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Stinkefinger: Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis soll nicht lügen

Varoufakis Stinkefinger

Gianis Varoufakis kann sich zur Wahrheit durchringen. Sie macht frei.

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis weiß, dass er vor zwei Jahren bei einem Vortrag den Deutschen den Stinkefinger gezeigt hat. Er könnte sich entschuldigen und eventuell darauf hinweisen, dass ihm da ein gravierender Fehler unterlaufen ist. Das wäre ihm nach zwei Jahren nachgesehen worden. Aber in der Jauch-Sendung leugnete er, erklärte das Video für eine Fälschung und fordert einige Tage später, dass sich Jauch entschuldigen soll. Es ist aber für einen griechischen Finanzminister, auch wenn seine Regierung nicht auf die Bibel vereidigt wurde, angebracht, das Gebot „Du sollst nicht lügen“ einzuhalten und wenn er gelogen hat, kann er sich entschuldigen.

Homosexualität: Die Kirche gewinnt neue Erkenntnisse

Petrus und Paulus

Petrus und Paulus

Es gibt Vieles, was in den Kirchen eine Zeiterscheinung ist. Im Herbst fallen die Blätter und im Frühling kommen neue. Die Äste und der Stamm aber bleiben. So gibt es Vieles, was sich im Laufe der Geschichte erhält und nicht untergeht.

Die Offenbarungen Gottes sind wie die Wurzeln eines Baumes. Sie begründen die Kirche. Es haben sich daraus in der Geschichte einige Äste entwickelt, damit sich diese Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte entfalten kann.

Ein Ast ist die Heilige Schrift, die eine gute Sammlung der Erfahrungen Israels und der ersten Christen ist. Vieles ist eine Zeiterscheinung und trockenes Laub. Texte über die Homosexualität im Alten Testament sind altes Laub, das der Geist Gottes, der weht, wo er will, in das Abseits wehte. Viele andere Erfahrungen bleiben bestehen. Auch durch die vier übrigen Äste, die das Bleibende stützen:

Ein zweiter Ast ist der Glaubenssinn aller Christen. Da helfen alle Gläubigen mit, die Offenbarung Gottes zu bewahren. In Stützenhofen, Niederösterreich, wo ein homosexueller Mann 2012 mit großer Unterstützung der Bevölkerung in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde, sah Erzbischof Schönborn den Glauben der Pfarrgemeinde und den Glauben des jungen Pfarrgemeinderates und hörte auf den Glaubenssinn des Gottesvolkes. Seine Entscheidung kann man weise nennen.

Ast

Der dritte Ast ist die Theologie, die den Glauben vernünftig deutet und das Gemeinsame bewahren hilft. Im Verein mit den anderen Wissenschaften kann Homosexualität erforscht und vernünftig gedeutet werden.

Der vierte Ast ist das kirchliche Lehramt, das die Aufgabe hat, nach einer Gesprächsphase über die Selbstoffenbarung Gottes und einem Diskussionsprozess verbindliche Entscheidungen zu treffen. Eine dieser Entscheidungen wurde schon gefällt: Homosexuell empfindende Menschen werden genauso wie andere Erdenbürger von Gott geliebt. Damit der Glaubenssinn erhalten bleibt, können die Entscheidungen des Lehramtes in späteren Jahren durch Konzilien und Päpste neu formuliert werden.

Der fünfte Ast der Kirche ist die Gebetstradition in den Gemeinschaften, den Sakramenten und den Gottesdiensten. Die Verbindung der Gläubigen mit Gott vermittelt Erkenntnisse über die Homosexualität, die über die Naturordnung hinausgeht. Dadurch, dass Gott Mensch wird, ereignet sich eine starke Dynamik. Im Gottesdienst beten alle im Heiligen Geist zu Gott Vater. Diese BeterInnen bilden den Leib Christi. Es vollzeiht sich die Hingabe des Sohnes (Jesus Christi) an den Vater. Paulus schreibt, dass durch Christus das Gesetz aufgehoben ist.

Was dies für die Homosexualität bedeutet, ist erst im Licht dieser Dynamik erkennbarer. Die Moral und die Ethik werden durch die Selbstoffenbarung Gottes dynamisiert. Die kirchliche Ordnung hat keinen Selbstzweck, sondern zentriert sich auf das Leben mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Inwiefern Homosexualität im Heiligen Geist gelebt werden kann, wird die Zukunft zeigen.

