Archiv der Kategorie: Gebet

Wahrnehmen und Achtsamkeit

Florian und Gerda sind seit sieben Jahren verheiratet. Sie haben zwei kleine Buben mit 5 und 2 Jahren. Florian reitet sehr gern auf den Fehlern anderer herum. Wenn Gerda ihn aber auf einen Fehler aufmerksam macht, sieht er das zwar ein, meint aber, dass Gerda auch einen Fehler gemacht hat. Gerda ist dann verärgert, und findet es nicht richtig, dass Florian ihr etwas vorhält, das schon lange zurückliegt. Sie hofft, dass er einfach nur sagt: „Ja, tut mir leid, das war mein Fehler.“ Mehr nicht. Auch in der Beziehung mit Gott spiegelt sich das wider, denn er gibt Gott gerne die Schuld.

Gerda freut sich über ihre Leistungen. Sie war immer eine der besten Schülerinnen, bekam auch im Studium viel Bestätigung und der Beruf machte ihr Freude. Dann kam sie durch die zwei kleinen Kinder in die Krise. Die muss sich jetzt zurücknehmen und für ihre Kinder da sein. Das fällt ihr sehr schwer. Als Mutter bekommt sie nicht diese Bestätigung, die sie im Beruf bekommt. Sie arbeitet jetzt weniger und sehnt sich nach mehr Bestätigung im Beruf. Sie vergleicht sich mit anderen Frauen und mit ihrem Partner und weiß nicht, wie sie Mutter sein und trotz allem ihre Selbstwirksamkeit ausbauen kann.

Der Umschwung kommt, als sie bemerkt, dass sie mit ihrer Lebensgeschichte einzigartig ist und sie nicht neidisch sein muss. So kann sie immer besser und in Ruhe die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen. Dieses Wahrnehmen ihrer Einzigartigkeit hilft ihr sehr. Auch die Beziehung zu Gott bekommt eine neue Qualität. Sie merkt: Er akzeptiert sie, fördert ihre Kreativität und vertieft ihre Achtsamkeit.

Gottesklage | Franz Schwald – Geschichten und Gedanken

Mein Gott, mein Gott! Mit diesem Klageruf habe ich schon oft in belastenden Situationen, in denen mich tiefe Not, Angst und Trauer erfüllte, um Hilfe gefleht. Es fällt ja manchmal schwer, das eigene Schicksal zu beklagen; vor allem in Situationen, in denen uns Gott ach so fern erscheint. Dann sind Texte der Heiligen Schrift, wie die Geschichte von Hiob, die Klagepsalmen bis hin zum Schrei Jesu „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“, ermutigend, den eigenen Kummer auszusprechen, und Gott im Hilfe zu bitten. Dürfen wir doch im Glauben gewiss sein, dass unser Vater im Himmel uns nicht verlässt, wenn Trauer, Enttäuschungen und Einsamkeit uns bedrücken. Umso schmerzlicher ist es, dass auch ich manchmal in Stunden tiefer Betroffenheit nicht wagte, Gott meine Not zu klagen. Die Texte der Bachkantate „Ich hatte viel Bekümmernis“, berührten mich sehr und halfen mir, das Schweigen zu brechen:

Viel zu selten gelang es, über meinen Kummer zu reden.

Quelle: Gottesklage | Franz Schwald – Geschichten und Gedanken

Wie die Knoten lösen?

GebetKann ich Gott um etwas bitten und kann ich darauf vertrauen, dass er hilft? Ich habe immer geglaubt, dass er aus Liebe ohnehin das Gute bewirkt. Wozu, so habe ich gedacht, soll ich ihn noch dazu bitten? Bei den Fürbitten in der Kirche dachte ich, dass wir um etwas bitten, was er macht und wir stimmen uns in diese Richtung ein. Dass die Bitten eine Auswirkungen auf unser Leben haben, glaubte ich immer: Ich werde getröstet, habe eine intensivere Gottesbeziehung, werde vor Hochmut und Einsamkeit bewahrt. Jetzt habe ich aber vieles über das Bittgebet gelesen und bin überzeugt, dass Gott wirklich hilft, wenn ich ihn bitte. Er will wissen, was wir wollen. Er nutzt dazu die Spielräume der Welt und will mit uns gemeinsam und auf unsere Bitte hin etwas Gutes bewirken. Wenn wir allein die Knoten der Übel lösen wollen, kommen noch schlimmere Knoten zustande. Hier trifft das Jesuswort: „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut“ (Mt 12,30). Oder: „Wer nicht mit mir Knoten löst, wird sie vermehren.“ Ich bitte deswegen Jesus, die Knoten in mir und um mich zu lösen.

