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Amoris Laetitia: Gotteserlebnis im Ehebett?

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Papst Franziskus setzt mit seinem neuen Rundschreiben „Amoris Laetitia“  eine Neubewertung der Erotik und der Sexualität durch. Beide sind nicht mehr nur ein Beiwerk für die gegenseitige Unterstützung und für die Fruchtbarkeit sondern auch ein Geschenk Gottes, bei dem sich die Ehepartner nicht nur selber schenken, sondern sie schenken sich damit auch Gott. Der Geschlechtsakt wird so zu einer Gottesoffenbarung, einer Epiphanie, wie es auch die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovits schreibt:
„Es gibt gerade in der christlichen Ehe (und vielleicht nur in ihr) die Stelle, wo der geschlechtliche Vollzug, das Spiel von Frau und Mann, in die ursprüngliche Freiheit, Spontaneität und Göttlichkeit des Eros eingerückt wird. So merkwürdig das klingt: Eben das Göttliche ist im Gedanken des Sakraments der Ehe enthalten und mehr noch: gewahrt. Dabei ist auszugehen von der Ursprungsbedeutung jedes Sakraments, das im sinnlichen Zeichen Gott, die unsichtbare Gnade, gegenwärtig setzt. Im Vollzug der geschlechtlichen Einung, im Vollzug der Liebe gerade auf ihrer leiblichen Ebene, findet die Epiphanie (Offenbarwerden) Gottes statt. Nicht der Priester spendet jenes Sakrament, sondern die beiden Liebenden lassen Gott erscheinen im Akt ihrer geschlechtlichen Vereinigung als dem sinnlichen Zeichen seiner wundervollen Präsenz. … Es geht um die Anwesenheit Gottes in der Liebe.“
Erotik und Religion: Beide brauchen einander, wie es Andrew Greeley meint. Erotik ohne Religion ist seicht und oberflächlich. Religion ohne Erotik ist kalt und hart. Erotik braucht Religion, um nicht banal zu sein. Religion braucht Erotik, um die Sinne zu schärfen. Erotische Menschen sind oft tief religiös und religiöse Menschen sind oft tief erotisch. Mit Gott ist die tiefe Freude an dem Geschenk des spannungsvollen erotischen Spiels möglich.
(Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Eros, Glück, Tod, Gräfelfing, 2001, S. 19)
Kardinal Christoph Schönborn und Kardinal Lorenzo Baldisseri stellen Amoris Laetitia vor.

Amoris Laetitia auf Deutsch

Die Menschwerdung Gottes wurde diesmal verlegt

Maria sagte JA

Maria sagte JA

Normalerweise wird die Verkündigung von Jesus Christus (Verkündigung des Herrn, Annuntiatio Domini, Conceptio Christi (‚Empfängnis Christi‘)) am 25. März, genau neun Monate vor Weihnachten gefeiert. Da dieses Hochfest diesmal in die Karwoche fiel, wurde es auf den Montag nach dem ersten Sonntag nach Ostern verlegt. Diesmal fragt der Engel Gabriel am 4. April Maria, ob sie bereit sei. Es geht um nichts Größeres als um die Menschwerdung des allmächtigen Gottes. Maria sagte bekannter Weise „Ja“ und die Heilige Ruach, die im Hebräischen der Heilige Geist ist, kam über sie, die Kraft des Höchsten überschattete sie und sie wurde mit Jesus schwanger. Es ist für gläubige Christen ein singuläres Ereignis, eine Singularität, bei der der allmächtige Gott ein Mensch wurde, um den Sinn des Lebens zu zeigen: Die Liebe zu Gott und zu den Nächsten.

Gott liebt Conchita

Liebe Conchita!

Du bist sehr kreativ, entwirfst schöne Kleider, schminkst dich geschmackvoll und siehst das Gute in der Welt. Du bist freundlch zu allen und dankbar für das, was dir gegeben ist. Ich glaube, dass du von Gott geliebt wirst und dass er dir viele Talente und Fähigkeiten geschenkt hat. Du nimmst Teil an seiner Kreativität und bist in deinem Herzen ein Ebenbild des guten Gottes!

