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Christi Himmelfahrt: Er lässt uns nicht alleine

Der Abschied Jesu von den Jüngerinnen und Jüngern war kein Abschied für immer. Alle werden ihn erleben, wenn er am Ende in seiner großen Liebe kommt. Andererseits sendet er den freundschaftlich verbindenden Heiligen Geist, der die Gegenwart von ihm ermöglicht. In der Wandlung rufen wir den Heiligen Geist, damit er Brot und Wein in Jesu Leib und Blut verwandelt.
Erfüllt vom Heiligen Geist sagt er voraus: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Wir Christinnen und Christen sind uns nicht immer bewusst, dass uns der lebensspendende Heilige Geist in der Taufe und der Firmung geschenkt wurde und uns mit seiner Liebe und Kraft begleitet. In jedem Pfingstfest kommt er auf uns herab. Jedes Pfingstfest ist für unsere Gemeinden eine Firmung, eine Bestärkung in großer Wertschätzung. Die Himmelfahrt Christi ermöglicht, dass der Heilige Geist kommen kann.

Er verbindet Jenseits und Diesseits

Das Christentum ist eine Religion der Gegenwart. Die geschichtlichen Ereignisse und die Person Jesus Christus werden in der Christenheit gegenwärtig. Der Garant dafür ist der Heilige Geist, der das Vergangene lebendig macht. Wenn wir im Heiligen Geist leben, wird uns Jesus zu einem Freund, der trotz seines Todes unsere Gegenwart bereichert. Ich persönlich kann eine Freundschaft mit Jesus pflegen, obwohl er vor 2000 Jahren gestorben ist.
Auch unsere Toten, die in die Herrlichkeit vorausgegangen sind, werden gegenwärtig. Der Heilige Geist holt sie in unsere Gegenwart. Er ist der wunderbare Verbinder zwischen Jenseits und Diesseits.

Christus führt in die Krise: Liebe oder Hass

Messianische Ideologien haben im 20. Jahrhundert in riesige Katastrophen geführt. Der nationale Messianismus des Nationalsozialismus hatte zwei typische Merkmale. Ein Volk, das die Erlösung vorantrieb und einen Führer, der die Welt vom Bösen und den Sündenböcken reinigt. Der marxistische Messianismus hatte die Arbeiterklasse als Volk und Stalin und Mao als Erlöserfiguren. Beide Ideologien, die nationale und die kommunistische, führten mit Auschwitz, Krieg und Gulag in die Katastrophe. Der islamische Messianismus hat die Umma mit den Moslems als Volk und Mohammed als Führer. Diese Ideologie führte mit dem Islamischen Staat (IS) in die kollektive Katastrophe.

Christus stellte den politischen Messianismus auf den Kopf. Er war kein Feldherr wie Mao, Mohammed, Hitler oder Stalin. Er war als Handwerker, Arzt und Rabbi absolut mit Gott verbunden. Erlösung und Heilung geschah allein durch die Nähe Gottes. Das nahe „Reich Gottes“ ist kein Gottesstaat wie im Islam, sondern ein neuer Geist, der in die Welt kommt. Dieser „Bereich Gottes“ unter den Menschen ist wie eine Pflanze, die wächst und Früchte bringt, Früchte des Verzeihens, der Nächstenliebe und des Friedens. Die Botschaft der Christenheit: Kein Volk wird die Welt erlösen wie die Deutschen, die Moslems oder die Arbeiterklasse. Kein Mensch wie Hitler, Stalin, Mao oder Mohammed wird die Menschheit erlösen. Allein der Klartext sprechende Gottessohn Jesus gibt der Welt und der Menschheit Orientierung.

Der christliche Messianismus ist ein zutiefst religiös-spiritueller, dynamischer, Gesetz aufhebender und erfüllender Messianismus, der in der Gegenwart wahrgenommen werden kann. In der Gegenwart des Christus fallen Geschichte und Zukunft zusammen. Der Urknall und das himmlische Jerusalem ereignen sich für jeden im Jetzt der Gegenwart Gottes. Dieser Augenblick ist die Entscheidungssituation: Christus oder das Nichts, die Herrlichkeit oder die Leere. Christus führt in diese Krise der Entscheidung: Liebe oder Hass, Verzeihen oder Rache, klare Herrlichkeit oder sinnlose Leere.