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So viel Wut. Wo bleibt die Resonanz?

Soziologe Hartmut Rosa versucht mit der der sogenannten Resonanztheorie die Wut in den westlichen Gesellschaften zu erklären.

Im Europajournal brachte der Sender Ö1 am 30.August 2019 ein Gespräch mit Hartmut Rosa, in dem er betonte:

Menschen gerade in den westlichen Staaten sind extrem wütend und sie finden immer einen Grund für die Wut. … Es ist meine Überzeugung, dass die Quelle der Wut offensichtlich tiefer liegt. Es können gar nicht die Ausländer sein oder die Nicht-Ausländer oder die Ökologie. Sondern es ist nach meiner Auffassung die Welthaltung, die Grundhaltung zum Leben, die wir ausgebildet haben und institutionell verankert haben und das nenne ich einen Aggressionsmodus vom Leben.

Ich erinnere mich an René Girard, der von Wut und von Gewalt spricht, die in uns schlummert und beim nachahmenden Begehren zur Rivalität und zum Kampf jeder gegen jeden führt. Raymund Schwager bringt diese Wut in Beziehung zu einer fehlenden Gottesbeziehung.

Als Antwort bietet Hartmut Rosa die Resonanz an. Sie richtet die Menschen auf etwas anderes aus, das nicht immer mehr bedeutet und nicht funktionalisiert ist. Ich würde sagen, es ist das Du. Es ist Gott.

Gestern sprach ich mit einem Freund über Wutbürger und um 18:20 sprach Hartmut Rosa im Ö1 Europajournal über das Thema! Ein Zufall? Seine Lösung der Resonanz war, wie wenn ich im Hintergrund Martin Buber (Du) oder Eric Voegelin mit der Pneumapathologie hören würde.

Es braucht einen Gott, der uns von dieser grundgelegten Aggression befreit, damit wir eine gute Gottesbeziehung geschenkt bekommen. Das macht der Sohn Gottes, der unsere Aggression auf sich nimmt und uns einen neuen Geist gibt.

Das Christentum ist nicht per se gewaltlos, es braucht den säkularen modernen Staat, der das Gewaltmonopol innehat und eine Gewaltenteilung von Legislative, Exekutive und Judikatur kennen muss.
Die Christenheit wird geleitet vom Heiligen Geist, der hilft, einen kreativen Spagat zwischen gewaltbereitem Staat und gewaltloser Kirche herzustellen.

Europa-Journal, Sommergespräch: Hartmut Rosa
Moderation: Markus Müller-Schinwald

Youtube: Resonanz: Hartmut Rosa über die Soziologie des guten Lebens
Zukunftswerkstätte: Resonanz: Der Schlüssel zur Welt. Artikel von Patrick Wienecke
Wolfgang Palaver: Der mimetische Zirkel (Gewalt und der „Gott der Opfer“) Die mimetische Theorie René Girards ermöglicht eine fruchtbare Analyse des Verhältnisses von Religion und Gewalt.
Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? Gewalt und Erlösung in biblischen Schriften.

Sartre wollte sein Werk umschreiben

Wenn ich Subjekt bin, wie behandle ich die Anderen? Am Anfang stand für J. P. Sartre fest, dass  er gezwungen war, die anderen Menschen zu Objekten zu machen. Auch die anderen Menschen um ihn machen ihn zum Objekt. „Die Hölle – das sind die Anderen.“ Auch im Tod noch ist das Subjekt ein Objekt der Anderen: „Tot sein heißt den Lebenden ausgeliefert sein.“

Diese Überzeugung änderte sich für Sartre in den letzten Jahren seines

J.P. Satre, 1905 - 1980

J.P. Satre, 1905 - 1980

Lebens. Im Interview mit Benny Lévy, das nach seinem Tod mit dem Titel „Brüderlichkeit und Gewalt“ herauskam, kündigte er ein Buchprojekt an, das sich vor allem mit dem „Sein für Andere“ beschäftigt. Er las Martin Buber und sah in den Anderen kein behandeltes Objekt mehr, sondern Menschen begegnen in verschränkter Weise dem anderen Ich in der Beziehung von Subjekt zu Subjekt. Er wollte sein ganzes früheres Werk umschreiben. Was hätte sich dabei geändert?

Reinhard Olschanski in „der Freitag“ 14.04.2000

OE1 Denken im Alter