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Das Unerwartete erwarten

Sie gingen in Betlehem zum Kind in der Krippe

Sie gingen in Betlehem zum Kind in der Krippe

Ich liebe diese Hirten, die auf dem Feld Nachtwache bei ihrer Herde hielten. Dass ein Engel kommt und der Glanz Gottes sie umstrahlt, war für sie nicht vorhersehbar. Denn das war etwas entgegen aller bekannten physikalischen Gesetze und die Hirten waren arm, aber nicht blöd. Dass ihnen ein Engel erscheint, konnten sie in ihren kühnsten Träumen nicht erwarten. Ich kenne Mitmenschen, die solche Engelerscheinungen nicht wollen. Sie wollen, dass alles planbar bleibt. Wenn Engel erscheinen, dann bricht eine andere Welt herein und vieles ist nicht mehr verfügbar und kontrollierbar. Ich wäre auch fassungslos, wenn der Glanz Gottes um mich herum strahlt. Ich weiß nicht, ob mich der Engel mit „Fürchte dich nicht!“ beruhigen könnte. Auch nicht mit dem Zweiten: „Ich verkünde dir eine große Freude. Heute kommt Gottes Sohn.“ Ich wäre tief erschüttert. Der große Theologe Romano Guardini kniete allein schon bei solch einem Gedanken vor Anbetung nieder. Vielleicht sollte ich doch das Unerwartete erwarten. Vielleicht sollte ich doch zur Krippe gehen.

Du bist willkommen, wie du bist

Geburt ChristiZur Krippe darfst du kommen, wie du bist!
Komm mit deinen heimlichen Tränen!
Nimm dein Leid mit, deine Sorgen!
Komm mit allen deinen Fragen!
Bring auch deine Fehler mit und deinen Ärger!
Komm, an der Krippe ist wirklich niemand fehl am Platz!
Wenn du ruhig geworden bist und Trost gefunden hast, geh noch nicht fort!
Mach‘ erst seine Augen zu deinen Augen und seine Hände zu deinen Händen!
Mach‘ sein Lächeln zu deinem Lächeln und seinen Gruß zu deinem Gruß!
Dann erkennst du in jedem Menschen deinen Bruder und deine Schwester!
Wenn du ihre Tränen trocknest und ihre Freude teilst, dann ist Jesus in dir geboren – dann ist Weihnachten!
„Wenn du dich satt gesehen hast an dem schönen Kind in der Krippe, geh noch nicht fort. Mach erst seine Augen zu deinen Augen, seine Ohren zu deinen Ohren, seinen Mund zu deinem Mund. Mach seine Hände zu deinen Händen, sein Lächeln zu deinem Lächeln und seinen Gruß zu deinem Gruß. Dann erkennst du in jedem Menschen deinen Bruder, deine Schwester. Wenn du ihre Tränen trocknest und ihre Freude teilst, dann ist Gottes Sohn wahrhaft geboren und du darfst dich freuen.“ (Marisa Roos)