Die fünf Erkenntnis-Äste der Kirche und die Lebendigkeit des dreifaltigen Gottes sorgen dafür, die Sehnsucht der Schöpfung wach zu halten und zu sehen, dass alle Menschen, auch die homosexuell empfindenden Menschen von Gott geliebt werden.

 Link ORF NÖ

Ich glaube nicht an die Bibel, ich glaube an Jesus Christus

Jesus Christus in der Geschichte

Jesus Christus zeigt sich in zwei Medien der Geschichte

Die Bibel ist ein wunderbares Buch. Ich liebe sie. Ich schmökere gerne in der hebräischen Bibel und in der griechischen und die Texte sind mir ans Herz gewachsen. Aber wenn ich gefragt werde, woran ich mich gebunden fühle, dann ist es Gott und Jesus Christus und nicht die Bibel. Die Bibel ist ein Medium, das mir hilft, mit Gott Kontakt aufzunehmen. Wobei er sich mir liebevoll offenbart, wenn ich in diesem Medium lese.
Es gibt auch andere Medien, in denen sich Gott mir offenbart. Meine Kirche nennt das Tradition. Es sind dies Kontakte mit der christlichen Geschichte. Das können Bilder und Räume sein, das können Menschen sein, das können Heiligenlegenden und Konzilstexte sein. Die Legenda aurea hat mir meine Frau zu Weihnachten geschenkt. Sie erzählt wunderbare Heiligenlegenden. Diese Tradition ist mein zweites Medium, durch das Gott sich mir liebevoll zeigt.
An beiden, an der Bibel und an der Tradition, hängt mein Herz, weil mir Jesus durch diese Mittel entgegenkommt. Ich glaube nicht an die Bibel, ich glaube nicht an die Tradition, sondern ich glaube an Jesus Christus, der mir über Bibel und Tradition vermittelt wird. Die Bibel sagt mir nichts, die Tradition sagt mir nichts, Jesus Christus hingegen sagt mir vieles, wenn nicht alles.

Warum die christlichen Kirchen an die Dreifaltigkeit glauben

Bevor die Erde erschaffen wurde, gab es schon Gott. In ihm liebte Gott Vater Gott Sohn im Heiligen Geist und Gott Sohn liebte Gott Vater schon vor der Erschaffung der Welt im Heiligen Geist.
1.
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Der Geist schwebte über dem Wasser. (Genesis 1)
Der Heilige Geist war bei der Schöpfung dabei. Er legte sich als Geist in die Materie und gab der Materie ein Ziel: Auf den Gott Sohn sich hin zu entwickeln.
2.
Im Anfang war das Wort (Logos), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst…(Johannes legte Zeugnis ab für das Licht) Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
(Johannes 1, 1-5.9)
Jesus: Ich bin das Licht der Welt (Johannes 8,12)
Das Johannesevangelium bezeugt: Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes 1,11)
Das Johannesevangelium sagt ganz deutlich: Und das Wort (Logos) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. (Johannes 1,14)
3.
Die erste Taufformel besagt:
Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Mit dieser Formel taufen die Jünger im Auftrag Jesu:
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Matthäus 28,18-20)
(Diese Taufformel ist auch in der Didaché bezeugt (Didaché 7,1)
4.
Die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn ist so stark, dass diese Liebe eine eigene Person ist, der Heilige Geist. Wenn Gott Sohn in Maria Mensch wird, kommt der Heilige Geist über sie. Wenn Jesus sich taufen lässt, kam der Heilige Geist auf ihn herab und führte ihn 40 Tage in die Wüste. Am Ende seines Lebens gab er den Heiligen Geist Gott Vater wieder zurück. Die Auferweckung ist das Zeichen Gott Vaters, dass Jesus sein geliebter Sohn ist. Als Auferstandener sendet er seinen Jüngern den Heiligen Geist. Dieser wirkt unter uns.

5. Jesus Christus als Brot
Jesus Christus ist bei uns bis zum Ende der Welt (Matthäus 28,18-20). Er sagt: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20). Deswegen kann er unter uns auch in Form des Brotes in der Messe anwesend sein.

