Archiv der Kategorie: Kreativität

Partnerschaft über Abgründe

Aufnahme in die Unsichtbarkeit

Meine Partnerin hat mich verlassen. Das erzählte mir ein Freund und fügte hinzu: Nach einer Woche hatte ich einen Zusammenbruch. Ich weinte und konnte zwei Tage nicht schlafen.
Verlassen werden ist für viele eine Katastrophe. Eine Trennung kann aber auch langsam passieren. Für die ersten Christinnen und Christen war der Abschied von Jesus eine Hochschaubahn. Zuerst sein grauenhafter Tod, danach die wunderbaren Erscheinungen und dann die endgültige Aufnahme in den Himmel – das war ein langsames Abschiednehmen mit Auf und Ab. Es zeigt von Liebe, dass Jesus einen zweiten Partner schickte, der bei ihnen blieb. Zum bald unsichtbaren Jesus kam der unsichtbare starke Heilige Geist. Beide, Jesus und der Heilige Geist werden unsichtbar hilfreich inspirierend anwesend sein.
Es zeigt, wie sich Gott um uns sorgt. Es zeigt aber auch, dass er uns als seine Partner und Partnerinnen sieht, uns mit seinem Geist bewegt und uns kreativ inspiriert. Für uns kann das bedeuten, dass diese Partnerschaft uns ein Leben lang beschäftigt. In der Ehe versprechen wir die Treue bis der Tod uns scheidet. Die Partnerschaft mit Gott geht hingegen über den Tod hinaus.
Hannes

Gelungene Partnerschaft

Gelassenheit
In welcher Zeit lebe ich? Ich fühle mich vom Coronavirus nicht sonderlich bedroht. Ich möchte nur nicht krank werden und andere mit dem Virus anstecken. Ich gehe jetzt gerne spazieren, lese viel, werke im Haus und Garten und organisiere die Lieder und den Newsletter für die Sacré Coeur Gemeinde. Fast alle Menschen kämpfen gemeinsam gegen das Coronavirus, das Krankheit und Tod bringt. Dieser Kampf fordert Einschränkungen, zurückstellen von Unwichtigem, bringt aber auch Arbeitslosigkeit und Verarmung mit sich. Der Staat ist gefordert und wir sind persönlich herausgerufen zu helfen, wo es Not tut.

Wir Christinnen und Christen haben nicht nur das Gebot der Nächstenliebe, sondern sind auch in Verbindung mit Gott, der uns immer wieder einlädt, nachzudenken und uns inspirieren zu lassen. Wir werden – ähnlich wie er – kreativ. Durch die Verbindung mit Christus vermeiden wir, dass unser Herz verwirrt wird. Wir können realistisch abschätzen, was zu tun ist. Damit überfordern wir uns nicht in der Sorge und den Tätigkeiten. Wir können mit unseren Grenzen leben und es anderen und Gott überlassen, manche Aufgaben zu erfüllen. Diese Gelassenheit tut mir gut. Ich sehe mich als Partner von Gott.
Hannes

Der Unterschied zwischen Einkäufen und Gottesdiensten

Die Bischöfe in Österreich arbeiten an einem Stufenplan, wie öffentliche Gottesdienste wieder möglich sind. Auch Freiluftgottesdienste werden angedacht. Die Bischofsvikare Stephan Turnovszky und Petrus Hübner haben zu den Unterschieden von Geschäften und Kirchen einen Brief veröffentlicht:

Kardinal Schönborn: Es braucht einen kreativen und gesundheitlich verantwortbaren Weg

„Immer wieder hören wir die verständliche Verwunderung von Gläubigen, warum Geschäfte öffnen dürfen, in der Kirche aber weiterhin keine Gottesdienste gestattet sind. Im Gespräch mit einem Arzt aus dem Krisenstab der Regierung haben wir diesbezüglich verstanden:

Die Dosis macht‘s

Der Krankheitsverlauf ist abhängig von der Dosis, mit der man infiziert wird. Wenn man sich auch nicht alle Viren vom Leib halten kann, so kann man versuchen, keiner zu großen Zahl in kurzer Zeit ausgesetzt zu werden. Dann kann das Immunsystem besser damit umgehen. Das bedeutet, dass die Zeitspanne, in der wir Viren ausgesetzt sind, bedeutend ist und wir Menschen vor zu langem Aufenthalt im Umfeld von Viren zu schützen haben.

Risiko durch Verweildauer und Singen

Der Unterschied besteht vor allem in der Verweildauer neben denselben Personen. In Geschäften bewegt man sich und entfernt sich nach Annäherung wieder. Übliche Gottesdienste sind hingegen Hochrisiko-Szenarien. Warum?

  • Sie finden in geschlossenen Räumen statt.
  • Man bleibt auf demselben Platz.
  • Die Dauer der Veranstaltung ist ausschlaggebend: 45 Minuten am selben Platz hat ein hohes Gefahrenpotential.
  • Selten gibt es in Kirchen so gute Luftumwälzsysteme wie in Geschäften.
  • Die luftige Raumhöhe der Kirchen bringt relativ wenig, weil sich die Schwebeteilchen im Umfeld der Person, die sie ausatmet, halten.
  • Ganz schlecht ist Gesang, weil man da viel Feuchtigkeit (samt Partikeln) an die Umgebungsluft abgibt, schlecht ist auch Sprechen.
  • In Gottesdiensten sind viele Menschen aus der Risikogruppe zu erwarten.

(Stephan Turnovszky, Wiener Weihbischof, Bischofsvikar des Nordvikariates und P. Petrus Hübner, Bischofsvikar der Südvikariates, in: Der Sonntag, Nr. 17, 26.4.2020, erschienen am 23. April 2020)

Sozial kreativ

„Ich lasse mir das nicht gefallen, ich schlage zurück. Sogar in der Bibel steht: Auge für Auge, Zahn für Zahn.“ Wenn das Leute sagen, verkennen sie, dass das ein alter Spruch ist, der in späteren Jahren, im Buch der Sprüche aufgehoben wurde: „Sag nicht: Wie er mir getan hat, so will ich auch ihm tun.“ (Sprüche 24,29). Jesus greift das in der Bergpredigt auf: „Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand.“ Das erinnert mich an die buddhistischen Kampfmönche in China, die den Angriff des Gegners ins Leere laufen lassen. Aber auch Gott handelt ähnlich.

Friedrich Nietzsche lässt den tollen Menschen sagen: „Wohin ist Gott? Ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder!“ Nun, Gott lässt diesen mörderischen Angriff ins Leere laufen. Er lacht darüber und kommt von wo anders zurück. Nietzsche bemerkt dies und schreibt in seinem Gedicht, das er dem unbekannten Gott widmet: „Ich will dich kennen, Unbekannter, du tief in meine Seele Greifender, mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, du Unfassbarer, mir Verwandter, ich will dich kennen, selbst dir dienen.“

Wenn wir wie Gott handeln, dann lassen wir den Angriff unserer Gegner auch ins Leere laufen. Ich bleibe frei und kann kreativ handeln.

Drei kreative Handlungen zeigt Jesus: Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. – Auf die Reaktion der Gegner bin ich neugierig. Ich denke, vor Feinden soll man sich schützen, aber man soll sie nicht hassen. Der Hass ist keine Tugend, sondern ein Gefühl, das zum Zerstören anregt. Ich kann den Hass wahrnehmen und warten, bis das Gefühl vorbeigeht. Ich sehe, dass tief in jedem Menschen Gott wohnt. Diese Überzeugung und Gottes Handeln hilft mir, zu lachen und sozial kreativ zu handeln.