Archiv der Kategorie: Naturalismus

Religion und Moderne (Teil 1): Konflikte und Aufbrüche

Die Moderne proklamiert Selbstbestimmung und Christen glauben an einen Gott, der vieles in der Natur und in der Geschichte beeinflusst. Wie glauben dann moderne Christen?

hinsehen.net

Der katholischen Kirche galten und gelten gewisse Ausprägungen moderner Theologie und Philosophie als „Modernismus“ und damit als „Sammelbecken aller Häresien“. Ähnliche Ausprägungen gab und gibt es in den evangelischen Kirchen. Was fanatisch klingen mag ist aber eine Analyse von Religionsverständnissen, die tatsächlich für traditionelle Formen des Christentums vernichtende Auswirkungen haben können. Die Moderne bringt neben naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auch eine neue Interpretation von Mensch, Religion und Gott mit sich. Die Frage, die sich seit dem durch die Geschichte zieht lautet: Sind Moderne und Religion vereinbar oder hat man als moderner Mensch keine andere Möglichkeit als der Religion abzusagen?

5486890633_295f76e99a_o.jpg Foto: Yann Gar / flickr.com. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der Begriff Modernismus als Phänomen der Moderne

Der Begriff Modernismus ist eine Zuspitzung von theologischen Ansätzen, die vormals als „liberal“ gescholten worden. Erstmals fassen kann man den Begriff beim belgischen LaienundNationalökonomen Charles Périn.Er verwendete ihn inseinemAufsatz

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Chinese und Libanese schrieb bei den Menschenrechten mit.

Der Sozialphilosph Hans Joas wies im Deutschlandfunk-Interview darauf hin, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 keine alleinige Erfindung des Westens, der Aufklärung, des Judentums oder des Christentums ist. Auch zwei Asiaten arbeiteten in der 18-köpfigen Vorbereitungskommission mit. Der chinesische Philosoph Peng-chun Chang brachte seine Ideen des Konfuzius und des Buddhismus ein. Der christliche Libanese Charles Habib Marlik brachte seine arabische Tradition ein. Neben diesen Asiaten waren der Kanadier John Humphrey, die Franzosen René Cassin und Jacques Maritain und Eleanor Roosevelt die Witwe des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt an der Abfassung beteiligt. Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit 48 Ja-Stimmen, 0 Gegenstimmen und 8 Enthaltungen verabschiedet. Die Enthaltungen kamen von der Sowjetunion, der Ukraine, Weißrussland, Polen, der ČSSR, Jugoslawien, Saudi-Arabien und Südafrika.
Peng-chun Chang
Charles Habib Malik
René Cassin
Eleanor Roosevelts
John Humphrey 
Jacques Maritain
Joas im Deutschlandfunk
kathweb
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
 Menschenrechte

Philosoph Holm Tetens: Menschen sind nicht Gott

Prof. Dr. Holm Tetens

Prof. Dr. Holm Tetens

Der Berliner Philosoph Holm Tetens beschäftigte sich mit der Wissenschaft und der Technik, mit deren Hilfe der Mensch Gott spielen möchte: „Für die Erkenntnisziele der Wissenschaft brauchen wir die Hypothese Gott nicht, zumal nicht, seit wir unter anderem mit Hilfe der Wissenschaft und Technik die Erlöserrolle, die einst Gott vorbehalten war, nun selber zu übernehmen versuchen.“ (in: Der Glaube an die Wissenschaften …, 281). Der Philosoph Hans Ludwig Ollig SJ unternimmt es, zwei Artikel von Tetens in der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ (April 2014) vorzustellen, in denen Tetens die Logik des Naturalismus aufzeigt. Dieser gibt vor, der einzige wahre Zugang zur Wirklichkeit zu sein und die Menschen ohne Gott zu erlösen. Dadurch macht er sich zur Religion. Tetens sieht einerseits in der technischen Beherrschung des Menschen die Freiheit des Menschen in Gefahr. Andererseits bezweifelt er, ob man in der Weltsicht des Naturalismus eine frohe Botschaft sehen kann: „dass nichts und niemand in diesem an sich lebensfeindlichen Universum uns Menschen will, dass wir Menschen nur zufällig und ohne Sinn und Absicht im Universum entstanden sind, dass wir eines Tages aus diesem Universum wieder verschwunden sein werden.“ (Die Möglichkeit Gottes, 11).

Wir Menschen sind, so Tetens, verstrickt in diese Welt und können uns dadurch nicht befreien. Auch sonst gibt es nichts Innerweltliches, was das Leiden und die Übel überwinden könne. Eine endgültige Erlösung lässt sich nicht beweisen, aber die Erlösungshoffnung ist nicht unvernünftiger als die Aussicht, die der Naturalismus bietet. Gott ist die Macht, die jemand annehmen muss, „der auf eine Erlösung hofft und im Vertrauen auf sie lebt.“ (Naturalismus und … 262). Tetens versteht seine Vorgehensweisen als religionsphilosophische Untersuchungen, die den Dialog zwischen Gläubigen und Ungläubigen fördern können. Der transzendentale Rahmen der großen Erlösungsreligionen konkurriert mit dem transzendentalen Rahmen des Naturalismus. Er ist in dem Satz zusammengefasst: „Gott erlöst uns Menschen und die Welt von allen Übeln und Leiden.“

Literatur:
Hans Ludwig Ollig SJ, Naturalismus und Erlösungsglaube, Holm Tetens‘ Perspektive auf das Religionsproblem, in: Stimmen der Zeit, Heft 4, April 2014; Herder
Holm Tetens, Der Glaube an die Wissenschaften und der methodische Atheismus. Zur religiösen Dialektik der wissenschaftlich-technischen Zivilisation, in: NZSTh 53 (2013) 271-283
Holm Tetens, Die Möglichkeit Gottes, in: Sebastian Hödl / Henning Tegtmeyer (Hg.), Sinnkritisches Philosophieren. Berlin 2013, 11-38
Holm Tetens: Der Naturalismus: Das metaphysische Vorurteil unserer Zeit?