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Gott, komm in mein Herz!

Gebet in der Stille

Gebet in der Stille

Was soll ich in den nächsten 40 Tagen tun? Ich gönne mir etwas Gutes. Statt Fernsehen werde ich mich Gott öffnen. Ich setze mich jetzt 40 Tage lang jeden Morgen und jeden Abend für eine halbe Stunde in die Gegenwart Gottes.

Vor Jahren wollte ich herausfinden, wie ich die Beziehung zu Gott im Gebet gestalten kann. Ich habe über Gebet und Kontemplation in der Bibel und in religiösen Büchern gelesen und mit Christen und Christinnen darüber gesprochen. Romano Guardini sagt: Gott kann man vor allem anbeten. Ich setzte mich hin, wurde ruhig und sagte zu ihm: Ich bete dich an. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis.

Sehr wichtig ist für mich am Beginn der Kontemplation die Öffnung meines Herzens: „Gott, ich öffne mein Herz für dich“. Von einer Freundin bekam ich den Rat, das Gebet von Nikolaus von der Flüe „Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir“ (Gotteslob 9,5) zu beten. Mein Zentrum bildet dann die dreifache Gottesliebe von Deuteronomium 6,5 „Ich liebe dich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ und zum Schluss bete ich Gott an, lobe, preise und danke ihm. Es drängte mich, diese Worte auch zu Gott-Vater, Jesus Christus und zum Heiligen Geist zu sprechen. Durch diese Anbetung des dreifaltigen Gottes weiß ich immer mehr, wer ich bin und wofür ich lebe.

Ich habe einen treuen Freund über den Tod hinaus

Meinen Vater erfasste vor fast zwei Jahren ein Schwindel, er fiel um und verlor das Bewusstsein. Die Notärztin kam, versuchte ihn wiederzubeleben, konnte aber nur seinen Tod feststellen. Wir waren betroffen und traurig. Bei der Begräbnismesse beteten wir: Gott, öffne ihm das Tor zum Paradies, zur Heimkehr in das Land der ewigen Freude und des Friedens. Ich glaube, er ist bei Gott gut aufgehoben. Und ich hoffe, ich werde ihn, wenn ich sterbe, im Himmel wiedersehen.

Beim Schulgottesdienst erinnerte ich an die 16 Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums und ihre zwei Lehrerinnen, die beim Flugzeugabsturz am Dienstag getötet wurden. Es ist ungemein traurig, dass sie nicht mehr auf dieser Erde leben. Freunde und ihre Familien trauern. Ich bin mir aber sicher, dass sie bei Gott gut aufgehoben sind. Ich glaube, sie werden sich im Himmel treffen und sich auch freuen können.

Ein Bekannter fragte mich einmal: Sind Sie sicher, dass aus dem Jenseits schon jemand zurückgekommen ist? Ja, sagte ich. Ich bin mir sicher, dass Jesus zurückgekommen ist und sich seinen Jüngern gezeigt hat. Die Türen waren aus Furcht verschlossen und Jesus ist ihnen erschienen. Er zeigte ihnen seine Wunden. Er sagte: Friede sei mit euch. So wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Erzählt allen davon. Ihr könnt Freunde Gottes werden. Alle können Freunde von Gott werden. Er ist ein treuer Freund. Er lässt niemand fallen.