 

Ostern: Gott zeigt sich und erlöst uns

Jesus Christus offenbart Gott

Jesus offenbart Gott Vater als einen guten Gott

JESUS HILFT DEN AUSGESTOßENEN

Hat uns Jesus durch seinen Tod von den Sünden erlöst? Nein.

Warum soll sein Tod etwas bringen? Der Tod ist immer ein Hinübergehen zu Gott. Wenn jemand zu Gott geht, wie soll er dadurch jemand von Sünden (und Schuld) erlösen?

Sünden sind einerseits bewusst begangene schlechte Taten, andererseits bewirken Sünden eine „Absonderung“ von den Gemeinschaften. Es gibt zwei Gemeinschaften: Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft mit Menschen. Diese Wirkweise von Sünde wollte Jesus durchbrechen und Menschen mit und ohne Sünden sammeln und ihnen die Sünden vergeben.

Wenn Jesus die Sünden erlässt und die Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen holt, braucht er nicht Leiden und Sterben, damit sie in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen kommen können.

DIE OFFENBARUNG GOTTES

Wodurch hat er uns dann erlöst? Er zeigt uns den Vater. Diese Offenbarung Gottes ist die große Erlösung.

Warum muss er dann diesen Weg zu den Hohen Priestern und in den Tod gehen? Er lässt sich aus zwei Gründen gefangen nehmen.

1. Er wollte den Priestern eine Chance geben, bei der Sammlung des Gottesvolkes dabei zu sein. Jesus predigte Feindesliebe und jetzt musste er sich entscheiden: Flucht, Gewalt oder Feindesliebe

2. Er war sich bewusst, dass er die Offenbarung Gottes war. Eine Offenbarung, in der sich Gott als gewaltfreier und die Feinde liebender Gott zeigt. Da kann er nicht kneifen.

ER SCHENKT HERRLICHKEIT

Was haben Menschen davon, wenn Gott solch eine Botschaft hinterlässt?

1. Sie haben einerseits eine gewisse Sicherheit, was der Urgrund des Universums will. Das gibt Sinn. Er ist nicht das eine Mal böse und dann wieder barmherzig. Er ist nicht einmal gewalttätig und dann wieder zärtlich. Er ist nicht einmal hinterhältig und dann wieder wahrheitsliebend und treu. Nein, er ist durch die Offenbarung eindeutig ein guter, gütiger, schöner und wahrer Gott.

2. Andererseits lädt er zu einer Freundschaft mit ihm ein, die sehr heilsam sein kann. Denn in den Verstrickungen des sozialen Lebens mit den Rivalitäten und Begehrlichkeiten ist es gut, eine dritte Richtung und Beziehung zu haben, die ins unendliche weist. Das kann vieles heilen.

3. Zum dritten ist der Weg in die Herrlichkeit mit ihm dadurch geöffnet. Jeder Mensch kann darauf hoffen, dass er in die Herrlichkeit der Liebe Gottes aufgenommen werden kann.

DREI OFFENBARUNGEN BEFREIEN

Die Erlösung geschieht durch die Selbstoffenbarung Gottes. Jesus ist das Fenster zum Vater: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ Gottes Wille zur Feindesliebe sehen die Menschen nicht im Leiden Jesu, sondern in seinen 7 Worten am Kreuz und im Verzicht auf Gewalt. Er lehnt es ab, ein rivalisierender Herrscher unter anderen zu sein. Als Urgrund des Universums reagierte er auf die Ablehnung seiner Offenbarung mit Sanftmut.

Er starb in die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, um als Lebendiger seinen Freundinnen und Freunden zu erscheinen. Dies war die zweite Offenbarung. Die dritte Offenbarung war die Ermutigung durch den Gottesgeist: Gott als Mutmacher. Er erlöst von der Angst und macht Mut. Er erlöst von der Einsamkeit und sammelt zu neuer Gemeinschaft.

Die Selbstoffenbarung Gottes erlöst und befreit uns Menschen.

Danke Benedikt!

Papst BenediktDanke Benedikt, für Deine Arbeit über die Geschichtstheologie von Bonaventura, wo Du herausgearbeitet hast, dass sich Gott bei der Beschäftigung mit der Schrift und mit den Heiligen an Gott selbst sich offenbart.

