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Wie Ochs und Esel an die Krippe kamen

Als Josef und Maria auf dem Weg nach Betlehem waren, rief ein Engel die Tiere heimlich zusammen, um einige auszuwählen, der Heiligen Familie im Stall zu helfen. Als erster meldete sich natürlich der Löwe: „Nur ein König ist würdig, dem Herrn der Welt zu dienen“ brüllte er, „ich werde jeden zerreißen, der dem Kinde zu nahe kommt.“
„Du bist mir zu grimmig“, sagte der Engel.
Darauf schlich sich der Fuchs näher. Mit unschuldiger Miene meinte er: „Ich werde die gut versorgen. Für das Gotteskind besorge ich den süßesten Honig, und für die junge Mutter stehle ich jeden Morgen ein Huhn.“
„Du bist mir zu verschlagen“, sagte der Engel.
Da stelzte der Pfau heran. Rauschend entfaltete er sein Rad und glänzte in seinem Gefieder. „Ich will den armseligen Schafstall köstlicher schmücken als Salomon seinen Tempel!“
„Du bist mir zu eitel“, sagte der Engel.
Da kamen noch viele und priesen ihre Künste an. Vergeblich. Zuletzt blickte der Engel noch einmal suchend um sich und sah Ochs und Esel draußen auf dem Felde dem Bauern dienen. Der Engel rief auch sie heran: „Was habt ihr anzubieten?“
„Nichts“, sagte der Esel und klappte traurig die Ohren herunter, „Wir haben nichts gelernt außer Demut und Geduld. Denn alles andere hat uns immer noch Prügel eingetragen!“ Und der Ochse warf schüchtern ein: „Vielleicht können wir dann und wann mit unseren Schwänzen die Fliegen verscheuchen!“
Da sagte der Engel: “Ihr seid die richtigen!“

(Nach einer Geschichte von Heinrich Waggerl, von Willi Hoffsümmer gekürzt, aus Kurzgeschichten 2)

Was kommt auf uns zu?

Als wir im Frühjahr 2020 nach Deutschland zu einem Geburtstagsfest reisen wollten, gab es die ersten Corona-Todesfälle und unsere Kinder haben uns inständig gebeten, nicht zu reisen. Mittlerweile hat die Menschheit den schwierigen Kampf gegen das Virus aufgenommen. Jetzt beginnt der Advent und wir sind in der Erwartung, dass wir ein schönes Weihnachten erleben können. Einige feiern das als Familienfest, einige sind allein, einige machen Urlaub, einige gehen zu den Gottesdiensten und allen ist zu wünschen, sich auf Jesu Geburt zu besinnen, denn in ihm ist Gott Mensch geworden, um uns zu helfen. Wir können seine Hilfe oft gut annehmen. Einige lehnen es ab, seine Hilfe anzunehmen. Aber vielleicht gelingt es ihnen, über ihren Schatten zu springen und ihm zu trauen. Gott steigt ja auch herab und wird ein Kind in einer Futterkrippe. Ich bitte ihn, dass er unsere zerstrittenen Gemeinschaften heilt:
Schick uns deinen guten Geist, sodass wir einander verzeihen können, dass wir über Mauern springen und versuchen, einander zu verstehen und neu anzufangen. Wenn nicht alle mitmachen, dann müssen wir mit der Zerrissenheit leben bis – ja, bis die große Erlösung kommt. Auch das verspricht uns Jesus und der Geist begleitet uns. Dieser gestaltet mit uns den Advent.

Das Unerwartete erwarten

Sie gingen in Betlehem zum Kind in der Krippe

Sie gingen in Betlehem zum Kind in der Krippe

Ich liebe diese Hirten, die auf dem Feld Nachtwache bei ihrer Herde hielten. Dass ein Engel kommt und der Glanz Gottes sie umstrahlt, war für sie nicht vorhersehbar. Denn das war etwas entgegen aller bekannten physikalischen Gesetze und die Hirten waren arm, aber nicht blöd. Dass ihnen ein Engel erscheint, konnten sie in ihren kühnsten Träumen nicht erwarten. Ich kenne Mitmenschen, die solche Engelerscheinungen nicht wollen. Sie wollen, dass alles planbar bleibt. Wenn Engel erscheinen, dann bricht eine andere Welt herein und vieles ist nicht mehr verfügbar und kontrollierbar. Ich wäre auch fassungslos, wenn der Glanz Gottes um mich herum strahlt. Ich weiß nicht, ob mich der Engel mit „Fürchte dich nicht!“ beruhigen könnte. Auch nicht mit dem Zweiten: „Ich verkünde dir eine große Freude. Heute kommt Gottes Sohn.“ Ich wäre tief erschüttert. Der große Theologe Romano Guardini kniete allein schon bei solch einem Gedanken vor Anbetung nieder. Vielleicht sollte ich doch das Unerwartete erwarten. Vielleicht sollte ich doch zur Krippe gehen.

Du bist willkommen, wie du bist

Geburt ChristiZur Krippe darfst du kommen, wie du bist!
Komm mit deinen heimlichen Tränen!
Nimm dein Leid mit, deine Sorgen!
Komm mit allen deinen Fragen!
Bring auch deine Fehler mit und deinen Ärger!
Komm, an der Krippe ist wirklich niemand fehl am Platz!
Wenn du ruhig geworden bist und Trost gefunden hast, geh noch nicht fort!
Mach‘ erst seine Augen zu deinen Augen und seine Hände zu deinen Händen!
Mach‘ sein Lächeln zu deinem Lächeln und seinen Gruß zu deinem Gruß!
Dann erkennst du in jedem Menschen deinen Bruder und deine Schwester!
Wenn du ihre Tränen trocknest und ihre Freude teilst, dann ist Jesus in dir geboren – dann ist Weihnachten!
„Wenn du dich satt gesehen hast an dem schönen Kind in der Krippe, geh noch nicht fort. Mach erst seine Augen zu deinen Augen, seine Ohren zu deinen Ohren, seinen Mund zu deinem Mund. Mach seine Hände zu deinen Händen, sein Lächeln zu deinem Lächeln und seinen Gruß zu deinem Gruß. Dann erkennst du in jedem Menschen deinen Bruder, deine Schwester. Wenn du ihre Tränen trocknest und ihre Freude teilst, dann ist Gottes Sohn wahrhaft geboren und du darfst dich freuen.“ (Marisa Roos)