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Die Freude teilen

Ich freue mich, dass ich immer wieder durch Gespräche oder Mitteilungen beschenkt werde. Ein Nachbar meinte, dass in den Beziehungen nicht immer nur aufgerechnet werden muss, was gibt die Frau, was gibt der Mann. Man müsse sehen, dass in der Beziehung und im Leben eine Fülle existiert, die uns ein glückliches, zufriedenes Leben ermöglicht. Das hat mich sehr gefreut und ich möchte diese Freude an der Fülle mit anderen teilen.

Ich mag nicht, wenn eine Person gemobbt wird. Da stelle ich mich auf ihre Seite. Ich lernte das, als ich im Kreuzweg sah, dass Jesus von den Soldaten verspottet wurde. Da war ich auf seiner Seite. Ich fand das unmöglich. Dazu kommt: Wenn Jesus verspottet wird, dann wird damit auch Gott verspottet. Er identifiziert sich mit allen gemobbten und ausgestoßenen Menschen. Gott sei Dank bleibt es nicht dabei. Er nimmt sie alle in seine Herrlichkeit auf. So wie es Maria betet: Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. – Die Freude der Niedrigen wird unermesslich sein. Die Freude darüber möchte ich auch mit anderen teilen.

Ich bin zur Karikatur geworden

Mein Gott, mein Gott – warum hast Du mich verlassen?
Ich bin zur Karikatur geworden,
das Volk verachtet mich.
Man spottet über mich in allen Zeitungen.
Panzerwagen umgeben mich,
Maschinengewehre zielen auf mich,
elektrisch geladener Stacheldraht schließt mich ein.
Jeden Tag werde ich aufgerufen,
man hat mir eine Nummer eingebrannt
und mich hinter Drahtverhauen fotografiert.
Meine Knochen kann man zählen wie auf einem Röntgenbild,
alle Papiere wurden mir weggenommen.
Nackt brachte man mich in die Gaskammer,
und man teilte meine Kleider und Schuhe unter sich.
Ich schreie nach Morphium, und niemand hört mich.
Ich schreie in den Fesseln der Zwangsjacke,
Im Irrenhaus schreie ich die ganze Nacht,
im Saal der unheilbar Kranken,
in der Seuchenabteilung und im Altersheim.
In der psychiatrischen Klinik ringe ich schweißgebadet mit dem Tod.
Ich ersticke mitten im Sauerstoffzelt.
Ich weine auf der Polizeistation,
im Hof des Zuchthauses,
in der Folterkammer
und im Waisenhaus.
Ich bin radioaktiv verseucht,
man meidet mich aus Furcht vor Infektion.

Aber ich werde meinen Brüdern von Dir erzählen.

Auf unseren Versammlungen werde ich Dich rühmen.
Inmitten eines großen Volkes werden meine Hymnen angestimmt.
Die Armen werden ein Festmahl halten.
Das Volk, das noch geboren wird,
unser Volk,
wird ein großes Fest feiern.

Psalm 22, Ernesto Cardenal, Poet und Priester (1967)