Der Tod und die Ewigkeit in der Coronakrise

Raupe Kokon Schmetterling

Es gibt jetzt die Nachrichten, dass viele ältere Menschen mit Vorerkrankungen durch das Coronavirus sterben. Sterben und Tod kann Angst machen. Mit dem Sterben und dem Tod kann die Politik sinnvolle, aber auch unsinnige Maßnahmen durchsetzen. Panik ist aber kein guter Ratgeber.

Dazu passen die Texte des Mystikers, Priesters und Poeten Ernesto Cardenal, die ich wieder gelesen habe und mich überraschten, wie einfach er über den Tod und das Sterben spricht.

In seinem Buch von der Liebe spricht er über die Ewigkeit und darüber, dass es „den Tod nicht gibt“. Das kann uns helfen, Panik zu vermeiden und gelassener das Leben zu leben:

Der Tod existiert für uns nicht mehr

Der Tod existiert für uns nicht mehr. Unser Tod ist die Taufe, durch die wir am Tode Christi teilhaben, durch die wir in Christus sterben. Christus starb für uns und an unserer Statt, darum brauchen wir nicht mehr zu sterben. Der leibliche Tod ist nichts anderes als der Anfang des ewigen Lebens, die Bedingung für die Auferstehung. Wer getauft ist, hat den Tod schon überstanden. Der andere „Tod“ ist nicht mehr Tod, sondern das Zusammentreffen mit Christus.

Christus ist der „Erstgeborene unter den Toten“ wie Paulus sagt. Das heißt, Christus war der erste, der von den Toten auferstanden ist, der als erster aus dem Leib des Todes ins neue Leben hineingeboren wurde. Alle anderen folgen ihm später nach wie die weiteren Geschwister, die nach dem Erstgeborenen aus dem Mutterleib hervorgehen.

Für einen Mönch, für einen religiösen Menschen existiert der Tod nicht mehr, sondern ist längst überwunden. Und wer in Gemeinschaft mit Gott lebt, der weiß, dass ihn nichts mehr schrecken kann.

Die Welt macht sich die größten Sorgen um die Flüchtigkeit des Lebens. Wir aber freuen uns gerade, dass es so flüchtig ist und dass die Tage so schnell vergehen. Wir sehen das Leben vorüberfliegen wie einen Schnellzug und freuen uns darüber, wie sich jemand freut, der in einem Zug sitzt und schnell seinem Ziel, einem glücklichen Wiedersehn, entgegenfährt. Die Zeit ist ein Zug mit einem Ziel, die uns zu jemandem bringt.

Und es ist eine Lüge zu behaupten, das Leben sei kurz. Unser Leben ist nicht kurz, sondern ewig. Wir haben nicht den Tod, sondern die Ewigkeit vor uns. Wir wurden nicht geboren, um zu sterben, sondern um zu leben und ewig zu leben. Beklagen wir doch nicht die Flüchtigkeit der Zeit, das Leben hört ja nicht auf, die Zeit hört nur auf (die nur ein beständiges Gleiten der Zukunft in die Vergangenheit ist, ein Fließen dessen, was noch nicht ist in das, was nicht mehr ist), und dann kommt die Ewigkeit, die immer gegenwärtige Gegenwart, ohne Zukunft und Vergangenheit, ohne Ende, das Leben in ewiger Gegenwart. Fürchten wir doch nicht den Tod, wir sterben ja nicht, wir gehen nur in ein vollendeteres, wahreres, lebendigeres Leben über.

Wie eine Raupe, die in ihrem Kokon einschläft und dann, in einen Schmetterling verwandelt, wieder aufwacht.

„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“ sagt Johannes in der Offenbarung. Das Weltall stirbt nicht, es gibt kein „Ende“ der Welt, sondern eine Erneuerung. Wenn es heißt, die Sterne werden vom Himmel „fallen“, so bedeutet das nur, dass es ein neues Weltall geben wird, einen Kosmos mit einer neuen Struktur. Und in dieser neuen Welt wird es auch ein neues Leben geben. Wir gehören zu diesem neuen Weltall, das sich noch im Werden befindet, und dessen erstes Samenkorn der auferstandene Christus ist. („Der Erstgeborene unter den Toten“ und „Die Erstlingsgabe der Auferstehung.“) Dieses Samenkorn wird aufgehen und sich vermehren, bis die neue Welt die alte ersetzt hat. („Das Himmelreich ist wie ein Senfkorn …“) Die Materie wird neu erschaffen, in einer neuen, unvergänglichen Art, mit einer neuen nuklearen und zellularen Struktur, und der Mittelpunkt dieser neuen Welt wird Christus sein, und die ganze Schöpfung wird sich um Ihn drehen wie die Erde und die Planeten sich um die Sonne drehen.

„Die Stadt braucht auch nicht die Sonne noch den Mond, damit sie ihr scheinen, denn die Herrlichkeit Gottes erhellt sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“ (Offenbarung 21,23). Wenn wir uns mit Christus vereinigen, werden wir eins mit der Auferstehung und der Erneuerung des Weltalls und trinken an der wirklichen Quelle des Frühlings.

Die Zikaden, die 17 Jahre als Larven in der Erde eingegraben sind und dann plötzlich eines Frühlings auferstehen und singen, sind ein Symbol für die Auferstehung Christi und der unseren. Jeder neue Frühling ist ein Symbol dieser Auferstehung.

Ernesto Cardenal

Ernesto Cardenal, Ewigkeit. Aus: Das Buch von der Liebe. In: Die Stunde Null. Aus dem Spanischen von Anneliese Schwarzer de Ruiz, Wuppertal, 1979, 2. Auflage. S. 372-374

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