Archiv der Kategorie: Christus

Die Klauen des Todes sind überwunden

MGrünewaldsAuferstehungIch möchte diese heiligen Tage zu Ostern mit Jesus gehen. Er begleitet mich und geht mit mir in meine tiefste Verzweiflung. Mit ihm kann ich seine Verlassenheit in Jerusalem und die Verlassenheit der Menschen um mich herum wahrnehmen. Mit ihm kann ich alles vor unseren Gott-Vater hinlegen: Mein freudig pochendes Herz, mein Leiden und meine Schmerzen. Ich sehne mich mit ihm nach Heilung. Die Welt soll geheilt werden. Die Beziehungen sollen geheilt werden. Die Ängstlichen sollen Mut fassen. Ich sehne mich danach, dass die Finsternis der Gottferne mit dem Licht des Glaubens erhellt wird. Ich möchte, dass alle Menschen nicht nur nach dem Tod eine Auferstehung erfahren, sondern in der Gegenwart. Die Auferstehung schenkt Gott jetzt. Ich kann mit Jesus auferstehen und ein neues Leben beginnen. Ja, mit ihm werde ich mutig und – froh.

Lieben statt schlachten

Ich frage mich, warum verurteilten die Priester des Jerusalemer Tempels Jesus zum Tode? Wovor fürchteten sie sich? Der Tempel soll, so meinte er, ein Haus des Gebetes sein. „Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“ Das war der religiöse Grund, warum sie ihn umbringen wollten. „Gebet statt blutiger Opfer“ würde ihre Lebensgrundlage zerstören. Er rief ihnen laut zu: „Wenn ihr den Tempel niederreißt, werde ich ihn in drei Tagen wiederaufbauen.“ Sollte der Opfer-Tempel wirklich untergehen, gibt es einen neuen Tempel ohne blutige Opfer.

Gott-Sohn im Brot und Wein und ein Menschen-Tempel

Gott im Brot und Wein

Dafür hat er mit dem Ritual des Brotes und des Weines vorgesorgt. Statt der geschlachteten Lämmer im Tempel gibt es spezielles Brot und einen speziellen Wein. Brot und Wein wird durch die Gnade Gottes der Leib Gottes und das Blut Gottes. Wenn wir Christinnen und Christen seinen Leib essen und sein Blut trinken, bilden wir den neuen Tempel. Dieser ist nicht aus Steinen erbaut, sondern aus Menschen.

Dieses „Gebet statt Opfer“ und dieses „Liebe statt blutiger Schlachtorgien“ fürchteten die Priester des Jerusalemer Tempels.
Deswegen wollten sie dich, Jesus eliminieren. Danke, Jesus, dass du durchgehalten hast!

Steinigung oder Liebe?

jesus-schreibtBin ich froh, dass Gott Mensch geworden ist. Er konnte als Jesus zeigen, dass die Steinigung eines Menschen gegen seinen Willen stattfindet. In Brunei wurde die Steinigung vor einigen Tagen wieder eingeführt. George Clooney protestierte dagegen. Der steinreiche Sultan von Brunei beruft sich auf die Gesetze Allahs und lässt Menschen hinrichten. Ich weiß zwar nicht immer, was Gott will, aber eines weiß ich: Todesstrafe will er auf keinen Fall. Im Katholischen Katechismus wurde die Todesstrafe immer nur als allerletztes Mittel des Staates beschrieben. Aber unter Papst Franziskus wurde auch das gestrichen. Das ist gut so. Wir sind nicht die Herren über Leben und Tod. Auch ist unsere Religion ein Heilmittel. Jesus verstand sich als Arzt, der die Beziehung zu Gott als Heilmittel anbot: „Dein Glaube hat dir geholfen“.

