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Zahlen zum Missbrauch – JoBos Blog

Eigentlich sollten sie erst am 25. September rauskommen, aber dann lagen sie doch bereits heute vor: die Zahlen der DBK-Studie zum Missbrauch. Danach hat es von 1670 Priestern, Diakonen und männliche Ordensangehörigen in der Zeit von 1946 bis 2014 sexuelle Übergriffe auf (überwiegend männliche) Kinder und Jugendliche gegeben. 1670 von 38.156 – 4,4 Prozent Täteranteil. Damit viermal höher als in der Bevölkerung, in der von etwa ein Prozent Männern mit pädophilen Neigungen ausgegangen wird. Das ist signifikant. Und das finde ich schon bedenkenswert. Weiterlesen

Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen: Alles muss aufgedeckt werden

Ein früherer Domspatzen-Schüler berichtet, wie ihn der damalige Domspatzen-Direktor Johann Meier im Speisesaal „wie besessen“ verprügelt habe, weil er seinen Schweinsbraten nicht aufgegessen habe. Er habe geprügelt, „wo immer er mich treffen konnte, bis er nach wohl einem Dutzend Schlägen erschöpft aufhörte“. Georg Ratzinger, der Bruder von Josef Ratzinger (Ex-Papst Benedikt XVI) habe daneben gesessen und gelacht. Dessen Äußerungen in der Passauer Neuen Presse klingen ganz anders. Von Ohrfeigen habe er zwar gewusst, aber die seien „im Rahmen des Üblichen“ gewesen.
547 Regensburger Domspatzen sind seit 1945 nach Angaben des Sonderermittlers Ulrich Weber missbraucht worden. Der Anwalt hat nach einer zweijährigen Untersuchung des Missbrauchsskandals bei dem weltberühmten Knabenchor seinen Abschlussbericht vorgelegt. 500 Chorkinder hätten körperliche Gewalt erlitten, 67 sexuelle Gewalt.
Weber sagte, die Opfer beschrieben die Zeiten bei den Domspatzen im Nachhinein als „Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager“ oder als „schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit“.
Bischof Rudolf Voderholzer hat seit Beginn seiner Amtszeit in Regensburg Anfang 2013 die Aufklärung des Skandals maßgeblich vorangetrieben. Seinem Vorgänger Kardinal Gerhard Ludwig Müller (bis vor Kurzem Präfekt der Glaubenskommission in Rom) war wiederholt vorgeworfen worden, die Aufklärungsarbeit behindert zu haben. Er hatte mehrfach gesagt, der Missbrauch durch Priester sei von Medien aufgebauscht worden.
Jetzt aber kommt der Missbrauch und die Gewalt ans Tageslicht. Jesus sagte: Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden (Lk 12,2-3). Die Wahrheit wird euch frei machen (Joh 8,32). Jedes Kind, das sexuell missbraucht wurde, erlebte Fürchterliches. Gott wurde mit jedem Kind, das geschlagen wurde, auch geschlagen.
Quelle: Zeit Online
Quelle: SZ 2016,   SZ2017
Quelle: Passauer Neue Presse

Die Opfer des Missbrauchs werden instrumentalisiert

Frau und MannDie Österreichische Opferschutzkommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic hat jener heute 45-jährigen Frau, die zwei Geistliche wegen sexueller Nötigung angezeigt hatte, eine Entschädigung von 15.000 Euro zuerkannt. Die Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt kritisierte, dass sie nur wegen eines Übergriffes, nicht aber wegen beider möglicher Übergriffe Entschädigungen bekommt. Die Opferschutzkommission begründet es damit, dass die Frau bei dem möglichen anderen Vorfall schon volljährig war und die Staatsanwaltschaft das Verfahren (deswegen) eingestellt hat.

Die Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt möchte den Opfern helfen, sie vertritt diese 45 jährige Frau und nennt auch ihren Vornamen. Die Plattform kritisiert auf ihrer Homepage aber auch die Agrarförderung für kirchliche Einrichtungen und ist Mitbegründerin des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien. Die Plattform zieht in ihren Veröffentlichungen heftig gegen den katholischen Glauben zu Felde. Das ist jedermanns Recht, aber nicht immer jedermanns Sache. Die Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt sieht sich trotz aller Polemik als unabhängige Organisation. Man kann sich hier des Eindrucks nicht erwehren, dass sie eine kirchenfeindliche Ideologie vertritt und die Opfer sexueller Gewalt instrumentalisiert. Werden die Opfer von sexueller Gewalt benutzt, um gegen die katholische Kirche zu kämpfen, werden sie wiederum – in einem anderen Sinne – missbraucht, was ihnen schweren Schaden zufügen kann.

