Archiv der Kategorie: Gewalt

Frei von niederdrückenden Mächten

Ich habe in meiner Kindheit gelernt, vor dem Essen die Hände zu waschen. Das ist hygienisch sinnvoll. Die Schriftgelehrten zurzeit Jesu machten das nicht aus hygienischen Gründen, sondern aus magischen Gründen. Wer fremde Personen oder deren Gegenstände berührte, wurde als ganzer Mensch unrein. Anders bei Jesus. In der Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten kommt Jesus zu dem Schluss, dass nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn unrein machen kann, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Und das ist auch meine Erfahrung. Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die schlechten Handlungen wie Neid, Habgier, Hochmut und Unvernunft.

Aber die Gefahr kommt auch von einer Schrift- und Gesetzesreligion wie den Taliban oder dem Islamischen Staat, wenn die Anhänger glauben genau zu wissen, was Gott will. Sie lesen in ihren heiligen Schriften und greifen in ihrer Verirrung und Unvernunft zur Gewalt, sprengen sich in die Luft und reißen andere mit in den Tod.

Jesus hingegen geht mit den Vorschriften der Heiligen Schrift sehr selbstbewusst um, er zeigt auf das Herz als Mitte des Menschen und begründet die neue Religion der Herzen. Ich glaube, dass diese trotz der Verachtung der Gegner Zukunft hat, denn in den Herzen kann das Wort Gottes wachsen. Es inspiriert uns Menschen, heilt und befreit. Mit dem selbstbewussten Jesus und dem liebevollen Heiligen Geist ist das nieder drückende Alte vergangen und wir können neu beginnen.

Das Heilige, die Gewalt und die Liebe

Die Gewalt ist in ihrer brutalen Ausprägung unverständlich. Wie es dazu kommt, dass eine Gruppe von Menschen eine Person brutal umbringt, ist unerklärlich. Die Szene zeugt von einem Ungeist, der in anderem Zusammenhang als Dämon oder Satan bezeichnet wird. Diese Gewalt wird in manchen Kulturen wegen dieser unverständlichen und ansteckenden Macht heilig bezeichnet. Ausdruck dieser unerklärlichen Gewalt ist das Menschenopfer und die Todesstrafe.

Dagegen entstand vor allem im christlichen Raum eine andere Form von Heiligkeit. Das Heilen und Helfen aus Nächstenliebe ist oft ebenfalls unverständlich. Wie es kommt, dass jemand einem fremden Verletzten am Straßenrand die Wunden reinigt und verbindet und ihn in ein Hospital bringt, ist ebenfalls unerklärlich. Die Szene zeugt von einem Geist, der in einem anderen Zusammenhang als Geist Jesu oder Heiliger Geist bezeichnet wird.

Diese beiden Phänomene stehen in einem urtümlichen Gegensatz. Das Heilige als brutale Gewalt und das Heilige als Nächstenliebe. Die ganze Menschheit steht und lebt in diesem Gegensatz und wir müssen uns entscheiden.

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Warum gibt es familiäre Gewalt? Einige kulturelle Überlegungen

Ich kenne viele Menschen in meiner Umgebung, die Entscheidungen treffen, die sie mit dem Bauchgefühl begründen. „Ich verlasse meine Frau, weil ich nichts mehr für sie empfinde.“ „Ich hasse die Maske und werde den Beruf aufgeben.“ „Ich bin in der Therapie dem Hass auf meine Mutter nachgegangen und werde ihr das bald sagen.“ Handlungen werden begründet, weil man etwas spürt und man ein spezielles Bauchgefühl hat. Die Handlungsautorität ist das blinde Gefühl.

Gefühle sind wahrzunehmen. Sie sind aber selbst blind. Gefühle sind wichtig für die Handlungsorientierung und ich brauche sie im Sinne von E-Motion, um handeln zu können. Sie muss ich nur richtig einsetzen.

Männer, die im familiären Umfeld Frauen schlagen oder umbringen, haben die Bauchgefühle Zorn, Ärger, Hass und sehen sie als Handlungsautorität. „Weil in mir Ärger hochkommt, muss ich meine Frau schlagen.“ Ich finde, dass diese Werthaltung katastrophale Folgen hat. Viele der Frauenmorde und andere Verbrechen (z.B. sexuelle Gewalt gegen Kinder) werden so legitimiert.