Meine Bitten: Ich bitte Gott, dass er einem jungen Mann hilft, seinen beruflichen Weg findet. Ich bitte Gott, dass er einer kranken Frau in ihrer Not beisteht. Ich bitte Gott, dass er mich nicht neidisch werden lässt. Ich bitte Gott, dass ein Freund gesund wird. Ich bitte Gott, dass eine Frau wieder zu Gott findet. Ich bitte Gott, dass eine Ehe wieder geheilt wird. Ich bitte Gott, dass eine Flüchtlingsfrau Ausbildung, Arbeit und Wohnung findet. Ich bitte Gott, dass die Politiker und Politikerinnen in Österreich Gutes für das Land und seine Bewohner tun können. Ich bitte Gott, dass die katholische Kirche Frauen zu Priesterinnen weiht. Ich bitte Gott für die Briten, dass sie eine gute Lösung für ihr Brexitproblem finden. Ich bitte Gott, dass ein Arbeitsloser nicht alkoholsüchtig wird und eine Aufgabe findet.

Duftendes Fladenbrot und Gott lieben: Marta und Maria

Marta und MariaIch bin fasziniert von den zwei Schwestern. Maria sitzt zu den Füßen Jesu und hört ihm zu. Wenn Gott Mensch wird, wer könnte ihm da nicht zuhören? Marta kann ihm nicht zuhören. Sie ist die Gastgeberin und läuft herum und bedient Jesus. Sie bringt die Speisen des Landes, Oliven, Feigen, Datteln, Weintrauben, geräucherten Fisch, duftendes Fladenbrot, frisches Wasser mit Wein, Ziegenmilch, Ziegenkäse, Ziegenbutter, Rosinenkuchen mit Honig, Äpfel, Traubensaft und Granatäpfel. Sie merkt verärgert, dass ihre Schwester nur Jesus zuhört und ihr nicht hilft. Jesus verteidigt aber seine Schülerin Maria. Auf ihn zu hören sei notwendig, gut und darf ihr nicht genommen werden.
Diese Maria wird bei uns Christen zum Vorbild derer, die auf Gott hören. Wir kennen das von den Juden, die das „Schma Jisrael“ täglich beten: „Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Die Liebe zu Gott verschränkt sich mit der Liebe zum Nächsten.
Die Gottesliebe ist für Maria leichter als für uns Christen. Denn die Figur Gottes ist für sie sichtbar in der Person Jesu. Wenn ich hingegen bete, dann habe ich keine Figur vor mir. Er ist mir eine riesige Fläche, wie der Himmel, der sich über uns spannt. Gott entzieht sich mir. Und doch – es gibt Umrisse, mit denen er mir hilft. Da ist das Brot und der Wein in der Messe, mit denen ich Gott esse und trinke. Da ist das Brot, das ich anschauen kann in der Monstranz, da ist Jesus am Kreuz, da sind die Geschichten von Jesus und da sind die Menschen um mich, in denen er mir entgegenkommt. So schwer ist Beten doch nicht.

Der Satan fiel vom Himmel

motor bike running close up photography

Vor einem Pfarrhof versucht ein junger Mann vergeblich sein Motorrad in Gang zu bekommen. Er stößt dabei die grässlichsten Flüche aus. Schließlich erscheint der Pfarrer: „Junger Mann, wer wird denn so schrecklich fluchen! Versuchen sie es lieber mit Beten, z.B. Lieber Gott, hilf mir!“ Der junge Mann blickt verzweifelt zum Himmel und spricht: „Lieber Gott, hilf mir!“ Und das Motorrad springt mühelos an. Als der junge Mann davonsaust, sagt der Pfarrer: „Ein Wahnsinn, das hätte ich nicht gedacht!“.
Da staunt sogar ein Pfarrer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine Frage der Beziehung zu Gott ist. Wenn ich etwas Spezielles will, bekomme ich es in den meisten Fällen nicht. Da wird Gott funktionalisiert. Wenn ich aber Gott bitte, mir grundsätzlich zu helfen, dann merke ich, dass er mir in seiner Art hilft.

