Julius Raab: Ohne Gebet hätten wir es nicht geschafft

Große Lichterprozession um Frieden und Freiheit über die Wiener Ringstraße
 1954 (Foto: RSK/Archiv)

Werner Krotz schreibt auf seinem Blog über die Gebetsbewegung, die in der Nachkriegszeit zum Staatsvertrag Österreichs mit den Alliierten beigetragen hat:

Seit 1945 war Österreich unter den vier Alliierten, den Engländern, Amerikanern, Franzosen und Russen, aufgeteilt. Der Franziskanerpater Petrus Pavlicek litt unter der tragischen Situation der Bevölkerung. Am 2. Februar 1946, als er am Fest Mariä Lichtmess in Mariazell vor dem Gnadenbild der Muttergottes betete, vernahm er eine innere Stimme, die ihm sagte: „Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben!“ Dieselben Worte hatte Maria zu den Seherkindern in Fatima gesprochen.

Am 2. Februar 1947 gründete er den (seit 1949 so genannten) „Rosenkranz-Sühnekreuzzug für den Frieden der Welt“. Leopold Figl (Bundeskanzler von 1945 bis 1953, danach Außenminister) gehörte seit 1948 zu den Mitbetern, etwas später kam Julius Raab (Bundeskanzler seit 1953) dazu. Im Mai 1955 überstieg die Zahl der Mitglieder bereits eine halbe Million.

Da die Russen die Verhandlungen zur Erlangung der Freiheit Österreichs blockierten, fasste Pater Petrus 1950 den Entschluss, eine Lichterprozession über die Wiener Ringstraße zu organisieren. Der damalige Erzbischof von Wien, Kardinal Theodor Innitzer, war vorerst dagegen. Doch Leopold Figl sagte zu Pater Petrus: „Und wenn wir beide alleine gehen, mein Vaterland ist mir das wert.“ Sie waren nicht allein. Tausende gingen mit ihnen, mit Kerzen in den Händen und den Rosenkranz betend.

Die Prozessionen fanden jährlich am Fest Mariä Namen (um den 12. September) statt. 1953 nahmen 50.000 und 1954 80.000 Menschen daran teil.

Bevor Bundeskanzler Julius Raab im April 1955 zu den Staatsvertragsverhandlungen nach Moskau reiste, bat er Pater Petrus: „Lassen Sie beten wie noch nie.“

Der Staatsvertrag wurde nach der unerwarteten Zustimmung der Russen am 15. Mai 1955 im Schloss Belvedere in Wien unterzeichnet. Nachher sagte Julius Raab: „Wenn nicht so viel gebetet worden wäre, so viele Hände in Österreich sich zum Gebet gefaltet hätten, so hätten wir es wohl nicht geschafft.“

Entgegen allen Erwartungen verließen die sowjetischen Streitkräfte im Oktober 1955 Österreich.

Viele sahen das Geschenk der Freiheit Österreichs als eine Erfüllung ihrer Bitten an die Gottesmutter.

Heute ist der 22. März 2020 und wir leben wieder in einer Zeit der besonderen Herausforderungen, die durch die Epidemie mit dem neuartigen Coronavirus eingetreten sind. Um die Ausbreitung der Epidemie einzudämmen, hat die Bundesregierung Maßnahmen verordnet, die die Durchführung von Lichterprozessionen unmöglich machen. Nicht einmal Gottesdienste in Kirchen sind derzeit möglich.

Umso mehr sind wir aufgerufen, in dieser Zeit und über diese Zeit hinaus besonders intensiv zu beten. Der neueste ATTAC-Newsletter gipfelt in dem Satz: „Unsere Wirtschaft und Gesellschaft werden nach der Coronakrise anders aussehen als vorher.“

Ich bin seit Februar 2019 Mitglied beim Rosenkranz-Sühnekreuzzug. Das regelmäßige Beten des Rosenkranzes und des Barmherzigkeitsrosenkranzes hat mich und mein Leben verändert. Stehen wir füreinander ein im Gebet.

Quelle: Werner Krotz, Leben und leben lassen

Eine Antwort zu “Julius Raab: Ohne Gebet hätten wir es nicht geschafft

  1. Großartig, unser Poidl Figl, Julius Raab und Pater Petrus!!! Als ich noch ein kleiner Bub war, hat mich mein Vater auch öfters zum Sühnekreuzzug auf den Pöstlingberg mitgenommen. Pater Jetschgo hat ihn fast immer geleitet.

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