Schlagwort-Archive: Feindesliebe

Streit oder Nachgeben?

Jesus: Liebt eure Feinde, tut denen gut, die euch hassen

Jesus: Liebt eure Feinde, tut denen gut, die euch hassen.

Ich wollte schon einen Streit beginnen, weil ich dachte, mein Freund ist übervorteilt worden. Es wäre ein aussichtsloser Rechtsstreit geworden. Mein Ärger schien aber berechtigt. – Da habe ich das Evangelium des nächsten Sonntags gelesen: Wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück! – Ich ärgerte mich. Ich dachte mir, dass das eine übertriebene Forderung Jesu sei. Da wäre ja jede Verteidigung des Eigentums sinnlos. Ich dachte nach und bemerkte, dass mir Gott sagt: Lass los! Der Rechtsstreit ist ohnehin aussichtslos. Verstrick dich nicht in diesen Kampf. – Ich war gefühlsmäßig aber noch nicht bereit. Ich brauchte Zeit, damit ich mich wirklich neu orientieren konnte.

Christinnen und Christen: Der IS hilft ins Himmelreich zu kommen

Coptic CrossDer Ägypter Beshir ist der Bruder von zwei Gastarbeitern, die in Libyen von Mitgliedern des ISIS ermordet wurden. Auf „SAT 7 Arabic“ wurde er interviewt. SAT7: Sagen Sie mir, wie Sie sich fühlen, Beshir. Erzählen Sie von Ihrem Bruder, von Ihrem Glauben, was Sie von Gott erwarten. Beshir: Es war nicht nur ein Bruder, ich hatte zwei! SAT7: Ja, oh. Erzählen Sie! Beshir: Zwei Brüder, Märtyrer Bishoy Estafanos Kámel und Märtyrer Samuel Estafanos Kámel. Ich bin stolz auf sie! SAT7: Ja. Bishoy und Samuel Beshir: Bishoy ist 25 und Samuel 23 Jahre alt. SAT7: Ja. Beshir: Sie sind ein Stolz der Christenheit und sie sind auch mein Stolz. Sie bewirkten, dass ich aufrecht mit stolzem Kopf gehe. SAT7: Ja, groß ist Ihr Glaube! Erzählen Sie von Ihrem Stolz und Ihrem Glauben! Wir wollen von Ihnen lernen! Beshir: Der ISIS gab uns mehr als wir wollten, weil sie aus dem Video nicht das herausschnitten, wo die Christen ihren Glauben bekannten und Jesus anriefen. SAT7: Ja. Beshir: Der ISIS half uns, unseren Glauben zu bezeugen. SAT7: Wow! Beshir: Ja, glauben Sie mir! SAT7: Groß ist Ihr Glaube! Beshir: Ich danke dem ISIS, weil sie kürzten den Ton nicht, als die Männer schreiend ihren Glauben bekannten. SAT7: Groß! Was macht Ihre Familie? Beshir: Glauben Sie mir, wenn ich sage, dass die Leute hier glücklich sind und sie gratulieren sich gegenseitig. Sie trauern nicht sondern gratulieren sich, weil so viele von unserem Wohnviertel als Zeugen starben. Wir sind so stolz auf sie! SAT7: Ich möchte wissen, was Sie fühlten, als Sie von den Luftangriffen hörten und die Leichen der toten ISIS-Mitglieder sahen. Beshir: Ich will es Ihnen offen sagen. SAT7: Ja, sagen Sie es. Beshir: Seit der Römerzeit waren wir Christen Ziel von Verfolgung und wurden Märtyrer. Das half uns durchzuhalten in Zeiten der Krise. Die Bibel sagt uns, dass wir unsere Feinde lieben und die segnen sollen, die uns verfluchen. Wie auch immer, die Luftschläge waren eine gute Antwort der Regierung nach einem so langen Warten, nachdem unsere Brüder verschwanden. Wir wussten nicht, wo sie waren. Aber angenommen, sie wären umgebracht worden, sobald sie gefangen genommen wurden, hätten wir uns nicht um Vergeltung bemüht. Aber nur die Länge der Zeit, als wir nicht wussten, wo sie sind, rechtfertigten für uns die Luftschläge. SAT7: Ihr Glaube ist sehr groß, Beshir! Ich möchte Ihnen eine Frage zu Ihrem Glauben stellen. Beshir: Stellen Sie sie. SAT7: Würden Sie sich ärgern oder jemand aus Ihrer Familie, wenn wir Sie nach Vergebung für jene fragen, welche Ihre Brüder umbrachten? Beshir: Vergebung für wen? SAT7: Für jene, die umbrachten und töteten. Beshir: Heute hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter. Ich fragte sie, was sie tun würde, wenn sie ein Mitglied des ISIS auf der Straße sieht. Sie sagte folgendes und ich gebe es ehrlich wieder, nicht weil ich jetzt öffentlich spreche. Sie sagte, sie würde ihn zu sich einladen, denn er half uns in das Königreich des Himmels zu kommen. SAT7: Oh! Beshir: Glauben Sie mir, das waren die Worte meiner Mutter. SAT7: Ich glaube Ihnen. Oh, ich glaube Ihnen. Beshir: Und sie ist eine einfache Frau über 60 Jahre alt. Ich fragte sie, was sie tun würde, wenn sie solche ISIS-Mitglieder auf der Straße sieht und ich sage ihr, das ist der Mann, der deinen Sohn erschlagen hat. Sie sagte, sie wolle Gott bitten, dass er ihm die Augen öffne und sie würde ihn in unser Haus bitten, denn er half uns, in das Königreich des Himmels zu kommen. SAT7: Oh, mit diesem guten Geist, ich bitte Sie, für sie zu beten. Die Mitglieder des ISIS. Nun, da Sie in der Öffentlichkeit sind. Beshir: Lieber Gott, bitte öffne ihre Augen, damit sie gerettet sind und ihren Unverstand aufgeben und auch die falsche Lehre, die ihnen gelehrt wurde. SAT7: Amen, mein Lieber, Amen. Bitte überbringen Sie unser Beileid Ihrer Mutter, Ihren Brüdern, Ihrer Familie, Ihren Nachbarn, welche trauern wie wir. Danke, Beshir, Danke, mein Lieber! Beshir: Ich danke Ihnen. https://www.youtube.com/watch?v=-yCmnyzYeW8 SAT7 vom 17.2.2015