Danke Benedikt, dass Du die Bischöfe beim II. Vatikanischen Konzil so zukunftsorientiert beraten hast.

Danke Benedikt, für Deine Regensburger Rede, wo Du die Vernunft wieder auf ihren angestammten Platz gesetzt hast.

Danke Benedikt, für Deine erste Enzyklika „Caritas Deus est“, in der Du die Liebe in den Beziehungen der Menschen mit den liebevollen Augen Gottes nachgezeichnet hast.

Danke Benedikt, dass Du die sexuellen und gewalttätigen Übergriffe in der Kirche ausnahmslos verfolgen ließest.

Danke Benedikt, dass Du in kluger Weise Deine körperliche und geistige Situation als Grund für Deinen Rücktritt wahrgenommen hast.

Danke Benedikt, dass Du Deinem Nachfolger Gehorsam gelobt hast, damit dieser das Schiff Petri gut durch die Zeiten lenken kann.

Jesu Geburt ist um Himmels Willen nicht alles!

Geburt des Gottessohnes und die Erscheinung Gottes

Geburt des Gottessohnes und die Erscheinung Gottes

Wir, die Christinnen und Christen warten auf zwei Ereignisse im Advent. Das erste ist die Geburt des Gottessohnes unter uns. Es ist nicht nur ein Ereignis vor 2000 Jahren in Betlehem, sondern die Geburt ereignet sich unter uns. Es ist eine Geburt, die wir als Gesamtheit der Christenheit als unsere Geburt in Jesus Christus erleben. Wir, als Christenheit sind der lebendige Christus, der zu Weihnachten geboren wird. Es ist dies unsere eigene  Geburt von uns als Christinnen und Christen.

Das zweite Ereignis, das wir zu Weihnachten erwarten, ist die Wiederkunft Christi und die Erscheinung Gottes. Es ist die Schau vom Ende der Welt. Wir dürfen ans Ende der kosmischen Geschichte sehen. Was sich dort abspielt, ist der Sieg über das Böse und das Hineingehen in die unendliche Liebe und Herrlichkeit Gottes.

Wie ist das möglich und wie ist das genauer? Durch die Taufe sind wir Christinnen und Christen in das Christusereignis hinein getaucht und erleben jedes Sakrament und jede Feier als Teil in diesem Christusdrama. Wir werden mit Christus geboren, leben mit Christus in Israel, leiden mit ihm, sterben mit ihm und werden mit ihm von seinem göttlichen Vater auferweckt. Wir dürfen schon das Ende sehen, wo wir das Kommen Jesu schauen, seine endgültige Überwindung des Bösen und wie er uns in die Herrlichkeit des Vaters führt.

Zu Weihnachten erleben wir die Geburt, die sich neun Monate davor schon angekündigt hat. Die Christenheit ist in diesen neun Monaten mit Maria schwanger und geht mit ihr und Josef nach Betlehem. Die letzten Wochen und Tage vor Weihnachten erleben wir intensiv diese Schwangerschaft. Wir sind mit Christus schwanger und erleben in Betlehem die Geburtswehen.

Warum die christlichen Kirchen an die Dreifaltigkeit glauben

Bevor die Erde erschaffen wurde, gab es schon Gott. In ihm liebte Gott Vater Gott Sohn im Heiligen Geist und Gott Sohn liebte Gott Vater schon vor der Erschaffung der Welt im Heiligen Geist.
1.
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Der Geist schwebte über dem Wasser. (Genesis 1)
Der Heilige Geist war bei der Schöpfung dabei. Er legte sich als Geist in die Materie und gab der Materie ein Ziel: Auf den Gott Sohn sich hin zu entwickeln.
2.
Im Anfang war das Wort (Logos), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst…(Johannes legte Zeugnis ab für das Licht) Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
(Johannes 1, 1-5.9)
Jesus: Ich bin das Licht der Welt (Johannes 8,12)
Das Johannesevangelium bezeugt: Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes 1,11)
Das Johannesevangelium sagt ganz deutlich: Und das Wort (Logos) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Johannes 1,14)
3.
Die erste Taufformel besagt:
Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Mit dieser Formel taufen die Jünger im Auftrag Jesu:
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28,18-20)
(Diese Taufformel ist auch in der Didaché bezeugt (Didaché 7,1)
4.
Die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist so stark, dass diese Liebe eine eigene Person ist, der Heilige Geist. Wenn Gott Sohn in Maria Mensch wird, kommt der Heilige Geist über sie. Wenn Jesus sich taufen lässt, kam der Heilige Geist auf ihn herab und führte ihn 40 Tage in die Wüste. Am Ende seines Lebens gab er den Heiligen Geist Gott Vater wieder zurück. Die Auferweckung ist das Zeichen Gott Vaters, dass Jesus sein geliebter Sohn ist. Als Auferstandener sendet er seinen Jüngern den Heiligen Geist. Dieser wirkt unter uns.