6. Jesus Christus erfüllt das Gesetz.
Paulus sagt: Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen.“ (Galater 5,13)
Durch Christus ist wirkliche Freiheit möglich. Menschen sind nicht frei, weil sie sich von Gott abwenden. Das jüdische Gesetz fordert die Hingabe an Gott, aber zeigt auch, dass Menschen Sünder sind, weil die Gesetze übertreten werden. Wenn Menschen aber mit Jesus Christus leben, ist das Gesetz zu Ende gekommen (Römerbrief 10,4: Jesus Christus ist das Ende des Gesetzes) und von Jesus erfüllt (Matthäus 5,17). Der Sünder, der mit der Taufe in den Lebensraum des Auferstandenen eintritt, darf in der Liebe Christi angstfrei glauben, hoffen und lieben.

Das leere Grab ist eine Manifestation Gottes

Das leere Grab ist für mich der Eingriff Gottes in die Geschichte. Egal, ob er der einzige oder einer von vielen großen Eingriffen ist, er ist für mich ein gutes Zeichen. Es gab ja einen zweiten Raum in Israel, der leer war, das Allerheiligste im Tempel. Er war die Manifestation der Herrlichkeit Gottes, in den der Hohepriester am Versöhnungstag hineinging und das Versöhnungsgebet sprach. Das leere Grab ist eine andere Manifestation. Es ist die Bestätigung der Liebe des Vaters zum Sohn. Der Vater nahm den ganzen Sohn, mit Leib und Seele, in die Herrlichkeit Gottes. Dieser Sohn möchte uns mitnehmen in die Herrlichkeit Gottes.

Ich vermute, dass die Zeit des mechanistischen Weltbildes vorbei ist, in dem alles nach Naturgesetzen abläuft und jeder Eingriff Gottes geleugnet wird. Anscheindend ist es möglich, Vertrauen in die Welt mit ihren Gesetzmäßigkeiten zu haben und gleichzeitig Vertrauen in den Schöpfergott zu haben, der durch seine Eingriffe unser planendes Handeln nicht verunmöglicht. Denn wenn ich jeden Tag einen großen Eingriff Gottes erleben würde, wäre ein planendes Handeln nicht möglich. Es gibt sicher Eingriffe Gottes, die wir nicht bemerken und die erst im Nachhinein erahnt werden. Das Ereignis vom leeren Grab ist für mich wie der brennende Dornbusch eine Selbstoffenbarung Gottes.

Das ist sanftmütiger nicht zu denken

Vorbilder sind trotz aller Autonomiewünsche für das Handeln äußerst wichtig. Eines dieser Vorbilder war der Nazarener. Jesus war ein Vorbild in der Sanftmütigkeit und Gewaltlosigkeit. Auch wenn er in einer prophetischen Symbolhandlung Händler und Geldwechsler aus dem Tempel trieb, so rief er nie zu Gewalthandlungen auf und auch als Auferstandener rächte er sich nicht für seinen gewaltsamen Tod. Er brachte den abtrünnigen Jüngern bei seinen Erscheinungen seinen Frieden und bot ihnen seine Versöhnung an.

Christinnen und Christen können ihm nachfolgen und ihn nachahmen. Wie hätte Jesus in dieser Situation gehandelt, ist eine Frage, die sich Christinnen und Christen in der Nachfolge stellen. Die sündhafte Mimetik wird durch eine jesuanische Mimetik aufgehoben.

Sein göttlicher Vater bestätigte ihn und seine sanftmütige Praxis, indem er ihn auferweckte. Der römische Hauptmann, der die Kreuzigung überwachte, nahm diese Bestätigung durch seinen himmlischen Vater vorweg: „Wahrlich, das war Gottes Sohn!“ Zwei andere sehr bekannte Vorwegnahmen der Bestätigung als Sohn und Messias waren die Taufe im Jordan und die Verklärung am Berg Tabor.

Als er sich von Johannes taufen ließ, bestätigte ihn sein göttlicher Vater als „geliebten Sohn“ und bei der Verklärung stand er voll im himmlischen Licht zwischen dem Gesetzbringer Moses und dem Urpropheten Elias. Jesus ging aber nicht als dritte Figur in die Geschichte ein. Eine Stimme hörten seine Jünger: „Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“

Jesus wusste sich von seinem Vater gesandt. Er war aber nicht nur der Überbringer einer Botschaft, wie es in der Bergpredigt zu hören war, sondern er zeigte einen so gütigen und so gerechten Gott, dass er größer in seiner Güte und in seiner Gerechtigkeit nicht gedacht werden kann.

