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Stinkefinger: Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis soll nicht lügen

Varoufakis Stinkefinger

Gianis Varoufakis kann sich zur Wahrheit durchringen. Sie macht frei.

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis weiß, dass er vor zwei Jahren bei einem Vortrag den Deutschen den Stinkefinger gezeigt hat. Er könnte sich entschuldigen und eventuell darauf hinweisen, dass ihm da ein gravierender Fehler unterlaufen ist. Das wäre ihm nach zwei Jahren nachgesehen worden. Aber in der Jauch-Sendung leugnete er, erklärte das Video für eine Fälschung und fordert einige Tage später, dass sich Jauch entschuldigen soll. Es ist aber für einen griechischen Finanzminister, auch wenn seine Regierung nicht auf die Bibel vereidigt wurde, angebracht, das Gebot „Du sollst nicht lügen“ einzuhalten und wenn er gelogen hat, kann er sich entschuldigen.

Homosexualität: Die Kirche gewinnt neue Erkenntnisse

Petrus und Paulus

Petrus und Paulus

Es gibt Vieles, was in den Kirchen eine Zeiterscheinung ist. Im Herbst fallen die Blätter und im Frühling kommen neue. Die Äste und der Stamm aber bleiben. So gibt es Vieles, was sich im Laufe der Geschichte erhält und nicht untergeht.

Die Offenbarungen Gottes sind wie die Wurzeln eines Baumes. Sie begründen die Kirche. Es haben sich daraus in der Geschichte einige Äste entwickelt, damit sich diese Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte entfalten kann.

Ein Ast ist die Heilige Schrift, die eine gute Sammlung der Erfahrungen Israels und der ersten Christen ist. Vieles ist eine Zeiterscheinung und trockenes Laub. Texte über die Homosexualität im Alten Testament sind altes Laub, das der Geist Gottes, der weht, wo er will, in das Abseits wehte. Viele andere Erfahrungen bleiben bestehen. Auch durch die vier übrigen Äste, die das Bleibende stützen:

Ein zweiter Ast ist der Glaubenssinn aller Christen. Da helfen alle Gläubigen mit, die Offenbarung Gottes zu bewahren. In Stützenhofen, Niederösterreich, wo ein homosexueller Mann 2012 mit großer Unterstützung der Bevölkerung in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde, sah Erzbischof Schönborn den Glauben der Pfarrgemeinde und den Glauben des jungen Pfarrgemeinderates und hörte auf den Glaubenssinn des Gottesvolkes. Seine Entscheidung kann man weise nennen.

Ast

Der dritte Ast ist die Theologie, die den Glauben vernünftig deutet und das Gemeinsame bewahren hilft. Im Verein mit den anderen Wissenschaften kann Homosexualität erforscht und vernünftig gedeutet werden.

Der vierte Ast ist das kirchliche Lehramt, das die Aufgabe hat, nach einer Gesprächsphase über die Selbstoffenbarung Gottes und einem Diskussionsprozess verbindliche Entscheidungen zu treffen. Eine dieser Entscheidungen wurde schon gefällt: Homosexuell empfindende Menschen werden genauso wie andere Erdenbürger von Gott geliebt. Damit der Glaubenssinn erhalten bleibt, können die Entscheidungen des Lehramtes in späteren Jahren durch Konzilien und Päpste neu formuliert werden.

Der fünfte Ast der Kirche ist die Gebetstradition in den Gemeinschaften, den Sakramenten und den Gottesdiensten. Die Verbindung der Gläubigen mit Gott vermittelt Erkenntnisse über die Homosexualität, die über die Naturordnung hinausgeht. Dadurch, dass Gott Mensch wird, ereignet sich eine starke Dynamik. Im Gottesdienst beten alle im Heiligen Geist zu Gott Vater. Diese BeterInnen bilden den Leib Christi. Es vollzeiht sich die Hingabe des Sohnes (Jesus Christi) an den Vater. Paulus schreibt, dass durch Christus das Gesetz aufgehoben ist.