Gott quält nicht mit Feuer!

AlTajjibDer Großmufti von Ägypten hat eine Fatwa, ein Rechtsgutachten ausgesprochen, dass die IS-Dschihadisten gekreuzigt oder dass ihre Gliedmaßen amputiert gehören. Ich bin dagegen. Scheich Ahmed al-Tajjib irrt.
Auch wenn die IS-Dschihadisten den Jordanischen Piloten bei lebendigem Leibe verbrannten, sind sie nicht mit solch unmenschlichen Foltern zu bestrafen. Gott zeigt seine Zuwendung und Liebe und ruft zur Umkehr auf.  Auch andere islamische Geistliche irren. Der saudische Kleriker Salman al-Odah erklärte das Verbrennen von Menschen nicht nur zu einem „abscheulichen Verbrechen“, sondern auch zu Blasphemie: „Nur Gott quält mit Feuer.“ Ich glaube das nicht. Menschen quälen Menschen und Gott identifiziert sich mit den gequälten: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“  Wer zur Rache aufruft, sondert sich von Gott ab. Diese islamischen Theologen verkünden eine gottlose Ideologie. Jesus sagt ganz klar: Selig die Sanftmütigen und liebt eure Feinde.
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Jesus schreibt sich in die Lebensgeschichte der Täter

Jesus schreibt sich in die Biographie der Täter

Jesus schreibt sich in die Biographie der Täter

Als Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, sagte er „Vater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)
Warum bittet er Gott-Vater, den Tätern zu verzeihen und was wissen sie nicht, was sie tun? Diese zwei Fragen sind zentrale Fragen, die Jesu Handeln erklären sollen.

Was wissen die Täter nicht? Sie wissen nicht, dass er unschuldig ist. Falsche Zeugen sind gegen ihn aufgetreten und das Urteil war auf Lügen aufgebaut. Damals wurden aber auch bewusst Unschuldige hingerichtet. Vielen war das egal, weil sie durch diese gemeinsame Aktion die Rivalitäten untereinander verhinderten. Einige aber sahen, dass es Unrecht war und dass hier ein außergewöhnlicher Mensch ermordet wurde. Ein Hauptmann der Römer sagte: „Es ist wahr, dieser war der Sohn Gottes!“
Die anderen Täter wussten nicht, dass sie hier Gott-Sohn ermorden: Römische Soldaten ermorden den menschgewordenen Gott und dieser betet für sie. Er schreibt sich in ihre Lebensgeschichte und wird ihnen so ganz nahe.

