Über das Mittelalter werden Märchen und über die katholische Kirche Fake News erzählt.

 

Das antike und mittelalterliche Weltbild: die Erde als Kugel

Das antike und mittelalterliche Weltbild: die Erde als Kugel

Viele denken bei Mittelalter an die Auffassung, dass die Erde eine Scheibe ist. Historiker aber wissen, dass im Mittelalter den gebildeten Menschen klar war, dass die Erde eine Kugelgestalt hat. Auch die katholische Kirche vertrat in der Spätantike und im Mittelalter nicht die Auffassung, dass die Erde eine Scheibe ist, sondern Kugelgestalt hat.

Trotzdem vertreten heutzutage einige noch immer die Meinung, dass im Mittelalter die gebildeten Menschen und die katholische Kirche die Welt als Scheibe betrachteten. Sogar in Schulbüchern kann man Ähnliches lesen. Ein Blick in die Forschungsergebnisse der Geschichtswissenschaft zeigt, dass die einhellige Meinung der Gebildeten des Mittelalters die Kugelgestalt der Erde war. Wikipedia zählt über 70 Gelehrte auf, die die Kugelgestalt der Erde vertraten.

Die Idee der Kugelgestalt der Erde geht auf Pythagoras zurück, der dies im 6. Jahrhundert vor Christus vertrat. Auch Plato und Aristoteles vertraten diese Lehre im 4. Jahrhundert vor Christus, danach Eratosthenes im 3. Jahrhundert vor Christus, Plinius der Ältere im ersten Jahrhundert nach Christus und Ptolemäus im 2. Jahrhundert nach Christus.

Claudius Ptolemäus, neuzeitliches Idealportrait

Claudius Ptolemäus, neuzeitliches Idealportrait

Die christlichen Gelehrten wie Augustinus und Ambrosius übernahmen diese Auffassung. So verfasste im 5. Jahrhundert nach Christus Martianus Capella eine „Geografia“ und im 7. Jahrhundert Isidor von Sevilla naturkundliche Schriften mit der Erde als Kugel. Die Kugelgestalt lehrten im 8. Jahrhundert Beda Venerabilis, ab dem 11. Jahrhundert die mittelalterlichen Universitäten, im 12. Jahrhundert die Enzyklopädien in der Nachfolge des Honorius Augustodiensis und im 13. Jahrhundert lehrte es der wichtigste Theologe und Kirchenlehrer Thomas von Aquin. Sogar der Reichsapfel, den der Kaiser in der Hand hielt, war ein Zeichen für die Erde als Kugel.

Als Christoph Columbus um 1492 Indien erreichen wollte und in Amerika landete, wurde die Kugelgestalt der Erde schon 1350 Jahre lang nicht mehr in Frage gestellt.

Im 20. Jahrhundert kam die irrtümliche Meinung auf, dass man im Mittelalter an eine Scheibengestalt glaubte und dass das auch die katholische Kirche gelehrt hätte. Mehrere Forscher konnten nachweisen, dass diese Meinung erst sehr spät verbreitet wurde: Jeffrey Burton Russel, Rudolf Simek, Reinhard Krüger.

Einige konnten auch nachweisen, dass dabei die polemische Absicht verfolgt wurde, das Mittelalter als primitiv und die katholische Kirche als wissenschaftsfeindlich darzustellen. Antikirchliche Beweggründe führten zu dem Märchen vom scheibenförmigen Weltbild im Mittelalter. Durch diese und ähnliche Irrtümer wurden die katholischen Menschen des Mittelalters abgewertet und ihre reichen Erfahrungen vergessen.

Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Flache_Erde

http://www.glauben-und-wissen.de/M2.htm

http://turba-delirantium.skyrocket.de/wissenschaft/kugelgestalt_der_erde.htm

In der Geschichtswissenschaft werden ähnliche Kampflügen oder Fake News gegen die Spanier in Lateinamerika als „Legenda Negra“ beschrieben. Nachweislich wirken sie bis heute.

2 Antworten zu “Über das Mittelalter werden Märchen und über die katholische Kirche Fake News erzählt.

  1. meinekatholischebox

    Sehr gut, I love Mittelalter!

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  2. Wertvoller Beitrag. Danke.

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