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Das Ehe-Gesetz Gottes ist gut aufbewahrt

BergblumeKarin S. ist 11 Jahre nach ihrer Scheidung wieder verheiratet. Sie möchte in ihrer Pfarrgemeinde zur Kommunion gehen. Nach kirchlichem Recht kann sie das nicht, aber sie sieht sich Jesus Christus verbunden und geht zur Kommunion. Der Pfarrer erlaubt ihr es – aus pastoralen Gründen, wie er sagt. Er beruft sich auf den Heiligen Paulus, der in Jesus Christus das Gesetz nicht abgeschafft, sondern bewahrt und vollendet sieht. Nachdem Paulus in 1Kor 9,21 gesagt hat, dass er „als ob ohne Gesetz“ geworden sei und zu denjenigen gehöre, die ohne Gesetz sind (d.h. die gojim), korrigiert er diese Aussage und präzisiert, dass er nicht „außerhalb vom Gesetz Gottes“, sondern „im Gesetz des Christus“ sei. Das christliche Gesetz ist das Gesetz des Glaubens und der Beziehung zu Jesus Christus.
Die wiederverheiratete Karin S. lebt in einer Beziehung zu Jesus Christus und sie lebt in ihm. Das Ehegesetz ist durch die Wiederverheiratung nicht abgeschafft, sondern in Christus geschätzt und bewahrt. Sie lebt mit dem Heiligen Geist in Christus und gestaltet ihre neue Ehe als Ausnahme vom Ehegesetz. Johannes Chrysostomos untersucht das griechische Wort kartageín (aufheben) , das Paulus immer wieder gebraucht, wenn er ausdrücken möchte, dass in einem Leben in Christus das Gesetz nicht nur deaktiviert, sondern auch bewahrt, vollendet wird. „Das Unwirksam-Machen ist eine Vollendung und eine Hinzufügung zum Besten“ wie der Kirchenvater Johannes Chrysostomos schreibt. So ist zu hoffen, dass Karin S. in einem Leben mit Christus und mit einer Ehe als Ausnahme die Vollendung findet.

Endlich: Voraussetzungen für die 2. Ehe!

Die Sakramente als vornehmste Mittel der Seelsorge

Die Heilskraft der Sakramente geht nicht verloren.

Bertram Stubenrauch unternimmt die schon längst überfällige Aufgabe, theologische Orientierungspunkte in der Frage der Zulassung Wiederverheirateter Geschiedener herauszuarbeiten: Die Kirche lehrt die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, sorgt sich um Schuld, Umkehr und Vergebung, hat als vornehmstes Mittel der Seelsorge die Sakramente und sieht den Glauben wichtiger an als das Ethos.
Bertram Stubenrauch schreibt dies im Maiheft 2014 der „Stimmen der Zeit„. Er schlägt eine Schneise mit drei traditionellen Überlegungen in den dogmatischen Wald: Buße, Heilung und Glaube.  Zur Buße:
1. Wird eine sakramentale Ehe durch eine zweite Ehe ignoriert, wird die Heilkraft schuldhaft verhindert. 2. Die vergebende Barmherzigkeit Gottes kann aber von Menschen nicht eingeschränkt werden. 3. Reue und Lossprechung überwinden die Trennung von Gott.
Zur Heilung: 1. Sakramente heilen und bewahren vor dem Bösen. 2. Das Versiegen des Heilsangebotes der Ehe versperrt nicht die anderen sakramentalen Heilsgeschenke. 3. Die anderen Sakramente können die verhinderten Heilsmöglichkeiten der Ehe ausgleichen.
Zum Glauben: 1. Nicht die moralische Unschuld, sondern der Glaube mit der Kirche berechtigt zum Sakramentenempfang. 2. Unabhängig von der persönlichen Tragik ist jede und jeder vorbehaltlos in die sakramentale Feier „einbezogen“, wer „Ja“ zu dem sagt, was in ihr geschieht. Es „entzieht sich in seiner Tiefendimension dem öffentlichen Urteil“. 3. Nur der Glaube der Kirche im Blick auf Christus, der seine Treue beweist, spricht einem Sakrament die Gültigkeit zu.  „Wer deshalb trotz belasteter Lebenssituationen – der zuvor geschlossene Ehebund ist ja nicht aufgehoben – alle Hoffnung an den Heilsglauben der Kirche hängt, darf nicht vom Sakramentenempfang ausgeschlossen werden.“
Stubenrauch bringt fünf Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Seelsorge: 1. Die Unauflöslichkeit der Ehe bleibt. 2. Schuld wird bekannt und vergeben. 3. Die Sakramente bleiben in Geltung. 4. Es braucht keine Berufsverbote, um christliches Zeugnis zu bewahren. 5. Die Lehre wird nicht verändert, nur ausgeschöpft.
Ausgerichtet an Gott und an Christus schlägt Bertram Stubenrauch einen gangbaren Weg durch den dogmatischen Wald, sodass gerade jenen, die die Gnade Gottes brauchen, der Kairos der Gegenwart Gottes nicht vorenthalten wird.
Literatur: Bertram Stubenrauch, Wiederverheiratete Geschiedene und die Sakramente. Ein Denkspruch zur dogmatischen Diskussion. Stimmen der Zeit 5, Mai 2014, S. 346f.