Archiv der Kategorie: Gewalt

Der Wolf lernt die Macht zu teilen

Je mehr die Mächtigen Angst bekommen, umso mehr kontrollieren sie. Einige schrecken nicht vor Morden zurück. Die chinesische Regierung hat Angst vor den Islamisten und unterdrückt die moslemischen Uiguren. Die Mächtigen in Malta bekamen Angst vor der Journalistin Daphne Caruana Galizia und ermordeten sie mit einer Autobombe. Johannes der Täufer machte Herodes Antipas und seiner Frau Herodias Angst, worauf sie ihn köpften. Johannes erwartete einen Gott-König, der ein allmächtiger Rivale der führenden Köpfe sein sollte. Auch das Friedensreich bei Jesaja baut auf einen politischen Nachfolger des König Davids, der seine Rivalen, die Frevler tötet. Dann liegt der Wolf friedlich neben dem Lamm und der Löwe frisst Heu. Eine Utopie, aufgebaut auf ein machtvolles Eingreifen Gottes. Dieses Eingreifen Gottes bleibt aber aus. Es passiert ein anderes Eingreifen Gottes. Das geschieht im Stillen. Ein junges Mädchen wird gefragt, ob es Gott als Mensch auf die Erde bringen will. Diese junge Frau wuchs in Nazaret auf und wir feiern am 8. Dezember ihre Zeugung. Ihre Eltern waren Anna und Joachim. Ihr Sohn, den sie in Betlehem zur Welt bringt, wird Menschen heilen und Arme seligpreisen. Er wird ohne Waffen und Soldaten auftreten und die führenden Köpfe werden trotzdem Angst bekommen. Sie werden ihn umbringen. Er aber wird den Tod besiegen und Menschen mit seinem Geist der Liebe anhauchen. Bis heute.
Dieser Liebesgeist hilft den Ohnmächtigen kleine Schritte zu gehen und er hilft auch den Mächtigen, keine Angst zu haben und ihre Macht zu teilen.

So viel Wut. Wo bleibt die Resonanz?

Soziologe Hartmut Rosa versucht mit der der sogenannten Resonanztheorie die Wut in den westlichen Gesellschaften zu erklären.

Im Europajournal brachte der Sender Ö1 am 30.August 2019 ein Gespräch mit Hartmut Rosa, in dem er betonte:

Menschen gerade in den westlichen Staaten sind extrem wütend und sie finden immer einen Grund für die Wut. … Es ist meine Überzeugung, dass die Quelle der Wut offensichtlich tiefer liegt. Es können gar nicht die Ausländer sein oder die Nicht-Ausländer oder die Ökologie. Sondern es ist nach meiner Auffassung die Welthaltung, die Grundhaltung zum Leben, die wir ausgebildet haben und institutionell verankert haben und das nenne ich einen Aggressionsmodus vom Leben.

Ich erinnere mich an René Girard, der von Wut und von Gewalt spricht, die in uns schlummert und beim nachahmenden Begehren zur Rivalität und zum Kampf jeder gegen jeden führt. Raymund Schwager bringt diese Wut in Beziehung zu einer fehlenden Gottesbeziehung.

Als Antwort bietet Hartmut Rosa die Resonanz an. Sie richtet die Menschen auf etwas anderes aus, das nicht immer mehr bedeutet und nicht funktionalisiert ist. Ich würde sagen, es ist das Du. Es ist Gott.

Gestern sprach ich mit einem Freund über Wutbürger und um 18:20 sprach Hartmut Rosa im Ö1 Europajournal über das Thema! Ein Zufall? Seine Lösung der Resonanz war, wie wenn ich im Hintergrund Martin Buber (Du) oder Eric Voegelin mit der Pneumapathologie hören würde.

Es braucht einen Gott, der uns von dieser grundgelegten Aggression befreit, damit wir eine gute Gottesbeziehung geschenkt bekommen. Das macht der Sohn Gottes, der unsere Aggression auf sich nimmt und uns einen neuen Geist gibt.

Das Christentum ist nicht per se gewaltlos, es braucht den säkularen modernen Staat, der das Gewaltmonopol innehat und eine Gewaltenteilung von Legislative, Exekutive und Judikatur kennen muss.
Die Christenheit wird geleitet vom Heiligen Geist, der hilft, einen kreativen Spagat zwischen gewaltbereitem Staat und gewaltloser Kirche herzustellen.