Die giftigen Gesetze verwehen im Wind

Jesus+EhebrecherinEs ist eine berühmte Szene. Schriftgelehrte bringen eine Ehebrecherin in den Tempel und fragen Jesus, ob er die mosaischen Gesetze der Tora (5 Bücher Moses) kennt und anwenden lehrt.  Jesus schreibt mit dem Finger auf den Boden, auf die staubigen Steine. Er schreibt, wie es Gott am Berg Sinai gemacht hat, als er mit dem Finger die 10 Gebote in Stein schrieb (Exodus 31,18). Diese Steine zerschlug Moses aus Zorn über den Abfall der Israeliten. Moses musste sie noch einmal selbst auf Stein schreiben. Diese Steintafeln gingen bei der Zerstörung des ersten salomonischen Tempels 586 v. Chr. verloren. Die israelischen Gesetze wurden in der Tora, den 5 Büchern Moses aufgezeichnet.
Die Schriftgelehrten glauben nun zu wissen, was der Wille Gottes ist: Die Ehebrecherin muss getötet werden.  Jesus setzt ein Zeichen und schreibt mit dem Finger zweimal auf den Steinboden des Tempels.  Er setzt die Schrift in den Sand und zeigt, dass der Wind sie verweht, auch die schriftlich fixierten Gesetze.
Jesus ist in seiner Verbindung mit seinem Vater auf einer neuen Spur. Diese Ahnung und seine Liebe zu den konkreten Menschen lässt ihn diese neuen Zeichen setzen. Er weiß, dass der Ankläger den ersten Stein werfen muss. Zu den Männern sagt er: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Es ist den Schriftgelehrten anzurechnen, dass sie jetzt weggehen. Jesus wendet sich an die Frau und redet mit ihr. Beziehung ist ihm wichtiger als Gesetze – Liebe statt Steinigung, Bekehrung statt Todesstrafe, Umarmung statt Schläge. Das heilt.

Johannes 8,1-11

Ab heute ist Maria schwanger

Maria sagte JA

Maria sagt Ja

Heute ist ein großer Festtag. 25. März. Heute kommt der Engel Gabriel zu Maria und fragt sie, ob sie den Erlöser auf die Welt bringen will. Sie sagt nach einem kurzen Hin und Her: Ich bin einverstanden. Mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Die ganze heilige Dreifaltigkeit Gottes ist anwesend:
Maria sagt zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortet ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

Sie besucht einige Monate später als Schwangere ihre Cousine Elisabet, die ebenfalls schwanger ist, und wird von ihr mit „Du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir“ begrüßt.

Nach neun Monaten wird Jesus Christus in Betlehem geboren.

(Erklärung im Bibelwerk: Lukas 1,26-38)

Er staucht die Zeit auf den Augenblick

Die dritte Kerze kann ich am Adventkranz entzünden. Gottes Feuer ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Die Griechen kannten zwei Arten von Zeit. Die eine war der Chronos, die Zeit, die nacheinander verläuft und von den Uhren angezeigt wird. Die andere war der Kairos, die Zeit des Augenblickes. In der Zeit dieses Kairos, in der Zeit des Jetzt, verbindet sich das Jenseits mit dem Diesseits, Gott mit dem Universum, Himmel und Erde. Wenn der Dornbusch bei Moses brennt und nicht verbrennt, wenn das Feuer bei Johannes dem Täufer nicht verlöscht, dann ist die Zeit des Kairos, die Zeit des Augenblicks. Die andere Zeit, die Zeit des Chronos, die Zeit der Uhren, schrumpft auf das Jetzt. Die Zeit zwischen Urknall und Ende des Universums staucht sich auf den Augenblick, in dem Jesus Christus anwesend ist. Auch sein ganzes Leben zwischen Zeugung und Auferstehung ist in diesem Jetzt versammelt und uns ganz nahe. Im Augenblick spüren wir seine Liebe.