Der andere Aspekt ist die patriarchale Männerrolle, die Vorbildcharakter hat und in einem Familiensystem solange stabil gelebt wird, bis die Frau den Mann verlassen möchte. Da kommt es zu einer Abwertung dieses Männerbildes, zu einer Kränkung und zu einer schlechten Verarbeitung dieser Kränkung durch den Mann. Es werden keine Handlungsalternativen bedacht, sondern Gewalt als schnelles Handeln erscheint hilfreich, um die Kränkung auszulöschen. Oft begeht der Mann dann Selbstmord.

Der dritte Aspekt sind traditionelle Familiensysteme, die durch das Handeln einer Person in eine Krise geraten. Das Familiengericht spricht ein Urteil, das von einem meist männlichen Mitglied vollzogen werden muss. Handlungsautorität ist nicht das Gefühl, sondern die Familientradition und die Wichtigkeiten, die weitergegeben werden.

Ich habe den Eindruck, dass in der Diskussion über Frauenmorde, Femizide, die Einstellung der Männer übersehen wird und auch der Anteil, den eine Gefühlsideologie in unserer Gesellschaft dabei hat.

Wenn Männer die Handlungsautorität in ihrem Bauchgefühl sehen und nicht im Herzen, nicht im Gewissen (mit Unterstützung des Verstandes, des Geistes), dann sind die Auswirkungen fatal. Wenn Männer lebensfördernde Handlungsalternativen mit ihrer Vernunft erkennen und sich dafür im guten Geist entscheiden, dann ist ein friedliches Zusammenleben möglich.

Terror in Wien

Das Licht brennt für alle

Bitte hilf den Opfern des sinnlosen Terrors von Wien.

Nimm die Ermordeten in deine Herrlichkeit auf.

Gib den Ängstlichen Sicherheit und steh den Einsatzkräften bei, damit die Gefahr gebannt wird.

Mein Beileid gilt den Familien der Toten. Wir sind mit allen in ihrer Trauer, ihrem Schmerz und ihren Verletzungen verbunden.

Danke den Journalisten für die sorgfältige Information.

Newsletter von Kleine-Zeitung-Chefredakteur Hubert Patterer

Gott baut uns einen Garten und zeigt uns die Wahrheit

Gott offenbart sich in der Geschichte der Menschheit und gibt ihr starke Impulse. Es ist wie in der Geschichte, in der ein Gutsbesitzer einen Weinberg anlegt, einen Zaun herumzieht, eine Kelter aushebt, einen Turm baut und ihn an Winzer, an Fachleute verpachtet. In der Erntezeit schickt er seine Knechte, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber bringen die Boten um und auch seinen Sohn ermorden sie.

Übertragen auf Gott, seine Schöpfung und uns Menschen bedeutet das: Gott schuf für uns ein Universum und richtete einen Planeten für uns ein. Wir Menschen sind seine Fachleute für die Erde, die gut mit diesem Planeten umgehen können. Er gab uns die Möglichkeit, Krankheiten zu heilen, gesunde Nahrung zu essen und schenkte uns auch die Möglichkeit, nach dem Tod bei ihm lebendig zu sein. Als er aber Früchte wie Liebe und Güte von uns Menschen erwartete, wurden seine Boten umgebracht und als er selbst Mensch wurde, wurde auch er ermordet. Aber er wäre nicht Gott, wenn er nicht vom Grab auferstanden wäre und seinen Geist gesandt hätte. Wenn er als Mensch sagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“, dann wird bei jedem Mord auch er umgebracht. Und er macht die Toten auf der anderen Seite lebendig. Ich habe den Eindruck, dass durch diese Identifikation vom lebensspendenden Gott mit den Opfern unsere Menschheitsgeschichte einen starken Dreh bekam: Liebe und Verzeihen statt Hass und Rache werden von Gott stark gemacht. Es ist, als baue er an seinem Garten der Liebe weiter – für uns.