Was dies für die Homosexualität bedeutet, ist erst im Licht dieser Dynamik erkennbarer. Die Moral und die Ethik werden durch die Selbstoffenbarung Gottes dynamisiert. Die kirchliche Ordnung hat keinen Selbstzweck, sondern zentriert sich auf das Leben mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Inwiefern Homosexualität im Heiligen Geist gelebt werden kann, wird die Zukunft zeigen.

Die fünf Erkenntnis-Äste der Kirche und die Lebendigkeit des dreifaltigen Gottes sorgen dafür, die Sehnsucht der Schöpfung wach zu halten und zu sehen, dass alle Menschen, auch die homosexuell empfindenden Menschen von Gott geliebt werden.

 Link ORF NÖ

Ich glaube nicht an die Bibel, ich glaube an Jesus Christus

Jesus Christus in der Geschichte

Jesus Christus zeigt sich in zwei Medien der Geschichte

Die Bibel ist ein wunderbares Buch. Ich liebe sie. Ich schmökere gerne in der hebräischen Bibel und in der griechischen und die Texte sind mir ans Herz gewachsen. Aber wenn ich gefragt werde, woran ich mich gebunden fühle, dann ist es Gott und Jesus Christus und nicht die Bibel. Die Bibel ist ein Medium, das mir hilft, mit Gott Kontakt aufzunehmen. Wobei er sich mir liebevoll offenbart, wenn ich in diesem Medium lese.
Es gibt auch andere Medien, in denen sich Gott mir offenbart. Meine Kirche nennt das Tradition. Es sind dies Kontakte mit der christlichen Geschichte. Das können Bilder und Räume sein, das können Menschen sein, das können Heiligenlegenden und Konzilstexte sein. Die Legenda aurea hat mir meine Frau zu Weihnachten geschenkt. Sie erzählt wunderbare Heiligenlegenden. Diese Tradition ist mein zweites Medium, durch das Gott sich mir liebevoll zeigt.
An beiden, an der Bibel und an der Tradition, hängt mein Herz, weil mir Jesus durch diese Mittel entgegenkommt. Ich glaube nicht an die Bibel, ich glaube nicht an die Tradition, sondern ich glaube an Jesus Christus, der mir über Bibel und Tradition vermittelt wird. Die Bibel sagt mir nichts, die Tradition sagt mir nichts, Jesus Christus hingegen sagt mir vieles, wenn nicht alles.

Warum die christlichen Kirchen an die Dreifaltigkeit glauben

Bevor die Erde erschaffen wurde, gab es schon Gott. In ihm liebte Gott Vater Gott Sohn im Heiligen Geist und Gott Sohn liebte Gott Vater schon vor der Erschaffung der Welt im Heiligen Geist.
1.
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Der Geist schwebte über dem Wasser. (Genesis 1)
Der Heilige Geist war bei der Schöpfung dabei. Er legte sich als Geist in die Materie und gab der Materie ein Ziel: Auf den Gott Sohn sich hin zu entwickeln.
2.
Im Anfang war das Wort (Logos), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst…(Johannes legte Zeugnis ab für das Licht) Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
(Johannes 1, 1-5.9)
Jesus: Ich bin das Licht der Welt (Johannes 8,12)
Das Johannesevangelium bezeugt: Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes 1,11)
Das Johannesevangelium sagt ganz deutlich: Und das Wort (Logos) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Johannes 1,14)
3.
Die erste Taufformel besagt:
Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Mit dieser Formel taufen die Jünger im Auftrag Jesu:
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28,18-20)
(Diese Taufformel ist auch in der Didaché bezeugt (Didaché 7,1)
4.
Die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist so stark, dass diese Liebe eine eigene Person ist, der Heilige Geist. Wenn Gott Sohn in Maria Mensch wird, kommt der Heilige Geist über sie. Wenn Jesus sich taufen lässt, kam der Heilige Geist auf ihn herab und führte ihn 40 Tage in die Wüste. Am Ende seines Lebens gab er den Heiligen Geist Gott Vater wieder zurück. Die Auferweckung ist das Zeichen Gott Vaters, dass Jesus sein geliebter Sohn ist. Als Auferstandener sendet er seinen Jüngern den Heiligen Geist. Dieser wirkt unter uns.

