Archiv der Kategorie: Opfer

Der Satan fiel vom Himmel

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Vor einem Pfarrhof versucht ein junger Mann vergeblich sein Motorrad in Gang zu bekommen. Er stößt dabei die grässlichsten Flüche aus. Schließlich erscheint der Pfarrer: „Junger Mann, wer wird denn so schrecklich fluchen! Versuchen sie es lieber mit Beten, z.B. Lieber Gott, hilf mir!“ Der junge Mann blickt verzweifelt zum Himmel und spricht: „Lieber Gott, hilf mir!“ Und das Motorrad springt mühelos an. Als der junge Mann davonsaust, sagt der Pfarrer: „Ein Wahnsinn, das hätte ich nicht gedacht!“.
Da staunt sogar ein Pfarrer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine Frage der Beziehung zu Gott ist. Wenn ich etwas Spezielles will, bekomme ich es in den meisten Fällen nicht. Da wird Gott funktionalisiert. Wenn ich aber Gott bitte, mir grundsätzlich zu helfen, dann merke ich, dass er mir in seiner Art hilft.

Macht über den Satan und Freude an Gott

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In der guten Nachricht, dem Evangelium zu diesem Sonntag, heißt es: Wenn wir mit Christus unterwegs sind, dann sind uns die bösen Geister, die Dämonen untertan, dann fällt der Feind, der Satan, wie ein Blitz vom Himmel, dann haben wir die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und dann haben wir Macht über den Feind der Menschen, den Satan. Aber freuen sollen wir uns nicht darüber, sondern wir sollen uns freuen, dass wir eine Beziehung zu Gott haben.

Der Satan verursacht Neid und Rivalität

René Girard sieht den Satan als den Heraufbeschwörer von Konflikten zwischen uns Menschen. Er ist der Verursacher des nachahmenden Begehrens, das einen Prozess einleitet, der über die Rivalität jeder gegen jeden zum Sündenbockmechanismus und letztlich zum Menschenopfer führt. Jozef Niewiadomski erklärt lebensnah die Bedeutung des Satzes Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz
(Lukas 10,17ff)
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Der Ort der Gottesbegegnung

Jesus verteibt die HändlerDer Tempel von Jerusalem war der Ort der Gottesbegegnung, an dem die Herrlichkeit Gottes wohnte. Die Armen mussten dort oft ihr letztes Geld geben.
Er wird oft mit einem Wallfahrtsort verglichen, an dem ich nicht nur bete, sondern auch meiner Frau Lebkuchenherzen und meiner Enkelin Schneekugeln kaufe. Die Händler sind aber nicht zu vergleichen mit den Geldwechslern und Opfertierhändler in Jerusalem. Wenn ein Jude unrein war, musste er ein Opfer bringen. Das war lebensnotwendig, um in der Gemeinschaft weiterleben zu können. Schneekugeln sind nur Andenken.

Die Opfertiere waren keine Andenken, sie waren notwendig und konnten nur mit Tempelwährung bezahlt werden. Die Geldwechsler und Tierhändler bereicherten sich in unverschämter Weise an den Armen, die sich mit einem Opfer reinigen mussten. Die Tempel in der Antike waren ähnlich den heutigen Banken. Heute ist die Wall Street in New York die größte Wertpapierbörse der Welt. Täglich werden bis zu 8 Milliarden Dollar gehandelt.
Für Jesus war der Bankbetrieb am Tempel von Jerusalem wie eine „Räuberhöhle“. Der Ort sollte ein Haus des Gebetes sein. Vielleicht bereichert sich heute auch jemand in unverschämter Weise an den Armen. Aber ob die Börsen ein Ort des Gebetes sein sollen ist mir nicht klar.

Fronleichnam: Gott dreht für uns das Opfer um.

Fronleichnam

Fronleichnamsprozession in Meckenbeuren im Jahr 2007, Bild: Andreas Gälle, Wikipedia

Fronleichnam ist die Demonstration einer Umdrehung. In archaischen, alten Religionen wird Gott oder den Göttern Opfer gebracht. Das sind Tieropfer, Menschenopfer und Pflanzenopfer. Gott soll beschenkt werden und er garantiert als Gegenleistung den Segen und den Frieden. Im Christentum dreht Gott das Opfer um. Nicht die Menschen opfern Gott, sondern Gott opfert sich den Menschen. Gott wird zum Lamm, zum „Lamm Gottes“, zum „Agnus Dei“, das am Kreuz stirbt.

Eine Opferkritik sieht man schon im Alten Testament bei den Propheten, wenn sie Gott sagen lassen: Gerechtigkeit will ich und nicht Opfer.  Aber es brauchte Gott selber,  der als Messias Jesus die Umkehrung des Opferkultes verkündet: Nehmt und esst, das ist mein Leib! Er ersetzt das Lamm mit dem einfachen Brot, das alle, auch die Armen essen. Das Opferfleisch, das im Jerusalemer Tempel nicht verbrannt wurde, bekamen die Priester. Das Brot hingegen, auch das spezielle Brot zum Paschafestes, das Jesus bevorzugte, konnten alle konsumieren. „Nehmt und esst, das ist mein Leib“ ist an alle gerichtet, die sich in den Neuen Bund mit Gott begeben möchten. Die Prozession zu Fronleichnam ist eine Demonstration dieses Geschenks an alle Menschen. Es ist eine Einladung, das heilende Geschenk Gottes anzunehmen.