertreibt die innere Leere.
Ich hörte den Soziologen und Philosophen Zygmunt Bauman (2017 gestorben) in „Kreuz und Quer“ (ORF) und fand es interessant, was er zur Lage mancher (unserer?) europäischen Wertvorstellungen sagt. Das Interview ist am Ende einer Doku über die unglücklichen Schweden. Ich habe seine Gedanken verschriftlicht und mit einer Einleitung versehen. Was sagt ihr dazu?
Ist die Vereinsamung das Ziel?
Wenn Menschen alleine in ihren Wohnungen sterben und erst nach Monaten gefunden werden, dann wird unsere Gesellschaft angeklagt: Warum haben die Nachbarn nichts gemerkt? Gab es keine Gemeinschaft in der Nachbarschaft? Aber diese Vorwürfe greifen zu kurz. Die Vereinsamung wird hervorgerufen, weil die meisten nur „unabhängig“ leben wollen. Neben dem sinnvollen Streben gibt es das krankhafte Streben nach Unabhängigkeit, das Liebe, Beziehung und Gemeinschaftssinn verhindert. Das Selbst oder das Ich wird über alles gestellt. Ich denke mir, Jesus lädt uns zur Gemeinschaft ein und die Beziehung zum dreifaltigen Gott vertreibt die öde innere Leere.

In der Dokumentation über die unglücklichen Schweden (Liebe auf Schwedisch, ORF 9.1.2018) sagt Zygmunt Bauman:

„Es stimmt nicht, dass ein störungsfreies Leben Glück bedeutet. Ein glückliches Leben, das heißt Schwierigkeiten überwinden, mit Problemen kämpfen, Lösungen finden, sich Herausforderungen stellen, sie meistern. Man stellt sich den Herausforderungen, gibt sein Bestes, strengt sich an und wenn man die Herausforderungen gemeistert hat, das Schicksal bezwungen hat, dann verspürt man Glück. Genau diese Freude beim Überwinden von Schwierigkeiten, beim Meistern von Problemen, dieses Glücksgefühl geht verloren. Es geht verloren, wenn die Bequemlichkeit wächst.
Wir haben alles, es gibt genug Vorräte um Hunger und Armut fern zu halten. Aber eines fehlt. Eine Sache, die der Staat nicht geben kann, die Politik nicht bereitstellen kann, das ist unter anderen Menschen zu sein, mit anderen zu leben, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das muss man selbst schaffen. Menschen, die zur Unabhängigkeit erzogen werden, verlieren die Fähigkeit, das Zusammenleben mit anderen auszuhalten. Die Fähigkeiten zur Sozialisierung fehlen. Das ist schrecklich ermüdend, kostet große Mühe, verlangt eine Menge Aufmerksamkeit.
Es ist ein Prozess des Verhandelns und neu Verhandelns, des Diskutierens, des Zustimmens und des kreativen Erneuerns. Unabhängigkeit raubt dir die Möglichkeit, dies zu tun.
Wir teilen heute unser Leben in zwei verschiedene Welten. Online und offline. Verbindend und trennend. Das Online-Leben ist in großem Maße frei von Risiken, von Lebensrisiken. Es ist so einfach im Internet Freunde zu finden. Man spürt nie wirklich die eigene Einsamkeit. Wenn man die Einstellung von anderen Usern nicht mag, dann stoppt man einfach die Kommunikation mit ihnen.
Offline ist man unweigerlich mit der Realität der menschlichen Vielfalt konfrontiert. Menschen sind verschieden: Passanten, Fremde. Man muss sich mit der Notwendigkeit des Dialogs, des Gesprächs auseinandersetzen. Man muss der Tatsache ins Auge blicken, dass die Menschen sehr verschieden sind. Im Gespräch miteinander wissen wir nie, wie der Dialog endet. Vielleicht stellt sich dabei nicht heraus, dass man selbst weise ist und die anderen dumm, sondern alle anderen weise sind und man selbst ist dumm.
Die Unabhängigkeit raubt dir die Fähigkeit, all das zu tun. Je unabhängiger man ist, desto weniger ist man in der Lage, diese Unabhängigkeit durch eine sehr angenehme gegenseitige Abhängigkeit zu ersetzen. Am Ende der Unabhängigkeit steht also nicht etwa das Glück, sondern die Leere, die Bedeutungslosigkeit des eigenen Daseins und absolute, vollkommene unvorstellbare Langeweile.“ http://tvthek.orf.at/profile/kreuz-und-quer/8598576

