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Solidarität mit Atheisten

In Bangladesch ist der atheistischer Blogger Avijit Roy umgebracht worden. Er erlitt bei einem Angriff mit Macheten tödliche Kopfverletzungen. Auch seine Ehefrau wurde bei der Attacke schwer verletzt. Sein Vater sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass sein Sohn viele Drohanrufe wegen seiner Bücher und seinem bekannten Blog Mukto-Mona erhalten hat. Im moslemisch geprägten Bangladesh ist im Jahr 2013 bereits der atheistische Blogger Ahmed Rajib Haider von einer kleinen Islamistengruppe ermordet worden. Bangladesh hat eine säkulare Regierung, die sich weigert, atheistische Blogger wegen Gotteslästerung hinzurichten. Als Zugeständnisse an die radikalen Moslem wurden 2013 Websites geschlossen und vier Blogger festgenommen. Als Christinnen und Christen treten wir für Pressefreiheit, Diskussionsfreiheit und Religionsfreiheit ein und verabscheuen dieses Verbrechen am atheistischen Blogger Avijit Roy und an dessen Frau Rafida Ahmed. Auf der Seite von www.muktomona.com steht: Wir trauern, aber wir sind nicht abgeschaltet.
Links: FAZ

Journalistenwatch
MSN
Mukto Mona (Freier Geist)

Gott ermöglicht die Naturwissenschaft

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse stehen nicht im Gegensatz zur christlichen Religion und zum katholischen Glauben, weil die Naturwissenschaft erklärt, wie die Welt in der Geschichte entstand, die christliche Religion hingegen schildert die religiösen Erfahrungen mit Gott, der sich den Menschen offenbart. Das sind vollkommen unterschiedliche Bereiche.

Naturwissenschaft begrenzt sich selber

Die Naturwissenschaft arbeitet in streng abgegrenzten Bereichen. Dadurch ist sie so erfolgreich. Sie misst, rechnet und erklärt. Die Physik befasst sich mit der unbelebten Natur, die Biologie mit der belebten Natur.

Katholische Religion begrenzt sich ebenfalls

Die christliche Religion, wie sie KatholikInnen glauben, ist ein von der Naturwissenschaft streng abgegrenzter Bereich. Sie ist in jeder Zeit und in jedem Weltbild möglich. Religion sammelt die Erfahrungen mit der Beziehung zu Gott und übernimmt die Erkenntnisse der Naturwissenschaften. Ideologien und religiöse Fantastereien können die Welt unerklärbar machen und einen Schleier über sie legen. Christliche Religion hingegen entzaubert die Welt, reißt die Schleier weg und macht sie für die Naturwissenschaft erforschbar. Wie ist das möglich?

Die Grenze zwischen Gott und den Menschen

Gott ist kein Teil der Welt, er ist jenseits der Welt. Durch diese Entschleierung der Welt wird sie erforschbar. Wie kann aber Gott dann erfahren werden? Gott tritt in Beziehung zu uns Menschen und kann in diesem Du-Bezug erfahren werden. Gott, der Grund von allem, kann – so glauben wir ChristInnen – zu uns Menschen kommen und uns von falschen Ideologien, die die Welt vernebeln, befreien.

Die Evolutionstheorie

Die Evolutionstheorie ist die bisher beste Erklärung der Geschichte des Universums und der Geschichte des Lebens. Der Begriff Evolution ist hier weiter gefasst als der biologische Begriff Evolution. Evolution bedeutet in der Biologie die Entwicklung des Lebens. Hier wird der Begriff auf die Geschichte des ganzen Universums seit dem Urknall ausgedehnt.

Geschichte des Universums

  1. Die Physiker erkannten, dass die Geschichte des Universums mit einem Urknall vor 13,75 Milliarden Jahren begann.
  2. Die Materie in einem unendlich heißen Punkt dehnte sich aus und es entstanden viele kleine Teilchen wie Quarks und Antiquarks.
  3. Erst nach einer Million Jahren entstanden die uns bekannten Elemente.
  4. Nach 480 Millionen Jahren entstanden 100 Milliarden Galaxien.
  5. Eine der größten Galaxien ist unsere Milchstraße mit 300 Milliarden Sonnen.
  6. Unsere Sonne mit 8 relativ kleinen Planeten entstand vor 4,6 Milliarden Jahren.
  7. Vor 4 Milliarden Jahren entstanden die ersten einzelligen Lebewesen
  8. Vor 251 Millionen Jahren traten die ersten Säugetiere auf
  9. Vor 65,5 Millionen Jahren entstanden die ersten Primaten und Hominiden
  10. Vor 70.000 Jahren verbreiteten sich von Afrika aus die Homo Sapiens (moderne Menschen) über die Kontinente.

Gott zeigt sich jedem Menschen

In der christlichen Spiritualität zeigte sich Gott in der Geschichte der Menschen. Speziell in der Geschichte mit Abraham, Moses, Elias und anderen IsraelitInnen offenbarte sich Gott als Beziehungsgeschehen. Damit wir wissen, wie Leben sinnvoll geht, ist er Mensch geworden. Diese Offenbarung kann jeder Mensch erfahren, der sich damit beschäftigt, denn Gott zeigt sich allen Menschen, die dies wollen. Aus diesen jüdischen und christlichen Erfahrungen kommt die Spiritualität, die die Naturwissenschaft ermöglicht.