Macht über den Satan und Freude an Gott

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In der guten Nachricht, dem Evangelium zu diesem Sonntag, heißt es: Wenn wir mit Christus unterwegs sind, dann sind uns die bösen Geister, die Dämonen untertan, dann fällt der Feind, der Satan, wie ein Blitz vom Himmel, dann haben wir die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und dann haben wir Macht über den Feind der Menschen, den Satan. Aber freuen sollen wir uns nicht darüber, sondern wir sollen uns freuen, dass wir eine Beziehung zu Gott haben.

Der Satan verursacht Neid und Rivalität

René Girard sieht den Satan als den Heraufbeschwörer von Konflikten zwischen uns Menschen. Er ist der Verursacher des nachahmenden Begehrens, das einen Prozess einleitet, der über die Rivalität jeder gegen jeden zum Sündenbockmechanismus und letztlich zum Menschenopfer führt. Jozef Niewiadomski erklärt lebensnah die Bedeutung des Satzes Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz
(Lukas 10,17ff)
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Gebet legt die Sehnsucht frei

Pfingsttreffen der Jugend in Salzburg 2019

Pfingsttreffen der Jugend in Salzburg 2019

„Ich bin von einer tollen Mitstudentin gefragt worden, ob ich mit nach Salzburg zum Fest der Jugend fahren wolle. Als ich kurz knapp vorher zugesagt habe (nach langem Überlegen), wusste ich noch nicht was mich dort erwartet. Ich habe noch nie den Heiligen Geist erfahren dürfen wie in Salzburg. Dieses eine Wochenende hat meinen Glauben richtig erneuert und verstärkt!“

Dominik ist einer von achttausend Jugendlichen, die zu Pfingsten auf Einladung der Loretto-Gemeinschaft nach Salzburg kamen.

Er schrieb: Es war schön, mit so vielen Menschen zu beten, zu singen, zu feiern und Lobpreis zu halten. Gott hat mich durch das Fest wieder zu sich berufen, und es fühlt sich sehr gut an. Wenn ich nicht von meiner Freundin gefragt worden wäre, wäre ich nie nach Salzburg gefahren, und Gott nähergekommen. So kann Gott auf der Erde in uns Menschen wirken. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Fest der Jugend 2020!

Pfingstfest der Jugend in Salzburg

Gott ist hilfreich und extern

Übergänge

Übergänge

Ein Freund erzählte, dass ihm ein elfjähriger Junge gesagt hätte, dass Menschen ohne Religion Schwierigkeiten bekämen. Er meinte, dass es ihnen nach dem Tod schlecht gehen würde. Ich hingegen glaube, dass Gott sehr barmherzig ist, dass aber Menschen sich oft falsch entscheiden. Ich kann mich ja fragen, welchen Anteil ich daran habe, dass es mir nicht so gut geht. Ich kann mich prüfen, ob ich im Geist der Liebe lebe oder nicht. Mir hilft es, wenn ich weiß, dass ich für Gott lebe. Nicht nur Bewegung, ausgewogene Ernährung und gute soziale Beziehungen sind für mein Leben wichtig. Meine Erfahrung sagt mir, dass auch die Liebe zum dreifaltigen Gott sehr hilfreich ist.

Gott ist sehr extern. Er beleuchtet vieles in meinem Leben anders. Wenn es mir schlecht geht, versinke ich nicht im absoluten Nichts und wenn ich funktioniere schafft er mir Zeiten und Räume des Übergangs:
Einmal Stille, dann Musik,
einmal Körper, dann Geist,
einmal Nähe, dann wieder Weite,
einmal Gegenwart, dann wieder Suchen,
einmal Leere, dann wieder Fülle,
einmal Kult, dann wieder Ideen
einmal Gebet, dann wieder Schauen.
Dafür bin ich Jesus sehr dankbar. Diese Zeiten und Räume des Übergangs sind auch Einübungen in das Sterben am Ende des irdischen Lebens in die Hände Gottes.