5. Jesus Christus als Brot
Jesus Christus ist bei uns bis zum Ende der Welt (Matthäus 28,18-20). Er sagt: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20). Deswegen kann er unter uns auch in Form des Brotes in der Messe anwesend sein.

6. Jesus Christus erfüllt das Gesetz.
Paulus sagt: Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen.“ (Galater 5,13)
Durch Christus ist wirkliche Freiheit möglich. Menschen sind nicht frei, weil sie sich von Gott abwenden. Das jüdische Gesetz fordert die Hingabe an Gott, aber zeigt auch, dass Menschen Sünder sind, weil die Gesetze übertreten werden. Wenn Menschen aber mit Jesus Christus leben, ist das Gesetz zu Ende gekommen (Römerbrief 10,4: Jesus Christus ist das Ende des Gesetzes) und von Jesus erfüllt (Matthäus 5,17). Der Sünder, der mit der Taufe in den Lebensraum des Auferstandenen eintritt, darf in der Liebe Christi angstfrei glauben, hoffen und lieben.

Das leere Grab ist eine Manifestation Gottes

Das leere Grab ist für mich der Eingriff Gottes in die Geschichte. Egal, ob er der einzige oder einer von vielen großen Eingriffen ist, er ist für mich ein gutes Zeichen. Es gab ja einen zweiten Raum in Israel, der leer war, das Allerheiligste im Tempel. Er war die Manifestation der Herrlichkeit Gottes, in den der Hohepriester am Versöhnungstag hineinging und das Versöhnungsgebet sprach. Das leere Grab ist eine andere Manifestation. Es ist die Bestätigung der Liebe des Vaters zum Sohn. Der Vater nahm den ganzen Sohn, mit Leib und Seele, in die Herrlichkeit Gottes. Dieser Sohn möchte uns mitnehmen in die Herrlichkeit Gottes.

Ich vermute, dass die Zeit des mechanistischen Weltbildes vorbei ist, in dem alles nach Naturgesetzen abläuft und jeder Eingriff Gottes geleugnet wird. Anscheindend ist es möglich, Vertrauen in die Welt mit ihren Gesetzmäßigkeiten zu haben und gleichzeitig Vertrauen in den Schöpfergott zu haben, der durch seine Eingriffe unser planendes Handeln nicht verunmöglicht. Denn wenn ich jeden Tag einen großen Eingriff Gottes erleben würde, wäre ein planendes Handeln nicht möglich. Es gibt sicher Eingriffe Gottes, die wir nicht bemerken und die erst im Nachhinein erahnt werden. Das Ereignis vom leeren Grab ist für mich wie der brennende Dornbusch eine Selbstoffenbarung Gottes.

Das ist sanftmütiger nicht zu denken

Vorbilder sind trotz aller Autonomiewünsche für das Handeln äußerst wichtig. Eines dieser Vorbilder war der Nazarener. Jesus war ein Vorbild in der Sanftmütigkeit und Gewaltlosigkeit. Auch wenn er in einer prophetischen Symbolhandlung Händler und Geldwechsler aus dem Tempel trieb, so rief er nie zu Gewalthandlungen auf und auch als Auferstandener rächte er sich nicht für seinen gewaltsamen Tod. Er brachte den abtrünnigen Jüngern bei seinen Erscheinungen seinen Frieden und bot ihnen seine Versöhnung an.

Christinnen und Christen können ihm nachfolgen und ihn nachahmen. Wie hätte Jesus in dieser Situation gehandelt, ist eine Frage, die sich Christinnen und Christen in der Nachfolge stellen. Die sündhafte Mimetik wird durch eine jesuanische Mimetik aufgehoben.

