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Paulus: Das entleerte Subjekt

Die Revolution des Christentums

Ein Freund auf Facebook gab mir den Tipp, Alain Badious Buch über Paulus mir zu Gemüte zu führen.

Ich las die Beschreibung des Buches und war gleich begeistert:

Der Apostel Paulus ist aktueller denn je. Einige der wichtigsten Philosophen der Gegenwart, darunter Giorgio Agamben und Slavoj Žižek, haben ihm Monographien gewidmet; Alain Badiou war der Erste, der in ihm ein Gegenmodell zum politischen und geistigen Neoliberalismus unserer Zeit entdeckt hat. Als Prototyp eines Denkens des Ereignisses stellt Paulus für Badiou einen entscheidenden Zeugen seiner Philosophie dar.

Das Ereignis, von dem Paulus erschüttert wird, ist die Kreuzigung und die Auferstehung Christi. Ausgehend von dieser kommt Paulus zu einem revolutionär neuen Konzept von Subjektivität und sozialer Gemeinschaft. Während das Individuum genau definierte Eigenschaften besitzt, die es ideologisch auf das festschreiben, was immer schon ist, zeichnet sich das neue christliche Subjekt durch seine Eigenschaftslosigkeit aus. Es hat in der Bekehrung einen Prozess der Entleerung durchgemacht und steht vor einem voraussetzungslosen neuen Anfang, ist offen für eine neue, noch nicht vorhandene Identität, und genau darin liegt für Badiou der Kern der Subjektivität: Subjekt sein bedeutet, sich von einem Ereignis erschüttern zu lassen und ihm dann die Treue zu halten.

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Sartre wollte sein Werk umschreiben

Wenn ich Subjekt bin, wie behandle ich die Anderen? Am Anfang stand für J. P. Sartre fest, dass  er gezwungen war, die anderen Menschen zu Objekten zu machen. Auch die anderen Menschen um ihn machen ihn zum Objekt. „Die Hölle – das sind die Anderen.“ Auch im Tod noch ist das Subjekt ein Objekt der Anderen: „Tot sein heißt den Lebenden ausgeliefert sein.“

Diese Überzeugung änderte sich für Sartre in den letzten Jahren seines

J.P. Satre, 1905 - 1980

J.P. Satre, 1905 - 1980

Lebens. Im Interview mit Benny Lévy, das nach seinem Tod mit dem Titel „Brüderlichkeit und Gewalt“ herauskam, kündigte er ein Buchprojekt an, das sich vor allem mit dem „Sein für Andere“ beschäftigt. Er las Martin Buber und sah in den Anderen kein behandeltes Objekt mehr, sondern Menschen begegnen in verschränkter Weise dem anderen Ich in der Beziehung von Subjekt zu Subjekt. Er wollte sein ganzes früheres Werk umschreiben. Was hätte sich dabei geändert?

Reinhard Olschanski in „der Freitag“ 14.04.2000

OE1 Denken im Alter