Fluchtursachen sehen und den Menschen helfen: Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungspolitik

Afrika bekam lange die falsche Hilfe
Infusion: Afrika bekam lange Zeit die falsche Hilfe

Flüchtlinge aus Afrika sind für uns Christinnen und Christen nicht nur eine caritative Herausforderung, sondern ein Zeichen der Zeit, dass es im afrikanischen Kontinent Verwerfungen gibt, die wir wahrnehmen müssen, denen wir uns mit Liebe stellen müssen und mit Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen müssen.

Der Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner schreibt in seinem Blog über die Herausforderungen einer christlichen Politik:

Es ist immer besser (und auch langfristig wie staatspolitisch vernünftig), an der Abmilderung der Fluchtursachen zu arbeiten als nur Symptome zu bekämpfen.

Fluchtursachen für Afrika sind:

  • die Waffenexporte, die kriegerische Konflikte beflügeln
  • der Wirtschaftsimperialismus Europas
  • der Klimawandel
  • diktatorische Staaten
  • Bildungsdefizite
  • Fehlende Investitionen

Nationale Agrarwirtschaften müssen geschützt werden

Zum Wirtschaftsimperialismus führt Zulehner aus: „Es verschlechtert die wirtschaftliche Situation afrikanischer Länder massiv, wenn Europa seine Agrarprodukte subventioniert und billig auf die afrikanischen Märkte wirft und auf diese Weise die Lebensgrundlage der hoffnungsarmen Bevölkerung mancher afrikanischen Regionen zerstört.“ Kleinbauern müssen ihre Waren (z.B. Hirse) am Markt verkaufen können. Genossenschaften helfen gegen Zwischenhändler, die die Preise drücken. Es gibt auch falsche Landwirtschaft, die Abholzung, Überweidung und Wüstifizierung, auf die eine angepasste intelligente Landwirtschaft reagieren kann.Baumwurzeln können wieder zum sprießen gebracht werden und Solarkocher können die Abholzung vermeiden.

Küstenfischerei muss geschützt werden

Kleine Fischer verlassen ihre Dörfer, weil die Küsten von riesigen industriellen Fangschiffen leergefischt werden. Die kleinräumige Küstenfischerei muss geschützt werden.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Entwicklungshilfe der NGO und der europäischen Staaten reagiert darauf mit Hilfe zur Selbsthilfe.

Angepasste finanzielle Hilfe

Mikrokredite sind hier eine gute Hilfe, um eine kleinräumige Wirtschaft zu fördern. Zulehner erinnert auch an den Marshallplan, der für Afrika und „für Europa ganz wichtig sein wird“.  Heinz K. Becker (ÖVP/EVP) stellte so einen Marshallplan für Afrika 2016 vor.
Sebastian Kurz (ÖVP) sprach bei seinem Besuch in Äthiopien im Februar 2016 von „Millionen Menschen“, die sich auf den Weg nach Europa machen würden.

Klimawandel braucht angepasste Technik

Die Überschwemmungen in Texas, Indien und jetzt auch in Nigeria sind eine Folge des von Menschen verursachten Klimawandels. Die Flüchtlinge verlassen ihre Heimat, weil das Klima sich ändert. Dürre und Überschwemmungen sind die zwei Extreme. Die Menschen zum Bleiben zu bewegen ist nur mit angepasster Technik (Häuser auf Stelzen, Solarenergie) und ökologisch sinnvollen Pflanzen und Tieren möglich.

Bildung hilft Perspektiven zu sehen

Gute Schulen sind ein Motor der Entwicklung. Einerseits um gute Fachkräfte auszubilden, andererseits um Kreativität in Kultur, Kunst, Wissenschaft und Technik zu entwickeln.

Konflikte sind zu bearbeiten

Beispiel: Das Leben der Bevölkerung in der Grenzregion zu Gambia und Guinea-Bissau ist geprägt durch einen der längsten Konflikte Afrikas. Trotz zahlreicher Friedensinitiativen und vielversprechender Verhandlungen zwischen den Rebellengruppen und der Regierung kommt die Region seit über 30 Jahren nicht zur Ruhe. Streitpunkte sind zum Beispiel Viehdiebstahl, Kleinwaffenhandel im Grenzgebiet oder die widerrechtliche Nutzung natürlicher Ressourcen. 60 VertreterInnen lokaler Organisationen, Radiosender und lokaler Behörden nahmen im April 2013 an einem Workshop in Ziguinchor teil. Der österreichische Botschafter in Dakar Gerhard Deiss und Dominique Mair, Expertin für Friedenssicherung und Konfliktprävention in der ADA, sprachen mit den lokalen VertreterInnen über die Herausforderungen in der Friedenssicherung. Das Zusammentreffen und der Austausch mit Betroffenen über Landesgrenzen hinweg war eine ganz neue Erfahrung. Aus: ADA, Austrian Development Agency

