Ermutigungen von Franziskus

Papst Franziskus bringt in seiner Enzyklika Laudato Si acht Grundeinstellungen für ein geglücktes Leben angesichts der großen Krisen der Menschheit.

Dankbarkeit als Wertschätzung des Geschenkten
Demut als Freiwerden in Begrenzungen
Ehrfurcht als Zurücktreten vor dem Geheimnis
Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit

Maßhalten und Genügsamkeit als Zusammenklingen mit der Schöpfung
Genussfähigkeit und Freude als Geschmack am Leben.
Gelassenheit als Freisein von sich selbst.
Hingabe und Großzügigkeit als Bereitschaft sich zu verschenken.

Laudato Si
Michael Rosenberger: Rufer in der Wüste

Ermutigungen: Kinder, Humor, Liebe

Einiges ist hilfreich, wenn wir angesichts der Weltlage mit Krieg und Klimawandel in Gefahr laufen, die Hoffnung zu verlieren. Ich war bei einer Buchpräsentation, auf der Arnold Mettnitzer drei gute Hilfen für ein sinnvolles Leben angab:

Sei wie ein Kind und spiele wie ein Kind.
Suche den Humor und den Witz der jeweiligen Situation.
Suche die Lösungen der Liebe. Sie bringt das Verzeihen und das Verständnis für die anderen.

Ich finde diese Einstellung auch bei Jesus. Er stellt ein Kind in die Mitte, geht der Liebe nach und hat ein großes Vertrauen in seinen Vater und den Heiligen Geist.

Der Tod wird zu einem Tor

Ich kann allgemein über ein Leben nach dem Tod plaudern. Aber wenn ich über meinen eigenen Tod und mein eigenes Sterben nachdenke, dann wird mir anders. Ich fühle mich dem Tod gegenüber extrem ohnmächtig. Ich muss loslassen und mich ganz dem Tod, dem Sterben und Gott überlassen. Ich habe immer weniger Einfluss auf meinen Körper und meine Umgebung. Ich kann nur auf Gott vertrauen, dass er mich dabei begleitet. Der Tod wird für mich immer mehr zu einem Tor, durch das ich durchgedrückt werde. Ich frage mich, was mich danach erwartet und wie mir Gott und andere Menschen dann begegnen. Wie lebendig und frei bin ich dann? Vielleicht kann ich dann auf die Erde schauen und sehen, was die Menschen machen. Vielleicht bekomme ich dann die Möglichkeit, ein wenig (!) das Geheimnis „Gott“ zu lüften und vielleicht erkenne ich dann, was der Sinn des Ganzen ist.

Wenn ich anderen erzähle, wie es mir geht, wenn ich an meinen Tod denke, dann fragen sie mich, ob es mir gut geht. Ja, es geht mir gut. Die Beschäftigung mit dem Tod ist ein Blick auf die Realität. Jesus hilft mir dabei als Vorbild. Er hilft mir zu einem guten Leben im Hier und Jetzt, für das mir der Heilige Geist viele Impulse gibt.

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Allerheiligen, Allerseelen und der Himmel

Ich gehe in diesen Tagen zu zwei Gräbern. Das eine ist das von meinem Bruder, das zweite ist das von meinen Eltern. Ich hoffe, dass sie bei Gott glücklich sind.

Ich wurde einmal gefragt, ob Gott so viele Wohnungen hat, alle Milliarden Menschen bei ihm aufzunehmen. Aber von Gott kann man nicht groß genug denken. Für jeden und jede hat Gott eine wunderbare Wohnung vorbereitet. Die zwei Tage Allerheiligen und Allerseelen zeigen auf ein großartiges Fest, das nicht nur im Himmel gefeiert wird. Es ist ein Fest der großen Gemeinschaft von Verstorbenen, den Engeln und Gott.

Der Theologe Michael Böhnke lehrt mich, dass der Heilige Geist der wunderbare Verbinder ist, der alle zusammenführt. Er ist der, der uns alle zum himmlischen Fest der Freude und Fröhlichkeit führt.

Er erinnert immer an Jesus, der viele in ihrer Sehnsucht nach Heilung anspricht. Er ist überzeugt, dass den Armen, die nichts vorweisen können, das Reich Gottes geschenkt wird. Jene, die um ihre Liebsten trauern, werden von Gott getröstet. Jene, die sanftmütig sind und keine Gewalttäter sind, werden das fruchtbare Land von Gott geschenkt bekommen.

Michael Scharf schreibt: Allerheiligen ist eines der optimistischsten Feste des Kirchenjahres.
Allerheiligen feiert, voll Zuversicht, die Möglichkeit heilig zu sein, feiert die unzählbaren Scharen an Frauen und Männern deren christliche Nachfolge geglückt ist, die als Heilige vor Gott leben. (Michael Scharf, Heiligkeit für alle)

Danke sage ich, für das großartige fröhliche Fest mit den Heiligen, allen Verstorbenen, allen Engeln und Gott, der in seiner Dreifaltigkeit eine Fülle an froher Gemeinschaft ist.

