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Philosoph Holm Tetens: Menschen sind nicht Gott

Prof. Dr. Holm Tetens

Prof. Dr. Holm Tetens

Der Berliner Philosoph Holm Tetens beschäftigte sich mit der Wissenschaft und der Technik, mit deren Hilfe der Mensch Gott spielen möchte: „Für die Erkenntnisziele der Wissenschaft brauchen wir die Hypothese Gott nicht, zumal nicht, seit wir unter anderem mit Hilfe der Wissenschaft und Technik die Erlöserrolle, die einst Gott vorbehalten war, nun selber zu übernehmen versuchen.“ (in: Der Glaube an die Wissenschaften …, 281). Der Philosoph Hans Ludwig Ollig SJ unternimmt es, zwei Artikel von Tetens in der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ (April 2014) vorzustellen, in denen Tetens die Logik des Naturalismus aufzeigt. Dieser gibt vor, der einzige wahre Zugang zur Wirklichkeit zu sein und die Menschen ohne Gott zu erlösen. Dadurch macht er sich zur Religion. Tetens sieht einerseits in der technischen Beherrschung des Menschen die Freiheit des Menschen in Gefahr. Andererseits bezweifelt er, ob man in der Weltsicht des Naturalismus eine frohe Botschaft sehen kann: „dass nichts und niemand in diesem an sich lebensfeindlichen Universum uns Menschen will, dass wir Menschen nur zufällig und ohne Sinn und Absicht im Universum entstanden sind, dass wir eines Tages aus diesem Universum wieder verschwunden sein werden.“ (Die Möglichkeit Gottes, 11).

Wir Menschen sind, so Tetens, verstrickt in diese Welt und können uns dadurch nicht befreien. Auch sonst gibt es nichts Innerweltliches, was das Leiden und die Übel überwinden könne. Eine endgültige Erlösung lässt sich nicht beweisen, aber die Erlösungshoffnung ist nicht unvernünftiger als die Aussicht, die der Naturalismus bietet. Gott ist die Macht, die jemand annehmen muss, „der auf eine Erlösung hofft und im Vertrauen auf sie lebt.“ (Naturalismus und … 262). Tetens versteht seine Vorgehensweisen als religionsphilosophische Untersuchungen, die den Dialog zwischen Gläubigen und Ungläubigen fördern können. Der transzendentale Rahmen der großen Erlösungsreligionen konkurriert mit dem transzendentalen Rahmen des Naturalismus. Er ist in dem Satz zusammengefasst: „Gott erlöst uns Menschen und die Welt von allen Übeln und Leiden.“

Literatur:
Hans Ludwig Ollig SJ, Naturalismus und Erlösungsglaube, Holm Tetens‘ Perspektive auf das Religionsproblem, in: Stimmen der Zeit, Heft 4, April 2014; Herder
Holm Tetens, Der Glaube an die Wissenschaften und der methodische Atheismus. Zur religiösen Dialektik der wissenschaftlich-technischen Zivilisation, in: NZSTh 53 (2013) 271-283
Holm Tetens, Die Möglichkeit Gottes, in: Sebastian Hödl / Henning Tegtmeyer (Hg.), Sinnkritisches Philosophieren. Berlin 2013, 11-38
Holm Tetens: Der Naturalismus: Das metaphysische Vorurteil unserer Zeit?

Die Grenzen des Menschen

Helmut Kohlenberger schrieb einen außergewöhnlichen Artikel über die Grenzen des Menschen und und der Welt. www.christenwind.at Er sieht im Benennen und Sprechen den Blick auf das Ganze, der nicht im vom Einzelnen oder von der Situation kommt, sondern von dem, das von jenseits der Grenzen kommt.

Hannes Daxbacher