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Religion in Nigeria: Lügen Journalisten?

Wenn man die deutschsprachigen Artikel über Nigeria zu den Attentaten der islamistischen Boko Haram-Gruppe liest, kommen zwei Sätze immer wieder vor, die anscheinend von den Journalisten abgeschrieben und weitergereicht werden:

„Nigeria ist zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem überwiegend von Christen besiedelten Süden gespalten. Zwischen den Religionsgruppen bestehen seit langem Spannungen, die immer wieder in Gewalt münden.“

Focus, ORF und andere Magazine kopieren diese zwei Sätze in ihre Artikel ohne den Inhalt zu überprüfen hinein. Gerade der zweite Satz hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Die Religionsgruppen leben sehr friedlich zusammen. Es gibt nur eine unruhige Gruppe, die militante islamistische Boko Haran-Gruppe aus dem Volk der Fulani im Nordosten von Nigeria. Die Anschläge sind nicht nur gegen Christen gerichtet, sondern auch gegen Moslems, die einen weltlichen Lebensstil leben.

Diese nigerianischen Taliban, wie sie genannt werden, überfallen Biergärten, weil dort Alkohol konsumiert wird. Sie lehnen Wahlen ab, werfen Bomben gegen Regierungsgebäude, Polizeistationen und militärische Einrichtungen. Sie lehnen den Staat ab, obwohl in den nördlichen Bundesstaaten ohnehin die islamische Scharia als Gesetzeslehre vorherrscht. Die Mörder sind Moslems und die Opfer sind Moslems und Christen.

Dass es Spannungen zwischen Christen und Moslems gibt, die in Gewalt münden, ist schlichtweg ein Vorurteil und, wenn es absichtlich kolportiert wird, eine Lüge. Es gibt viele Moslems, die im Süden wohnen und eine Minderheit bilden. Es gibt keine Christen, die Moslems überfallen und Moscheen anzünden. Es gibt auch viele Christen, die im Norden wohnen und von ihren moslemischen Nachbarn nicht überfallen werden.

Warum kopieren dann Journalisten immer wieder denselben Satz in ihren Artikel? Man wird den Gedanken nicht los, dass es entweder eine Gedankenlosigkeit ist oder ein Hass auf den Religionsbereich ist, der ein differenzierter Bereich ist und mehr Recherchen verlangt.

Man kann es nicht oft genug sagen: Spannungen zwischen Christen und Muslime münden nicht in Gewalt.

Was wir in Nigeria erleben ist eine Form von schlechter religiöser Dynamik, die innerhalb einer Sonderform des Islams auftritt. Es sind hier schlimme Kräfte am Werk, die das Heil in rigorosen Gesetzen wie Alkoholverbot, Steinigung, Hand abhacken und Zerstörung von Bildern sehen. Das ist ein Angriff auf andere Moslems, auf Christen und auf alle freiheitsliebenden Menschen. Die islamischen Gemeinden müssen sich hier abgrenzen und diese Kräfte und ihre Träger aus der Umma, der islamischen Gemeinschaft, nicht nur ausschließen, sondern auch ihre Lehren ächten.

Was sagt der nigerianische Sultan?

Der Sultan von Sokoto, das geistliche Oberhaupt der nigerianischen Muslime, hat noch im Juli das militärische Durchgreifen gegen die islamistische Sekte Boko Haram verurteilt. Was aber wird er zu den jüngsten Bombenattentaten und Morden der Boko Haram sagen? Die Öffentlichkeit fragt sich, ob er noch länger Verständnis für die Boko Haram aufbringt, die seit Ende 2010 den Namen „Anhänger der Verbreitung der Lehren des Propheten und des Heiligen Krieges“ trägt.

Links: BBC – Sultan of Sokoto
Wikipedia – Boko Haram

Interview mit dem Sultan: Nigeria ist kein säkularer Staat

Boko Haram: Neue Attentate werden von Islamisten vorbereitet

Die islamistische Gruppe Boko Haram, die eine strenge Form der Scharia in ganz Nigeria einführen will, plant weitere Attentate. Wie ein Sprecher der Islamisten Associated Press mitteilte, sind weitere Angriffe „auf Schiene“. Die Zahl der Toten durch die Morde in der Nacht auf Freitag, 5. 11. 2011 erhöhte sich auf 76.

Der Generalinspektor der Polizei, Hafiz Rigim will 3000 Polizisten an jene Orte stellen, an denen in der Hauptstadt Abuja am Sonntag Gottesdienste stattfinden. Die Gefährlichkeit der Boko Haram kann nicht mehr ignoriert werden.

Zu den 76 Opfern der Bombenattentate und der Kämpfe in Damaturu und Potiskum im Staate Yobe zählen neben Soldaten und Polizisten auch viele Zivilisten. Über 100 Personen trugen schwere Verletzungen davon.