In Ö1 wurde das letzte Buch von Zygmunt Bauman mit dem Hinweis auf Papst Franziskus vorgestellt. https://te7d45880.emailsys1a.net/c/71/1305239/1832/0/29779837/128/88431/5f8ab54087.html 

Über das wilde Wasser

Mit Jesus über das Wasser gehenEin berühmter Witz erzählt von einem Dominikaner, einem Jesuiten und einem Franziskaner, die in einem Boot auf dem See Genesaret fahren.
Plötzlich steht der Dominikaner auf, steigt aus dem Boot, läuft eine Runde übers Wasser, kommt zurück und setzt sich wieder ins Boot.
Der Jesuit will es ihm gleichtun, steigt aus und geht unter.
Der Franziskaner steht auf, steigt aus, dreht seine Runde und kommt trockenen Fußes wieder ins Boot.
Der Dominikaner grinst übers ganze Gesicht und meint: „Hätte nicht gedacht, dass du auch den Trick mit den Steinen kennst!“
Darauf der Franziskaner: „Welche Steine???“ –
Fortsetzung der Geschichte:
Der Jesuit, bekannt für seinen Forscherdrang, fragt den Franziskaner, wie er das gemacht habe.
„Ich habe auf Jesus geschaut und konnte so über das Wasser gehen.“ Da staunten seine Kollegen.

Hier kommt das Evangelium zum Sonntag: Ich gehe zu Jesus über das wilde Wasser.
Die Matthäusgemeinde erinnert daran, wie Jesus den Jüngern auf dem Wasser entgegenkam. Petrus schaute auf Jesus und ging ihm auf dem Wasser entgegen. Als er den Wind bemerkte, bekam er Angst und begann unterzugehen.

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.
Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Und als sie (Jesus und Petrus) ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn. (Evangelium nach Matthäus: Matthäus 14, 22-33)

Wenn ich frustriert bin nehme ich ein Messer

„Wenn ich frustriert bin nehme ich ein Messer und stürze mich im Supermarkt oder am Bahnhof auf andere Menschen, schreie Allah-hu-Akbar und ramme ihnen das Messer in den Bauch. Dann bekennen sich meine Freunde im IS zu dem Attentat, ich bin berühmt und habe den Sinn in meinem Leben gefunden: ein guter Gefährte Mohammeds zu sein und nach dem Tod bei Allah mit allen Freuden des Himmels beschenkt zu werden. Juchhu! Das ist suuuuuper!“

Diese Ideologie hat eröffnte eine grandiose Hoffnung für Menschen, die frustriert sind. Verdammte dieser Erde, ihr braucht nur ein Messer oder einen LKW, ermordet damit einige Ungläubige oder Abgefallene, ihr werdet erfolgreich und bei den Gefährten Mohammeds berühmt.

Die Alternative zu dieser Ideologie ist die Freundschaft mit Jesus. Es ist nicht schwer, ein Freund von Jesus zu sein. Ich kann auf ihn vertrauen und ihn zum Vorbild nehmen. Er vertraute ganz auf seinen Vater und dieser weckte ihn vom Tod auf. Wenn ich als Christin oder Christ frustriert bin kann ich wie Jesus handeln. Ich kann diesen Frust unserem göttlichen Vater übergeben und neu anfangen. Dieser Neuanfang wird getoppt mit einem neuen Pfingsten, wenn der Heilige Geist uns neue Ideen der kreativen Liebe gibt. Am Ende unseres Lebens hoffe ich auf die paradiesische Herrlichkeit und Liebe bei Gott.

Ich brauche kein Mördermesser und keinen Mörder-LKW, sondern nur Vertrauen in Jesus, den Befreier von Frust, Angst und Einsamkeit.