Er freute sich

Die Nobelpreisträgerin Nelly Sachs beeindruckt mich. Sie schreibt: „Wenn die Propheten einbrächen. Ohr der Menschheit, du nesselverwachsenes, würdest du hören?“ Ich frage mich: Wenn Gott zu uns kommt: Würden wir ihn hören?

Die Zachäusgeschichte ist eine meiner Lieblingsgeschichten. Dieser Zachäus ist ein zögerlicher und reicher Mann, der auf einen Baum klettert, um Jesus zu sehen. Er hört den Zuruf Jesus. „Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus bleiben.“ Die Begegnung mit Gott kann vieles lösen. Hier kommt Gott in der Figur des Jesus zu einem Mann, der mit den unreinen Römern zusammenarbeitet und für die Juden unrein ist. Zachäus muss aber sich und sein Haus nicht reinigen, damit der Sohn Gottes eintritt. Jesus sprengt den Rahmen der Gesetze von Unreinheit und Reinheit und ermöglicht Lösungen und Heilungen. Zachäus freute sich.
Ich denke, die Propheten sind bei Nelly Sachs Figuren der Transzendenz, Figuren für Gott. Wir alle haben relativ fixe Annahmen über die Wirklichkeit. Wenn Gott aber in unser Leben einbricht, dann werden unsere Annahmen über die Welt gesprengt, dann sind Lösungen und Heilungen möglich. Dann kann ich auch ein einfaches Leben führen. Ich erfahre, dass er da ist und uns treu bleibt.
Der Text zu Zachäus Lukas 19.
Nelly Sachs Wenn die Propheten einbrächen

Dankbarkeit erfreut die Seele

Dieser Oktober ist jetzt schon der zweit wärmste in diesem Jahrtausend (gleichauf mit 2006) und könnte die Spitze von 2001 noch erreichen, vielleicht sogar toppen.“ Das schreibt Marcus Wadsak, der Leiter der ORF Wetter Abteilung. Ich freue mich gerade über die Sonne, die mir ins Zimmer scheint. Ein wenig beunruhigt mich aber auch, dass es immer wärmer wird. Wie wir Christinnen und Christen darauf reagieren können, schreibt Papst Franziskus in seinem Brief Laudato Si‘. Er geht davon aus, dass es einerseits eine gemeinschaftliche Aufgabe ist, andererseits es aber auch eine neue Grundeinstellung braucht. Viele in unserer Gemeinde haben diese. Franziskus erinnert vor allem an die Dankbarkeit, die das Herz erfreut.

Ich sitze in der Sonne und denke an einen Bekannten, der jetzt sehr dankbar ist. Er hatte große Schmerzen in seinem Knie, die jeden Tag ärger wurden. Er konnte schon nicht mehr schlafen. Da erinnerte er sich, dass Jesus heilte. Er bat Jesus, ihm die Schmerzen zu nehmen. Da ließen sie wirklich nach und er konnte schlafen. Seitdem hat er keine Schmerzen mehr. Jetzt sagte er mir, dass er dumm war, dass er das nicht schon früher gemacht habe.
Übrigens: Wer die Rede von Michael Rosenberger über Schöpfungsspiritualität noch nicht gehört hat, hier ist seine berührende Rede zur Umkehr der Herzen, zu Laudato Si‘ und zum Klimawandel.

Umkehr der Herzen und neuer Lebensstil

Der Priester und Moraltheologe Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der Katholischen Privatuniversität Linz, forscht intensiv auf dem Gebiet Schöpfungsspiritualität. In seinem Vortrag am „Inspirationstag Laudato Si’“ (St. Florian, Wien) sprach er über die notwendig gewordene Umkehr unseres ökonomischen und ökologischen Lebensstiles. Hier ist seine berührende Rede zum Umkehr unserer Herzen: https://www.youtube.com/watch?v=BYJ-x63jbpQ

Er nennt neun zwei wissenschaftsbasierte planetarische Grenzen und Herausforderungen:
1. Eine Grenze, die Aerosole sind noch unklar.
2.-4. Bei drei Grenzen sind wir NOCH im grünen Bereich: die Süßwassernutzung, das Ozon in der Stratosphäre und die Versauerung der Ozeane.
5.-6. Zwei Grenzen sind schon bedrohlich überschritten: Die Klimaerwärmung und die Land-Nutzungsveränderung. Das letzte sind das Roden der Wälder, das Trockenlegen von Sümpfen, Mooren und Feuchtgebieten, die Versiegelung der Böden.
7.-9. Drei Grenzen, bei denen wir schon weit darüber sind: die Artenvielfalt, die Hälfte aller Arten sind bedroht vom Aussterben; die biogeochemikalischen Stoffflüsse, Phosphor und Stickstoff; die Novel Entities, Plastik (Plastic Planet), Microplastik.