Die Stadt Damaturu gleicht einem Schlachtfeld. Das Polizeihauptquartier, die Anti-Terror-Zentrale, die Amtsgebäude des Bundesstaates und die First Bank wurden von der Wucht der Detonationen zerstört. Viele Polizeiwagen, inklusive Anti-Bomben- und Anti-Terroristen-Autos wurden getroffen. Sechs Kirchen wurden Ziel des Terrors. Der Polizeisprecher Suleiman Lawal sprach laut News Agency of Nigeria von Selbstmord Attentaten, gab aber keine Zahl an.

Kurz nach den Angriffen bekannte sich die fundamentalistische Gruppe Boko Haram zu den Anschlägen. Die AP zitierte einen Sprecher der Boko Haram, Abul-Qaqa, der sagte: „Mehr Angriffe sind auf dem Weg. Wir werden weiterhin die Regierungseinrichtungen angreifen, bis die Sicherheitskräfte ihre Exzesse gegen unsere Mitglieder und gegen gefährdete Zivilisten stoppen.“

Dieses Statement kam, als Menschenrechtsaktivisten erklärten, dass die Polizei auf der Suche nach Terroristen in Maiduguri Zivilisten geschlagen und getötet hätten.

Die Attacken geschahen vor dem islamischen Opferfest Eid al-Adha. Polizisten überall im Lande warnten vor Gewalt angesichts des Opferfestes.

Eine Gruppe innerhalb der Boko Haram lehnt Wahlen ab und hat Kontakte zur Al-Quaida in Nordafrika und zur Terrorgruppe Al-Shabab in Somalia.

Der Präsident von Nigeria, Goodluck Jonathan sagte alle Termine ab, um sich ganz der Sicherheitskrise im Nordosten zu widmen.

Link: Daily Trust

Nigeria: Morde in der katholischen Kirche

Im Norden von Nigeria drangen bewaffnete Männer in eine katholische Kirche ein, töteten zwei Frauen und verletzten 14 schwer. Dieser Angriff war der sechste innerhalb der letzten drei Monaten in der hauptsächlich von Christen bewohnten Teil von Süd-Kaduna. Bewaffnete stürzten sich auf die Gläubigen in der St. Joseph Kirche in der „Tabak Village“ während eines Nachtgebetes.
Augenzeugen berichteten, dass einige der Angreifer die Tabak Village stürmten und sie umkreisten, während andere sich zur Kirche wandten, wo sie das Feuer auf die Betenden eröffneten.
Die zwei Frauen wurden sofort in dem anschließenden Tumult getötet, während andere aus der Kirche mit verschieden schweren Verletzungen fliehen konnten.
Die 14 Schwerverletzten wurden ins Krankenhaus gebracht und die leichter Verletzten wurden in ihren Häusern versorgt. Die Sprecher der Jungen gaben den Behörden die Schuld, dass sie die Bewohner zuwenig beschützen.
Der Gouverneur des Bundesstaates Kaduna, Patrick Yakowa besuchte mit hochrangigen Beamten die Siedlung, um die Lage abschätzen zu können. Hunderte von aufgeregten Frauen und Jugendlichen, die regierungskritische Parolen riefen, hielten den Gouverneur mit ihren Fragen eine Stunde auf. Einige Jugendführer konnten die Situation beruhigen indem sie den Demonstranten klarmachten, dass der Gouverneur, der mit hohen Militärs und Polizeibeamten unterwegs war, die Schwerverletzten im Krankenhaus besuchen wolle.
Der Sekretär der Christlichen Vereinigung von Nigeria (Christian Association of Nigeria) forderte mehr Schutz für die Bevölkerung im Südlichen Kaduna.

Noch weitere Anschläge

In Damaturo, der Hauptstadt von Yobe wurden durch Anschläge ebenfalls am 4. 11. 2011 auf Polizeistationen und Kirchen über 60 Personen getötet. Auch in der Stadt Maiduguri starben viele bei einem Selbstmordanschlag auf eine Militärstation.
Man vermutet die Islamistische Gruppe Boko Haram hinter den Anschlägen, die eine strenge Form der Scharia einführen will. Sie lehnen westliche Erziehung als Sünde ab. Boko Haram heißt wörtlich Bücher sind Sünde.
In dem hauptsächlich von Christen bewohnten Viertel Jerusalem von Damaturo wurden neben einer Polizeistation sechs Kirchen Ziel des Anschlages.
Nicht zufällig beginnt heute das Islamische Opferfest (Eid al-Adha / Kurban Bayrami). Am heutigen Freitag beginnt die Wallfahrt in Mekka, tags darauf stehen die Besteigung des Bergs Ararat und das Opferfest Eid al-Adha an. Es werden Schafe, Ziegen, Rinder oder Kamele geschächtet. Danach wird der Hadsch mit der symbolischen Steinigung des Teufels abgeschlossen. Die Opfer werden aber nicht nur in Mekka dargebracht, sondern überall, wo Moslems wohnen.
Links:  Punch
The Nation

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