5. Jesus Christus als Brot
Jesus Christus ist bei uns bis zum Ende der Welt (Matthäus 28,18-20). Er sagt: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20). Deswegen kann er unter uns auch in Form des Brotes in der Messe anwesend sein.

6. Jesus Christus erfüllt das Gesetz.
Paulus sagt: Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen.“ (Galater 5,13)
Durch Christus ist wirkliche Freiheit möglich. Menschen sind nicht frei, weil sie sich von Gott abwenden. Das jüdische Gesetz fordert die Hingabe an Gott, aber zeigt auch, dass Menschen Sünder sind, weil die Gesetze übertreten werden. Wenn Menschen aber mit Jesus Christus leben, ist das Gesetz zu Ende gekommen (Römerbrief 10,4: Jesus Christus ist das Ende des Gesetzes) und von Jesus erfüllt (Matthäus 5,17). Der Sünder, der mit der Taufe in den Lebensraum des Auferstandenen eintritt, darf in der Liebe Christi angstfrei glauben, hoffen und lieben.

Das leere Grab ist eine Manifestation Gottes

Das leere Grab ist für mich der Eingriff Gottes in die Geschichte. Egal, ob er der einzige oder einer von vielen großen Eingriffen ist, er ist für mich ein gutes Zeichen. Es gab ja einen zweiten Raum in Israel, der leer war, das Allerheiligste im Tempel. Er war die Manifestation der Herrlichkeit Gottes, in den der Hohepriester am Versöhnungstag hineinging und das Versöhnungsgebet sprach. Das leere Grab ist eine andere Manifestation. Es ist die Bestätigung der Liebe des Vaters zum Sohn. Der Vater nahm den ganzen Sohn, mit Leib und Seele, in die Herrlichkeit Gottes. Dieser Sohn möchte uns mitnehmen in die Herrlichkeit Gottes.

Ich vermute, dass die Zeit des mechanistischen Weltbildes vorbei ist, in dem alles nach Naturgesetzen abläuft und jeder Eingriff Gottes geleugnet wird. Anscheindend ist es möglich, Vertrauen in die Welt mit ihren Gesetzmäßigkeiten zu haben und gleichzeitig Vertrauen in den Schöpfergott zu haben, der durch seine Eingriffe unser planendes Handeln nicht verunmöglicht. Denn wenn ich jeden Tag einen großen Eingriff Gottes erleben würde, wäre ein planendes Handeln nicht möglich. Es gibt sicher Eingriffe Gottes, die wir nicht bemerken und die erst im Nachhinein erahnt werden. Das Ereignis vom leeren Grab ist für mich wie der brennende Dornbusch eine Selbstoffenbarung Gottes.

Das ist sanftmütiger nicht zu denken

Vorbilder sind trotz aller Autonomiewünsche für das Handeln äußerst wichtig. Eines dieser Vorbilder war der Nazarener. Jesus war ein Vorbild in der Sanftmütigkeit und Gewaltlosigkeit. Auch wenn er in einer prophetischen Symbolhandlung Händler und Geldwechsler aus dem Tempel trieb, so rief er nie zu Gewalthandlungen auf und auch als Auferstandener rächte er sich nicht für seinen gewaltsamen Tod. Er brachte den abtrünnigen Jüngern bei seinen Erscheinungen seinen Frieden und bot ihnen seine Versöhnung an.