Die Bevölkerung muss vor den Übergriffen der Dschihadisten geschützt werden. Der ORF schreibt dazu: „Die Islamisten-Miliz Boko Haram hat Zeugen und amtlichen Angaben zufolge im Nordosten Nigerias 18 Menschen umgebracht. Im Schutze der Dunkelheit seien die mit Messern bewaffneten Angreifer auf Personen in der Stadt Banki unweit der Grenze zu Kamerun losgegangen. In der Region werden regelmäßig Anschläge verübt, zuletzt wieder verstärkt. So wurden seit Anfang Juni im Nordosten des afrikanischen Landes mindestens 172 Menschen getötet. In ihrem seit acht Jahren andauernden Kampf für einen islamistischen Staat wurden mehr als 20.000 Menschen von Boko Haram getötet. Hunderte wurden verschleppt, unter ihnen viele Frauen und Mädchen.“

Die Polizei und das Militär sind lange Zeit in Nigeria nicht gut gut ausgebildet gewesen und auch zahlenmäßig sehr klein gewesen. Erst in letzter Zeit wird der Kampf gegen Boko Haram ernst genommen.

Verträge mit den afrikanischen Staaten

Die europäischen Länder müssen mit den Herkunftsländern der Flüchtlinge in Verhandlung treten:

  • um Menschenrechte einzuklagen (wie in Eriträa)
  • um Minderheiten zu schützen
  • um Pressefreiheit zu gewähren
  • um Friedensverhandlungen zu führen (wie im Südsudan)
  • um oppositionelle Parteien zuzulassen

Kritik an der staatlichen Entwicklungshilfe

Kritik an der staatlichen Entwicklungshilfe kommt von der senegalesischen Autorin Ken Bugul. Afrika muss lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Die junge Generation ist ohne Schulbildung völlig desorientiert inmitten von Korruption und politischer Misswirtschaft ohne Zukunft und geistiger Werte aufgewachsen. Sie fordert einen Stop der staatlichen Entwicklungshilfe.
Eine zweite Kritik kommt von Asfa-Wossen Asserate, der die Ächtung autoritärer und korrupter Regime fordert. Die Diktatoren verhalten sich schlimmer, als es die europäischen Kolonialherren jemals taten. „Die afrikanischen Jugendlichen sehen, dass die Gewaltherrscher ihnen keine Möglichkeit für ein menschenwürdiges Dasein bieten. Sie haben keine Rechte, keine Arbeit und keine Perspektive. Deshalb stimmen sie mit den Füssen ab und kommen nach Europa. Ich habe Flüchtlingslager in Afrika besucht, und die Menschen sagten mir alle, sie wollten weg. In ihren Ländern gebe es für sie keine Perspektive mehr. Ähnliche Antworten erhielt ich an afrikanischen Universitäten, als ich Studierende nach ihren Zukunftswünschen befragte. Sobald sie ihr Ingenieurstudium abgeschlossen hätten, wollten sie sich nach Norden in die Maghrebstaaten aufmachen, um von dort nach Europa oder Amerika zu gelangen.“ Ganz schlimm ist Eritrea. Staaten wie Äthiopien, Somalia, der Sudan und Süd-Sudan, die Zentralafrikanische Republik, Kongo und der Tschad sind gescheiterte oder sehr fragile Staaten, mit denen Europa hart verhandeln müsse.

Humanitäre Korridore

Paul Michael Zulehner spricht in seinem Blog auch das Recht auf Asyl an und meint: Humanitäre Korridore sind für jene sehr wichtig, die einen Rechtsanspruch auf Asyl haben. Auf der Homepage des österreichischen Bundeskanzleramtes steht: Laut Genfer Flüchtlingskonvention werden jene Personen als Flüchtlinge bezeichnet, die sich aus wohl begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung außerhalb ihres Herkunftsstaates befinden und den Schutz des Herkunftsstaates nicht in Anspruch nehmen können oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen wollen.