Europa-Journal, Sommergespräch: Hartmut Rosa
Moderation: Markus Müller-Schinwald

Youtube: Resonanz: Hartmut Rosa über die Soziologie des guten Lebens
Zukunftswerkstätte: Resonanz: Der Schlüssel zur Welt. Artikel von Patrick Wienecke
Wolfgang Palaver: Der mimetische Zirkel (Gewalt und der „Gott der Opfer“) Die mimetische Theorie René Girards ermöglicht eine fruchtbare Analyse des Verhältnisses von Religion und Gewalt.
Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in biblischen Schriften.

Eine Liebesbeziehung mit Gott eingehen

Gottesbeziehung

Wenn ich die Nachrichten höre, bin ich schwer enttäuscht. Die Staaten und Nationen streiten sich und kündigen die Verträge. Die USA kündigen die Verträge mit dem Iran und mit Russland. Großbritannien kündigt den Vertrag mit der EU. Es ist überall überhebliche Blindheit, die nur zu Kämpfen führt. Auch im Islam glauben Sunniten im Auftrag Gottes gegen Schiiten kämpfen zu müssen. In St. Pölten wird ein Parteilokal der FPÖ von verirrten Linksextremen angezündet und in Deutschland der Politiker Walter Lübcke von einem verblendeten Rechtsextremen ermordet. Jedes Opfer ist zu viel. Gewalttäter sind auch jene, die mit ihren Worten abfällig urteilen und anderen die Menschenwürde absprechen. Da kann sich niemand davon ausnehmen. Jesus klärt uns auf, dass wir Menschen ohne diesen Gott gewaltbereit sind. Er ruft zur Umkehr zu Gott und zum Gewaltverzicht auf. Es sind dies zwei Aufforderungen an uns.
Die erste ist: Kehren wir zu Gott um. Lassen wir uns von ihm beschenken. Auch über den Tod hinaus. Der Wissenschaftler Hans Joas sagt: Wenn ich überzeugt bin, dass Gott mich liebt, kann ich nicht glauben, dass Gott die Liebesbeziehung im Augenblick meines physischen Todes abbricht. Es wird nach dem physischen Tod eine Gottesbeziehung geben. Darin liegt die Hoffnung des Christentums.
Die zweite Aufforderung ist: Leisten wir dem, der uns etwas Böses antut, keinen Widerstand. Lieben wir unsere Feinde und beschimpfen wir niemanden. Die moralische zweite Forderung allein würde sinnlos überfordern. Erst durch die Beziehung zu Gott ist sie möglich. In der Liebesbeziehung mit ihm können wir einen der vielen Teufelskreise der Gewalt brechen. So kann das Gute wachsen und Frucht bringen.

Terror oder Gottvertrauen

Wir begehen dich

Die Krimis sind für mich faszinierend. Jeder kann der Mörder oder die Mörderin sein. Am Ende wird aufgedeckt, wer die Schuld hat. Das Motiv der Tat liegt meist im Zorn und im Neid. Typischer Krimi ist der erste Mord in der Bibel. Kain wird neidisch auf Abel und erschlägt ihn aus Zorn. Das Unheil breitet sich dann wie die Pest aus. Nur einer wie Noah, der an Gott festhält und auf ihn hört, wird aus dem Meer von Hass gerettet.
In einem nächsten Schritt decken die Propheten und Jesus die Neigung zur Gewalt auf, die in unserem Herzen steckt. Jesus sagt in seiner berühmten Bergpredigt: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ Jesus deckt den Anfang des Verbrechens auf. Der Zornige spricht sich damit selbst das Urteil. Jesus sieht schon im Keim des Zornes den angepeilten Mord.
Er ruft in einem nächsten Schritt dazu auf, die Feinde zu lieben und nicht aus Ärger zurückzuschlagen. Das gelingt, wie er zeigt, nur in einer festen Gottesbeziehung. Dann laufen die Freundschaften und die Familien nicht in Gefahr, gespalten zu werden. Sie werden durch die Inspirationen und Geschenke Gottes gefestigt.