Thesen für ein neues religiöses Verständnis (1. Version)

  1. Es geht nicht ums Christentum, sondern um die Nachfolge Jesu. Jesus ist für alle da, über Konfessionsgrenzen, aber auch über Religionsgrenzen hinaus.
  2. Bibelgetreues Christentum ist eine Mischung aus Frohbotschaft und Drohbotschaft, denn die Bibel – auch das Zweite Bundesbuch (= NT) – enthält Texte verschiedener Qualität und verschiedener Herkunft, die einander – vor allem vom Geist her – teilweise widersprechen und die teilweise ein Kirchenbild liefern, das jetzt und in Zukunft nicht mitgeschleppt werden darf. In diesem Sinn gehe ich in meinen Bibelbearbeitungen (die nächste erscheint zum Jahreswechsel) einen neuen Weg.
  3. In den ersten ökumenischen Konzilien wurde eine Tradition entwickelt, die weitgehend der Hellenisierung des Christentums entsprach. Auf so gut wie alle Begriffe der antiken Metaphysik und die darauf aufbauende Dogmatisierung können wir heute verzichten. In diesem Sinn gehe ich in meinen Sachbüchern (das nächste erscheint im Frühjahr 2011) einen neuen Weg.
  4. Monarchische, autokratische Strukturen sind nicht dazu geeignet, Leben und Anliegen Jesu widerzuspiegeln.
  5. Alle Menschen, die Jesus nachfolgen, haben die gleiche Verantwortung und Würde. Die Teilung der Menschen in den sogenannten Klerus und die sogenannten Laien ist abzulehnen. Die volle Gleichbehandlung von Mann und Frau ist unumgänglich. Für die Ausübung von Funktionen muss es eine demokratisch legitimierte Beauftragung geben.
  6. Alle Gemeinschaften im Namen Jesu haben die gleiche Verantwortung und Würde. Es ist unumgänglich, dass die Gemeinschaften einander voll anerkennen und einander volle Teilnahme an allen liturgischen Feiern gewähren, einschließlich Abendmahl. Dachorganisationen sind wünschenswert.

Diese Thesen sind ein Versuch, in Kurzform etwas von dem festzuhalten, was ich in meinen Büchern erarbeite. Ich habe die Thesen in Hinblick auf die Gruppe „Christlich-ökumenisch“, die ich in Facebook gegründet habe, in einer ersten Version aufgestellt.

Die Thesen stellen mein persönliches Verständnis dar. Sie sind formuliert ohne Rücksicht auf das, was derzeit durchsetzbar ist. Ich freue mich auf Euer Feedback.

Werner Krotz

Bitte was ist der Islam??

Der Islam: zwischen Mystik und Gesetz

Der Islam ist eine der drei abrahamitischen Religionen. Er hat einen strikten Eingottglauben, Mohammed ist sein Begründer und der Koran das heilige Buch. Gemeinsam mit den Christen und den Juden glauben die Muslime an einen Gott. Gemeinsam mit den Christen verehren sie Jesus und seine Mutter Maria. Gemeinsam mit den Juden haben sie religiöse Gesetze, die den Alltag regeln: Speisegesetze und Reinigungsgesetze.

Der Islam hat einige Richtungen, die sich im Laufe der Geschichte gebildet haben. Die zwei großen Strömungen Sunniten und Schiiten haben sich in Gruppen aufgespalten, die aber alle an den fünf Säulen festhalten:

Das Glaubensbekenntnis (Sahada), das fünfmalige Gebet mit Waschungen (Salat), die 2,5% Armensteuer (Sakat), das Fasten (Sawm) im Ramadan und die Pilgerfahrt (Haddsch) nach Mekka.

Nicht an alle 5 Säulen des Islam halten sich die Aliwiten (7er Schiiten) in der Türkei und Syrien.

Der Koran als Buch wird nicht wie im Christentum die Bibel als Sammlung der Erfahrungen mit Gott gesehen, sondern direkt von Gott dem Mohammed in den Mund gelegt. Es ist reinstes Wort Gottes, nicht wie bei Christen Gotteswort in Menschenwort. Wissenschaftliche historisch-kritische Untersuchungen dürfen im Koran (noch?) nicht durchgeführt werden.