Eine Freundschaft für dich

Der Heilige Geist ist das besgehüteste Geheimnis der KircheDie Freundschaft bringt wunderbare Schätze hervor. Die Freundschaft zwischen mir und meiner Frau brachte eine ständig wachsende schöpferische Kreativität, die Freundschaft mit meinen Freunden brachte viele Ideen und Feste hervor, die Freundschaft mit Gott brachte unserer großen Familie, unseren Kindern, unseren Freundinnen und Freunden ein friedliches Leben und viel Freude. Jesu Geschichten handeln von diesen Schätzen der Freundschaft mit Gott – zu hören in der „Guten Nachricht“ am Sonntag:

Hier kommt das Evangelium zum Sonntag: Ich hole die Schätze aus der Freundschaft mit Gott.
Die Matthäusgemeinde erinnert an das Gleichnis vom Schatz im Acker, von der schönen Perle und von den schlechten und den guten Fischen. Auch holen die Schülerin Gottes und der Schüler Gottes aus dem reichen Vorrat Neues und Altes hervor.

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.
So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.
Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt. (Evangelium nach Matthäus, Erklärungen im Bibelwerk: Matthäus 13, 44-52)

Die Spatzen pfeifen lassen

Mit den Füßen am Boden und mit dem Herzen im Himmel. Johannes Don Bosco

Mit den Füßen am Boden und mit dem Herzen im Himmel. Johannes Don Bosco

Meinen Schülerinnen und Schülern gebe ich einen Spruch von Don Bosco mit auf den Weg: Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen. Auch meine Kollegen haben mich darauf angesprochen. Ein Kollege meinte: „Ja, Spatzen pfeifen lassen heißt für mich die Leute reden lassen und mein Ding machen“. Eine Kollegin sagte lachend: „Fröhlich sein ist wirklich das Wichtigste.“ Für mich ist dieses fröhliche Leben – auch wenn Widerstände auftauchen – fast nur mit einer intensiven Beziehung zu Gott möglich. Mit Gott kann ich über Mauern springen! Da verstehe ich auch, wenn Jesus Christus sagt: Liebe mich mehr als deinen Vater, Mutter, Tochter und Sohn! Diese intensive Liebe macht mich im Letzten immer fröhlicher.

Liebe Gottesdienstgemeinde im Sacré Coeur!

Hier kommt das Evangelium zum Sonntag: Es geht um Christsein für Fortgeschrittene.
Die Beziehung zu Jesus Christus ist äußerst intensives Leben. Die Freundschaft mit ihm relativiert die Liebe zu anderen und zu sich selbst. Wie intensiv die Beziehung ist zeigt sich darin, dass Jesus identisch wird mit seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern: Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.
Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. (Evangelium nach Matthäus, Erklärungen im Bibelwerk: Matthäus 10, 37-42)

Play together now

Wenn im Iran gewählt wird, dann kann ich nicht vergessen, dass unsere Freundin nicht mehr in den Iran zurückkehren kann, weil sie Christin geworden ist. Sie kann ihre Eltern nicht mehr besuchen, ihr droht die Todesstrafe. Sie ist mit ihrer Schwester vor zwei Jahren zu Fuß und mit Bussen aus dem Iran geflohen, hat sich in Wien ein Jahr auf die Taufe vorbereitet, besucht jetzt eine Schule in Wien, spielt beim Theater der Träume mit und setzt sich im Verein „Play Together Now“ für Freizeitgestaltung von Flüchtlingen ein. Die Sehnsucht nach Liebe und Freiheit lässt sich auf Dauer nicht unterdrücken.

Viele Muslime verehren Papst Franzikus wie einen Heiligen

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Ich lese gerade: Gegen den IS könne man … nur gewinnen, wenn „wir uns . .. unsere Freundschaft mit Muslimen nicht zerstören lassen“, so der Theologe. Menschen, die Brücken zwischen den Religionen bauen, passen nicht zur Ideologie der Terroristen. Papst Franziskus mit seinem differenzierten Blick sei deshalb der gefährlichste Gegner des IS, so Klaus von Stosch. Die Mehrheit der Muslime würde dies dankbar registrieren. Der Papst „ist in der muslimischen Welt äußerst populär, und viele Muslime verehren ihn wie einen Heiligen“.

So der Paderborner Theologe Klaus von Stosch in „Christ in der Gegenwart“, 33, 2016