Christinnen und Christen können ihm nachfolgen und ihn nachahmen. Wie hätte Jesus in dieser Situation gehandelt, ist eine Frage, die sich Christinnen und Christen in der Nachfolge stellen. Die sündhafte Mimetik wird durch eine jesuanische Mimetik aufgehoben.

Sein göttlicher Vater bestätigte ihn und seine sanftmütige Praxis, indem er ihn auferweckte. Der römische Hauptmann, der die Kreuzigung überwachte, nahm diese Bestätigung durch seinen himmlischen Vater vorweg: „Wahrlich, das war Gottes Sohn!“ Zwei andere sehr bekannte Vorwegnahmen der Bestätigung als Sohn und Messias waren die Taufe im Jordan und die Verklärung am Berg Tabor.

Als er sich von Johannes taufen ließ, bestätigte ihn sein göttlicher Vater als „geliebten Sohn“ und bei der Verklärung stand er voll im himmlischen Licht zwischen dem Gesetzbringer Moses und dem Urpropheten Elias. Jesus ging aber nicht als dritte Figur in die Geschichte ein. Eine Stimme hörten seine Jünger: „Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“

Jesus wusste sich von seinem Vater gesandt. Er war aber nicht nur der Überbringer einer Botschaft, wie es in der Bergpredigt zu hören war, sondern er zeigte einen so gütigen und so gerechten Gott, dass er größer in seiner Güte und in seiner Gerechtigkeit nicht gedacht werden kann.

Das Göttliche als Sinn des Daseins

Vortrag von Volker Gerhardt (Humboldt Universität Berlin): am Do, 4. 3.2010 auf der Universität Wien, Katholische Fakultät. Eingeladen hat Prof. Rudolf Langthaler, Institut für Christliche Philosophie.

Gerhardt referierte zuerst die Stationen des Glaubensverlustes bei Charles Darwin, um dann über die vernünftige Selbsterkenntnis auf die Sinnmuster des menschlichen Daseins zu kommen. Der Glaube gibt der Vernunft den Sinnhorizont. Das Folgende ist eine Mitschrift von mir (Hannes) und stellt keinen Anspruch auf  Vollständigkeit und Fehlerfreiheit.

1. Stationen des Glaubensverlustes bei Charles Darwin

In seiner autobiographischen Notiz bezweifelte Charles Darwin die moralische Zuständigkeit Gottes. Er sieht im Alten Testament einen rachsüchtigen Gott handeln, dessen Moral unglaubwürdig ist. Aber auch das Neue Testament berichtet von Wundern, die gegen die Naturgesetze sind und die Gott nicht machen würde. Wenn man die Natur untersucht, könne man nicht einen Plan oder Design in der Geschichte des Lebens erkennen. Darwin nahm vorerst noch Gott als letzte Ursache der Welt an und war „Deist“. Aber auch dies war später für ihn nicht sicheres Wissen, sodass er sich als Agnostiker verstand.

Woran er glaubte, war der Mensch. Man brauche nur der inneren Richtschnur des Gewissens folgen, um das höchste Glück im menschlichen Leben zu erreichen.

2. Der Glaube an den Menschen

In seinem Glauben an den Menschen war er Kind seiner Zeit. Er tauschte Gott mit dem Menschen. Dies ist aber ein Missverständnis. Gott ist in der philosophischen Tradition kein Gegenstand des Wissens.

Es geht Darwin um mehr als um Achtung, es geht ihm um Liebe, um Philanthropie, um Menschenliebe. Aber dass er an die Stelle Gottes den Menschen stellt, ist voreilig

3. Die Hoffnung auf die Umstände

Wir haben heute einen Erkenntnisvorrang. Der Mensch kann sich und viele Lebewesen in den Untergang stürzen. Er kann auch den Untergang der Evolution bewirken. Der Mensch als Individuum ist von Umständen abhängig, die er nicht mehr beeinflussen kann. In seiner  Philanthropie erkennt er, dass er in einem über ihn hinausweisenden Zusammenhang steht.

