Bonaventura sehnt sich

Bonaventura war einer der wichtigsten Lehrer des 13. Jahrhunderts. Er leitete den Franziskanerorden und schrieb die erste Biographie von Franz von Assisi.

Er schrieb einen Brief an Christus, in dem er seine ganze Sehnsucht nach Erlösung ausdrückt:

Verwandle, süßer Herr Jesus, das Mark und das Fleisch meiner Seele mit der freudigsten und heilsamsten Wunde deiner Liebe, mit wahrer Ruhe und heiliger, apostolischer Nächstenliebe, damit meine Seele zu dir schmachtet und zu dir hinströmt mit ganzer Liebe und Sehnsucht; damit sie dich begehrt, sich dir ausliefert und sich nach dir sehnt erlöst zu werden und ganz bei dir zu sein.

Gewähre, dass meine Seele nach dir hungrig ist. Du bist das Brot der Engel, die Erfrischung der heiligen Seelen, unser tägliches und himmlisches Brot, das alle Süße, alle Empfindungen und jeden köstlichen Geschmack enthält.

Möge mein Herz immer nach dir hungern, um dich aufzunehmen, Du, den die Engel sehen wollen, und möge meine innerste Seele erfüllt sein mit der Süße deines Geschmacks.

Möge mein Herz immer nach dir dürsten, du Quelle des Lebens, du Quelle der Weisheit und des Wissens, du Quelle des ewigen Lichts, du Strom der Freude, du Fülle des Hauses Gottes.

Möge mein Herz dich immer umfangen, dich suchen, dich finden, zu dir laufen, zu dir kommen, dich zu meditieren, von dir zu sprechen und alles zu tun zum Lob und zur Ehre von deinem Namen, mit Demut und Diskretion, mit Liebe und Freude, mit Leichtigkeit und Zuneigung, mit Beharrlichkeit bis zum Ende.

Und sei du allein immer meine Hoffnung, mein ganzes Vertrauen, mein Reichtum, meine Wonne, mein Vergnügen, meine Freude, meine Rast und meine Ruhe, mein Friede, meine Süße, meine Nahrung, meine Erquickung, meine Zuflucht, meine Hilfe, meine Weisheit, mein Anteil, mein Besitz, mein Schatz; in dir möge mein Geist und mein Herz immer fest, sicher und unverrückbar verwurzelt sein. Amen.

Himmlisches Brot

Bonaventura schreibt, wie es in der Übersetzung des Vaterunsers aus dem Griechischen richtig ist, vom panis supersubstantialis, dem überwesentlichen, himmlischen Brot, wie es Hieronymus in seiner Vulgata übersetzte. Er betet aber auch die Vetus-Biblia-Übersetzung mit dem täglichen Brot (panis cotidianus), wie es in der westlichen Christenheit üblich ist. (Quelle: Eckhard Nordhofen, Corpora )

In seinem Buch „Der Weg des Geistes zu Gott“ beschreibt Bonaventura in verschiedenen Bildworten Jesus Christus als den Weg zum Vater:
Christus ist die Leiter, er ist das Gefährt; er ist so wie der Thron auf der Bundeslade; er ist das Geheimnis, das seit ewigen Zeiten verborgen war (Kolosserbrief 1, 26).
(Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon)

Und das ganze Gebet an Jesus auf Latein:

Transfige, dulcissime Domine Iesu, medullas et viscera animae meae suavissimo ac saluberrimo amoris tui vulnere, vera serenaque et apostolica sanctissima caritate, ut langueat et liquefiat anima mea solo semper amore et desiderio tui, te concupiscat et deficiat in atria tua, cupiat dissolvi et esse tecum

Da ut anima mea te esuriat, panem Angelorum, refectionem animarum sanctarum; panem nostrum cotidianum, supersubstantialem, habentem omnem dulcedinem et saporem, et omne delectamentum suavitatis. Te, in quem desiderant Angeli prospicere, semper esuriat et comedat cor meum, et dulcedine saporis tui repleantur viscera animae meae; te semper sitiat fontem vitae, fontem sapientiae et scientiae, fontem aeterni luminis, torrentem voluptatis, ubertatem domus Dei.

Te semper ambiat, te quaerat, te inveniat, ad te tendat, ad te perveniat, te meditetur, te loquatur, et omnia operetur in laudem et gloriam nominis tui, cum humilitate et discretione, cum dilectione, et delectatione, cum facilitate et affectu, cum perseverantia usque in finem; ut tu sis solus semper spes mea, tota fiducia mea, divitiae meae, delectatio mea, iucunditas mea, gaudium meum, quies et tranquillitas mea, pax mea, suavitas mea, odor meus, dulcedo mea, cibus meus, refectio mea, refugium meum, auxilium meum, sapientia mea, portio mea, possessio mea, thesaurus meus, in quo fixa et firma et immobiliter semper sit radicata mens mea et cor meum. Amen

Bonaventura Wikipedia
Bonaventura: Geboren 1221 in Bagnoregio bei Viterbo; † 15. Juli 1274 in Lyon
Bona Ventura ist die gute Zukunft.

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