Messer und Bomben: Irgendwas läuft da falsch in der Welt

Ich komme gerade von einem Bibliodrama-Wochenende heim und höre im Radio von den Anschlägen in Paris, Afghanistan und Indonesien. Dann lese ich von dem ermordeten Mädchen in Wien und dem erstochenen Jungen in Innsbruck. Was ist da los?
1. Das Mädchen ist am Samstag tot in einem Mistkübel in Wien gefunden worden. Getötet wurde sie mit einem Stich in den Hals. Das ergab die Obduktion. Zeugen sowie die aus Tschetschenien stammenden Angehörigen des Siebenjährigen werden einvernommen. http://wien.orf.at/news/stories/2912444/
2. Sonntagfrüh ist es in Imst (Tirol) zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen gekommen. Einer der Beteiligten zog ein Messer und stach auf einen 17-Jährigen ein. Der junge Mann starb an den Stichverletzungen. http://tirol.orf.at/news/stories/2912458/
3. Bei einer Serie von Anschlägen auf christliche Kirchen sind in Indonesien mindestens elf Menschen getötet worden. Mehr als 40 weitere seien verletzt worden, als binnen weniger Minuten Sprengsätze an drei Kirchen in Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya detonierten, teilte die Polizei heute mit. http://news.orf.at/#/stories/2438313/
4. Bei einem Anschlag auf ein Regierungsgebäude im ostafghanischen Jalalabad sind heute (So)mindestens neun Menschen getötet worden. Dutzende weitere seien bei der Attacke in der Hauptstadt der Provinz Nangarhar heute verletzt und in Krankenhäuser gebracht worden, sagte ein Sprecher der örtlichen Gesundheitsbehörde, Inamullah Miakhel. http://news.orf.at/#/stories/2438355/
5. In Paris ist es gestern am späten Abend (Sa) zu einer tödlichen Messerattacke gekommen. Ein Mann stach auf mehrere Menschen ein, eine Person kam dabei ums Leben. Etliche Menschen wurden verletzt. Die Polizei erschoss den Attentäter. Indes leitete die Pariser Justiz Anti-Terror-Ermittlungen ein, Staatspräsident Emmanuel Macron spricht von einem Terroristen, der „ausgeschaltet“ wurde. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Laut Justizkreisen soll der Täter aus Tschetschenien stammen und auch amtsbekannt sein. http://news.orf.at/#/stories/2438344/

A) Wie kommt es zu solchen Gewalttaten?
B) Was kann man für die Überlebenden und die Familien der Opfer tun?

Warum ist in islamischen Ländern Krieg?

Wenn man die kriegerischen und terroristischen Aktionen betrachtet, dann fragt man sich unwillkürlich: Warum ist der Islam dabei? Die türkische Armee überfällt die Kurdengebiete in Syrien, Saudi-Arabien bombardiert die schiitischen Gebiete im Jemen, die IS oder die Taliban überfallen eine Kinderhilfsorganisation in Afghanistan, Islamisten zünden zwei Bomben in der Nähe einer Moschee in Libyen. Das sind Aktionen eines Tages. Was hat das mit dem Islam zu tun? Was hat das mit Mohammed zu tun? Wäre es nicht sinnvoller, wenn die islamischen Länder Jesus Christus als Messias und Erlöser annehmen würden?

Sie starben und lieferten ihre Brüder nicht den Mördern aus

Märtyrer in Buta, Burundi

Märtyrer in Buta, Burundi

Die Mission der Kirche ist die Verkündigung eines liebenden Gottes. Papst Franziskus hat diese Linie noch verstärkt: Die göttliche Barmherzigkeit und die christliche Nächstenliebe sind die treibende Kraft jeder Mission. Das wird heute überall deutlich sichtbar, wenn Christen gegen die vielfältigen Formen des religiösen Extremismus das Zeugnis der Liebe ablegen, oft bis zum Martyrium.

Ein besonders bewegendes Beispiel solcher christlicher Liebe haben zum Beispiel im Jahr 1997 vierzig junge Priesterstudenten in Buta in Burundi abgelegt. In dem jahrelangen Bürgerkrieg in Burundi wollten sie sich nicht nach Volkszugehörigkeit separieren lassen. Als die mordenden Rebellen ihr Seminar überfielen und ihnen befahlen, sich in Hutu und Tutsi aufzuteilen, blieben die Seminaristen vereint und weigerten sich, die Zugehörigkeit der anderen zu verraten. Sie wollten lieber gemeinsam sterben, als einzelne ihrer Brüder dem blinden Hass der Mörder auszuliefern. Überlebende bezeugen, dass sie von mehreren Sterbenden dasselbe Gebet gehört haben: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Für Burundi sind diese vierzig Märtyrer heute ein Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung, nach einem langen und unbeschreiblich grausamen Bürgerkrieg.
Quellen:
Im Oktober 2013 besuchten Paul und Rebecca Mosley Buta in Burundi
Am Missionssonntag 22.10.2017 baten die österreichischen katholischen Bischöfe ihren Hirtenbrief mit der Erinnerung an die Märtyrer von Buta in Burundi in den Gottesdiensten vorzulesen.