Archiv der Kategorie: Kirchenreform

Stoppt die Papstwahl!

Lombardi: Ein pastorales Problem

Emeritierter Benedikt XVI

Wer jetzt ein neues Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wählt, handelt unrechtmäßig. Zu viele Fragen sind offen, zu wenige Reform-Entscheidungen konsequent getroffen. Kirche und Kardinäle brauchen zwei Jahre Zeit, sich zu besinnen! Ein Zwischenruf von Hermann Häring auf Publik-Forum

Fremdartige Mundkommunion

Mundkommunion

Mundkommunion

Mir ist in der katholischen Welt in den letzten Jahren vieles begegnet, das ich als Kulturschock erlebte. Es sind dies Priester, die die Mundkommunion wieder einführen wollen. Bei der Mundkommunion soll man knien und die Zunge herausstrecken. Bei der Wandlung sagt aber Jesus: Nehmt und esst. Er sagt nicht: Knie nieder und mach den Mund auf. Deswegen nehme ich und esse. Dies ist mit ein Grund, warum vor fast 50 Jahren die Handkommunion üblich wurde. Wer will, kann sich die Hostie auf die Zunge legen lassen. In der Kommunion schenkt sich mir und uns Gott selber. Störend und fremdartig mutet es an, wenn für diese komische knieende Mundkommunion Propaganda gemacht wird.

Der nächste Papst soll ein Konzil einberufen!

Einen der interessantesten Vorschläge zur Kirchenreform macht der Sozialethiker Herwig Büchele in der österreichischen Zeitschrift Die Furche (2012/26). Er plädiert für ein III. Vatikanisches Konzil, bei dem die offenen Fragen nach der Stellung der Frauen in der Kirche, so auch die Zulassung von Frauen zum Priesteramt besprochen werden können.

Büchele ist Realist genug, dass er schon an den nächsten Papst denkt, wenn er schreibt: Es ist „auch an den österreichischen Bischöfen, den kommenden Papst zu bitten, ein III. Vatikanisches Konzil einzuberufen“. Vorbild ist für ihn der Zimmermann aus Nazareth mit seiner Einfachheit und seinen aufbauenden Worten der Bergpredigt.

Lehnt Benedikt XVI einen Dialog mit der Pfarrerinitiative ab?

Lombardi: Ein pastorales Problem

Lombardi: Ein pastorales Problem

Wie heute bekannt wurde, hat Vatikansprecher Federico Lombardi gemeint, bei der Pfarrerinitiative handle es sich um ein „Pastoralproblem“, und es sei Aufgabe der österreichischen Bischöfe, diesen Dialog zu führen. „Das ist der normale Weg“, sagte Lombardi vor österreichischen Journalisten in Rom. Wenn jetzt die Wünsche der Pfarrerinitiative von den Bischöfen geteilt werden, müssen diese Wünsche Papst Benedikt vorgelegt werden.

Was würde Jesus tun?

Es ist jetzt an den österreichischen Bischöfen, die Wünsche mit den Pfarrern einzeln zu besprechen und sich zu überlegen, was Jesus tun würde und ob die Wünsche im Sinne des Geistes von Jesus Christi sind.

Internationale Wünsche

Es ist jetzt aber auch an den Bischofskonferenzen der jeweiligen Länder wie Irland und Deutschland, in denen Pfarrerinitiativen bestehen, diese Fragen und Wünsche im Sinne Jesu mit den Pfarrern zu besprechen.

Welche Wünsche haben die Pfarrer?
1. Die Wiederverheiratet Geschiedenen sollen die Kommunion empfangen können.
2. Nichtkleriker sollen predigen können.
3. Nichtkleriker als Gemeindeleiter und Gemeindeleiterinnen.
4. Frauen sollen zu Priesterinnen geweiht werden können.
5. Verheiratete sollen zu PriesterInnen geweiht werden können.
6. Verheiratete Priester ohne Amt sollen wieder ihr Amt ausüben können.