Warum bittet Jesus seinen Gott-Vater, ihnen zu verzeihen? Es schmerzt Gott-Vater, dass Jesus gegeißelt, ans Kreuz geschlagen und ermordet wird. Sein Zorn würde bedeuten, dass er den Tätern den Segen verweigert und sich zurückzieht. Gott lässt den Menschen auch die Freiheit zum Bösen. Er zieht sich aber dann zurück und lässt sie in ihrer Schuld und ihrer Verschlossenheit zurück. Jesus aber bittet Gott-Vater, ihnen ihre Schuld zu vergeben. Er will seine Mörder zur Umkehr bewegen. Denn er möchte alle Menschen zu einem Gottesvolk sammeln. Da ist es notwendig, dass sich alle zum guten Gott bekehren.

Ostern: Gott zeigt sich und erlöst uns

Jesus Christus offenbart Gott

Jesus offenbart Gott Vater als einen guten Gott

JESUS HILFT DEN AUSGESTOßENEN

Hat uns Jesus durch seinen Tod von den Sünden erlöst? Nein.

Warum soll sein Tod etwas bringen? Der Tod ist immer ein Hinübergehen zu Gott. Wenn jemand zu Gott geht, wie soll er dadurch jemand von Sünden (und Schuld) erlösen?

Sünden sind einerseits bewusst begangene schlechte Taten, andererseits bewirken Sünden eine „Absonderung“ von den Gemeinschaften. Es gibt zwei Gemeinschaften: Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft mit Menschen. Diese Wirkweise von Sünde wollte Jesus durchbrechen und Menschen mit und ohne Sünden sammeln und ihnen die Sünden vergeben.

Wenn Jesus die Sünden erlässt und die Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen holt, braucht er nicht Leiden und Sterben, damit sie in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen kommen können.

DIE OFFENBARUNG GOTTES

Wodurch hat er uns dann erlöst? Er zeigt uns den Vater. Diese Offenbarung Gottes ist die große Erlösung.

Warum muss er dann diesen Weg zu den Hohen Priestern und in den Tod gehen? Er lässt sich aus zwei Gründen gefangen nehmen.

1. Er wollte den Priestern eine Chance geben, bei der Sammlung des Gottesvolkes dabei zu sein. Jesus predigte Feindesliebe und jetzt musste er sich entscheiden: Flucht, Gewalt oder Feindesliebe

2. Er war sich bewusst, dass er die Offenbarung Gottes war. Eine Offenbarung, in der sich Gott als gewaltfreier und die Feinde liebender Gott zeigt. Da kann er nicht kneifen.

ER SCHENKT HERRLICHKEIT

Was haben Menschen davon, wenn Gott solch eine Botschaft hinterlässt?

1. Sie haben einerseits eine gewisse Sicherheit, was der Urgrund des Universums will. Das gibt Sinn. Er ist nicht das eine Mal böse und dann wieder barmherzig. Er ist nicht einmal gewalttätig und dann wieder zärtlich. Er ist nicht einmal hinterhältig und dann wieder wahrheitsliebend und treu. Nein, er ist durch die Offenbarung eindeutig ein guter, gütiger, schöner und wahrer Gott.

2. Andererseits lädt er zu einer Freundschaft mit ihm ein, die sehr heilsam sein kann. Denn in den Verstrickungen des sozialen Lebens mit den Rivalitäten und Begehrlichkeiten ist es gut, eine dritte Richtung und Beziehung zu haben, die ins unendliche weist. Das kann vieles heilen.

3. Zum dritten ist der Weg in die Herrlichkeit mit ihm dadurch geöffnet. Jeder Mensch kann darauf hoffen, dass er in die Herrlichkeit der Liebe Gottes aufgenommen werden kann.

DREI OFFENBARUNGEN BEFREIEN

Die Erlösung geschieht durch die Selbstoffenbarung Gottes. Jesus ist das Fenster zum Vater: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ Gottes Wille zur Feindesliebe sehen die Menschen nicht im Leiden Jesu, sondern in seinen 7 Worten am Kreuz und im Verzicht auf Gewalt. Er lehnt es ab, ein rivalisierender Herrscher unter anderen zu sein. Als Urgrund des Universums reagierte er auf die Ablehnung seiner Offenbarung mit Sanftmut.