Die Auferstehung Jesu ist eine Singularität

Mathias_GrünewaldDie Auferstehung Jesu ist die Initialzündung für die Christenheit. Es ist etwas Außergewöhnliches passiert. Das Grab war leer, Jesus wurde radikal von Gott-Vater in die Herrlichkeit geholt. Das ist zwar eine Geschichte von Glaubenden, aber man kann sie vernünftig bedenken. Im naturwissenschaftlichen Weltbild gibt es einzigartige Ereignisse. Die Naturwissenschaften beschäftigen sich normalerweise mit den Gesetzmäßigkeiten und Funktionen dieses Universums. Singularitäten fallen dabei heraus, sind sie doch Einzelereignisse, die keiner Gesetzmäßigkeit unterliegen. So eine Singularität ist der Urknall, der ein Einzelereignis darstellt, das keinem Gesetz unterliegt. Über die Ereignisse vor 10 hoch minus 43 Sekunden nach dem Urknall ist eine Aussage nach Max Planck (1848-1947) nicht möglich, weil nicht messbar.
Nun ist auch die Auferstehung Jesu ein ähnliches Einzelereignis, das weder vorher noch nachher in dieser Dichte von Menschen erfahren wurde. Es gibt dabei sehr viele Frauen und Männer, die diese Singularität bezeugen können. Ein römischer Hauptmann, Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Joses, die Mutter des Söhne des Zebedäus bezeugten seinen Tod. Der Ratsherr Josef von Arimathäa bat Pilatus um den Leichnam Jesu. Josef und Nikodemus wickelten den Leichnam mit Leinen ein, legten ihn in Josefs Privatgrab und wälzten einen Stein vor die Tür des Grabes. Maria von Magdala und Maria, die Mutter von Joses sahen dies und bereiteten zu Hause Salböl und Spezereien vor, um den Leichnam nach dem Sabbat zu salben. Pilatus gab am Sabbat den Hohenpriestern Grabwachen, damit der Leichnam nicht gestohlen wird. Am Morgen nach dem Sabbat kamen Maria von Magdala, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus und sahen ein leeres Grab, einen Engel und Jesus, der ihnen des Auftrag gibt, nach Galiläa zu gehen, wo sie ihn sehen können. Die Soldaten waren von den Ereignissen verwirrt, meldeten es den Hohen Priestern, die ihnen Geld gaben, damit sie sagen sollen, die Anhänger hätten den Leichnam gestohlen. Auf dem Weg nach Emmaus erscheint Jesus Kleopas und seinem Freund. Danach den elf Apostel und ihren Gefährten in Jerusalem, danach in Betanien und einige Male in Galiläa. Der Auferstandene zeigte ihnen seine Wunden und aß mit ihnen, danach verließ er sie. Dieses Ereignis ist auch deshalb so einzigartig, weil Jesus nicht nur mit seiner Geistseele auferstanden ist, sondern mit seinem Leib, in dem seine Körpererfahrungen gespeichert sind. Nicht nur das, auch sein Körper wurde radikal von Gott-Vater dem Zugriff der Erde entzogen. Das Grab war leer. Die Tücher lagen zusammengelegt auf der Stelle. Diebe hätten die Tücher mit der Leiche mitgenommen. Es war ein singuläres Ereignis, das Gott tat und das für Christinnen und Christen eine Quelle der Freude ist.
LINKS: http://de.wikipedia.org/wiki/Planck-Zeit
http://de.wikipedia.org/wiki/Urknall#Die_Planck-.C3.84ra
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Planck

Ostern: Gott zeigt sich und erlöst uns

Jesus Christus offenbart Gott

Jesus offenbart Gott Vater als einen guten Gott

JESUS HILFT DEN AUSGESTOßENEN

Hat uns Jesus durch seinen Tod von den Sünden erlöst? Nein.

Warum soll sein Tod etwas bringen? Der Tod ist immer ein Hinübergehen zu Gott. Wenn jemand zu Gott geht, wie soll er dadurch jemand von Sünden (und Schuld) erlösen?

Sünden sind einerseits bewusst begangene schlechte Taten, andererseits bewirken Sünden eine „Absonderung“ von den Gemeinschaften. Es gibt zwei Gemeinschaften: Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft mit Menschen. Diese Wirkweise von Sünde wollte Jesus durchbrechen und Menschen mit und ohne Sünden sammeln und ihnen die Sünden vergeben.

Wenn Jesus die Sünden erlässt und die Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen holt, braucht er nicht Leiden und Sterben, damit sie in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen kommen können.

DIE OFFENBARUNG GOTTES

Wodurch hat er uns dann erlöst? Er zeigt uns den Vater. Diese Offenbarung Gottes ist die große Erlösung.

Warum muss er dann diesen Weg zu den Hohen Priestern und in den Tod gehen? Er lässt sich aus zwei Gründen gefangen nehmen.

1. Er wollte den Priestern eine Chance geben, bei der Sammlung des Gottesvolkes dabei zu sein. Jesus predigte Feindesliebe und jetzt musste er sich entscheiden: Flucht, Gewalt oder Feindesliebe

2. Er war sich bewusst, dass er die Offenbarung Gottes war. Eine Offenbarung, in der sich Gott als gewaltfreier und die Feinde liebender Gott zeigt. Da kann er nicht kneifen.