Sein göttlicher Vater bestätigte ihn und seine sanftmütige Praxis, indem er ihn auferweckte. Der römische Hauptmann, der die Kreuzigung überwachte, nahm diese Bestätigung durch seinen himmlischen Vater vorweg: „Wahrlich, das war Gottes Sohn!“ Zwei andere sehr bekannte Vorwegnahmen der Bestätigung als Sohn und Messias waren die Taufe im Jordan und die Verklärung am Berg Tabor.

Als er sich von Johannes taufen ließ, bestätigte ihn sein göttlicher Vater als „geliebten Sohn“ und bei der Verklärung stand er voll im himmlischen Licht zwischen dem Gesetzbringer Moses und dem Urpropheten Elias. Jesus ging aber nicht als dritte Figur in die Geschichte ein. Eine Stimme hörten seine Jünger: „Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“

Jesus wusste sich von seinem Vater gesandt. Er war aber nicht nur der Überbringer einer Botschaft, wie es in der Bergpredigt zu hören war, sondern er zeigte einen so gütigen und so gerechten Gott, dass er größer in seiner Güte und in seiner Gerechtigkeit nicht gedacht werden kann.

Thesen für ein neues religiöses Verständnis (1. Version)

  1. Es geht nicht ums Christentum, sondern um die Nachfolge Jesu. Jesus ist für alle da, über Konfessionsgrenzen, aber auch über Religionsgrenzen hinaus.
  2. Bibelgetreues Christentum ist eine Mischung aus Frohbotschaft und Drohbotschaft, denn die Bibel – auch das Zweite Bundesbuch (= NT) – enthält Texte verschiedener Qualität und verschiedener Herkunft, die einander – vor allem vom Geist her – teilweise widersprechen und die teilweise ein Kirchenbild liefern, das jetzt und in Zukunft nicht mitgeschleppt werden darf. In diesem Sinn gehe ich in meinen Bibelbearbeitungen (die nächste erscheint zum Jahreswechsel) einen neuen Weg.
  3. In den ersten ökumenischen Konzilien wurde eine Tradition entwickelt, die weitgehend der Hellenisierung des Christentums entsprach. Auf so gut wie alle Begriffe der antiken Metaphysik und die darauf aufbauende Dogmatisierung können wir heute verzichten. In diesem Sinn gehe ich in meinen Sachbüchern (das nächste erscheint im Frühjahr 2011) einen neuen Weg.
  4. Monarchische, autokratische Strukturen sind nicht dazu geeignet, Leben und Anliegen Jesu widerzuspiegeln.
  5. Alle Menschen, die Jesus nachfolgen, haben die gleiche Verantwortung und Würde. Die Teilung der Menschen in den sogenannten Klerus und die sogenannten Laien ist abzulehnen. Die volle Gleichbehandlung von Mann und Frau ist unumgänglich. Für die Ausübung von Funktionen muss es eine demokratisch legitimierte Beauftragung geben.
  6. Alle Gemeinschaften im Namen Jesu haben die gleiche Verantwortung und Würde. Es ist unumgänglich, dass die Gemeinschaften einander voll anerkennen und einander volle Teilnahme an allen liturgischen Feiern gewähren, einschließlich Abendmahl. Dachorganisationen sind wünschenswert.

Diese Thesen sind ein Versuch, in Kurzform etwas von dem festzuhalten, was ich in meinen Büchern erarbeite. Ich habe die Thesen in Hinblick auf die Gruppe „Christlich-ökumenisch“, die ich in Facebook gegründet habe, in einer ersten Version aufgestellt.

Die Thesen stellen mein persönliches Verständnis dar. Sie sind formuliert ohne Rücksicht auf das, was derzeit durchsetzbar ist. Ich freue mich auf Euer Feedback.

Werner Krotz