Der Wolf lernt die Macht zu teilen

Je mehr die Mächtigen Angst bekommen, umso mehr kontrollieren sie. Einige schrecken nicht vor Morden zurück. Die chinesische Regierung hat Angst vor den Islamisten und unterdrückt die moslemischen Uiguren. Die Mächtigen in Malta bekamen Angst vor der Journalistin Daphne Caruana Galizia und ermordeten sie mit einer Autobombe. Johannes der Täufer machte Herodes Antipas und seiner Frau Herodias Angst, worauf sie ihn köpften. Johannes erwartete einen Gott-König, der ein allmächtiger Rivale der führenden Köpfe sein sollte. Auch das Friedensreich bei Jesaja baut auf einen politischen Nachfolger des König Davids, der seine Rivalen, die Frevler tötet. Dann liegt der Wolf friedlich neben dem Lamm und der Löwe frisst Heu. Eine Utopie, aufgebaut auf ein machtvolles Eingreifen Gottes. Dieses Eingreifen Gottes bleibt aber aus. Es passiert ein anderes Eingreifen Gottes. Das geschieht im Stillen. Ein junges Mädchen wird gefragt, ob es Gott als Mensch auf die Erde bringen will. Diese junge Frau wuchs in Nazaret auf und wir feiern am 8. Dezember ihre Zeugung. Ihre Eltern waren Anna und Joachim. Ihr Sohn, den sie in Betlehem zur Welt bringt, wird Menschen heilen und Arme seligpreisen. Er wird ohne Waffen und Soldaten auftreten und die führenden Köpfe werden trotzdem Angst bekommen. Sie werden ihn umbringen. Er aber wird den Tod besiegen und Menschen mit seinem Geist der Liebe anhauchen. Bis heute.
Dieser Liebesgeist hilft den Ohnmächtigen kleine Schritte zu gehen und er hilft auch den Mächtigen, keine Angst zu haben und ihre Macht zu teilen.

So viel Wut. Wo bleibt die Resonanz?

Soziologe Hartmut Rosa versucht mit der der sogenannten Resonanztheorie die Wut in den westlichen Gesellschaften zu erklären.

Im Europajournal brachte der Sender Ö1 am 30.August 2019 ein Gespräch mit Hartmut Rosa, in dem er betonte:

Menschen gerade in den westlichen Staaten sind extrem wütend und sie finden immer einen Grund für die Wut. … Es ist meine Überzeugung, dass die Quelle der Wut offensichtlich tiefer liegt. Es können gar nicht die Ausländer sein oder die Nicht-Ausländer oder die Ökologie. Sondern es ist nach meiner Auffassung die Welthaltung, die Grundhaltung zum Leben, die wir ausgebildet haben und institutionell verankert haben und das nenne ich einen Aggressionsmodus vom Leben.

Ich erinnere mich an René Girard, der von Wut und von Gewalt spricht, die in uns schlummert und beim nachahmenden Begehren zur Rivalität und zum Kampf jeder gegen jeden führt. Raymund Schwager bringt diese Wut in Beziehung zu einer fehlenden Gottesbeziehung.

Als Antwort bietet Hartmut Rosa die Resonanz an. Sie richtet die Menschen auf etwas anderes aus, das nicht immer mehr bedeutet und nicht funktionalisiert ist. Ich würde sagen, es ist das Du. Es ist Gott.

Gestern sprach ich mit einem Freund über Wutbürger und um 18:20 sprach Hartmut Rosa im Ö1 Europajournal über das Thema! Ein Zufall? Seine Lösung der Resonanz war, wie wenn ich im Hintergrund Martin Buber (Du) oder Eric Voegelin mit der Pneumapathologie hören würde.

Es braucht einen Gott, der uns von dieser grundgelegten Aggression befreit, damit wir eine gute Gottesbeziehung geschenkt bekommen. Das macht der Sohn Gottes, der unsere Aggression auf sich nimmt und uns einen neuen Geist gibt.

