Kann Distanz Sünde sein? Gott überwindet die Distanz zur Welt

Wenn ich in der Messe höre, dass Jesus die Sünde überwunden hat, dann ärgere ich mich. Ich frage mich, was wohl damit gemeint ist. Ich höre: „Er hat die Sünde der Welt hinweggenommen.“ Aber was, um Himmels willen, bedeutet das? Was ist weg, wenn er stirbt? Er ist doch selbst weg! Der Heilige Geist ist dafür gekommen.

Inwiefern damit die Sünde weg ist, ist völlig unklar.

Es gibt nach der Tradition zwei Bedeutungen der Sünde.

  • Das eine ist die Sünde der Welt. Dafür sind wir persönlich nicht schuldig geworden.
  • Dann gibt es die persönliche Sünde. Dafür bin ich schuldig geworden. Das kann ich in der Beichte oder im Bußakt am Anfang der Messe wegbekommen, wenn ich bereue.

Wenn es heißt, dass Jesus gestorben ist, um die Welt von der Sünde zu reinigen, sind damit nicht die persönlichen, individuellen Sünden gemeint, sondern die Sünde der Welt.

Das Wort Sünde kommt von Absonderung oder „Sich Absondern“. Wenn ich jetzt noch erklären will, was Sünde der Welt bedeutet, dann kann ich nur sagen: Es ist die Beziehungslosigkeit der Welt zu Gott.

In der Beziehung zu Gott wäre das: Absonderung von Gott, sich distanzieren von Gott, Distanz zu Gott, Gottesferne, von Gott weggehen, Gott ausgrenzen, sich von Gott ausgrenzen, Gott vergessen, Gott ignorieren, Gott nicht kennen wollen und Gott verachten.

Das Gegenteil wäre: Gottes Nähe suchen, Gott nachgehen, Gott begegnen, Gott lieben, mit Gott kooperieren, zu Gott kommen, sich an Gott erinnern, Gott kennen wollen, Gott annehmen, Gott beachten.

Die Sache von Gottes Seite wäre: Gott kommt uns nahe, Gott geht uns nach, Gott begegnet uns, Gott liebt uns, Gott kooperiert mit uns, Gott kommt zu uns, Gott erinnert sich an uns, Gott erkennt uns, Gott nimmt uns an, Gott beachtet uns.

Ich fordere dazu auf, die Texte der Liturgie genauer zu schreiben. Jesus hat nicht die Sünde überwunden, sondern die Distanz zu uns überwunden. Er hat nicht die Sünde weggenommen, sondern die Gottesferne hinweggenommen.

Durch seine Menschwerdung kommt er den Menschen nahe. Durch sein Leben und Sterben offenbart er, wer Gott ist und nimmt die Absonderung der Welt weg.

Ich glaube, dass die Gegenwart Gottes nach seinem Tod bei uns bleibt. Jesus geht zu seinem Vater und schenkt uns den Heiligen Geist, der in dieser Art Gottes Nähe, Gottes Gegenwart und Gottes Liebe darstellt.

Der Heilige Geist erlöst uns von der Gottlosigkeit, überwindet die Distanz und ist uns sehr nahe. Halleluja!

Photo by Vlad Cheu021ban on Pexels.com

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