Heiliger Óskar Romero

BM 13221Erzbischof Óscar Romero (1917-1980) wird am Sonntag, 14. Oktober 2018 in Rom heiliggesprochen.

Romero, ein Vertreter der Befreiungstheologie, geriet durch sein Eintreten für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen in Opposition zur damaligen Militärdiktatur in El Salvador. Am 24. März 1980 wurde er während einer Messe am Altar erschossen. Die Hintergründe sind bis heute nicht vollständig geklärt. Franziskus sprach Romero im Mai 2015 in San Salvador selig. Selig werden Christinnen und Christen gesprochen, wenn sie in ihrer Region verehrt werden. (Romero Song)

Am Sonntag, 14. Oktober 2018 werden fünf weitere Selige heiliggesprochen: Papst Paul VI. (1963-1978), die aus dem Westerwald stammende Maria Katharina Kasper (1820-1898), Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, die italienischen Priester Francesco Spinelli (1853-1913) und Vincenzo Romano (1751-1831) sowie die aus Spanien stammende Ordensgründerin Nazaria Ignazia March Mesa (1889-1943), die in Argentinien wirkte.
Mit der Amtszeit von Paul VI. ist vor allem das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) verbunden, bei dem die katholische Kirche ihr Verhältnis zur modernen Welt neu bestimmte.

Romero wurde 1980 von einem Mitglied einer rechtsgerichteten Todesschwadron erschossen, als er gerade eine Messe las. Deshalb gilt der Erzbischof von San Salvador als Märtyrer der Kirche. Er setzte sich für die Belange der Armen ein und brachte damit die reichen Eliten und das Militär in El Salvador gegen sich auf. Romero wird als einer der wichtigsten Heiligen in Lateinamerika verehrt.

Das 1994 begonnene Seligsprechungsverfahren für Romero zog sich lange hin, unter anderem weil aus kirchlicher Sicht zu klären war, ob die Todesumstände von politischen Motiven bestimmt waren oder die Kriterien eines Martyriums erfüllten. Papst Benedikt XVI (2005-2013) unterstützte hingegen die Seligsprechung.

Kardinal Angelo Amato sprach im Auftrag von Papst Franziskus Romero im Mai 2015 in San Salvador selig. Franziskus erkannte ein auf Fürsprache Romeros erfolgtes Wunder an. Das Heilungswunder betraf eine schwangere Frau, die samt ihrem Kind nach Fürbitte an Romero auf medizinisch unerklärliche Weise gerettet wurde.

Die Zeremonie der Heiligsprechung findet während einer Bischofssynode statt, die vom 3. bis 28. Oktober im Vatikan tagt. Die Synode steht unter dem Leitwort „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“.
Viele reisen zu diesem Großereignis von überall an. Etwas Spezielles bieten zwei Institutionen in Österreich an. Das Katholische Bildungswerk der Diözese Eisenstadt und die Katholische Sozialakademie Österreichs laden zu einer Studienreise nach Rom ein, bei der es Hintergrundgespräche mit Sozialexperten (z.B. Martin Maier SJ) und El-Salvador-Kennern geben wird.

Erzbischof Romero sieht im Einsatz der Christinnen und Christen für die Armen eine starke Verbindung mit Christus:  „Es gibt viele Menschen und Christen in El Salvador, die bereit sind, ihr Leben zu geben, damit die Armen Leben haben. Darin folgen sie Christus und machen ihren Glauben an ihn sichtbar. Sie sind eingefügt in die Welt – wie er, sie werden verfolgt und bedroht – wie er, sie geben ihr Leben – wie er, und so geben sie Zeugnis vom `Wort des Lebens`.“ Mit diesen Worten beschreibt Oscar Romero 1980 seinen Zuhörern in seiner Ansprache anlässlich der Verleihung des Ehrendoktortitels der Universität Löwen seine Theologie des Zeugnisgebens.

Die Rolle der Kirche sieht er in der Inkarnation („Fleischwerdung“) in ihre Welt. Sie sieht sich primär nicht als politische Institution. So wie Gottes Wort (der „Logos“) Mensch geworden ist, so wird die Kirche als lebender Christus in der Welt immer neu geboren.
„Die politische Dimension des Glaubens bedeutet nichts anderes als die Antwort der Kirche auf die reale politische Herausforderung der Welt, in der sie existiert. Was wir wiederentdeckt haben, ist, dass diese Herausforderung von primärer Bedeutung für unseren Glauben ist und dass sich die Kirche ihrem Auftrag nicht entziehen kann. Dabei betrachtet sie sich selbst nicht als politische Institution, die mit anderen Institutionen konkurriert oder eigene politische Mechanismen besitzt.
Noch viel weniger sucht sie die politische Führung zu übernehmen. Es geht um etwas viel Tieferes: darum, die Verpflichtung des Evangeliums einzulösen; es geht um eine echte Option für die Armen, um die Inkarnation in ihre Welt, um die Verkündigung der Frohbotschaft und darum, den Armen Hoffnung zu geben, sie zur Freiheit zu ermutigen, ihre Rechte zu verteidigen und ihr Leben (Schicksal) zu teilen.
Diese Option der Kirche für die Armen erklärt die politische Dimension des Glaubens in ihrem Fundament und in ihren Konturen.“

Der Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, hat Papst Franziskus eingeladen, im Jänner 2019 das Grab von Erzbischof Oscar Romero zu besuchen, bevor er zum Weltjugendtag in Panama weiterreist.

„The Project: „Romero“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.