ER SCHENKT HERRLICHKEIT

Was haben Menschen davon, wenn Gott solch eine Botschaft hinterlässt?

1. Sie haben einerseits eine gewisse Sicherheit, was der Urgrund des Universums will. Das gibt Sinn. Er ist nicht das eine Mal böse und dann wieder barmherzig. Er ist nicht einmal gewalttätig und dann wieder zärtlich. Er ist nicht einmal hinterhältig und dann wieder wahrheitsliebend und treu. Nein, er ist durch die Offenbarung eindeutig ein guter, gütiger, schöner und wahrer Gott.

2. Andererseits lädt er zu einer Freundschaft mit ihm ein, die sehr heilsam sein kann. Denn in den Verstrickungen des sozialen Lebens mit den Rivalitäten und Begehrlichkeiten ist es gut, eine dritte Richtung und Beziehung zu haben, die ins unendliche weist. Das kann vieles heilen.

3. Zum dritten ist der Weg in die Herrlichkeit mit ihm dadurch geöffnet. Jeder Mensch kann darauf hoffen, dass er in die Herrlichkeit der Liebe Gottes aufgenommen werden kann.

DREI OFFENBARUNGEN BEFREIEN

Die Erlösung geschieht durch die Selbstoffenbarung Gottes. Jesus ist das Fenster zum Vater: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ Gottes Wille zur Feindesliebe sehen die Menschen nicht im Leiden Jesu, sondern in seinen 7 Worten am Kreuz und im Verzicht auf Gewalt. Er lehnt es ab, ein rivalisierender Herrscher unter anderen zu sein. Als Urgrund des Universums reagierte er auf die Ablehnung seiner Offenbarung mit Sanftmut.

Er starb in die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, um als Lebendiger seinen Freundinnen und Freunden zu erscheinen. Dies war die zweite Offenbarung. Die dritte Offenbarung war die Ermutigung durch den Gottesgeist: Gott als Mutmacher. Er erlöst von der Angst und macht Mut. Er erlöst von der Einsamkeit und sammelt zu neuer Gemeinschaft.

Die Selbstoffenbarung Gottes erlöst und befreit uns Menschen.

Hier leiden die Heiden: Paradies Glaube

Jesus bespuckt gegeißelt, ausgestoßen

Jesus, Gottes Sohn wird bespuckt, gegeißelt und ausgestoßen (Bild aus „Passion Christi“).

Die Sündenbockreligion von Ulrich Seidl

Abgesehen von der Milieuschilderung mit volksreligiösen Versatzstücken ist der Film „Paradies Glaube“ von Ulrich Seidl eine Dreiecksgeschichte, bei der der schwächere Teil den Kürzeren zieht. Ein Moslem verlässt seine Frau, die sich in der Zwischenzeit dem halb anwesenden Jesus Christus zuwendet. Inwiefern sie sich in ihn verliebt, bleibt unklar. Als der moslemische Mann einen Unfall erlebt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kommt er zur Ehefrau zurück und lässt sich pflegen und bedienen.

Da sie nicht mit ihm schlafen möchte, entwickelt der Ehemann eine Eifersucht auf Jesus, den Liebhaber seiner Frau und wirft ihn von der Wand und auf den Boden. Er macht etwas, das die Nazarener mit Jesus schon tun wollten: Die Männer in Nazaret sprangen auf und trieben Jesus aus der Stadt hinaus, bis an den Rand des Berges, auf dem Nazaret liegt. Dort wollten sie ihn hinunterstürzen. Aber Jesus ging mitten durch die Menge hindurch und zog weiter (Lukas 4,29-30).

Die ungläubige Christin ahmt zum Schluss ihren aggressiven moslemischen Mann nach. Auch sie greift ihren ohnmächtigen Exliebhaber frontal an. Sie geißelt ihn und bespuckt ihn. Der Film bricht gerade hier ab, wo die Geschichte interessant wird. Was macht es mit den beiden, wenn sie Jesus umbringen?

Beide machen Jesus  zu ihrem Sündenbock, eine Rolle, die er von außen gesehen in der Passion am Karfreitag einnimmt. Da schreit der Pöbel: Ans Kreuz mit ihm! Und der Hohe Priester Kajaphas sagt bei der Beratung: Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht (Joh 11,50).