Link: ORF

Die hoffnungsvolle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

Man kann zuversichtlich sein, dass durch die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle neue Sichtweisen in der Kirche sich durchsetzen:

  1. Die Sicht der Opfer: Es ist ein schmerzlicher Prozess, bis ein Opfer sexueller Übergriffe die Wahrheit sehen kann. Früher war diese lange Dauer ein Argument der Bischöfe für die Unglaubwürdigkeit des Opfers.  Heute wird von den Bischöfen immer betont, dass von den Opfern auszugegehen ist.  Ihnen ist zu glaubens, sie sind geschädigt und traumatisiert, sie müssen um Verzeihung gebeten werden und ihnen muss jegliche Hilfe zuteil werden. Die Bischöfe müssen mit ihnen reden.
  2. Die Transparenz ist herzustellen: Es kann nichts mehr vertuscht werden und es kann nicht mehr der Schwarze Peter der Gesellschaft, dem Teufel oder der sexuellen Revolution zugespielt werden.  Jetzt heißt es genau hinschauen und die Verantwortung wahrnehmen.
  3. Die Verantwortlichkeit liegt beim Klerus: Einerseits sind die Priester, die sich an Kindern und Unmündigen vergangen haben, verantwortlich für ihre Taten. Sie haben ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt, das durch ihren Status herstellbar war. Andererseits sind die Bischöf verantwortlich, die die Opfer nicht ernstgenommen haben, denen der Corpsgeist wichtiger war die Priester in der Pastoral versetzt haben, obwohl sie wussten, dass der Priester Kinder missbaucht. Ein Rücktritt eines Bischofs ist da angebracht.
  4. Solide Untersuchung und Hilfe: Die Broschüre „Verhinderung sexuellen Missbrauchs“ der Erzdiözese Wien ist ein gutes Beispiel für eine hoffnungsvolle Aufarbeitung dieser Vorfälle: http://stephanscom.at/service/dokumente/verhinderungvonmissbrauch.pdf. Es werden klare Verhaltensanweisungen ausgearbeitet und auch Diözesangesetze geändert.
  5. Die Zeit des Pflichtzölibats ist vorbei. Es stimmt vielleicht, dass die zölibatär lebenden Priester und Ordensangehörigen weniger oft Kinder missbrauchen als andere Männer. Es kann sein, dass die Priester und Erzieher sich mehr an die Moral halten als andere. Aber die Täter geben immer wieder an, dass ihre Einsamkeit und ihre unerfüllten sexuellen und erotischen Gefühle sie zu dieser Tat brachten. Durch die Abschaffung des Pflichtzölibats, (den es in den katholisch unierten Kirchen ja auch nicht gibt), würden die Priester nicht unter der Einsamkeit und ihren unbefriedigten sexuellen Wünschen leiden.  Sie müssen ja auf ein Menschenrecht verzichten: Enweder sie verzichten auf das Recht auf Familie oder auf das Recht auf freie Berufswahl.
  6. Durch absolutistisches Entscheiden sind Bischöfe und Pfarrer überfordert. Für ihre pastoralen,  liturgischen und verkündigenden Vorgangsweisen sind sie nur ihrem Gewissen verantwortlich. Es gibt kaum ein von den Getauften gewähltes Gremium, das dem Pfarrer oder dem Bischof Entscheidungen abnehmen oder einen Kleriker wegen einer Verfehlung zur Rechenschaft ziehen kann.
  7. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Man kann viele gute Ansätze in den Diözesen erkennen: Regeln im Umgang mit Kindern und Unmündigen, Supervision und Teamarbeit und Kontrolle der Erzieher.  Diese genauen Untersuchungen werden aber auch die Zwänge und Überforderungen der Priester und Bischöfe aufdecken. Das ist jedenfalls schon viel auf dem steinigen Weg, den das Volk Gottes gehen wird.