Der göttliche König wird unser Bruder

Kreuzbild, beim Sturm auf das Erzbischöfliche Palais von Hitlerjugend  im November 1938 zerstochen. Es hängt im Konsistoriensaal.Das Bild zeigt das von der Hitlerjugend zerstochene Kreuz beim Sturm auf das Erzbischöfliche Palais im November 1938.
Es zeigt mir, dass Jesus nicht daran festhielt, ein ferner Gott zu sein, sondern er wurde unser Bruder.
Einen Tag vor der Schandtat, am 7. Oktober 1938 singen 7.000 Jugendliche im Wiener Stephansdom. „Ein Haus voll Glorie schauet!“. Kardinal Innitzer ruft die Jugendlichen auf: „Meine liebe katholische Jugend Wiens, wir wollen gerade jetzt in dieser Zeit umso fester und standhafter unseren Glauben bekennen, uns zu Christus bekennen, unserem Führer, unserem König und zu seiner Kirche…“ Das Christus-Bekenntnis Innitzers gipfelt in den Worten: „Einer ist euer Führer, euer Führer ist Christus, wenn ihr ihm die Treue haltet, werdet ihr niemals verloren gehen.“ Da kommt die Meldung, dass die Hitlerjugend an den Toren des Domes stehe. Organist Alois Holzhacker greift schwungvoll in die Tasten und spielt: „Auf zum Schwure, Volk und Land…“ Plötzlich klingt in den Dom herein aus einer Ecke des Stephansplatzes ein mageres, vielleicht von fünfzig oder hundert Stimmen getragenes „Sieg Heil, Sieg Heil, Sieg Heil…“ Die katholischen Jugendlichen singen: „Auf zum Schwure, Volk und Land, heb zum Himmel Herz und Hand …“ Der ganze Stephansplatz ist ein einziger feierlicher Chorgesang tausender junger Menschen mit erhobener Schwurhand. Sie wissen: Wenn sie fallen fängt ihr Bruder Christus sie auf.

Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper vom Messias, der herabsteigt: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich (ekénosen) und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Philipper 2,5-11)
Paulus sieht, dass der Messias Jesus ihn vom großen Saulus zum kleinen Paulus macht. Er wirft ihn vom hohen Ross.

Der Philosoph Giorgio Agamben schreibt in seinem Kommentar zum Römerbrief des Paulus, dass der Namenswechsel vom Saulus zum Paulus und der Austauch eines Buchstabens, das S durch P, eine Richtung vorgibt: „Saulos ist nämlich ein königlicher Name, und der Mann, der diesen Namen trug, übertraf jeden anderen Israeliten nicht nur nach Maßgabe seiner Schönheit, sondern auch seiner Größe (1 Sam 9,2; im Koran heißt Saul daher Talut, der Große). Der Wechsel vom sigma zum pi bedeutet daher nicht weniger den Übergang vom Königlichen zum Kleinsten, von der Größe zur Kleinheit – paulus bedeutet im Lateinischen „klein, von geringer Bedeutung“, und in 1Kor 15,9 definiert sich Paulus selbst als „den kleinsten (eláchistos) der Apostel“.“ (Giorgio Agamben, Die Zeit, die bleibt, Ein Kommentar zum Römerbrief, 2006, S.20)

Paulus steigt mit dem Messias hinunter in die tiefste Verzweiflung der Menschen. Zum Hinuntersteigen sagen die Griechen kenosis, Entäußerung. Wir Christinnen und Christen steigen mit Jesus, wie Paulus es vormacht, hinunter. Wir lassen uns darauf ein, dass uns Jesus Christus als seine Geschwister auf seinem Weg zu seinem Vater in die erlöste Freiheit mitnimmt.

Er wirft seinen Mantel weg

Blinde werden geheilt, auch der blinde Bartimäus.

Blinde werden geheilt, auch der blinde Bartimäus.

Die Leute ärgerten sich über den blinden Bartimäus. Er aber ruft unbeirrbar nach Jesus. Er sieht in ihm wie Maria Magdalena, die den Auferstandenen sieht, einen „Rabbuni“, einen übergroßen Meister. Dieses Vertrauen hilft ihm sehr:
In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg. (Markus 10,46-52)
Ich nehme an, dass im Herzen des blinden Bartimäus Gott im Spiel war. Deshalb konnte er erkennen, dass Jesus nicht irgendwer, sondern der Messias und der große Lehrer ist. Der blinde Bartimäus ist mein Bruder geworden. Durch ihn spricht der Geist Gottes. Er zeigt mir meinen Erlöser und macht mich Blinden sehend. In manchen meiner Mitmenschen ist mehr als ich vermutete.