Ulrich Seidl als Hoher Priester Kajaphas

          Regisseur Ulrich Seidl übernimmt die Rolle des Hohen Priesters und lässt Jesus für das Publikum sterben. Bei den Filmvorführungen im Kino lachen am Anfang noch einige. Dann wird es immer unheimlicher im Saal und zum Schluss lächeln einige zufrieden, wenn die ungläubige Christin Jesus geißelt. Jetzt wissen sie, wer vermeintlich schuld an ihrer Misere ist. Recht geschieht ihm. Warum lässt er sich auch zum Sündenbock stempeln.

Was in dem Film gezeigt wird ist die heidnische Hölle. Menschen rivalisieren, konkurrieren und stoßen Schwächere aus. Mit dem Ausstoßen des Dritten beginnt nach René Girard die archaische Religion. Diese Ausstoßung schafft Frieden unter den Rivalen. Das Publikum ist zufrieden.

Dieser Film zeigt die neue heidnische Religion in Europa. Der göttliche Liebhaber als schwächerer Teil wird verstoßen und dem Ganzen wird der Spezialpreis der Jury beim Filmfestival in Venedig verliehen. Die neuen Priester wissen, wen sie ausstoßen müssen: Gott. Sie wissen auch, wen sie dafür instrumentalisieren können: einen querschnittgelähmten Moslem. Die neue heidnische Religion instrumentalisiert den Islam, um Gott zu vertreiben. Was bleibt, ist eine Seidlsche Hölle von Rivalen, die sich bekämpfen. Das Rutschen auf den Knien, das Masturbieren mit dem Kreuz und die Selbstgeißelung bleibt Dekoration. Diese schockierenden Phänomene werden aufgeboten, um zu verdecken, dass es um eine Ausstoßung geht, bei dem das Opfer, der göttliche Liebhaber unschuldig ist.

Diese Art von heidnischer Religion geht am Christentum voll vorbei. Zwar hat auch das Christentum archaische Einsprengsel, die von außen gesehen Ähnlichkeiten mit den Sündenbockreligionen haben. Aber der innere feurige Kern der Christenheit ist eine Offenbarung. Es ist die Offenbarung der Herrlichkeit der Liebe Gottes. Ulrich Seidl als Hoher Priester des Sündenbocks verkennt das Zentrale der christlichen Religion und muss deshalb Archaisches auf die Leinwand werfen.

Auch die römischen Soldaten 30 n. Chr. sehen in Jesus nur das Opfer ihrer kollektiven Gewalt. Christus hingegen übernimmt nicht die Sichtweise seiner Mörder, er betet für seine Peiniger: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Er sieht sich als Sohn des Vaters, in dessen Herrlichkeit er hineingeht. Wenn die ungläubige Christin im Film an Jesus geglaubt hätte, dann würde sie mit den Armen ein wunderbares Fest feiern. Das wäre die christliche Sicht von „Paradies Glaube“ gewesen. So aber kann man als Christin und Christ nur sagen: Vater, vergib dem Regisseur, den Schauspielern und manchen Zuschauern, sie wissen nicht, was sie tun!

Das ist sanftmütiger nicht zu denken

Vorbilder sind trotz aller Autonomiewünsche für das Handeln äußerst wichtig. Eines dieser Vorbilder war der Nazarener. Jesus war ein Vorbild in der Sanftmütigkeit und Gewaltlosigkeit. Auch wenn er in einer prophetischen Symbolhandlung Händler und Geldwechsler aus dem Tempel trieb, so rief er nie zu Gewalthandlungen auf und auch als Auferstandener rächte er sich nicht für seinen gewaltsamen Tod. Er brachte den abtrünnigen Jüngern bei seinen Erscheinungen seinen Frieden und bot ihnen seine Versöhnung an.

Christinnen und Christen können ihm nachfolgen und ihn nachahmen. Wie hätte Jesus in dieser Situation gehandelt, ist eine Frage, die sich Christinnen und Christen in der Nachfolge stellen. Die sündhafte Mimetik wird durch eine jesuanische Mimetik aufgehoben.

Sein göttlicher Vater bestätigte ihn und seine sanftmütige Praxis, indem er ihn auferweckte. Der römische Hauptmann, der die Kreuzigung überwachte, nahm diese Bestätigung durch seinen himmlischen Vater vorweg: „Wahrlich, das war Gottes Sohn!“ Zwei andere sehr bekannte Vorwegnahmen der Bestätigung als Sohn und Messias waren die Taufe im Jordan und die Verklärung am Berg Tabor.