4. Das Individuum in seiner Beziehung zur Kultur und zur Gesellschaft

Gerhardt fragt: Warum ist es sinnvoll, von einer Gattung Menschheit, von einer menschlichen Art zu sprechen? Dies steht im Zusammenhang mit den guten Taten, die nicht nur für den jeweils anderen wichtig sind, sondern sie sollen Sinn für die ganze Menschheit haben. Der Mensch muss wissen, wer er ist, um sinnvoll helfen zu können.

  1. Die Fähigkeit zur Vernunft muss er als etwas Eigenes erkennen. Die eigene Vernunft ist aber auch Teilhabe an der allgemeinen Vernunft
  2. Es setzt Verständnis für den Anderen voraus.
  3. Die gute Tat soll auch real Wirkung auf den Zustand der Menschheit haben.

Als Philanthrop erwarte ich, dass die anderen das auch machen, dass ich ein Vorbild für andere bin. Jeder braucht einen Sinn, der ein innerer Zusammenhalt von Individuum und Gesellschaft darstellt.

5. Der Sinn

Gerhardt erkennt 6 Stufen von Sinnzusammenhängen (und zwei weitere)

  1. physischer Sinn: körperliche Sinnerfahrung
  2. physiologischer Sinn: Sinn von physikalischen und biochemischen Funktionen bei einzelnen Lebewesen
  3. generativer Sinn: Sinn der Vermehrung von Lebewesen
  4. sozialer Sinn: Sinn der Gemeinschaften
  5. psychologischer Sinn: Sinn der Emotionalität, der gefühlsmäßigen Aktionen und Reaktionen
  6. semantischer Sinn: Sinn der Bedeutungen, der Zeichen, der Sprache

6. Existentieller Sinn: Auf dieser Sinnstufe stellt das Individuum die Frage: Was ist vernünftig? Es werden sinnvolle Ordnungen und Orientierungen gesucht und gefunden. Diese Sinnebene ist der kulturelle Bereich. Der existentielle Sinn gibt den Personen Festigkeit. Er beruht auf Gründen. Es können Ziele verfolgt werden.
7. Universeller Sinn und der Sinn des Sinns: Dieser Sinn besteht in der Herstellung von Verbindungen von den Teilen zur Ganzheit. Auch das Ganze hat Sinn. In der Totalität erfährt sich der Mensch als Teil und als zugehörig zur Welt.
8. Die Welt ist der alter ego des Menschen.

Die Welt ist unsere Heimat. Das Individuum hat ein Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Welt, es erfährt sich im Konsens mit ihr. Den Dissens erlebt der Mensch im Klagen, den Konsens im Danken. Diese Sinnerfahrung hat die Qualität des Göttlichen.

9. Die Universalität des menschlichen Sinnmusters

Das Vertrauen erwartet einen Sinn des Ganzen. Menschen vertrauen auf einen letzten Sinnhorizont. Ohne ihn wäre alles nicht stimmig. Dieser Horizont ist das Göttliche, der Sinnrahmen. Es ist der Horizont, den Nietzsche meint, als er vom Tod Gottes spricht. „Wir haben den Horizont weggewischt.“ Die Metapher des Horizonts beschreibt den letzten Sinn, das Göttliche. Wer den letzten Sinnhorizont nicht sucht, wird Gott nicht finden. Das Individuum muss sich ihm hingeben, wenn der Sinn im Alltag fraglich geworden ist. Gott ist nicht ein Gegenstand. Auch Eigenschaften wie allmächtig, gut, schön, eins und wahr machen ihn zu einer handhabbaren Tatsache und verfehlen ihn.

10. Die innere Beschreibung des Göttlichen

In ihm ist jeder Sinn aufgehoben. Der Sinn ist das Tragende, der Glaube gibt der Vernunft Sinn. Alles ist im Sinn aufgehoben.

Plato sieht die Seele dem Göttlichen am nächsten.

Das Wissen benötigt Vertrauen und damit Glauben.

Aus der anschließenden Diskussion:

Können wir uns das Göttliche personal vorstellen? Ja, weil ich eine personale Beziehung mit dem Sinnhorizont haben kann, ohne dass ich Gott figurativ oder gegenständlich sehen muss.

Camus: Der Satz „alles ist sinnlos“ muss Sinn haben.

Autoren: Hannes Daxbacher