Was ist dabei im Sinne Jesu? Die Bischöfe sind gefragt. Das wären

Erzdiözese Salzburg: Erzbischof Alois Kothgasser SDB
Diözese Feldkirch: Bischof em. Elmar Fischer
Diözese Graz-Seckau: Bischof Egon Kapellari
Diözese Gurk – Klagenfurt: Bischof Alois Schwarz
Diözese Innsbruck: Bischof Manfred Scheuer
Erzdiözese Wien: Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn OP
Diözese Eisenstadt: Bischof Ägidius Zsifkovics
Diözese Linz: Bischof Ludwig Schwarz SDB
Diözese St. Pölten: Bischof Klaus Küng
Österreichische Militärdiözese: Militärbischof Christian Werner
Nuntius: Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen

Links: Pfarrerinitiative (Sprecher Mag. Helmut Schüller)
Liste der österreichischen Bischöfe

Tertullian: Laien bringen das heilige Opfer dar!

Kirchenvater Tertullian

Kirchenvater Tertullian

Sind nicht auch wir Laien Priester? Es
steht geschrieben: ‚Er hat uns zu Königen
gemacht und zu Priestern für Gott und
seinen Vater.’ Den Unterschied zwischen
Priesterstand und Laien hat die Autorität
der Kirche festgesetzt und die von Gott
geheiligte Rangstellung im Kreise der
Kleriker. Wo kein kirchlicher Stand
eingerichtet ist, da bringst du das heilige
Opfer dar und spendest die Taufe und
bist für dich allein Priester;
selbstverständlich ist da eine Kirche, wo
drei beisammen sind, mögen sie auch
Laien sein.
Literatur zum Thema:
Legrand, Hervé M.: The Presidency of the Eucharist According to the
Ancient Tradition, in: Worship 53 (1979) 413-438. – Faivre, A.: Les laics
aux origines de l’Église, Paris 1984. – Van Beneden, P.: Haben Laien
ohne Ordinierte die Eucharistie gefeiert? Zu Tertullians „De exhortatione
castitatis“ 7,3, in: Archiv für 29 (1987) 31-46. – Neben Tertullian ist
auch hinzuweisen auf Theodoret von Cyrus, Kirchengeschichte 1,23,5
(Zeugnis über Äthiopien im vierten Jahrhundert). – Tertullian lebte 160-
220, wurde 205 Montanist – „De exhortatione castitatis“, anders als im
LThK [Freiburg 8 (1964) 1371] eingereiht [Altaner, B./Stuiber, A.:
Patrologie, Freiburg 81978, 158], stammt aus der vormontanistischen
Zeit; Theodorets Lebensdaten sind 393 bis vermutlich 466 (die
Kirchengeschichte entstand 449/450)

Homosexualität: Die Kirche gewinnt neue Erkenntnisse

Petrus und Paulus

Petrus und Paulus

Es gibt Vieles, was in den Kirchen eine Zeiterscheinung ist. Im Herbst fallen die Blätter und im Frühling kommen neue. Die Äste und der Stamm aber bleiben. So gibt es Vieles, was sich im Laufe der Geschichte erhält und nicht untergeht.

Die Offenbarungen Gottes sind wie die Wurzeln eines Baumes. Sie begründen die Kirche. Es haben sich daraus in der Geschichte einige Äste entwickelt, damit sich diese Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte entfalten kann.

Ein Ast ist die Heilige Schrift, die eine gute Sammlung der Erfahrungen Israels und der ersten Christen ist. Vieles ist eine Zeiterscheinung und trockenes Laub. Texte über die Homosexualität im Alten Testament sind altes Laub, das der Geist Gottes, der weht, wo er will, in das Abseits wehte. Viele andere Erfahrungen bleiben bestehen. Auch durch die vier übrigen Äste, die das Bleibende stützen:

Ein zweiter Ast ist der Glaubenssinn aller Christen. Da helfen alle Gläubigen mit, die Offenbarung Gottes zu bewahren. In Stützenhofen, Niederösterreich, wo ein homosexueller Mann 2012 mit großer Unterstützung der Bevölkerung in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde, sah Erzbischof Schönborn den Glauben der Pfarrgemeinde und den Glauben des jungen Pfarrgemeinderates und hörte auf den Glaubenssinn des Gottesvolkes. Seine Entscheidung kann man weise nennen.