Er starb in die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, um als Lebendiger seinen Freundinnen und Freunden zu erscheinen. Dies war die zweite Offenbarung. Die dritte Offenbarung war die Ermutigung durch den Gottesgeist: Gott als Mutmacher. Er erlöst von der Angst und macht Mut. Er erlöst von der Einsamkeit und sammelt zu neuer Gemeinschaft.

Die Selbstoffenbarung Gottes erlöst und befreit uns Menschen.

Hier leiden die Heiden: Paradies Glaube

Jesus bespuckt gegeißelt, ausgestoßen

Jesus, Gottes Sohn wird bespuckt, gegeißelt und ausgestoßen (Bild aus „Passion Christi“).

Die Sündenbockreligion von Ulrich Seidl

Abgesehen von der Milieuschilderung mit volksreligiösen Versatzstücken ist der Film „Paradies Glaube“ von Ulrich Seidl eine Dreiecksgeschichte, bei der der schwächere Teil den Kürzeren zieht. Ein Moslem verlässt seine Frau, die sich in der Zwischenzeit dem halb anwesenden Jesus Christus zuwendet. Inwiefern sie sich in ihn verliebt, bleibt unklar. Als der moslemische Mann einen Unfall erlebt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kommt er zur Ehefrau zurück und lässt sich pflegen und bedienen.

Da sie nicht mit ihm schlafen möchte, entwickelt der Ehemann eine Eifersucht auf Jesus, den Liebhaber seiner Frau und wirft ihn von der Wand und auf den Boden. Er macht etwas, das die Nazarener mit Jesus schon tun wollten: Die Männer in Nazaret sprangen auf und trieben Jesus aus der Stadt hinaus, bis an den Rand des Berges, auf dem Nazaret liegt. Dort wollten sie ihn hinunterstürzen. Aber Jesus ging mitten durch die Menge hindurch und zog weiter (Lukas 4,29-30).

Die ungläubige Christin ahmt zum Schluss ihren aggressiven moslemischen Mann nach. Auch sie greift ihren ohnmächtigen Exliebhaber frontal an. Sie geißelt ihn und bespuckt ihn. Der Film bricht gerade hier ab, wo die Geschichte interessant wird. Was macht es mit den beiden, wenn sie Jesus umbringen?

Beide machen Jesus  zu ihrem Sündenbock, eine Rolle, die er von außen gesehen in der Passion am Karfreitag einnimmt. Da schreit der Pöbel: Ans Kreuz mit ihm! Und der Hohe Priester Kajaphas sagt bei der Beratung: Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht (Joh 11,50).

Ulrich Seidl als Hoher Priester Kajaphas

          Regisseur Ulrich Seidl übernimmt die Rolle des Hohen Priesters und lässt Jesus für das Publikum sterben. Bei den Filmvorführungen im Kino lachen am Anfang noch einige. Dann wird es immer unheimlicher im Saal und zum Schluss lächeln einige zufrieden, wenn die ungläubige Christin Jesus geißelt. Jetzt wissen sie, wer vermeintlich schuld an ihrer Misere ist. Recht geschieht ihm. Warum lässt er sich auch zum Sündenbock stempeln.

Was in dem Film gezeigt wird ist die heidnische Hölle. Menschen rivalisieren, konkurrieren und stoßen Schwächere aus. Mit dem Ausstoßen des Dritten beginnt nach René Girard die archaische Religion. Diese Ausstoßung schafft Frieden unter den Rivalen. Das Publikum ist zufrieden.

Dieser Film zeigt die neue heidnische Religion in Europa. Der göttliche Liebhaber als schwächerer Teil wird verstoßen und dem Ganzen wird der Spezialpreis der Jury beim Filmfestival in Venedig verliehen. Die neuen Priester wissen, wen sie ausstoßen müssen: Gott. Sie wissen auch, wen sie dafür instrumentalisieren können: einen querschnittgelähmten Moslem. Die neue heidnische Religion instrumentalisiert den Islam, um Gott zu vertreiben. Was bleibt, ist eine Seidlsche Hölle von Rivalen, die sich bekämpfen. Das Rutschen auf den Knien, das Masturbieren mit dem Kreuz und die Selbstgeißelung bleibt Dekoration. Diese schockierenden Phänomene werden aufgeboten, um zu verdecken, dass es um eine Ausstoßung geht, bei dem das Opfer, der göttliche Liebhaber unschuldig ist.