Mystik: Versenkung in Gott

Die große Gruppe der Sunniten (Sunna = Tradition) verehrten viele heilige Männer, Sufis, meist Mystiker. Mystik hat nichts mit Geheimnis oder Mythos zu tun. Mystik ist ein Gebet, bei dem Menschen sich in Gott versenken. Einige Sufis leben in Gemeinschaften, nennen sich Derwische und einige von ihnen pflegen den religiösen Tanz. Im 18. Jahrhundert gründete Abdal Wahhab (1709 – 1792) eine puritanische Reformbewegung, den Wahhabismus, der mit Hilfe der Saudis Mekka eroberte. Sie zerstörten die Gräber der Sufis und legten die Scharia, das islamische Recht, sehr streng aus. Die Taliban in Afghanistan waren Wahhabiten, die in pakistanischen Koranschulen ausgebildet wurden. Diejenigen Sunniten, die keine Wahhabiten sind, sehen sich oft als Sufiten.

Die Sunniten stützen sich neben dem Koran auf die Hadiths, Texte von und über Mohammed, die in verschiedenen Sammlungen überliefert werden.

Die vielen Gruppen der Schiiten

Die kleinere Gruppe der Schiiten (Schiatu = Partei) verehren Ali, den Schwiegersohn Mohammeds fast göttlich. Die Söhne und Nachkommen Alis werden von den Schiiten Imame genannt. Über die Zahl der Imame besteht Uneinigkeit, sodass es verschiedene Schiiten gibt. Meist wird der letzte Imam als Erlöser (Mahdi) gesehen, der am Ende der Welt wiederkommen wird.

Die 5-er Schiiten verehren 5 Imame. Der 5. ist Zaid, deswegen werden sie auch Zaiditen genannt. Er wird als Anführer wiederkommen. Sie leben vor allem im Jemen.

Die 7-er Schiiten sind die Ismailiten. Auch im Norden Afghanistan leben sie. Sie verehren den 7. Imam Ismael, der um 762 starb. Sie haben eine neuplatonische Lehre mit der Emanation der Welt aus Gott. Einige sind ausgestorben, wie die Assassinen (gegründet 1081) und die Karmaten im 9. Jhdt, die den schwarzen Stein der Kaaba entführten. Die Bohoras leben in Indien. Die Khojas leben in Ostafrika verehren den Agha Khan. Die Drusen leben im Libanon und verehren Al Hakim, der 1021 starb, aber in der Zukunft wiederkommen wird. Hakim war schiitischer Kalif in Nordafrika aus dem Geschlecht der Fatimiden, die von Fatima, der Lieblingstochter des Mohammed abstammten.  Die Ismaeliten begründeten 909 in Nordafrika das fatimidische Kalifat.

Geschichte des Islams:

Mohammed: Zwischen 570 und 580 wurde er in Mekka geboren, wurde früh Waise, war im Karawanenhandel tätig, heiratete die Witwe Khadija, die 4 Töchter gebar. Mit 40 hatte er ein Berufungserlebnis und fing an, öffentlich zu reden: Es gibt nur einen Gott, das Gericht Gottes kommt, verzeiht einander, tut Buße, die Gerechten werden auferstehen. Seinen Offenbarungen gingen immer wieder ekstatische Anfälle voraus. Am 15.od.16. Juli 622 flüchtet er nach Yatrib (später Madinat = Medina), wo er Anhänger gewann und neue Gesetze für die Stadt schuf. Er überfiel Karawanen und eroberte 630 Mekka und machte die Kaaba zum Wallfahrtsort. 2 Jahre später machte auch er die Wallfahrt und starb im Jahr 632 n. Chr.

Koran: Die Verkündigung Mohammeds wurde von seinen Anhängern im Koran (= Lesung) aufgeschrieben, nachdem sie seine Reden auswendig lern­ten. Die Sammlung der Texte begann sein Schwiegersohn Othman zusammenzustellen. Er ist eingeteilt in 114 Kapitel (Suren) und enthält 6226 Verse. Im Koran ist alles enthalten, was für das Heil wichtig ist. Er ist das Gesetz für die Gemeinschaft. Es gibt keine islamische Textkritik, keine islamische Quellenforschung, keine anerkannte Übersetzung aus dem ara­bischen.

Hadiths: Neben dem Koran gibt es Aussprüche Mohammeds, die in der Sunna überliefert werden. Hadiths und Koran sind die Grundlagen für die Scharia, das islamische Gesetz.

