Schlagwort-Archive: Brüderlichkeit

Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß

Die gute Nachricht: Kain muss nicht mehr eifersüchtig und neidisch auf seinen Bruder Abel sein. Jesus zeigt einen anderen Gott, der nicht nur den Verlorenen, sondern auch den Neidischen nachgeht. Das kann ich auf mich beziehen. Ich bin neidisch auf jene, denen es besser geht. Dieser Neid stört mich irrsinnig. Aber was hilft dagegen? In der Geschichte vom verlorenen Sohn kommt uns ein liebevoller Vater entgegen, der sich über die Rückkehr des jüngeren freut und dem älteren seine Wertschätzung zeigt. Der ältere muss nicht neidisch und eifersüchtig sein, denn sein Vater liebt ihn kontinuierlich. Der Sohn könnte sich wie sein Vater über den anderen freuen. Wie er sich entscheidet, lässt Jesus offen. Da ruft er mich zu meiner Entscheidung. Mit einem Auge blicke ich neidisch auf meinen Bruder, den der Vater beschenkt und mit dem anderen blicke ich in Liebe auf den Vater, der sich freut. Ich entscheide mich jetzt für den Vater.
Es heißt, dass Russen und Ukrainer Brüder sind. Brüderlichkeit ist hier nur ein Schlagwort. Die Russen töten ihre Brüder und zerstören ihre Städte.
Als Hitler England bombardierte, sagte Winston Churchill am 13. Mai 1940 im britischen Unterhaus: „Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß.“ Mit dieser ehrlichen Ansage stärkte er den Widerstand.
Ähnlich der österreichische Bundeskanzler Leopold Figl am 24. Dezember 1945: „Ich kann euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden (ins Fenster). Wir haben nichts. Ich kann euch nur bitten: Glaubt an dieses Österreich!“
Ich unterstütze die Sanktionen, auch wenn es schwer wird. Aber ich kann auch etwas tun. Ich helfe Flüchtlingswohnungen zu renovieren. Danke der Gemeinde und dem Verein Flüchtlingshilfe Pressbaum 06605257372. Gott, befreie uns!

Sartre wollte sein Werk umschreiben

Wenn ich Subjekt bin, wie behandle ich die Anderen? Am Anfang stand für J. P. Sartre fest, dass  er gezwungen war, die anderen Menschen zu Objekten zu machen. Auch die anderen Menschen um ihn machen ihn zum Objekt. „Die Hölle – das sind die Anderen.“ Auch im Tod noch ist das Subjekt ein Objekt der Anderen: „Tot sein heißt den Lebenden ausgeliefert sein.“

Diese Überzeugung änderte sich für Sartre in den letzten Jahren seines

J.P. Satre, 1905 - 1980

J.P. Satre, 1905 - 1980

Lebens. Im Interview mit Benny Lévy, das nach seinem Tod mit dem Titel „Brüderlichkeit und Gewalt“ herauskam, kündigte er ein Buchprojekt an, das sich vor allem mit dem „Sein für Andere“ beschäftigt. Er las Martin Buber und sah in den Anderen kein behandeltes Objekt mehr, sondern Menschen begegnen in verschränkter Weise dem anderen Ich in der Beziehung von Subjekt zu Subjekt. Er wollte sein ganzes früheres Werk umschreiben. Was hätte sich dabei geändert?

Reinhard Olschanski in „der Freitag“ 14.04.2000

OE1 Denken im Alter