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Das Leben Gott hinhalten

Pater Anselm Grün schreibt auf Facebook in Zeiten von Corona über das Lesen von guten Büchern und das Nachdenken über die zentralen Fragen des Lebens :

Die frühen Mönche kannten als spirituelle Übung: allein in seiner Zelle zu bleiben und sich selbst auszuhalten. So könnte die Zeit in der Quarantäne eine Einladung sein, bei sich selbst zu bleiben, über sich nachzudenken und sich selbst vor Gott ehrlich anzuschauen.

Und es wäre die Zeit, gute Bücher zu lesen, um beim Lesen in Berührung zu kommen mit einer fremden Welt. Die fremde Welt, in die ich beim Lesen eintauche, ist immer auch meine eigene Welt. Durch das Lesen entdecke ich meine innere Weite und neue Räume meiner Seele. Das tut mir gut.

So wünsche ich allen, die in diesen Tagen daheim bleiben müssen, weil die Schulen geschlossen sind und viele Veranstaltungen ausfallen, dass sie diese Zeit als spirituelle Trainingszeit nutzen, als Zeit, in der sie sich über die zentralen Fragen des Lebens Gedanken machen und in der sie ihr Leben, so wie es ist, Gott hinhalten. Wenn ich meine innere Wahrheit Gott hinhalte, lerne ich, mich selbst anzunehmen. Ich brauche dann keine Angst zu haben vor dem Chaos, das vielleicht in meiner Seele ist. Denn alles wird vom heilenden und liebenden Licht Gottes erleuchtet.

Quelle: Pater Anselm auf Facebook

Die Stille ist eine Tür

In einer Klasse schrieben die Schüler und Schülerinnen still vor sich hin. Ein Schüler hörte die Uhr und sagte: „So still war es noch nie, dass ich die Uhr ticken höre.“ Der Lehrer schrieb an die Tafel: „Die Stille ist eine Tür.“
In der Stille kommt uns der Grund unseres Lebens entgegen.
Ein Mann merkte, dass er zwar viel meditierte, aber dass keine Beziehung zu Gott zustande kam. Da sagte er zu Gott: „Ich gebe dir Raum, Gott!“ Darauf merkte er, dass Gott zu ihm kam und den Raum in seinem Herzen füllte.
Die größte Möglichkeit, die Freundschaft mit Gott zu leben bietet in unserer Kultur die Kontemplation. Alles entsteht aus der einfachen Übung der Wahrnehmung der Gegenwart, der Stille, und der Gnade der Erfahrung, wer wir wirklich sind.