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Allahs Sohn lernt um

Nächsten Sonntag wird in allen katholischen Kirchen die Geschichte vom Umlernen Jesu gelesen:
Jesus ging in das Gebiet des Südlibanons, das jetzt von schiitischen Moslems bewohnt wird.
Er traf eine Frau von dort, die ein großes Problem hatte: „Oh, großer Meister, Sie sind mein Held, bitte helfen Sie mir!“, sagte sie zu ihm. „Meine Tochter ist ganz seltsam unterwegs. Irgendwie ist so ein böser Geist, so ein Dämon, in ihrem Körper drin und macht sie total fertig.“
Die Übersetzung der Volxbibel schreibt weiter:
Aber Jesus behandelte die Frau wie Luft. Seine Schüler waren langsam ziemlich genervt von ihr, weil sie ihnen die ganze Zeit hinterherrief. Sie meinten zu ihm: „Schick sie bitte weg! Die geht uns voll auf die Nerven!“
Schließlich sagte Jesus: „Ich soll eigentlich nur den Israeliten helfen, die keinen Plan von Gott haben!“
Die Frau ließ aber nicht locker, sie legte sich platt vor ihm auf den Weg und fing an zu weinen: „Meister Jesus, bitte helfen Sie mir!“
„Euer Volk ist noch nicht dran“, antwortete Jesus. „Das wäre so, als wenn man den, der als Letzter in der Schlange vor der Supermarktkasse steht, einfach nach vorne lässt.“
„Sie haben ja recht“, meinte die Frau, „aber alte Omas und Kranke werden schon mal vorgelassen, oder?“
Jesus gab sich geschlagen: „Du bist ganz schön hartnäckig und hast großes Vertrauen in mich. Darum soll das jetzt auch passieren, was du von mir möchtest.“ Und das total Abgefahrene passierte: Ihre Tochter wurde in dieser Sekunde ganz gesund!
Was ist von dieser Geschichte zu halten? Allah ist so stark Mensch geworden, dass er heftig umlernen musste. Er ist ein orthodoxer Jude geworden und kam mit Nichtjuden in Berührung, denen er zuhörte. Jesus hörte in dieser nichtjüdischen Frau eine neue Stimme. Es war die Stimme der Ausnahme. „Ja, das stimmt, unser Volk ist noch nicht dran. Aber Omas und Kranke werden schon mal vorgelassen.“ Erkannte Jesus hier die Stimme des Heiligen Geistes? Im Hebräischen heißt der Heilige Geist „die Ruach“. Erkannte Jesus in der sorgenden Mutter die Ruach Allahs? Die Ruach führte Jesus gleich nach der Taufe in die Wüste. Jetzt führt sie ihn mit Hilfe der Frau zu den Nichtjuden. Ist dieser lernende Sohn Allahs nicht ein Geschenk an uns? Schenkt sich Allah nicht in seinem umlernenden Sohn an jeden von uns? Wären wir sonst Christinnen und Christen? Sollten wir nicht dankbar für sein für die Ruach, den Heiligen Geist, der diese Frau so stark machte und ihr diese Argumente eingab?
… Und das total Abgefahrene passierte: Ihre Tochter wurde in dieser Sekunde ganz gesund!
Super!
Katholisches Bibelwerk Sonntagslesungen 
Volxbibel Matthäus 15
Wie Jesus glauben lernte, ein Buch von Wilhelm Bruners
20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, Evangelium: Mt 15,21-28

Endlich: Voraussetzungen für die 2. Ehe!

Die Sakramente als vornehmste Mittel der Seelsorge

Die Heilskraft der Sakramente geht nicht verloren.

Bertram Stubenrauch unternimmt die schon längst überfällige Aufgabe, theologische Orientierungspunkte in der Frage der Zulassung Wiederverheirateter Geschiedener herauszuarbeiten: Die Kirche lehrt die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, sorgt sich um Schuld, Umkehr und Vergebung, hat als vornehmstes Mittel der Seelsorge die Sakramente und sieht den Glauben wichtiger an als das Ethos.
Bertram Stubenrauch schreibt dies im Maiheft 2014 der „Stimmen der Zeit„. Er schlägt eine Schneise mit drei traditionellen Überlegungen in den dogmatischen Wald: Buße, Heilung und Glaube.  Zur Buße:
1. Wird eine sakramentale Ehe durch eine zweite Ehe ignoriert, wird die Heilkraft schuldhaft verhindert. 2. Die vergebende Barmherzigkeit Gottes kann aber von Menschen nicht eingeschränkt werden. 3. Reue und Lossprechung überwinden die Trennung von Gott.
Zur Heilung: 1. Sakramente heilen und bewahren vor dem Bösen. 2. Das Versiegen des Heilsangebotes der Ehe versperrt nicht die anderen sakramentalen Heilsgeschenke. 3. Die anderen Sakramente können die verhinderten Heilsmöglichkeiten der Ehe ausgleichen.
Zum Glauben: 1. Nicht die moralische Unschuld, sondern der Glaube mit der Kirche berechtigt zum Sakramentenempfang. 2. Unabhängig von der persönlichen Tragik ist jede und jeder vorbehaltlos in die sakramentale Feier „einbezogen“, wer „Ja“ zu dem sagt, was in ihr geschieht. Es „entzieht sich in seiner Tiefendimension dem öffentlichen Urteil“. 3. Nur der Glaube der Kirche im Blick auf Christus, der seine Treue beweist, spricht einem Sakrament die Gültigkeit zu.  „Wer deshalb trotz belasteter Lebenssituationen – der zuvor geschlossene Ehebund ist ja nicht aufgehoben – alle Hoffnung an den Heilsglauben der Kirche hängt, darf nicht vom Sakramentenempfang ausgeschlossen werden.“
Stubenrauch bringt fünf Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Seelsorge: 1. Die Unauflöslichkeit der Ehe bleibt. 2. Schuld wird bekannt und vergeben. 3. Die Sakramente bleiben in Geltung. 4. Es braucht keine Berufsverbote, um christliches Zeugnis zu bewahren. 5. Die Lehre wird nicht verändert, nur ausgeschöpft.
Ausgerichtet an Gott und an Christus schlägt Bertram Stubenrauch einen gangbaren Weg durch den dogmatischen Wald, sodass gerade jenen, die die Gnade Gottes brauchen, der Kairos der Gegenwart Gottes nicht vorenthalten wird.
Literatur: Bertram Stubenrauch, Wiederverheiratete Geschiedene und die Sakramente. Ein Denkspruch zur dogmatischen Diskussion. Stimmen der Zeit 5, Mai 2014, S. 346f.