Nachfolger: Abu Bakr und Omar wurden die Nachfolger Mohammeds, die sogenannten Kalifen. Der 3. Kalif Othman, der den Koran zusammenstellte, wurde ermordet, sein Nachfolger Ali, ein Vetter Mohammeds, verlegte seine Residenz nach Damaskus. Sein Gegner Mohawija vertrieb ihn nach einem Jahr (657). Nachdem er sich einem Schiedsgericht unterwerfen wollte, trennten sich seine Anhänger, die Charadschiten (heute: Abaditen) von ihm. Vier Jahre später wurde er in Kufa ermordet. Die Schiiten verehren ihn als rechtmäßigen Nachfolger und Verwandten Mohammeds. Die Sunniten sehen in Mohawija, dem Begründer der Omaijaden- Dynastie, den rechtmäßigen Kalifen.

Eroberungen: Der sunnitische Islam breitete sich durch die Eroberungen der Omaijaden nach Spanien und ins Industal aus. Die Moslem eroberten auch das Zentrum von Judentum und Christentum, Jerusalem. Durch die anderen Kulturen wurden viele Fragen zum Wesen Gottes ausgelöst (9.Jhdt). Die Seldschuken, ein türkischer Stamm, eroberte im 11.Jhdt. Persien und stieß bis Palästina vor. Der Kurde Saladin begründete im 12. Jhdt in Ägypten die Aijubidendynastie, zur gleichen Zeit regierten die Almohaden in Spanien. Die Sufi, die Derwische und die Fakire repräsentierten die damalige Armutsbewegung. Im 13./14. Jhdt waren die Mamluken in Ägypten und die Mongolen in Persien. Ab 1500 regierten die Großmoguln in Indien, ab dem 15.Jhdt bis zum 1. Weltkrieg hatten die Osmanen ein großes Reich (Balkan, Türkei, Irak, Ägypten u.a.).

Kommentar:

Kein Fundamentalismus!

1. Islam ist eine Religion und darf kein Staat sein. Wer glaubt, dass der Islam Politik ist, betreibt Fundamentalismus.

2. Die religiösen Gesetze der Scharia sind großteils OK. Die strafgesetzlichen Bestimmungen hingegen müssen aus dem Islam verbannt werden (Hand abhacken, Todesstrafe).

3. Der Islam soll ethische und moralische Prinzipien als Hilfe für die Gesellschaft anbieten. Aber kein Muslim und keine Muslimin darf einen islamischen Staat anstreben. Gesetze dürfen nicht mit dem Ruf: Das will Allah! eingeführt werden. Eine totalitäre Herrschaft der religiösen Mullahs oder eine totalitäre Herrschaft einer moslemischen Mehrheit ist immer eine Katastrophe.

4. Ein Übertritt zu einer anderen Religion darf nicht mit dem Tode bedroht werden. Die Religion bei einer Mischehe muss Sache der Ehepartner sein.

5. Jeder Muslim / jede Muslimin muss sich entscheiden: Lebe ich einen soliden, auf religiöse Bereiche begrenzten Islam oder einen politisch totalitären Islam.

Wunderbarer Eingottglaube und Sternstunden der Mystik

Ich finde, dass der Islam zwei große Aspekte mit dem Christentum verbindet. Der Glaube an einen Gott, der barmherzig, im großen und ganzen verstehbar und im Grunde allmächtig ist.  Er hat sich im Laufe der Geschichte als Gott gezeigt, der die Welt erschaffen hat und der die Welt und die Menschen zu einem guten Ende führt.

Der zweite Aspekt ist die Mystik, in der die Seele mit Gott im Gebet und in der meditativen „Schau“ sich vereint. Die Sufimeister und Meister Eckehart sind in ihren Lehren hier im Gleichklang.

Mit dem Judentum hat der Islam vieles gemeinsam: Beide Religionen definieren Speisegebote und Reinheitsgebote, beide Religionen haben ein Bilderverbot und beide Religionen haben Kleidervorschriften für Männer und Frauen. Aber auch im Judentum gibt es – vor allem bei den Chassidim – eine ausgeprägte Mystik.

Dschihad – Kampf wofür?