Im Anfang war die Vernunft

Im Anfang war die Vernunft, und die Vernunft war bei Gott, und die Vernunft war Gott. Im Anfang war sie bei Gott. Alles ist durch die Vernunft geworden und ohne die Vernunft wurde nichts, was geworden ist. Woher wissen wir das? Weil sich Gott in der Geschichte der Menschheit gezeigt hat. Er zeigte sich Abraham, er befreite die Israeliten unter Mose, er offenbarte sich dem Elias. Zu guter Letzt zeigte er sich als Mensch in Jesus Christus, damit wir lernen, wie Leben sinnvoll geht – mit ihm. Er befreit uns zu uns selbst. Wenn wir mit ihm leben, durchstehen wir alles und entfalten unsere Anlagen und Talente. Es kann nicht sehr vernünftig sein, auf die Geschenke Gottes und auf seine Freundschaft zu verzichten.

Atheisten und Christen lesen die Nachfolge Christi

Auguste Comte

Auguste Comte

Der Atheist Auguste Comte gab seinen Anhängern den Rat, es ihm gleich zu tun und „Die Nachfolge Christi“ zu lesen. Diese Schrift des Thomas von Kempen gebe seiner neuen Religion das Feuer, das zur „Herzensbildung“ beiträgt. Man müsse nur den Begriff „Gott“ mit „Menschheit“ ersetzen. Die liberalen Protestanten und die an einen fernen Gott glaubenden Deisten wollen in seinen Augen die Religion mit Hilfe von Gott abschaffen. Er hingegen wolle im Namen der Religion Gott abschaffen. Dabei erkannte er zu Recht, dass „Die Nachfolge Christi“ des Augustiner Chorherren Thomas von Kempen das Feuer der Religion in sich trägt, sich aber auch mit der moralischen Natur des Menschen beschäftigt und zur „Herzensbildung“ beiträgt.

Jesus Christus, der Sohn Gottes

Jesus Christus, der Sohn Gottes

Thomas von Kempen hat eine Beziehung zu einem Gott, der zu den Menschen als Mensch kommt. Gott wird ein Bruder, der mit den Menschen geht. Ganz anders die Deisten. Sie sind einer Theologie des vollkommen transzendenten Gottes verfallen, der in dieser Transzendenz bleibt und nur mit Hilfe seiner (Natur-)Gesetze einiges regelt. Sie feiern vielleicht Weihnachten, aber glauben nicht, dass Gott Mensch und unser Bruder geworden ist.

Deisten und Atheisten haben keine Beziehung zu Christus, den Sohn Gottes und kennen ihn nicht. Sie würden ihn kennen, wenn sie eine Freundschaft zu ihm aufbauen würden. Ein Medium dazu wäre die Schrift „Die Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen.

Wer mir nachfolgt, geht nicht in der Finsternis – mit diesen Worten beginnt die Nachfolge Christi.

Imitatio Christi

Imitatio Christi

Viele haben sich mit der Nachfolge Christi intensiv beschäftigt. Der Liedermacher Konstantin Wecker schrieb eine Einführung zum Werk des Thomas von Kempen, John Wesley und John Newton schrieben ihr einen Einfluss auf ihre Bekehrung zu, die Jesuiten gaben der Nachfolge Christi einen Platz in ihren Exerzitien. Franz von Sales vertrat die Meinung, dass die Nachfolge Christi „schon mehr Menschen heiligte als es Buchstaben hat“.

Gottfried Wilhelm Leibnitz bezeichnete es als eines der vortrefflichsten Werke, die je verfasst sind, und pries den selig, der nach dem Inhalt dieses Büchleins lebt.

Es ist vermutlich das nach der Bibel am weitesten verbreitete Buch des Christentums. Es gibt mehr als 3000 verschiedene Ausgaben, davon allein 1000 im British Museum. Es soll allein 545 lateinische und etwa 900 französische Ausgaben geben. Es ist das bis heute häufigste in allen Kultursprachen gedruckte Werk (rund 750 Handschriften, weit über 1.000 gedruckte Ausgaben in etwa 100 Sprachen).

Thomas Hemerken von Kempen 1380-1471

Thomas Hemerken von Kempen 1380-1471

Adalbert Stifter verarbeitet das Werk in seinem wunderbaren Roman „Der Nachsommer“. Nikolaus Kues schätzte Thomas so sehr, dass er zu ihm extra nach Kempen reiste, um ihn zu besuchen. Dietrich Bonhoeffer hat sich beim Schreiben seines Buches »Nachfolge« inspirieren lassen, er schwärmte sogar einmal von der »Schönheit des Textes«, die er bei der »Nachfolge Christi« des Thomas von Kempen vorfand. Er hat das Buch geschätzt und – wie der katholische Märtyrer Alfred Delp – bis zu seinem Tod bei sich getragen. Auch UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld, Mystiker, Protestant und Friedensnobelpreisträger von 1961, war zutiefst von Thomas von Kempen beeinflusst, genauso Papst Johannes XXIII., der das Buch regelmäßig in die Hand nahm.

Die besten deutschen Übersetzungen aus dem Lateinischen sind von Johann Michael Sailer (Reclam) und von Wendelin Mayer (Butzon & Bercker).

Über dem Grab von Thomas Kempen steht: Nirgends finde ich sichere Ruhe als in meinem Zimmer mit dem Buch und Christus.

Links:
Wikipedia
Thomas-Archiv
Seiten von Peter Busch
Thomas in Kempen

Thomas von Kempen Die Nachfolge Christi Buch 1-3

Quelle: Wolf Lepenies, Auguste Comte, Die Macht der Zeichen, Edition Akzente, Hanser, München 2010