Als er sich von Johannes taufen ließ, bestätigte ihn sein göttlicher Vater als „geliebten Sohn“ und bei der Verklärung stand er voll im himmlischen Licht zwischen dem Gesetzbringer Moses und dem Urpropheten Elias. Jesus ging aber nicht als dritte Figur in die Geschichte ein. Eine Stimme hörten seine Jünger: „Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“

Jesus wusste sich von seinem Vater gesandt. Er war aber nicht nur der Überbringer einer Botschaft, wie es in der Bergpredigt zu hören war, sondern er zeigte einen so gütigen und so gerechten Gott, dass er größer in seiner Güte und in seiner Gerechtigkeit nicht gedacht werden kann.

Weint über Jerusalem!

Die letzten Stunden von Jesus vor seinem Tod waren geprägt von einer Dramatik, die sich nicht nur zwischen den römischen Soldaten und Jesus abspielte, sondern auch zwischen ihm und seinem göttlichen Vater und zwischen ihm und den Bewohnern von Jerusalem.

Für die Folterknechte betete Jesus: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie sind verblendet und agieren in der Ideologie des Bösen, des Teufels, der Sünde. Trotzdem sind sie auch verantwortlich. Sie können umkehren, sollten sich zum guten Gott wenden. Dass sie das nicht tun, sieht man in der Szene mit den weinenden Frauen, die Jesus auf dem Weg zu seiner Kreuzigung trafen. Er bat sie: „Weint nicht über mich, sondern über (die Bewohner von) Jerusalem!“ Jerusalem sollte sich bekehren. Die Stadt steht für das Volk Israel, das umkehren soll. Wenn es sich nicht bekehrt, wird es sich selbst richten. Sie sagen dann: „Berge, fallt über uns!“

Die Bewohner von Jerusalem waren (wie die ganze Menscheit) Opfer des Bösen und der Sünde. So wie die Berge über sie fallen werden, so fielen das Böse und die Sünde über sie. Aber sie sind auch Täter. Sie selbst sagen: „Berge, fallt über uns.“ Sie selber richteten die Berge des Bösen auf. Durch ihr schlechtes Tun verhinderten sie das Kommen Gottes. Sie taten das Gegenteil dessen, wozu der damals sehr gut bekannte Jesaja aufforderte: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.

Sie bauten keine Straßen für Gott, sondern Berge, sodass er nicht kommen konnte. Über diese Menschen galt es zu weinen. Sie waren verstrickt in das Netz der Sünde und blind für das Reich der Liebe. Sie hörten die Stimme von Jesus, aber ihr Herz war verschlossen.

Vielleicht ist das auch die Tragik von Judas. Er hörte die Worte der Bergpredigt, aber die Konsequenzen waren für ihn nicht vorstellbar: „Wenn dich einer zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei.“ Die Feindesliebe ist die Liebe zu den Gegnern, insofern sie Opfer der Sünde sind. Die Sünde ist ein mimetischer Zusammenhang, der alle erfasst. Alle ahmen die bösen Taten nach und übertreffen sich oft dabei.

Jesus war drauf und dran, diesen nachahmenden Zusammenhang aufzubrechen und für seinen göttlichen Vater eine Straße zu bauen. Er setzte alles auf eine Karte, die hieß: tragfähige Gottesbeziehung und speziell für ihn Vaterbeziehung, genauer Abba-Beziehung. „In deine Hände lege ich meinen Geist“ betete er am Karfreitag. Es war einerseits der Heilige Geist (hebräisch die Ruach), den er bei seiner Taufe im Jordan erhielt und andererseits sein eigener Geist, der voll Liebe zu seinem Vater und zu den Mitmenschen war. Diesen Geist schenkte er seinem Vater. Durch diese Liebe zu seinem göttlichen Vater gab er für uns Menschen einen Weg für unsere unendliche Sehnsucht frei. Unsere Sehnsucht hat dadurch eine erfüllende Hoffnung und geht nicht mehr ins Leere. Jesus schlug dadurch eine Schneise in eine Welt, die keine Sicht auf den gütigen Gott zuließ.