Archiv der Kategorie: Christus

Ich bin zur Karikatur geworden

Mein Gott, mein Gott – warum hast Du mich verlassen?
Ich bin zur Karikatur geworden,
das Volk verachtet mich.
Man spottet über mich in allen Zeitungen.
Panzerwagen umgeben mich,
Maschinengewehre zielen auf mich,
elektrisch geladener Stacheldraht schließt mich ein.
Jeden Tag werde ich aufgerufen,
man hat mir eine Nummer eingebrannt
und mich hinter Drahtverhauen fotografiert.
Meine Knochen kann man zählen wie auf einem Röntgenbild,
alle Papiere wurden mir weggenommen.
Nackt brachte man mich in die Gaskammer,
und man teilte meine Kleider und Schuhe unter sich.
Ich schreie nach Morphium, und niemand hört mich.
Ich schreie in den Fesseln der Zwangsjacke,
Im Irrenhaus schreie ich die ganze Nacht,
im Saal der unheilbar Kranken,
in der Seuchenabteilung und im Altersheim.
In der psychiatrischen Klinik ringe ich schweißgebadet mit dem Tod.
Ich ersticke mitten im Sauerstoffzelt.
Ich weine auf der Polizeistation,
im Hof des Zuchthauses,
in der Folterkammer
und im Waisenhaus.
Ich bin radioaktiv verseucht,
man meidet mich aus Furcht vor Infektion.

Aber ich werde meinen Brüdern von Dir erzählen.

Auf unseren Versammlungen werde ich Dich rühmen.
Inmitten eines großen Volkes werden meine Hymnen angestimmt.
Die Armen werden ein Festmahl halten.
Das Volk, das noch geboren wird,
unser Volk,
wird ein großes Fest feiern.

Psalm 22, Ernesto Cardenal, Poet und Priester (1967)

Bleibe bei mir

Herr, „bleibe bei uns;
denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ (Lk 24,29)
Herr, bleibe bei mir,
denn ich schaue voller Sorge auf morgen und die kommende Zeit.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich erlebe gerade, wie ungewiss und vergänglich mein Dasein ist.
Herr, bleibe bei mir,
denn nichts ist mehr so, wie es noch bis vor kurzem war.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich vermisse meine bisherigen Gewohnheiten und Sicherheiten.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich fühle mich gerade ohnmächtig und verletzlich.

Herr, bleibe bei mir,
denn die aktuelle Situation fordert und überfordert mich.
Herr, bleibe bei mir,
denn es graut mir vor Isolation und Langeweile.
Herr, bleibe bei mir,
denn es mangelt mir an Unterhaltung und Abwechslung.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich sehne mich nach Gemeinschaft und Geselligkeit.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich klammere mich an alles, was mir Halt gibt.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich glaube und hoffe: Dann wird alles gut.

Herr, bleibe bei mir,
denn dann ist alles gut.
Amen.

Einsam, aber nicht vereinsamt

Wenn ich alleine in meiner Wohnung bin, bin ich noch nicht vereinsamt.

Ich bin verbunden mit den Mächten der Natur, mit den Mächten der Geschichte und mit dem Zentrum von allem, mit Gott. Er begleitet mich, gibt mir Ruhe und Muße und bewahrt mich vor Aktionismus.

Er trägt dich

Jesus gibt uns einen guten Tipp:
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Matthäus 6,6

Was willst du mir zeigen?

Da schaue ich in den Reisekatalog, buche eine Reise auf eine Insel und will unbedingt auf den höchsten Berg hinauf. Mich treibt es, von dort die weite Aussicht zu genießen und auf ferne Bergrücken und weißblaue Ufer zu schauen.

Auf Korfu fuhr ich auf den höchsten Berg, den Pantokrator, als ich bemerkte, dass eine Augenentzündung mich irritierte. Die Aussicht konnte ich wegen dem Wind, der meine Augen reizte, nicht genießen. Ich floh in die Kirche des Klosters, das am Berggipfel lag. Es war dunkel, die Heiligenfiguren schauten mich beschützend an und von oben blickte mit seinen großen Augen Jesus als Pantokrator, was so viel wie Herrscher der Welt heißt, herunter. Aber schaute er mich an? Nein, er blickte nach rechts, wie wenn er mir etwas zeigen will. Aber was? Was willst du mir zeigen? Ich weiß es nicht.