Rosenberger bringt zwei wissenschaftsbasierte Schlüssel, den Bereich der Biodiversität und den Bereich des Klimaschutzes. Wenn wir den bewältigen, dann können wir den Wandel schaffen.

Biodiversität und Klimaschutz: Was tun?

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Das Herz weit machen

Es ist schon eine eigenartige Welt. Da gibt es Menschen, die Kriege führen und das Klima zerstören, aber zur gleichen Zeit gibt es Menschen, die lieben andere, pflegen Kranke, trösten Trauernde, verzeihen einander, beschützen die Natur und sehnen sich nach Gerechtigkeit und Frieden. Es gibt verschlossene Herzen und es gibt offene Herzen. .
Ich habe von einem meiner Söhne das Meditationsbuch von Bernhard von Clairvaux „Das Herz weit machen“ geschenkt bekommen. Bernhard beginnt mit dem Satz: Hört die innere Stimme; seid bestrebt, mehr von innen heraus die Stimme Gottes als von außen die Stimme eines Menschen zu vernehmen.
Bernhard erkennt, dass die Stimme Gottes ganz stark ist und es eine Anstrengung braucht, sie nicht zu hören.
Wenn ich seine Stimme in mir zulasse, ändert sich vieles. Ich kann zu seinem Willen „Ja“ sagen. Dann kann es passieren, dass sich ein Handlungsspielraum für ihn eröffnet. Wir können, so glaube ich, Gottesmedien werden, durch die Gott bemerkt oder unbemerkt wirken, lieben und handeln kann.

Umkehr der Herzen

Der Priester und Moraltheologe Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der Katholischen Privatuniversität Linz, forscht intensiv auf dem Gebiet Schöpfungsspiritualität. In seinem Vortrag am „Inspirationstag Laudato Si'“ (St. Florian, Wien) sprach er über die notwendig gewordene Umkehr unseres ökonomischen und ökologischen Lebensstiles. Hier ist seine berührende Rede zum Umkehr unserer Herzen.

(Bild: Bernhard von Clairvaux, Abtei von Fontenay)

Der Sonnengesang preist Gott

Franz von Assisi dichtete seinen Sonnengesang, als er schon krank und blind war. Von der Malaria bekam er Fieberschübe, seine Augen eiterten und tränten ununterbrochen, sodass er nur im Sitzen schlafen konnte. Sein Körper schmerzte und er war verzweifelt. Da begann er zu singen und dichtete eine Strophe nach der anderen. Er begann mit einem Lob auf Gott: „Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.“ Dann besingt er die Natur, durch die hindurch Gott zu uns spricht: „Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne … Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Mond und die Sterne. Am Himmel hast du sie geformt, klar und kostbar und schön.“ Dann lobt er Gott für Bruder Wind, für Luft und Wolken, für Schwester Wasser, für Bruder Feuer, für unsere Schwester Mutter Erde, für die Früchte, die bunten Blumen und die Kräuter. Er lobt Gott für jene, die verzeihen, die Krankheit und Not ertragen. Er preist jene selig, die ausharren in Frieden, „denn du, Höchster, wirst sie einst krönen.“ Franziskus lobt Gott für unsere Schwester, den leiblichen Tod, dem kein Mensch entrinnen kann. Er preist jene selig, „die er finden wird in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.“ Zum Schluss singt er „Lobt und preist meinen Herrn und dankt und dient ihm mit großer Demut.“ Der Sonnengesang ließ Franziskus sein Leiden vergessen und schenkte ihm grenzenlose Freude.

Ganzer Text
Das Lied
Eines der schönsten Bilder: Sonnengesangfenster in der Caritaskapelle Mannheim, Yvelle Gabriel

Kann ich Gott vertrauen?

Ich staune über jenen Menschen, der so stark in Gott verwurzelt war, dass er sagen konnte: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Psalm 18,30b). Ich würde diesen starken Glauben gerne selbst haben.
Im Nachhinein bin ich Gott für vieles dankbar. Dass ich noch immer lebe, dass wir in der Familie gesund sind, dass wir uns verstehen, dass wir genug zum Leben haben, dass ich Freunde habe, dass ich in einer Gottesdienstgemeinde bin. Ich glaube, dass Gott mich immer wieder beschenkt hat und durch Schwierigkeiten hindurchgeführt hat. Ich vertraue ihm, dass er seine beschützende Hand über uns weiter hält. Ich vertraue ihm.