Archiv der Kategorie: Sonntag

Ich bekenne

Ich bekenne, ich möchte nicht der Größte in der christlichen Gemeinschaft sein. Ich möchte einfach nur ein Mensch unter anderen sein. Die zwei Söhne des Zebedäus wollen rechts und links von Jesus sitzen und die Welt regieren. Das will ich auf keinen Fall. Jesus spricht einen Satz gelassen aus, der es in sich hat: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ Mit dem zweiten Teil könnte ich mich anfreunden, wenn es nicht eine Überforderung ist. Gebraucht zu werden, nützlich zu sein und anderen behilflich zu sein ist wunderbar.

Der Sonntag ist ein Zeichen für Gott

Der Sonntag ist ein Zeichen für Gott, der sich nicht verzwecken lässt.

Aber man muss sich auch Ruhe gönnen. Es gibt einen Tag, an dem nicht gearbeitet wird. Der Sabbat beziehungsweise der Sonntag ist so ein Geschenk. Er lässt sich oft verzwecken. Aber er ist nicht dafür da. Er ist ein Freiraum fürs Nichtstun. Er ist ein Spalt, der unsere Arbeit unterbricht. So wie Gott, der sich nicht verzwecken lässt und sich uns entzieht.

Gott beschenkt, wer den Feiertag heiligt

Todsünden

Andreas Vitasek und Schwester Michaela Gehart, Screenshot von TVthek, kreuz und quer, 30.5.2018, Film aus dem Jahr 2013 Aus: Todsünden – ein Menü in sieben Gängen (eine Woche abrufbar). Inhalt: Religion ORF

Gestern sah ich eine Szene im ORF, als Andreas Vitasek über Völlerei, einer schweren Sünde („Todsünde“), mit anderen plauderte:
Andreas Vitasek: Es ist ja nicht negativ, dass man aus diesem Leben  – wo ich,  so glaube ich, nur eines habe – so viel wie möglich herausholt. Sei es an Erfahrung, an Genuss
Sr. Michaela Gehart: Ich möchte in meinem Leben nicht alles herausholen. Ich genieße auch hin und wieder einiges. Aber es ist nicht alles.
Andreas Vitasek: Sie wissen, sie treffen den Chef (Gott) irgendwann einmal.
Sr. Michaela Gehart: Wir alle treffen den Chef (Gott).
Andreas Vitasek: Ich nicht.

Ich weiß nicht, ob Andreas Vitasek Gott nicht trifft. Ich glaube er trifft ihn. Wir alle treffen Gott. Wir müssen nicht alles aus unserem Leben herausholen. Uns wird die Vollendung geschenkt. Ein Vorgeschmack soll der Feiertag und der Sonntag sein.

Mittelalterliche Kirche: Sorge um die Armen, Gott lieben und den anderen verzeihen

Karl der Große, gemalt von Albrecht Dürer

Karl der Große (747- 814), gemalt von Albrecht Dürer

Die Könige der Franken erließen Regelungen, die weltliche und kirchliche Angelegenheiten betrafen. Die Admonitio generalis war eine dieser Regelungen. Sie wurde unter Karl dem Großen erlassen und betraf im zweiten Teil die Kirchenreform. Sich taufen zu lassen und das Christentum äußerlich anzunehmen genügte nicht. In jedem Kloster und bei jeder Kathedrale sollen Schulen errichtet werden, wo die Jungen Musik, Grammatik, Rechenkunst und die Bibel lesen lernen sollen. Priester sollen den Menschen das Vaterunser erklären, damit sie eine Beziehung zu Gott pflegen können. Am Sonntag sollen die Männer und Frauen keine Alltagsarbeiten verrichten, sie sollen zur Messe gehen und Gott loben. Die Priester sollen predigen, dass Gott einer und drei ist, ein Mensch wurde und am Ende Gericht halten wird. Die Zuhörer sollen Gott und den Nächsten lieben, auf Gott hoffen und vertrauen, sollen sich beherrschen, freundlich und barmherzig sein, für die Armen sorgen, die Sünden bekennen, anderen verzeihen und sich untereinander versöhnen. „Denn wer so lebt, wird das Himmelreich besitzen.“

(Entnommen aus: Geschichte der Kirche im Mittelalter, F. Donald Logan, übersetzt von Karl H. Nicolai, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, S.88 u.89)

Kann sich die heutige Welt nicht ein Beispiel an diesen kirchlichen Impulsen aus dem Mittelalter nehmen?