Archiv der Kategorie: Spiritualität

Bleibe bei mir

Herr, „bleibe bei uns;
denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ (Lk 24,29)
Herr, bleibe bei mir,
denn ich schaue voller Sorge auf morgen und die kommende Zeit.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich erlebe gerade, wie ungewiss und vergänglich mein Dasein ist.
Herr, bleibe bei mir,
denn nichts ist mehr so, wie es noch bis vor kurzem war.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich vermisse meine bisherigen Gewohnheiten und Sicherheiten.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich fühle mich gerade ohnmächtig und verletzlich.

Herr, bleibe bei mir,
denn die aktuelle Situation fordert und überfordert mich.
Herr, bleibe bei mir,
denn es graut mir vor Isolation und Langeweile.
Herr, bleibe bei mir,
denn es mangelt mir an Unterhaltung und Abwechslung.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich sehne mich nach Gemeinschaft und Geselligkeit.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich klammere mich an alles, was mir Halt gibt.
Herr, bleibe bei mir,
denn ich glaube und hoffe: Dann wird alles gut.

Herr, bleibe bei mir,
denn dann ist alles gut.
Amen.

Das Leben Gott hinhalten

Pater Anselm Grün schreibt auf Facebook in Zeiten von Corona über das Lesen von guten Büchern und das Nachdenken über die zentralen Fragen des Lebens :

Die frühen Mönche kannten als spirituelle Übung: allein in seiner Zelle zu bleiben und sich selbst auszuhalten. So könnte die Zeit in der Quarantäne eine Einladung sein, bei sich selbst zu bleiben, über sich nachzudenken und sich selbst vor Gott ehrlich anzuschauen.

Und es wäre die Zeit, gute Bücher zu lesen, um beim Lesen in Berührung zu kommen mit einer fremden Welt. Die fremde Welt, in die ich beim Lesen eintauche, ist immer auch meine eigene Welt. Durch das Lesen entdecke ich meine innere Weite und neue Räume meiner Seele. Das tut mir gut.

So wünsche ich allen, die in diesen Tagen daheim bleiben müssen, weil die Schulen geschlossen sind und viele Veranstaltungen ausfallen, dass sie diese Zeit als spirituelle Trainingszeit nutzen, als Zeit, in der sie sich über die zentralen Fragen des Lebens Gedanken machen und in der sie ihr Leben, so wie es ist, Gott hinhalten. Wenn ich meine innere Wahrheit Gott hinhalte, lerne ich, mich selbst anzunehmen. Ich brauche dann keine Angst zu haben vor dem Chaos, das vielleicht in meiner Seele ist. Denn alles wird vom heilenden und liebenden Licht Gottes erleuchtet.

Quelle: Pater Anselm auf Facebook

Corona: Vorbild Taiwan

Pater Anselm Grün schreibt auf Facebook:

Die Epidemie ist für mich auch eine spirituelle Herausforderung. Wir Deutschen sind manchmal zu stolz und meinen, uns könne dieser Virus nichts anhaben. Die Regierung in Taiwan hat es fertig gebracht, trotz der Nähe zu China den Virus einzudämmen. Außer 42 Fällen ist keine neue Erkrankung mehr festzustellen. Sie haben dort zwei Mottos, die nicht nur von den Christen, sondern auch von der ganzen Bevölkerung getragen werden: „Ich schütze mich, um Dich zu schützen.“ Der Selbstschutz ist also nicht aus Egoismus, sondern auch Verantwortung für den andern, letztlich aus Nächstenliebe geboten. Das andere Motto: „Ich bin ok, daher kaufe Du erst einen Mundschutz.“ Die Menschen treten zugunsten schwacher Menschen zurück und lassen ihnen den Vortritt, um einen Mundschutz zu kaufen. Inzwischen hat die Regierung geregelt, dass jeder in der Woche nur 3 Mundschutzmasken kaufen kann. So wird alles gerecht geregelt. Die chinesische Regierung ist darauf neidisch und verbreitet im Internet falsche Nachrichten, dass die Regierung von Taiwan dadurch nur viel Geld verdienen möchte.

Man sieht also, wie man auf die Epidemie antworten kann: nur mit autoritären Mitteln wie China oder mit christlichen Grundhaltungen der Nächstenliebe, wie es Taiwan versucht. So geht es nicht um Panikmache, sondern um ein achtsames Umgehen, damit wir uns schützen, um andere zu schützen, dass wir uns Mühe geben, damit andere von Mühen befreit werden.
So wünsche ich Euch, dass diese beiden Grundsätze auch Euch im Umgang mit der Epidemie prägen. Dann könnte die Epidemie die ganze Gesellschaft erziehen und ihr wieder christliche Werte nahe bringen.

Quelle: P. Anselm Facebook

Nicaraguanischer Dichter Ernesto Cardenal heimlich beerdigt

Wegen befürchteter Angriffe auf die Trauergemeinde ist der nicaraguanische Dichter und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal einen Tag früher beerdigt worden als geplant. Die Beerdigung sollte ursprünglich am Samstag stattfinden.

Quelle: domradio.de, Sa 7.3.2020 Nicaraguanischer Dichter Ernesto Cardenal heimlich beerdigt
Deutsche Welle Mi 4.3.2020 Ausschreitungen bei Trauerfeier für Ernesto Cardenal

Psalm 4:
Hör mich, weil ich Dich rufe – Gott meiner Kindheit –
Du wirst mich aus dem Konzentrationslager befreien.
Wie lange wollt ihr, Machthaber, in eurer Verblendung beharren?
Wann hört ihr auf, mit Schlagworten um euch zu werfen
und Propagandaphrasen zu dreschen?
Viele gibt’s, die fragen:
„Wer wird uns von ihren Atomwaffen befreien?“
Ich sage: Lass Du, Herr, Dein Antlitz leuchten
über ihren Bomben.
Du schenktest meinem Herzen größere Freude,
als Wein, den sie auf ihren Festen trinken.
Gehe ich zu Bett, so schlafe ich ruhig ein.
Alpdrücken und Schlaflosigkeit quälen mich nicht,
und ich erschrecke nicht vor den Gespenstern meiner Opfer.
Ich brauche keine Beruhigungsmittel,
weil Du, Herr, mir Sicherheit gibst.
(Ernesto Cardenal)