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Jürgen Manemann: Weg mit dem Selbstmitleid!

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Otto Friedrich

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In den Umbrüchen der Zeitläufte steht auch die Rolle der Religion in Diskussion. Der Rede vom „christlichen Europa“ haftet etwas Vergangenes an, und die Gegenwart der Pandemie beschleunigt die gesellschaftlichen Transformationsprozesse immens. Das konstatieren Zeitdiagnostiker aller Couleur. Aber wenn sich Europa nicht auch über die Religion definiert, was tritt an deren Stelle? Und welche Zukunft hat dann das Christentum? Die FURCHE sprach darüber mit dem Theologen und politischen Philosophen Jürgen Manemann, Schüler und Denker in der Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Begründers der „Neuen Politischen Theologie“, Johann Baptist Metz.

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DIE FURCHE: Wenn ein Wort das Jahr 2020 charakterisiert, dann ist es „Krise“. Natürlich kommt da in unseren Breiten zuerst die Pandemie in den Blick. Was ist die Rolle der Religion in dieser Krise?
Jürgen Manemann: Aus meiner christlichen Perspektive hat das Phänomen der Religion sehr viel mit dem Unverfügbaren zu tun. Religionen helfen, das Unverfügbare wahrzunehmen und damit zu leben. Der amerikanische Philosoph George Santayana hat das so formuliert: „Religion ist die Liebe zum Leben im Bewusstsein eigener Ohnmacht.“ Diese Liebe ist in der Krise von großer Bedeutung. Denn wir werden gegenwärtig auf unterschiedlichen Ebenen mit Ohnmachtserfahrungen konfrontiert. Auch privilegierte Menschen erfahren plötzlich, dass sie ihr Leben nicht vollends kontrollieren können, dass auch ihr Leben gefährdet ist. Religion als genau diese Liebe im Bewusstsein der Ohnmacht könnte helfen, dass eine neue Empfindlichkeit für die unterschiedlichen Verwundbarkeiten von Menschen entsteht. Gerade in der Coronakrise haben wir es mit unterschiedlichen Verwundbarkeiten zu tun, die nicht mit dem Leben an sich zusammenhängen, sondern ökonomisch, politisch und gesellschaftlich inszeniert sind.

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