Das Christentum ist nicht per se gewaltlos, es braucht den säkularen modernen Staat, der das Gewaltmonopol innehat und eine Gewaltenteilung von Legislative, Exekutive und Judikatur kennen muss.
Die Christenheit wird geleitet vom Heiligen Geist, der hilft, einen kreativen Spagat zwischen gewaltbereitem Staat und gewaltloser Kirche herzustellen.

Europa-Journal, Sommergespräch: Hartmut Rosa
Moderation: Markus Müller-Schinwald

Youtube: Resonanz: Hartmut Rosa über die Soziologie des guten Lebens
Zukunftswerkstätte: Resonanz: Der Schlüssel zur Welt. Artikel von Patrick Wienecke
Wolfgang Palaver: Der mimetische Zirkel (Gewalt und der „Gott der Opfer“) Die mimetische Theorie René Girards ermöglicht eine fruchtbare Analyse des Verhältnisses von Religion und Gewalt.
Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in biblischen Schriften.

Eine Liebesbeziehung mit Gott eingehen

Gottesbeziehung

Wenn ich die Nachrichten höre, bin ich schwer enttäuscht. Die Staaten und Nationen streiten sich und kündigen die Verträge. Die USA kündigen die Verträge mit dem Iran und mit Russland. Großbritannien kündigt den Vertrag mit der EU. Es ist überall überhebliche Blindheit, die nur zu Kämpfen führt. Auch im Islam glauben Sunniten im Auftrag Gottes gegen Schiiten kämpfen zu müssen. In St. Pölten wird ein Parteilokal der FPÖ von verirrten Linksextremen angezündet und in Deutschland der Politiker Walter Lübcke von einem verblendeten Rechtsextremen ermordet. Jedes Opfer ist zu viel. Gewalttäter sind auch jene, die mit ihren Worten abfällig urteilen und anderen die Menschenwürde absprechen. Da kann sich niemand davon ausnehmen. Jesus klärt uns auf, dass wir Menschen ohne diesen Gott gewaltbereit sind. Er ruft zur Umkehr zu Gott und zum Gewaltverzicht auf. Es sind dies zwei Aufforderungen an uns.
Die erste ist: Kehren wir zu Gott um. Lassen wir uns von ihm beschenken. Auch über den Tod hinaus. Der Wissenschaftler Hans Joas sagt: Wenn ich überzeugt bin, dass Gott mich liebt, kann ich nicht glauben, dass Gott die Liebesbeziehung im Augenblick meines physischen Todes abbricht. Es wird nach dem physischen Tod eine Gottesbeziehung geben. Darin liegt die Hoffnung des Christentums.
Die zweite Aufforderung ist: Leisten wir dem, der uns etwas Böses antut, keinen Widerstand. Lieben wir unsere Feinde und beschimpfen wir niemanden. Die moralische zweite Forderung allein würde sinnlos überfordern. Erst durch die Beziehung zu Gott ist sie möglich. In der Liebesbeziehung mit ihm können wir einen der vielen Teufelskreise der Gewalt brechen. So kann das Gute wachsen und Frucht bringen.

Terror oder Gottvertrauen

Wir begehen dich

Die Krimis sind für mich faszinierend. Jeder kann der Mörder oder die Mörderin sein. Am Ende wird aufgedeckt, wer die Schuld hat. Das Motiv der Tat liegt meist im Zorn und im Neid. Typischer Krimi ist der erste Mord in der Bibel. Kain wird neidisch auf Abel und erschlägt ihn aus Zorn. Das Unheil breitet sich dann wie die Pest aus. Nur einer wie Noah, der an Gott festhält und auf ihn hört, wird aus dem Meer von Hass gerettet.
In einem nächsten Schritt decken die Propheten und Jesus die Neigung zur Gewalt auf, die in unserem Herzen steckt. Jesus sagt in seiner berühmten Bergpredigt: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ Jesus deckt den Anfang des Verbrechens auf. Der Zornige spricht sich damit selbst das Urteil. Jesus sieht schon im Keim des Zornes den angepeilten Mord.
Er ruft in einem nächsten Schritt dazu auf, die Feinde zu lieben und nicht aus Ärger zurückzuschlagen. Das gelingt, wie er zeigt, nur in einer festen Gottesbeziehung. Dann laufen die Freundschaften und die Familien nicht in Gefahr, gespalten zu werden. Sie werden durch die Inspirationen und Geschenke Gottes gefestigt.