Archiv der Kategorie: Befreiung

Vom eigenen Brot leben

Der Teufel sagt zu Jesus: „Mach aus diesen Steinen Brot!“ Jesus lehnt das ab. Den Hungernden zu essen geben ist sehr wichtig. Aber sie dürfen nicht abhängig gemacht werden. Mächtige diktieren und Arme müssen folgen, sonst bekommen sie kein Brot. Das verabscheut Gott. Ich glaube, er möchte freie Menschen, die von ihrem eigenen Brot leben. Die Wandlung in der Messe ist dafür ein Zeichen. Das Brot wird nicht gegessen, weil Menschen im Bauch hungrig sind, sondern weil sie sich mit Gott verbinden. Das Brot wird zum Gottesmedium, zur Tür, durch die Gott in unser Herz kommt. Es passiert etwas mit uns. Wir werden Medien, Gottes Medien. So wie Jesus eine Tür Gottes geworden ist, so werden wir Türen, durch die Gott in die Welt und kommt. Er macht dich frei.

Es beginnt etwas Neues

Ich bin nicht ohnmächtig. Ich kann den Flüchtlingen helfen. Ich kann meine Stimme gegen Putin erheben. So ohnmächtig bin ich nicht. Ich sehe, dass der Krieg bis zum Äußersten geht, und der Aggressor schreckt vor nichts zurück. Ich kann mit anderen gemeinsam die Ukraine in ihrem Widerstand gegen den Diktator unterstützen und den Flüchtlingen kann ich in Pressbaum helfen.

Daneben schreie ich zu Gott. Ich tu beides: Flüchtlingen helfen und zu Gott klagen, die Ukraine unterstützen und Gott rufen. Ich glaube, Gott bereitet etwas Neues vor. Auch wenn wir es nicht sofort erfahren. Es kündigt sich schon an. Je schlimmer es wird, umso eher kommt Rettung. Je näher wir Gott kommen, desto tieferen und innigeren Zugang gewinnen wir. Wo Gefahr ist, wächst das Rettende.

Wir hören es am Sonntag in den Lesungen: Je näher die Ehebrecherin Jesus kommt, desto sicherer ist ihre Rettung vor den Steinen der Männer. Je inniger die Klage der Flüchtlinge im babylonischen Exil, umso sicherer ist ihre Befreiung. Je stärker wir uns mit Jesus verbinden, umso sicherer ist unsere Auferstehung von den Toten.

Es bedeutet für mich, dass Gott meinen gebeugten Rücken aufrichtet und mir Räume der Freiheit und der Freundschaft eröffnet. Dafür preise ich ihn.

In meiner Not rief ich zu dir

David von Michelangelo, 1504, Florenz

Der kleine Hirtenjunge David kämpfte gegen den großen Goliat und dankte Gott für seinen Beistand. Ihm wird ein Lied zugesprochen, dessen Text viele jetzt beten. Auch deshalb, weil die tapferen Menschen in der Ukraine und die vielen Kriegsflüchtlinge in einer ähnlichen Situation wie David sind:

Mich umfingen die Fesseln des Todes und die Fluten des Verderbens erschreckten mich. In meiner Not rief ich zu dir und du hörtest meine Stimme, mein Hilfeschrei drang an deine Ohren. Da wankte und schwankte die Erde, die Grundfesten der Berge erbebten. Du griffst aus der Höhe herab und fasstest mich. Du entrisst mich meinen mächtigen Feinden und meinen Hassern. Du führtest mich hinaus ins Weite, befreitest mich, denn du hattest an mir Gefallen gefunden. Ich lobe dich. Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, du mein Fels, meine Burg und mein Retter.

Du rettest uns, dein elendes Volk. Du lässt unser Licht erstrahlen, du machst unsere Finsternis hell. Mit dir überspringen wir Mauern. Wer ist unser Fels, wenn nicht du, unser Gott? Du hast uns mit Kraft umgürtet. Du lehrtest unsere Hände zu kämpfen. Deine Zuneigung machte uns groß. Du hast in die Knie gezwungen, die gegen uns aufstehn. Du rettest uns vor den zornigen Feinden. Darum will ich dir danken, Herr, inmitten der Nationen. Ich will dich laut besingen. (Nach Psalm 18, gekürzt)

Auf der Seite der Betroffenen. Ihren Geschichten glauben

Klaus Mertes SJ sieht in der kirchlichen Aufarbeitung in Deutschland schlimme Rollenvermischungen von Betroffenen und den Täter-Institutionen. Betroffene werden zur Kooperation herangezogen, damit die Täter-Institution in der Aufarbeitung und der Prävention dazulernt. Er tritt dagegen für eine klare Rollentrennung ein.
1. Hier die Täter-Institution,
2. dort die von der Institution unabhängige Kommission und
3. wieder an einem anderen Ort die Betroffenen, die sich selbständig in einem von der Kommission unterstützten Rahmen organisieren können.
4. Die teilnehmenden Zuhörer: Die Betroffenen haben ihre Geschichte zu erzählen, die zum Glauben herausfordert. Ihre Missbrauchsgeschichten hören ist ein existentieller Akt.