Ast

Der dritte Ast ist die Theologie, die den Glauben vernünftig deutet und das Gemeinsame bewahren hilft. Im Verein mit den anderen Wissenschaften kann Homosexualität erforscht und vernünftig gedeutet werden.

Der vierte Ast ist das kirchliche Lehramt, das die Aufgabe hat, nach einer Gesprächsphase über die Selbstoffenbarung Gottes und einem Diskussionsprozess verbindliche Entscheidungen zu treffen. Eine dieser Entscheidungen wurde schon gefällt: Homosexuell empfindende Menschen werden genauso wie andere Erdenbürger von Gott geliebt. Damit der Glaubenssinn erhalten bleibt, können die Entscheidungen des Lehramtes in späteren Jahren durch Konzilien und Päpste neu formuliert werden.

Der fünfte Ast der Kirche ist die Gebetstradition in den Gemeinschaften, den Sakramenten und den Gottesdiensten. Die Verbindung der Gläubigen mit Gott vermittelt Erkenntnisse über die Homosexualität, die über die Naturordnung hinausgeht. Dadurch, dass Gott Mensch wird, ereignet sich eine starke Dynamik. Im Gottesdienst beten alle im Heiligen Geist zu Gott Vater. Diese BeterInnen bilden den Leib Christi. Es vollzeiht sich die Hingabe des Sohnes (Jesus Christi) an den Vater. Paulus schreibt, dass durch Christus das Gesetz aufgehoben ist.

Was dies für die Homosexualität bedeutet, ist erst im Licht dieser Dynamik erkennbarer. Die Moral und die Ethik werden durch die Selbstoffenbarung Gottes dynamisiert. Die kirchliche Ordnung hat keinen Selbstzweck, sondern zentriert sich auf das Leben mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Inwiefern Homosexualität im Heiligen Geist gelebt werden kann, wird die Zukunft zeigen.

Die fünf Erkenntnis-Äste der Kirche und die Lebendigkeit des dreifaltigen Gottes sorgen dafür, die Sehnsucht der Schöpfung wach zu halten und zu sehen, dass alle Menschen, auch die homosexuell empfindenden Menschen von Gott geliebt werden.

 Link ORF NÖ

Sexualmoral auf dem 3. Vatikanischen Konzil

Prof. José Casanova

Prof. José Casanova: Die Moderne hat ihre Sakralität

Der Religionssoziologe José Casanova sieht als Ausweg aus der Krise der katholischen Kirche ein neues Konzil, das die Kirche aus der fundamentalistischen und naturrechtlichen Moral lösen kann, in die sie durch die Enzyklika Humanae Vitae von Paul VI im Schicksalsjahr 1968 geraten ist. Freiheit, Gleichheit und das Streben nach Glück sind für ihn Teile der, wie er es nennt, „modernen sakralen Moralität“.
Casanova sieht im 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) einen wegweisenden Ansatz, Dogmen in der jeweiligen Zeit „zu historisieren, statt naturrechtlich zu begründen.“
Ansonsten sieht er eine größer werdende Kluft im Bereich der sexuellen Moralität zwischen den Menschen und der Kirche. Nach dem gesellschaftlichen Dogma, dass „Politik nichts mit Religion zu tun hat“ ist das nächste Dogma „Sex hat nichts mit Religion zu tun.“
Stand im 19. Jahrhundert die die soziale Frage an, so ist es nach Casanova heute die Geschlechterfrage. Dies ist einer der wichtigsten Fragen, die auf einem 3. Vatikanischen Konzil zu klären sind.

Aus: Die Welt verstehen und dann verändern, Interview mit José Casanova von Irene Heisz