Empathie statt Klerikalismus: Chancen und Grenzen externer Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch

Keine Gewalt gegen Kinder, keine Übergriffe, kein Missbrauch, aber sie verstehen, sie dazugehören lassen und sie willkommen heißen.

Jörg Fegert ist Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Ulm, unterstützte von Anfang an die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Er berichtet von seinen auch ambivalenten Erfahrungen und reflektiert darüber, wie die Kirche mit dem Thema und vor allem mit den Betroffenen umgehen sollte.

Quelle: Empathie statt Klerikalismus: Chancen und Grenzen externer Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch

„Originär kirchlich wäre zuerst ein theologischer Beitrag, vor allem mit dem Leid der Betroffenen. Sensibilisierung für die Missbrauchsthematik endet nicht damit, dass man in Präventionstätigkeiten, Schutzkonzepte, Kommissionen und Beauftragte investiert, sondern alle Ebenen müssen verantwortlich angegangen werden. Es ist ein Glaubensthema und ein Leitungsthema. Bischöfe und Generalvikare müssen transparent entscheiden und in solche Entscheidungen Personen wie die genannten einbeziehen. Etwa stehen dem Finanzplan einer Einrichtung, die sich nicht um ein Schutzkonzept für die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen kümmert, erhebliche Bedenken entgegen, und man darf ihn nicht einfach durchwinken. Die MHG-Studie benennt Entstehungsbedingungen wie zum Beispiel den Klerikalismus. Hier sind glaubhafte Antworten zu fordern: Transparenz, Laienbeteiligung in Verfahren und einiges mehr. Im Umgang der Kirche mit den Schwächsten, also mit den Betroffenen, lässt sich am besten ersehen, ob die Kirche eine Antwort gefunden hat.“

Ich möchte dazugehören

„In einem Projekt unserer Klinikschule formulierten die bei uns behandelten und betreuten Kinder und Jugendlichen einen ihrer zentralen Wünsche für ihr Leben: „dazugehören“. Seelisches Leid ist häufig mit sozialer Isolation, mit beeinträchtigten und belasteten Partnerbeziehungen verbunden. Betroffene als dazugehörig zu betrachten, sie im Dazugehören zu unterstützen, ist aus meiner Sicht die zentrale Aufgabe. Effektive Ebenen der Partizipation sind wichtig. Die Kirche als mächtige Trägerin sozialer Institutionen sollte dazu beitragen, dass Menschen, welche an teils massiven seelischen, körperlichen und sozialen Folgen früher Kindheitsbelastungen leiden, besonders gut behandelt werden. Hierzu gehört fachliches Engagement, nicht nur das korrekte Mitzeichnen von Leitlinienvorschlägen. Kirchliche Hochschulen könnten hier noch mehr in spezifische Expertise und Praxisentwicklung investieren.
Der Kirche ist zu wünschen, dass sie in Zukunft diesen Herausforderungen besser gerecht werde. Blicke ich auf mehr als 15 Jahre fachliche externe Begleitung und Beratung zurück, muss ich feststellen, dass meine generelle Ambivalenz in den letzten Jahren – trotz vieler hoffnungsschaffender persönlicher Kontakte – eher gestiegen ist. Der Kirche ist auf Dauer auch von außen durch die Wissenschaft nur zu helfen, wenn sie selbst Antworten auf diese Fragen sucht.“

Jesus im Matthäusevangelium: Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. Mt18,4-6

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