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Rettung aus der Finsternis

Jesus bringt uns ein großes Versprechen. Wir leben zwar oft in einer unangenehmen Finsternis, aber wir können darauf vertrauen, dass Jesus in Herrlichkeit kommt, uns befreit und dass jene, die die Liebe leben, eingeladen werden, ein himmlisches Fest voll des Glücks zu feiern. Diese Abfolge von göttlichen Ereignissen geschieht im Leben jedes Menschen und man kann es individuell erfahren.

Mir ist es so ergangen. Ich betete und erlebte die gottlose Finsternis. Wo bist du, Gott? Ich rief zu seinem helfenden Geist. Komm, lass mich ein neues Pfingsten erleben. Bring mir Jesus als Licht in meine Finsternis!

In dieser Erfahrung zeigte er mir, dass ich auf Menschen zugehen kann, dass ich in einer Gemeinschaft bin, die zwar brüchig ist, aber in der der Geist Gottes da ist.

So erwarte ich es auch, wenn ich sterbe. Meine Welt stürzt ein, ich bin in der Finsternis, aber nach dem Tod kommt mir Jesus mit seinem Licht entgegen und ich sehe alle, die die Liebe leben, sodass wir im himmlischen Jerusalem Wohnung finden und ein grandioses Fest feiern.

Frei von niederdrückenden Mächten

Ich habe in meiner Kindheit gelernt, vor dem Essen die Hände zu waschen. Das ist hygienisch sinnvoll. Die Schriftgelehrten zurzeit Jesu machten das nicht aus hygienischen Gründen, sondern aus magischen Gründen. Wer fremde Personen oder deren Gegenstände berührte, wurde als ganzer Mensch unrein. Anders bei Jesus. In der Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten kommt Jesus zu dem Schluss, dass nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn unrein machen kann, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Und das ist auch meine Erfahrung. Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die schlechten Handlungen wie Neid, Habgier, Hochmut und Unvernunft.

Aber die Gefahr kommt auch von einer Schrift- und Gesetzesreligion wie den Taliban oder dem Islamischen Staat, wenn die Anhänger glauben genau zu wissen, was Gott will. Sie lesen in ihren heiligen Schriften und greifen in ihrer Verirrung und Unvernunft zur Gewalt, sprengen sich in die Luft und reißen andere mit in den Tod.

Jesus hingegen geht mit den Vorschriften der Heiligen Schrift sehr selbstbewusst um, er zeigt auf das Herz als Mitte des Menschen und begründet die neue Religion der Herzen. Ich glaube, dass diese trotz der Verachtung der Gegner Zukunft hat, denn in den Herzen kann das Wort Gottes wachsen. Es inspiriert uns Menschen, heilt und befreit. Mit dem selbstbewussten Jesus und dem liebevollen Heiligen Geist ist das nieder drückende Alte vergangen und wir können neu beginnen.

Mit Gott werde ich frei

Viele machen sich das Leben selbst schwer, indem sie undankbar sind, einander nicht vergeben oder sich nicht versöhnen wollen, sich rivalisieren, andere Menschen abwerten und bekämpfen. Da bekommen viele Depressionen, Herzinfarkte, werden unglücklich und begehen Suizid. Sie können nicht loslassen und verstricken sich immer mehr in ihre Gedanken.

Es hängt stark mit der fehlenden Gottesbeziehung zusammen. Klar ist, es gibt viele Ursachen für Depressionen, Herzinfarkte und Suizid. Aber klar ist auch, je intensiver ich mich auf Gott einlasse, umso freier werde ich. Der Grund ist die Treue Gottes zu uns Menschen. Viele, auch Atheisten, müssen aber ihr Gottesbild fallen lassen. Dieses fixe Bild eines Gottes, der ein Automat ist oder der uns nach dem Tod in die Hölle schickt, muss man hinter sich lassen. Er ist größer, liebevoller und freier als wir denken können.

Ich habe erfahren, dass er mich und andere mit seinem Geist fördert und herausfordert. So wie er frei ist, werden wir mit ihm frei. Sein Heiliger Geist macht uns mutig und einsatzfreudig. Er unterstützt uns, anderen zu helfen und uns für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen. Und: Die Gewissheit, dass er mich im Tod auffängt, macht mich locker und froh.

Thomas Bernhard: Ich bin so allein

Am 9. Februar 2021 wäre Thomas Bernhard 90 Jahre alt geworden.
Mir gefallen seine ausdrucksstarken Texte. Zwei Texte veröffentlichte er 1958, die mir sehr nahe gehen.

Der eine beginnt mit:
Ich weiß keine Straße mehr die hinaus führt
ich weiß keine Straße mehr
komm hilf
ich weiß nicht mehr was mich befallen wird in dieser Nacht
ich weiß nicht mehr was Morgen ist
und Abend
ich bin so allein
o Herr
und niemand trinkt mein Leiden
keiner steht an meinem Bett
und nimmt die Qual mir ab
und schickt den Wolken mich
und grünen Flüssen
die ins Meer hinrollen …

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