Es gibt im Islam drei Arten von Dschihad, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben:

1. Dschihad ist die „persönliche Anstrengung“, ein gläubiges Leben als Moslem / als Muslimin zu führen.

2. Dschihad ist der geregelte Krieg, ausgerufen vom Kalifen, die Umma (= die Gemeinschaft der Moslem) zu verteidigen.

3. Dschihad ist der Kampf gegen die Feinde des Islam in den nichtislamischen Ländern (in den „Ländern des Krieges“).

Diese letztere Bedeutung wurde von den Fundamentalisten auch auf sogenannte islamische Länder ausgeweitet, weil sie die westliche Kultur als Bedrohung erleben. Diese letzte Bedeutung des Dschihad wurde im letzten Jahrhundert für Fundamentalisten immer wichtiger, weil die Umma (seit Ata Türk) keinen Kalifen mehr hat.

Ich finde, dass Gewalt keine Lösung der Probleme bringt, sondern neue.

Die Einteilung in islamische und westliche Länder verhindert ein friedliches Zusammenleben der Religionen. Leider gibt es noch immer sogenannte islamische Länder, in denen andere Religionen nicht frei ausgeübt werden können.

Jesus und der Koran

Jesus Christus ist für Christinnen und Christen der Sohn Gottes, der unser Bruder wurde, gestorben, auferstand und alle Menschen zu Gott führt. Das Neue Testament ist Gotteswort in Menschenwort, die gesammelten Erfahrungen der Christen mit Jesus Christus und dem heiligen Geist. Jesus ist die letzte große Offenbarung Gottes. Alle Offenbarungen danach sind Privatoffenbarungen. Auch Mohammeds Offenbarung ist für Christen – wenn sie hoch bewertet wird – eine Privatoffenbarung.

Anders sehen es vielleicht Moslem und Muslima. Mohammed hat in ihren Augen eine Offenbarung Gottes gehabt, die die vorhergehenden Offenbarungen übertrifft. Fundamentalisten glauben, dass der Koran reines Gotteswort ist. Demgegenüber wissen die Islamgelehrten, dass Mohammed selber nicht schreiben konnte und vieles zuerst mündlich weitergegeben wurde. Die Schrift des Ur-Koran bestand aus nur 18 Buchstaben, die Rasm (Spur) genannt wurden. Erst später wurden Vokale eingefügt und die Konsonanten genauer festgelegt. Trotzdem blieben viele unklare Stellen. Die Sprache des Korans ist arabisch mit vielen Lehnwörtern aus dem Aramäischen, der damaligen östlichen Verkehrssprache. Kalif Osman (er regierte 644 – 655 n. Chr.) ließ eine Koran-Edition aus verschiedenen Koranüberlieferungen herstellen. 1972 wurden die bisher ältesten, zum Teil bereits 50 Jahre nach dem Tod Mohammeds entstandenen Koranfragmente in der Großen Moschee von Sanaa (Jemen) gefunden. Sie bestehen nur aus Rasm. Ob nach 680 die Bedeutung der Worte verändert wurde, ist unklar.

Es gibt Verse im Koran, die später revidiert wurden und deren Gültigkeit aufgehoben wurde. Dieses Problem wird schon im Koran selbst diskutiert, zum Beispiel in Sure 2, 142-150, anhand der Frage der Gebetsrichtung. Diese hatte Mohammed erst mit Jerusalem angegeben, später dann aber in Mekka geändert.

Es gab wohl auch einen Vers, der die Steinigung der Ehebrecherin forderte, was auch von den meisten muslimischen Gelehrten heute noch angenommen wird. Der heutige Text des Korans erwähnt jedoch nur noch das Auspeitschen (Sure 24,2ff).

Schließlich sind auch die sogenannten satanischen Verse zu nennen, in denen Mohammed von den mekkanischen weiblichen Gottheiten sagt, dass ihre Fürsprache erwünscht ist (früher an Stelle von Sure 53,20b). Einen Tag später widerruft er diese Aussage und erklärt, dass sie ihm von Satan eingegeben wurde.

Der Koran sieht das Christentum eigenartig verzerrt. Der Koran polemisiert in Sure 5, 116 gegen eine Auffassung, die christliche Trinität bestehe aus drei Göttern, nämlich Jesus, Maria und Gott.  An dieser Stelle 5,116 fragt Gott Jesus, ob er Maria und sich selber als Götter verkündete. Jesus weist das zurück. Unklar ist, welche Christen Mohammed hier meint. Die Trinität ist nach christlicher Auffassung jedenfalls Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Der Koran ist aus der Sicht der Literaturwissenschaft eine gewachsene Schrift. Aufgeklärte Moslem und Mosleminnen sehen darin Gotteswort in Menschenwort, nicht reines Gotteswort.

Hannes Daxbacher