Als neuer Mensch aus dem Wasser steigen

Ich lade Sie ein, sich Folgendes vorzustellen: Wir gehen mit Jesus zum Fluss Jordan, wo Johannes die Menschen tauft. Wir hören wie Jesus mit Johannes redet. Wir steigen mit Jesus in den Jordan und tauchen ganz unter. Dann gießt Johannes Wasser über unsere Köpfe. Wir sehen den Heiligen Geist wie eine Taube auf uns herabkommen und hören die Stimme von Gott Vater: Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude. Wir steigen mit Jesus aus dem Jordan. Ich vermute, dass einige von uns sich freuen. Ich wäre ein wenig verwirrt und doch von Freude erfasst.

Er fürchtete zu ertrinken
Ähnlich erging es Christophorus. Er hieß zuerst Phorus, das heißt Träger. Er trug Menschen durch einen Fluss. Eines Nachts hörte er eine Kinderstimme rufen: „Phorus, trage mich hinüber!“ Vor seiner Hütte konnte er aber niemanden finden. Erst beim dritten Ruf sah er ein Kind, das er auf seine Schultern setzte. Im Wasser wurde ihm die Last immer schwerer, das Wasser wurde höher und höher; er fürchtete zu ertrinken und glaubte, die ganze Welt läge auf seinen Schultern. „Mehr als die Welt trägst du auf deinen Schultern“, sagte ihm das Kind, „du trägst den Herrn, der diese Welt erschaffen hat. Ich bin Jesus Christus, dem du in dieser Arbeit dienst.“ Und es drückte ihn unter Wasser und taufte ihn.

Der Stab trug Früchte     
    Er hatte jetzt den Namen Christophorus, das heißt Christusträger. Das Jesuskind befahl ihm, seinen Stab in den Boden zu stecken. Am nächsten Morgen grünte und blühte er und trug Früchte.
Ich liebe dieses Kind, das unter uns geboren wird, mächtiger als das Universum ist, unser Leben aufblühen und Früchte tragen lässt.

Die Antwort auf die Zumutung: Er rettet kaum wahrnehmbar

Jetzt haben wir doch auf unseren Balkon eine winzige Lichterkette gegeben. Zuerst waren uns die Lichter-Orgien an den Häusern schon vor dem Advent unheimlich. Aber jetzt, knapp vor Weihnachten, schaffen wir es, einige kleine dezente Lichtpunkte auf das Tannenreisig zu setzen. Wir machen das auch, damit das Fest beginnen kann. Im Zentrum steht für mich das Ankommen des Gotteskindes. Vielleicht hat Gott das schon beim Urknall geplant, dass er Mensch und unser Bruder wird.

Gott mutet uns Menschen oft viel zu. Da ist seine Antwort: „Ich bin für euch da. Ich bin mit euch solidarisch.“ Der große Schöpfer des Universums wird aus Liebe zu uns ein kleines Kind. Als Erwachsener sammelt er Schülerinnen und Schüler und lehrt das Verzeihen statt dem Hass, die Liebe zu Gott und zu den Nächsten, die Vergebung der Sünden, den Glauben, der Wunder bewirkt, die Treue zwischen Menschen, die Liebe zu den Armen, zu den Kindern und zu den Kranken. Er zeigt uns, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern dass unsere endgültige Heimat bei ihm jenseits des Todes liegt. Dazu bietet er seine Freundschaft an. Was hätte ich, wenn ich diese Freundschaft ablehne? Ich hätte nichts gewonnen. Eher alles verloren. Durch diese Freundschaft mit dem umfassenden Urgrund unseres Lebens merke ich, dass mir so vieles geschenkt wird. Dafür bin ich dankbar. Und ich habe eine Ahnung bekommen wie man gut und zufrieden leben kann.



„Verspottung Christi“ für 24 Millionen Euro versteigert – katholisch.de

Cimabues Meisterwerk erzielt das Sechsfache des Schätzpreises

Quelle: „Verspottung Christi“ für 24 Millionen Euro versteigert – katholisch.de