Diese Art von heidnischer Religion geht am Christentum voll vorbei. Zwar hat auch das Christentum archaische Einsprengsel, die von außen gesehen Ähnlichkeiten mit den Sündenbockreligionen haben. Aber der innere feurige Kern der Christenheit ist eine Offenbarung. Es ist die Offenbarung der Herrlichkeit der Liebe Gottes. Ulrich Seidl als Hoher Priester des Sündenbocks verkennt das Zentrale der christlichen Religion und muss deshalb Archaisches auf die Leinwand werfen.

Auch die römischen Soldaten 30 n. Chr. sehen in Jesus nur das Opfer ihrer kollektiven Gewalt. Christus hingegen übernimmt nicht die Sichtweise seiner Mörder, er betet für seine Peiniger: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Er sieht sich als Sohn des Vaters, in dessen Herrlichkeit er hineingeht. Wenn die ungläubige Christin im Film an Jesus geglaubt hätte, dann würde sie mit den Armen ein wunderbares Fest feiern. Das wäre die christliche Sicht von „Paradies Glaube“ gewesen. So aber kann man als Christin und Christ nur sagen: Vater, vergib dem Regisseur, den Schauspielern und manchen Zuschauern, sie wissen nicht, was sie tun!

Weint über Jerusalem!

Die letzten Stunden von Jesus vor seinem Tod waren geprägt von einer Dramatik, die sich nicht nur zwischen den römischen Soldaten und Jesus abspielte, sondern auch zwischen ihm und seinem göttlichen Vater und zwischen ihm und den Bewohnern von Jerusalem.

Für die Folterknechte betete Jesus: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie sind verblendet und agieren in der Ideologie des Bösen, des Teufels, der Sünde. Trotzdem sind sie auch verantwortlich. Sie können umkehren, sollten sich zum guten Gott wenden. Dass sie das nicht tun, sieht man in der Szene mit den weinenden Frauen, die Jesus auf dem Weg zu seiner Kreuzigung trafen. Er bat sie: „Weint nicht über mich, sondern über (die Bewohner von) Jerusalem!“ Jerusalem sollte sich bekehren. Die Stadt steht für das Volk Israel, das umkehren soll. Wenn es sich nicht bekehrt, wird es sich selbst richten. Sie sagen dann: „Berge, fallt über uns!“

Die Bewohner von Jerusalem waren (wie die ganze Menscheit) Opfer des Bösen und der Sünde. So wie die Berge über sie fallen werden, so fielen das Böse und die Sünde über sie. Aber sie sind auch Täter. Sie selbst sagen: „Berge, fallt über uns.“ Sie selber richteten die Berge des Bösen auf. Durch ihr schlechtes Tun verhinderten sie das Kommen Gottes. Sie taten das Gegenteil dessen, wozu der damals sehr gut bekannte Jesaja aufforderte: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.

Sie bauten keine Straßen für Gott, sondern Berge, sodass er nicht kommen konnte. Über diese Menschen galt es zu weinen. Sie waren verstrickt in das Netz der Sünde und blind für das Reich der Liebe. Sie hörten die Stimme von Jesus, aber ihr Herz war verschlossen.

Vielleicht ist das auch die Tragik von Judas. Er hörte die Worte der Bergpredigt, aber die Konsequenzen waren für ihn nicht vorstellbar: „Wenn dich einer zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei.“ Die Feindesliebe ist die Liebe zu den Gegnern, insofern sie Opfer der Sünde sind. Die Sünde ist ein mimetischer Zusammenhang, der alle erfasst. Alle ahmen die bösen Taten nach und übertreffen sich oft dabei.

Jesus war drauf und dran, diesen nachahmenden Zusammenhang aufzubrechen und für seinen göttlichen Vater eine Straße zu bauen. Er setzte alles auf eine Karte, die hieß: tragfähige Gottesbeziehung und speziell für ihn Vaterbeziehung, genauer Abba-Beziehung. „In deine Hände lege ich meinen Geist“ betete er am Karfreitag. Es war einerseits der Heilige Geist (hebräisch die Ruach), den er bei seiner Taufe im Jordan erhielt und andererseits sein eigener Geist, der voll Liebe zu seinem Vater und zu den Mitmenschen war. Diesen Geist schenkte er seinem Vater. Durch diese Liebe zu seinem göttlichen Vater gab er für uns Menschen einen Weg für unsere unendliche Sehnsucht frei. Unsere Sehnsucht hat dadurch eine erfüllende Hoffnung und geht nicht mehr ins Leere. Jesus schlug dadurch eine Schneise in eine Welt, die keine Sicht auf den gütigen Gott zuließ.